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Kometen, die namentlich zwischen dem 15. und und 22. April bei guter Witterung hell leuchten werden.

♦ Zum heutigen Viehmarkt waren 1321 Stück Rindvieh angetrieben. Der Handel, besonder» in Fettvieh, war ziemlich lebhaft.

• Ein dem Bundesrath zugegangener Gesetzent­wurf über die Kun st butt er besagt, daß Kunst­butter nur unter ausdrücklicher und auffälliger Bezeichnung al« solche öffentlich feilgeboten und verkauft werden dürfe. Im Deutschen Reiche gibt es jetzt 45 Fabriken von Kunstbutter, die im Ganzen jährlich 15 Mill. Kil. mit einem Werthe von 18 Mill. Mark Herstellen. Gesundheitsschädlich an sich ist die Kunstvutter gerade nicht, aber sie wird meist als Milch butter verkauft und macht dieser und damit der Landwirthschaft und dem Molkereiwesen eine starke Concurrenz.

* Zur Uebermittelung eiliger dienstlicher Nach­richten zwischen der Eisenbahn-Direktion in Frank­furt a. M. und den Dienststellen deren Verwaltungs­bezirks einerseits und dem Abtheilllngsbaumeister für den Bau der Bahnlinie Fulda - Gersfeld zu Eichenzell andererseits ist zwischen der Station Fulda und Eichenzell eine telegraphische Verbin­dung hergestellt worden.

* Den kleinen goldenen Fünfmarkstücken begeg­net man im geschäftlichen Verkehr nur noch selten. Es scheint, als wenn sie von den öffentlichen Kas­sen angehalten würden. In der Thal sind diese kleinen Goldstücke, ebenso wie die silbernen Zwan­zigpfennigstücke recht unbequeme Zahlungsmittel, was an maßgebender Stelle auch erkannt worden zu fein scheint.

* Nach einem Revisionsurtheil des Kammerge­richts zu Berlin dürfen Schankgefäße zur Verabreichung von Wein, Bier rc. in Gast- und Schankwirthschaften nur mit einem Füllstrich ver­sehen sein. In den Entscheidungsgründen hat der Gerichtshof die Ansicht, daß das Anbringen dop- pelter Füllstriche an ein und demselben Schankge­fäße zulässig sei, sofern nur jeder derselben den gesetzlichen Anforderungen entspreche, für unrichtig erklärt.

* Der Justizminister hat unter'm 10. bä. eine neue Gerichtsschreiberordnung in fünf Abschnitten und 30 Paragraphen erlassen. Der erste Abschnitt „Gerichtsschreiber" bestimmt im Paragraph 1, daß zu dem der Prüfung voran­gehenden Vorbereitungsdienste außer den Militär­anwärtern und denjenigen Personen, welchen durch allerhöchsten Erlaß die Anstellunzsberechtigung bei­gelegt ist, nur zugelaffen werden, wer: das 18. Lebensjahr vollendet hat, die für den einjährig Freiwilligendienst erforderliche wiffenschaftliche Be­fähigung, die für den Gerichtsschreiberdienst erfor­derliche körperliche Rüstigkeit hat, sich mindestens drei Jahre aus eigenen Mitteln oder durch Unter­stützung seiner Angehörigen ohne Beihülfe des

Mittag von dem Besuche des Kriegsschauplatzes hier ein und wurde von der ganzen hiesigen Noblesse, sowie dem Theile des hier anwesenden Hofstaates mit größter Freude empfangen. Höchst- derselbe wohnte soeben der Nachmittagsandacht im hohen Dome bei," berichtete Graf Keffelstadt. „Nun sputen Sie sich! Heute Abend ist große Gala bei Hofe, und Sie müffen noch Toilette machen."

Das Musikkorps stimmte den Lieblingsmarsch des Kurfürsten an, und mit rasch m Schritt nä­herte man sich darauf dem kurfürstlichen Palaste. Vor der südlichen Fasade ließ Antonius Fronte machen und salutiren, dann sendete er einen Blick in die Höhe. Seine Ahnung hatte ihn nicht ge­täuscht: Auf dem Balkons stand Clemens Wen- zeslaus und schaute freundlich erstaunt auf sie herab.

Ein schwarzseidener spitzenbesetzter Talar ver­hüllte die hehre Gestalt des Regenten; an schwerer goldener Kette hing das juu-rlenfunkelnde Blschofs- kreuz. Aber mehr als die Kleidung verrieth die Hoheit im Blicke, die Majestät in der Haltung und Bewegung den geborenen Fürsten. Der geist­volle, gebildete polnisch-sächsische Prinz führte das Szepter des Kurfürstenthum« mit solcher Umsicht und Thätigkeit, daß die Verhältniffe seines Landes fich zu außerordentlicher Blüthe gestaltet hatten. Von seinen Unterthanen ward er darum wie ein Vater geliebt und schwärmerisch verehrt. Das be­geisterte „Vivat!" der jungen Krieger erwiderte er durch den huldreichsten Dankesgruß. (Forts, f.)

Staates zu erhalten im Stande ist. Ueber die Zulaffung zum Vorbereitungsdienst entscheidet der Landgerichtspräsident. Den Landgerichtspräsidenten, den Ersten Staatsanwälten und den aufsichtführen­den Amtsrichtern liegt die allgemeine Leitung des Vorbereitungsdienstes ob. Prüfungskommissionen werden nur bei den Oberlandesgerichten und bei dem Landgericht in Hechingen gebildet. Cioilan- wärter, welche innerhalb fünf Jahren seit Beginn des Vorbereitungsdienstes die Prüfung nicht be­stehen, sind in der Regel zu entlaffen.

* Die „Statistische Korrespondenz" veröffentlicht das vorläufige Ecgebniß der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 für den preußischen Staat, dessen Provinzen, Regierungsbezirke und Kreise. Danach belief sich am 1. Dezember 1885 die ortsanwesende Bevölkerung im Königreich Preußen auf 28,314,032 Personen gegen 27,279,111 am 1. Dezember 1880, Zunahme 1,034,921 — 4- 3,79 Proz.; in der Provinz H ssen-Nassau stellt sich das Verhältniß wie folgt: 1885: 1,592,162 zu 1,554,376 im Jahre 1880, sonach Zunahme von 37,786 — 4- 2,43 Pcoz.; in dem Regie­rungsbezirk Cassel (1885): 827,052 gegen 822,951 (1880), Zunahme: 4,101 — 4- 0,50 Pcoz., im Regierungsbezirk Wiesbaden (1885): 765,110 zu 731,425, Zunahme 33,685 = 4- 4,61 Pro;. In den einzelnen Kreisen des Regierungsbezirks Cassel besteht folgendes Zahlenverhältniß:

Orts-

Zunahme (+)

anwesende

Abnahme (—)

am 1. Dezbr.

von 1880—1885

1885

1880

überhaupt

Prozent

Reg.-Bez. Cassel.

1. Cassel (Stadt)

64088

58290

+ 5798

+ 9,95

2. Castel (Land)

47142

43937

+ 3205

+ 7,29

3. Eschwege

42440

43107

— 667

— 1,55

4. Fritzlar

26302

26284

+ 18

+ 0,07

5. Hofgeismar

36716

37230

- 514

— 1,38

6. Homberg

21899

22160

- 711

— 3,18

7. Melsungen

27752

28804

— 1052

— 3,65

8. Rotenburg

30312

30848

— 536

— 1,74

9. Witzmhausen

29335

30883

— 1548

— 5,01

10. Wolfhagen

23969

24412

— 443

— 1,81

11. Marburg

43420

42158

+ 1262

+ 2,99

12. Frankenberg

23742

24121

— 379

— 1,57

13. Kirchhain

22492

23180

- 688

— 2,97

14. Ziegenhain

33101

33422

— 321

— 0,96

15. Fulda

43202

47901

+ 301

+ 0,63

16. Hersfeld

32450

33469

- 1019

— 3,04

17. Hünfeld

24125

24646

— 521

- 2,11

18. Hanau

87184

82385

+ 4799

+ 5,83

19. Gelnhausen

41046

42354

— 1308

— 3,09

20. Schlüchtern

28990

29871

- 881

— 2,95

21. Schmalkalden

31108

31082

+ 26

+ 0,08

22. Rinteln

39946

39554

+ 392

+ 1,99

23. Gersfeld

21291

22403

— 1112

— 4,96

Die verhältnißmäßig größte Zunahme an Be­völkerung im Regierungsbezirk Cassel in den letzten fünf Jahren hat der Stadtkreis Cassel erfahren. Ihm folgen die Kreise: Cassel (Land), Hanau, Marburg, Rinteln, Fulda, Schmalkalden, Fritzlar; alle übrigen Kreise des Regierungsbezirkes Cassel haben eine Abnahme der Bevölkerung erlitten, am meisten die Kreise Witzenhausen, Gersfeld, Mel­sungen, Homberg, Gelnhausen, Hersfeld.

(Personal-Chronik.; Der Regierungs-Assessor Bindewald ist der König!. Regierung in Wiesbaden zur dienstlichen Verwendung überwiesen. — Ernannt: der Staatsanwalt Dr. Magnus in Kiel zum Landrichter bei dem Landgericht in Cassel, der Gerichtsaffeffor Fürstenau zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht in Winsen an der Luhe, der Referendar Holzapfel zum Gerichtsaffeffor. — Verliehen: dem Gerichtskassen-Rendanten Titschack in Cassel an Stelle seines bisherigen Charakters als Kanzlei­rath derjenige als Rechnungsrath.

+ Kirchhain, 24. Febr. Heute Mittag 1 Uhr starb Herr Pfarrer Walther zu Anzefahr nach kurzein Krankenlager an der Lungenentzündung. R. i. p.

* Hanau, 23. Febr. Leider mehren sich, ge­wiß auch zum Aerger aller braven Dienstmädchen, die von Dienstboten verübten Schwindeleien. So verlangte und erhielt ein Mädchen, wie der ,H. A.' mittheilt, in einein hiesigen größeren Schuhwaaren- geschäft für ihre Herrschaft vor einiger Zeit Schuh­waaren. Als nun vergangene Woche die Herrschaft von der Lieferung in Kenntniß gesetzt wurde, mußte der Geschäftsinhaber leider die Erfahrung machen, daß er beschwindelt war und daß sich das Mädchen schon geraume Zeit nicht mehr bei der betr. Herrschaft befand. — Also vorsichtig beim Verabfolgen von Maaren an Dienstmädchen, von deren Ehrlichkeit man nicht genügend überzeugt ist. — Heute vor 100 Jahren erblickte Wilhelm Grimm in Hanau das Licht der Welt. Gleichwie es sich unsere Vaterstadt nicht hat nehmen lassen, die Säcularfeier de» älteren Bruders Jacob im vorigen Jahre (4. Januar 1884) besonders fest­

lich zu begehen, so war auch heute eine würdige und erhebende Feier dem Andenken des jüngeren Bruders gewidmet. In dem Festact in der Jo­hanniskirche entrollte Herr Pfarrer Dr. Heuser ein umfassendes Bild des Lebens und Wirkens der Gebrüder Grimm, außerdem gab der Oratorien- Verein der Feier durch den Vortrag der programm­mäßig angefttzten Chöre eine erhöhte Weihe. Nach Beendigung derselben setzte sich der stattliche Fest­zug durch dis reichgeschmückten Straßen nach dem Geburtshaus unserer großen Landsmänner in Be­wegung. Wir bemerkten in dem Zug u. A. unseren Landrath den Grafen Wilhelm Bismarck, Herr» Landgerichtspräsidenten Lang und Herrn Ober­bürgermeister Rauch. Daselbst angekommen, ge­dachte der Herr Oberbürgermeister der Verdienste Wilhelm und Jacob Grimm's. Zur Anerkennung schmückte er die Reliefs der Brüder mit einem Lorbeerkcanz und schloß mit einem Hoch auf unser» Kaiser, in dessen Reich dieselben erst ein ruhiges, wissenschaftliches Wirken gefunden haben. Wie die ,H. Ztg.' hört, wurde der historische Festact vor dem Geburtshause der Gebr. Grimm heute durch Herrn Hofphrtograph Hommel in verschiedenen, vorzüglich gelungenen Aufnahinen verewigt.

* Meiningen, 22. Febr. Hier hat sich ein Ausschuß gebildet, welcher da» Biertrinkende Pub­likum zur Agitation gegen die zu hohen Bierpreise auffordert; man will nicht mehr wie bisher 12, sondern nur 10 Pfg. pro 1/s Liter zahlen und hofft bestimmt auf Entgegenkommen der Brauer.

Düren, 22. Febr. Wie ungesund unser Submissionswesen ist, hat sich dieser Tage bei der Vergebung der Viktualien für die beiden hiesigen Provinzial-Jnstitute ergeben. Das Min­destgebot für das Kilo Graubrod betrug 18 Pfg., für Schwarzbrot» 13 Pfg., während die Bäcker im Laden ersteres zu 34, letzteres zu 18 Pfg. ver­kaufen. Du selbe Qualität Rint fleisch wurde in einer Anstalt zu M. 1,04, in der anderen zu 96 Pfg. offerirt, wogegen die Herren Metzger das Kilo zu M, 1,40 verkauf », Entweder verdiene» unsere Bäcker und Metzger bei der Privatkundschaft Summen, die in keinem Verhältnisse zur Leistung stehen, oder sie submittiren unter Voraussetzungen, die wir nicht näher erläutern wollen.

Vermischtes.

* Ein allerliebstes Anekdötchen, das auch noch den Vor­zug hat, buchstäblich wahr zu sein, macht gegenwärtig in Dessau die Runde. Ein ehrsamer Handwerksmeister, für den die edle Schreibkunst ein Buch mit sieben Siegeln ist, hat sich einen Kautschuckstempel mit seinem Namen an­fertigen lasten, der Vollständigkeit halber auch einen zwei­ten Stempel mit dem Signum „Betrag erhalten". In bester Harmonie vertrugen sich denn auch diese beiden Stempel auf den quittirten Rechnungen. Vor einigen Tagen nun, als das Condolenzbuch in dem herzoglichen Schlosse ausgelegt war, fühlte auch unser Meister das Bedürfniß, sein Beileid auszudrücken. Mit ihm treten auch noch andere Herrschaften ein, um das Gleiche zu thun. Unser Meister ergreift zitternd die spröde Feder und ver­sucht kunstgerecht seinen Namen in das Buch zu „facsimi- liren". Indessen, es geht nicht, die Augen der ungeduldig Wartenden bohren sich in sein Innerstes. Aber da naht dem Meister ein rettender Gedanke: rasch greift er in die Tasche, drückt stugs seinen Stempel in das Buch und ver­läßt erhobenen Hauptes das Zimmer. Aber kaum hat er die Schwelle überschritten, da wird er zurückgerufen. O unglückseliger Jrrthum! — er hat sich in seinem Stempel vergriffen, da steht klar und deutlich unter all' den Namen kleiner, großer und sehr großer Herrschaften: „Betrag er­halten". Zwei herzogliche Lakaien sollen sich eine Stunde lang mit dem Ausradiren der unverlöschlichen Stempel­farbe geplagt haben.

(Bekanntschaft.) Seppel (aus dem Nachbardorf): „Grüß Gott, Herr Wirth, wie geht's? Kenn's mi nim­mer?" — Kranzelwirth: „Daß i nit wüßt'I" — Seppel: „Nu denken S' doch a bissel nach, vorige Woch' da haben S' mi ja 'nausschmeißen lassen!"

(Anzüglich.) Der Maitre de plaisir auf der Gebirgs­partie : „So, meine Damen, jetzt wird der Weg schmal. Nun heißt es im Gänsemarsch .... bitte tausendmal um Vergebung, meine Damm!"

Neueste poft.

• Berlin, 24. Febr. Im Herrenhause wird morgen die Kommission für die kirchenpolitische Vorlage gewählt werden, und verlautet jetzt, daß die Kommission ihre Arbeiten sehr beschleunigen und in wenigen Tagen zu Ende führen werde. Die Berathung im Plenum soll sehr bald statt­finden.

— Die Kommission des Reichstags für da» Sozialistengesetz hat sich konstituirt. Vor­sitzender ist Graf Hompesch (Centrum) Stell­vertreter v. Köller, Schriftführer Fritzen und Grohe. (Fr. Ztg.)