1886.
Fuldaer
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Deutsches Reich.
Berlin, 24. Februar.
** Das Herrenhaus hielt heute seine drittle Sitzung ab, welcher der Hochw. Herr Bischof Dr. Kopp von Fulda beiwohnte. Derselbe nahm in der ersten Reihe zwischen dem Grafen v. Moltke und dem Fürsten Radziwill seinen Platz ein. Der Antrag Dernburg u. Gen. betr. die Unterstützung der Regierung in der Polenfrage kommt am Sonnabend zur Berathung. Die kirchenpolitische Vorlage wurde an eine besondere Commission verwiesen. Der Gesetzentwurf betr. die Kirchenver- sasiung der evangelischen Kirche im Casseler Con- sistorialbezirk wurde angenommen. Von dem Rechenschaftsbericht über das Anleihe - Consoli- dationsgesetz wurde Kenntniß genommen. Freiherr v. Mirbach bedauerte hierbei die antibimetallistische Erklärung des Finanzministers v. Scholz im Abgeordnetenhause. Bankprästdent von Dechen erklärte sich gegen die Mirbach'sche Auffassung. Der Bericht über die Verwaltung der Berg- und Hüttenwerke wurde zur Kenntniß genommen. Die Landgüterordnung von Schleswig-Holstein wurde nach den Commissionsanträgen angenommen. Morgen: Provinzialordnung für Westfalen.
*♦ Das Abgeordnetenhaus, dem als fünfte Polenvorlage ein Gesetzentwurf betreffeno die Errichtung und Unterhaltung von Fortbildungsschulen in den Provinzen Westpreußen und Posen zugegangen ist, trat in die erste Berathung des Gesetzentwurfs betreffend die Anstellung und das Dienstverhältniß der Lehrer und Lehrerinnen an den Volksschulen in Posen und Westpreußen und dem Regierungsbezirk Oppeln ein. Rach dem Entwürfe soll die Anstellung der Lehrer und Lehrerinnen in jenen Landesiheilen dem Staate zustehen. Abg. Dr. Porsch (Centrum) begann als erster Redner mit der Bemerkung, daß in der Thronrede nur von antipolnffchen Maßregeln in einigen östlichen Bezirken die Rede gewesen sei, der Antrag Achenbach sei schon weiter gegangen, indem er im Allgemeinen von Maßnahmen an der Ostgrenze sprach, und hier liege nun ein Entwurf vor, der sich nicht etwa blos auf rein polnische oder gemischte, sondern auf rein deutsche Kreise, wie z. B. Neisse und Groltkau, erstrecke. Und auch in dem rein polnischen Theile Oberschlesiens
= Die letzte Gräfin von Maudrrschkid. 2
Roman von Antonie Haupt.
Im imposanten Bilde erhebt sich jenseits des farbenglttzernden Wasserspiegels AugustaTrevirorum die Hauptstadt des Eczstiftes, mit ihren Dächern und Thürmen, überragt vom kurfürstlichen Palaste und dem alten Dome, dessen majestätische Formen in der Abendsonne erglänzen. Links neben der ehrwürdigen, uralten Reichsabtei St. Maximin liegt die St. Paulinuskirche mit den Gebeinen unzähliger Märtyrer in ihrem Schooße. Einen imposanten Anblick gewähren die gewaltigen, allersschwarzen Steinmassen der St. Simeonskirche (porta nigra). Die Thurmspitze der St. Gan- golphuskrrche reicht scheinbar bis zum Hügel hinan, welcher der Sage nach das Grab TrebetaS eines Stiefsohnes des Semiramis, der die Stadt Trier erbaut haben soll, umschließt, während rechts von fern her die St. Mathiaskirche herüberleuchtet. In den weiten Rahmen begrenzen die Ausläufer des Hochwaldes mit Dörfern, Fluren und Wäldern das prächtige Bckd. Auch seine vöhen erstrahlen int Abendroth, und die wech- selnde Beleuchtung überfluthet die gane Landschaft mit einem unsagbaren, immer neuen Reiz.
könne von einer national-polnischen Agitation auch nicht die Spur nachgewiesen werden. Wenn hier und da ein Stillstand in dem friedlichen Processe der Germanisation, der , seit Jahrzehnten zu be- merken ist, eintrat, so ist die Schuld daran die Haltung der Regierung in der Sprachenfrage. Diese ist in Oberschlesien nicht eine nationale, sondern eine rein pädagogische Frage. Indem Redner weiter die Verfassungsmäßigkeit der Vorlage prüfte, fragte er die Regierung, wie sie sich zu dem Umstande stelle, daß besonders auf dem Lande sehr häufig die Lehrerstellen mit den Küster- oder Organistenstellen verbunden seien und ihr Einkommen hieraus beziehen. Will sie bei Besetzung der Schulstellen auch diese rein kirchlichen Aemter besetzten? Redner erklärte, daß das Centrum Alles aufbieten werde, wenigstens den Regierungsbezirk Oppeln vor dem Gesetze zu bewahren, und schloß: „Mit Gewalt können Sie die polnische Zunge stumm machen, die Herzen aber gewinnen Sie nicht." Abg. Dr. Bitter (freikons.) trat für die Vorlage ein, die er auch für Oberschlesien für nothwendig hält. Von dem Gesetz würden Katholiken und Protestanten gleichmäßig betroffen. Die deutsche Sprache sei systematisch vernachlässigt worden, man müsse für ihre Ausbreitung sorgen, damit man der polnischen Bevölkerung zu Herzen sprechen könne. Abg. Dr. Virchow bekämpfte die Vorlage, die einen Rückschritt auf dem Gebiete der Schule an- bahne. Richt der Polonismus, sondern der Pan- slavismus sei zu furchten, woraus sich auch das Mißtrauen der liberalen Partei gegen Rußland erkläre. Die Bewegung zu Gunsten der Polen, die feiner Zeit bestand, sei aus dem Gefühl der Menschlichkeit entsprungen. Ihr verdanken wir vielleicht auch unsere heutigen verfassungsmäßigen Zustände. Kultusminister v. Goßler gab eine Darstellung der Entwickelung der Schulverhältnisse in den in Rede stehenden Landesiheilen. Die Lehrer feien wider Willen zu Werkzeugen des Polo- nismus gemacht worden, man müsse sie aus diesem Zustande befreien, die Assimilirung lasse sich nur auf dem Wege der einheitlichen Sprache erreichen. Diese Aufgabe verfolge die Vorlage, die keinen Rückschritt auf dem Gebiete der Schule bedeute. Abg. Dr. Gneist (nl.) befürwortete die Vorlage, speziell die Aufhebung des Artikel 33 des Allgem. Landrechts, dagegen wünscht er den Städten
„Sollte man nicht glauben, die Erde sei ein Paradies des Friedens und des Glückes, dessen harmonische Schönheit nie zerstört werden könne durch ©eenen wüster Leidenschaft und roher Ge- waltthat!" rief Graf Antonius nach einem tiefen
! Athemzug.
i „Fast sollte man so denken," entgegnete der j junge Doktor leise, „allein der holde Friede ! dieses Bildes ist nur süße Täuschung; die blühenden Lande liegen vor der Sense des Feindes, welcher sie abmähen wird, wenn wir nicht wehren."
Hohe Begeisterung strahlte aus dem Antlitz des ■ Grafen.
„O, mein Freund," rief er schwärmerisch, „das i Ansehen des Erzstiftes gilt mir heilig. Mein höchstes Glück wäre es, wenn ich dazu berufen würde, die gesunkene Macht in alter Glorie wieder herzustellen. Richt umsonst habe ich die Ge- i schichte der Völker kennen gelernt. „Ich habe es ’ erfahren was kühne That zur rechten Stunde vermag."
„Das find Worte, die einem deutschen Herzen wohlthun," befeuerte sein Freund mit Wärme. Wollte Gott, daß unser gütiger Kurfürst viele solcher Kämpen unter seinem Banner sähe, wie Sie, mein gnädigster Herr."
ihre Rechte zu erhalten. Abg. v. Gerl ach (kons.) sprach sich entschieden dagegen aus, daß den Städten und Gutsbesitzern ihr Ernennungsrecht zertrümmert werde. Damit germanisire man nicht, man polo- nisire. Abg. Graf v. Schwerin-Pitzar vertrat den Standpunkt der Vorlage speziell auch in Bezug auf die Städte. Hierauf wurde die Weiterberathung auf morgen vertagt.
•* Der Reichstag war heute nur kurze Zeit versammelt. Vor Eintritt in die Tagesordnung (Anträge, betreff. Verlängerung bezw. Verkürzung der Legislaturperioden des Reichstags) beantragt Abg. Ballestrem (Centr.) Vertagung. Bei der Abstimmung ergab sich Beschlußunsähigkeit; es waren nur 147 Mitglieder anwesend. — Morgen: Nordostsee-Kanal, Viehseuchengesetz.
• Die Commission des Abgeordnetenhauses zur Vorberathung des Antrages des Abg. Kropätsch eck auf Annahme eines Gesetzentwurfs betr. bie Gleichstellung der Lehrer an den nicht staatlichen höhern Lehranstalten, mit denen an Anstalten staatlichen Patronats besteht aus folgenden Abgeordneten: Dr. Kropatscheck, v. Haugwitz, Döhring, Dr. v. Koseritz, Simon v. Zastrow (Stellvertreter des Vorsitzenden), Graf Pfeil von Oertzen, Dr. plril. Arendt, Muhl (Schriftführer), v. Scheu- ck-ndorf (Vorsitzender), Zimmermann, Seyffardt (Magdeburg), Jmwalle, Hauptmann Dr. Peters, Theissing, Wenders, Janfen (Grottkau (Schriftführer)), Friedländer (Schriftführer), Dr. Langer- Haus, Uhtendorf.
• Die Reichstags-Kommifsion zur Vorberathung der Novelle zum Viehs euch en-Gesetz ist, da sowohl die Regierungsvorlage als auch alle dazu gestellten Anträge abgelehnt wurden, nur zu einem negativen Ergebniß gelangt. Nach dem so eben ausgegebenen, vom Abg. Trimborn erstatteten Bericht beantragt die Kommission im Plenum folgende Resolution:
„Der Reichstag wolle den Herrn Reichskanzler ersuchen, nach § 4 des Reichsgesetzes, betreffend Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom 23. Juni 1880, dafür sorgen zu wollen, daß die Vorkehrungen zur Verhinderung des Schmuggels, sowie die Vorsichtsmaßregeln bei der Vieh- Einfuhr vom Auslande in ein richtiges Verhältniß gebracht werden zu den auf Verminderung von Viehseuchen gerichteten wahlberechtigten strengen gesetzlichen Bestimmungen im Inland-; seiner daß der periodischen Desinfi- zirung der Gasthossställe und Ställe der Viehhändler von
„Wenn Sie, mein hochzuverehrender Herr Doktor, den „„gnädigen Herrn"" nicht weglassen können, so sehe ich mich genöthigt, Dich, meinen alten Jugendgespielen und Waffenkameraden, hin- füro mit der größten Förmlichkeit anzureden," sagte Antonius plötzlich in verändertem Ton. „Seit unserem Besuche auf Waldeck will Dir das Unterthanenverhältniß nicht mehr aus dem Kopfe. Die Hand darauf, Joseph, daß ich den „„gnädigen Herr"" nicht mehr zu hören bekomme."
„Ist das Hofetiquette?" fragte Doktor Sam« Berti lachend, indem er in die bargebotene Rechte einschlug. „Diese Sünde gegen bas Hof-Gesetz komme über Dein Haupt!"
„Ich werbe sie zu verantworten wissen", lächelte Antonius. „Ob Serenissimus um diese Stunde schon von der Besichtigung der Pellinger Schanzen und des Lagers bei Merzig zurückgekehrt ist? Ich freue mich wie ein Kind auf die Ueberraschung, welche dem Kurfürsten durch meine freiwillig an« geworbenen Leute bereitet wird."
„Seine Excellenz, der Herr Ober-Hofmarschal wird hoffentlich nicht geplaudert haben," meinte Joseph bedenklich.
„Sei unbesorgt, auf die Verschwiegenheit meines Vaters kann ich mich verlassen," erwiderte der Graf heiter. „Aber nun hält es mich nicht länger