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bem südlichen Theile des preußischen Rhöngebietes zu Gute kommen, dem nördlichen Theile dagegen nennens- werthe Vortheile nicht bieten, da hohe, für Lastfuhrwerke kaum passirbare Höherücken die Entwickelung eines regen Wechselverkehrs zwischen beiden Gebieten unmöglich machen. Andererseits liegen die wirthschaftlichen Verhält­nisse auch in diesem Theile der Rhön derart darnieder, daß baldige Abhilfe dringend geboten erscheint. Zu diesem Zwecke ist nunmehr die Herstellung einer Meliorations­bahn von Fulda durch das Biberthal über Hilders nach Tann in Aussicht genommen. Bei der Wahl des Anschlusses an die Hauptbahn mußte in Uebereinstimmung mit den Anträgen der Pro­vinzialbehörden der Station Fulda vor der sonst noch in Frage gekommenen Station Hün­feld der Vorzug gegeben werden, da die Ver- kehrsbeziehungen der Rhön vorwiegend nach Fulda gerichtet sind.

Von der im Ganzen etwa 36,5 km. langen Bahn ent­fallen ungefähr 15 km. auf den Kreis Fulda (614 qkm., 48,000 Einwohner) und der Rest mit ungefähr 21,5 km. auf den Kreis Gersfeld (358 qkm., 22,000 Einwohner). Das engere Verkehrsgebiet der Bahn umfaßt etwa 271 qkm. mit, abgesehen von den 11,500 Einwoh­nern der Stadt Fulda, rund 15,000 Einwohnern.

Von der zunächst auf eine gereifte Strecke mitzubenutzen- Hauptbahn Fulda-Bebra aus führt die projektirte Linie in östlicher Richtung durch das Biberthal, durchbricht die Höhen der sog. kuppenreichen Rhön und erreicht bei Hilders (1040 Einwohner), dem Sitze des zweiten Amtsgerichts des Kreises Gersfeld, das Ulsterthal, welches sie in nörd­licher Richtung bis Tann (1200 Einwohner, Leinen,- Wollen-, Baumwollen- und Plüschwaaren-Fabrikation) durchzieht.'

Auch in den durch die Linie Fulda-Tann zu erschließen­den Theilen der Rhöu bildet die Viehzucht den wesent­lichsten Erwerbszweig der Einwohner. Beträchtliche Mengen besonders von Rindvieh und Schafen werden bereits aus jener Gegend abgesetzt. Die umfangreichen und gut be­standenen Waldungen, welche sich znm Theil in fiska­lischem Besitz befinden, bedürfen zu einer rationellen Aus­nutzung dringend eines billigen Absatzweges' Während zur Zeit an manchen Punkten das Holz geradezu werlhlos ist, wird nach Herstellung eines billigen und leistungsfähigen Transportweges die Ausfuhr bedeutender Mengen Rutz- und Brennholz möglich sein. Die durch die vorhandenen Wasserkräfte begünstigte Anlage von Sägemühlen und Cellulosefabr ken wird eine bessere Ausnutzung der Forsten herbeiführen. Die Ausfuhr von Basalt, dessen Gewinn­ung und Bearbeitung bei den billigen Arbeitskräften der Rhön nur geringe Kosten verursachen, wird den Bewoh­nern eine neue Einnahmequelle erschließen. Eine gewinn­bringende Verwerthung der in der Rhön vorhandenen Bodenschätze (Kalk, Braunkohlen Tuffstein, Thon) und lohnende Ausnutzung der Hochmoore steht für den Fall des Ausbaues der neuen Linie bald zu erwarten.

Vornehmlich für das verhältnißmäßig fruchtbare Ulster­thal, welches durch die Bergzüge der hohen und der kuppenreichen Rhön gegen Osten, Süden und Westen zur Zeit vom Verkehr ganz abgeschnitten ist, wird die Ein­führung einer Bahn von großem Vortheil sein. Insbeson­dere stehen auch für die von der Linie nicht direkt berühr­ten Ortschaften, unter denen im Norden die Sachsen- Weimarische Stadt Geisa (1600 Einwohner, Korkfabrik mit 200 Arbeitern) und im Süden der preußische Ort Wüstensachsen (1100 Einwohner) hervorzuheben sind, erhebiiche Verkehrserleichterungen in Aussicht, da die meisten dieser Drte nach den bei Hilders und Tann projektirten Bahnhöfen gute Csausseeverbindung besitzen.

Als Einfuhrgüter werden der neuen Bahn vor­nehmlich Getreide, Hopfen, Malz, Mehl, Steinkohlen, Eisen, Kolonial- und Manufakturwaaren znfließen, während die Ausfuhr sich hauptsächlich auf die Erzeugnisse der Vieh­zucht, Wiesen- une Waldcultur erstrecken wird.

Abzüglich der auf etwa 300,000 M. zu veranschlagenden zu veranschlagenden Grunderwerbskosten, welche die Interessenten zu tragen haben, beläuft sich aus das staat­licherseits aufzuwendende B a u t a p i t a l auf 3,250,000 M. — rund 89,000 Mk. pro Kilometer.

♦ Gersfeld, 23. Febr. Der auf Grund der neuen Kreisordnung gewählte Kreistag ist Seitens des Ausführungs-Commissars, Hcn. Land­rath Krekeler behufs Wahl der Mitglieder des Kreisausschusses auf den 10. März d. I. Vorm. 11 Uhr in das Dienstgebäude des Königlichen Landrathsamts Hierselbst eingeladen. — Das dies- jährige Musterung»- und Klassifikationsgeschäft für den Kreis Gersfeld findet am 5. Mai in Hilders, am 6., 7. und 8. Mai in Gersfeld statt. — Sicherem Vernehmen nach ist der Kgl. Rent­meister Herr Wiedemann hier vom 1. April ab an die Kgl. Steuerkasie zu Reichensachsen bei Eschwege versetzt. — In der an, 14. Februar dahier im Deutschen Haus abgehaltenen Sitzung

des landwirthschaftlichen Vereins Gersfelv verlas der Vorsitzende zuerst das Protokoll der vorigen Sitzung und nahm alsdann die Prüfung der Rechnung pro 1885 vor. Die einzelnen Posten der Einnahmen und Ausgaben wurden vorgelesen und dem Caffirer hierauf Decharge ertheilt. Sodann wurde von der zahlreichen Versammlung die defi­nitive Ermittelung des Ernteertrags pro 1885 besprochen und festgestellt. Anwesenden Mitgliedern wurde alsdann eine von» Verein angeschaffte Quetschmaschine gezeigt, und steht dieselbe dahier in der Scheune des Gastwirthes Seifert zur Ansicht und Probe eines jeden Mitgliedes und zwar bis zur nächsten Sitzung am 14. März, wo dieselbe alsdann meistbietend verkauft werden soll. Zum Schluß wurde der Versammlung eine Quantität Butter und Käse aus der Molkerei Fulda vorgezeigt und sowohl Butter als Käse von ein­zelnen Mitgliedern verkostet. Alle sprachen fich sehr lobend über diese Probe aus. (G. K.)

* Cassel, 22. Februar. Schon wieder hat die Fulda ein Opfer gefordert. Ein junges blühendes Mädchen im Alter von 19 Jahren vergnügte sich gestern Nachmittag mit Schlittschuhlaufen dortselbst, entfernte sich dabei von der Bahn und war plötzlich in einer offenen Stelle des Eises verschwunden. Ein Versuch, ste zu retten, ist Der ,C. A. Z.' zufolge mißlungen. — Eine wirklich schöne Feier war es, mit der gestern der hiestge kath. Gesellen-Verein sein erstes Stiftungs­fest beging und zu der die katholischen Vereine „Castno" und „Lesegesellschaft" Einladungen er­halten hatten. In einer warm empfundenen An­sprache verbreitete sich der Vorsitzende Herr Dechant | Müller über Zweck und Ziele der Gesellen-Vereine überhaupt und über die günstigen Erfolge, die der hiesige nunmehr ein Jahr bestehende und über 100 Mitglieder zählende Verein bereits aufzu- weisen habe. Hierauf wurde in unter Leitung das Herrn Lehrer Kriegsmann trefflich gesungenen Chören und verbindenden Deklamationen das Leben und Treiben der jungen Gesellen geschildert, die hinausziehen in die Fremde und in den Gesellen­vereinen freundliche Aufnahme und ein neues ge­sittetes Heim finden. Des Weiteren folgten thea­tralische, gesangliche und musikalische Aufführungen ernster und heiterer Natur, die sämmtlich gleichfalls außerordentlich gefielen und die Erschienenen noch lange beisammen hielten.

• Die Herzogin Wilhelm von Sachsen-Wei- mar, geborene Prinzessin von Isenburg und Bü­dingen-Wächtersbach, bekanntlich Enkelin des letzten Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen, ist von einem Prinzen glücklich entbunden worden.

• Die dem Kloster Kreuzberg genehmigte Kirchenkollekle zur Erbauung einer neuen Orgel wurde erst für das Jahr 1888 bewilligt.

• Frankfurt a. M., 23. Februar. „Wer zahlt's?" fragt die ,Kl. Presse' nämlich dem hiesigen,Intelligenz-Blatt^ die Gebühr für die als bezahltes Inserat im Wortlaut mitgetheilten Polenreden Bismarcks. „Da der Herr v. Puttkamer im Abgeordnetenhause erklärt hat, die Verbreitung der Bismarck'schen Reden durch die Presse koste keinen Deut aus öffentlichen Mitteln, so darf man wohl fragen: Wer war der Auftrag­geber des Inserats im .Jntelligenz-Blatt' und wer bezahlt die Jnserationskosten? So groß der Wohl- thätigkeitssinn Frankfurts ist, daß er sich auch auf Minister erstreckt, können wir nicht recht glauben."

• In Frankfurt a. M. soll, um den Tele­phonbesitzern eine Annehmlichkeit zu gewähren, wäh­rend der Nacht eine Verbindung mit der Central­station der Feuerwehr hergestellt werden, so daß der Telephonbesitzer vorkommenden Falles die Sta- ' tion direkt anrufen kann. — Anknüpfend an eine | Mittheilung aus Trier, betreff, theatralische

Rücksichtslosigkeiten gegen Katholiken, wird der .Köln. Vztg.' von einem Augenzeugen mitge- theilt: „Am 18. d. wurde zu Frankfurt a. M. bei der Aufführung des Rattenfänger von Hameln (dritter Akt, erste Scene) der vom Dichter als sinnlich lüderlicher Charakter gezeichnete Kanonikus Rhynberg von dem Darsteller in Franziskanerkutte und während dem Vortrage des wüsten Duetts mit dem gleichgesinnten Ethelerus mit echten Trun« kenboldS'Bew.'gungen aufg-führt und vom Publi­kum mit lebhaftesten Beifallsbezeugungen belohnt."

Vermischtes.

* Speyer, 22. Febr. Bei Waldsee (Pfalz) kam am Samstag eine Schafheerde von ca. 400Stück in Folge mangelhafter Beaufsichtigung seitens des Hirten auf einem nur schwach zugefrorenen Weiher. Das Eis brach in Folge der Belastung und nur ein kleiner Theil der Thiere, kaum 80 Stück, konnten gerettet werden, während die übrigen erkranken. Der Schaden welcher sich auf über 7000 M. beläuft, betrifft die Viehhändler Ellwanger und Eons, in Baden.

* Ein mysteriöser Vorgang hat sich vorige Woche in Jena zugetragen. Einer dortigen jungen Dame war int vorigen Herbst ein Zopf abgeschnitten worden und bald darauf wurde ihr anonym verkündigt, daß das Attentat leider nur zum Theile gelungen sei, da man nach „ihrem Blute dürste". Alle polizeilichen Recherchen nach dem Briefschreiber blieben erfolglos, als sich plötzlich an einem Abende in voriger Woche in dem Korridor ihres eigenen Hauses ein Individuum auf die junge Dame stürzte, sie würgte und ihr mit einem Schlagring eine zum Glück nicht gefährliche Wunde beibrachte. Auf ihr Hilfegeschrei entfloh der Uebelthäter und konnte auch nicht ergriffen werden. Am nächsten Morgen kam abermals ein anonymer Brief an, daß das dritte Attentat sicher glücken werde. Die Dam- ist nach ihrer Heilung sofort in Sicherheit ge­bracht worden, die eingeleitete Untersuchung hat aber irgend welche Aufklärung nicht zu Tage gefördert.

[3um Befestigen von Papier-Etiketten auf G las. Hierfür wurde von d. ,Gew. f. H/ bereits früher Wasserglas empfohlen. Rach den Mittheilungen eines Praktikers darf man aber das Wasserglas nicht auf das Papier streichen, sondern auf das Blech oder Glas und dann das trockene Papier auflegen, welches sofort festhaf­ten und nach dem Trocknen nicht wieder abgehen wird. Also man verwende ein etwas verdünntes Natrouwafser- glas, bestreiche entweder mit dem Finger, einem Läppchen oder Schwämmchen das Glas oder Blech mit Wasserglas und streife die Etikette fest darauf.

* Ein lustiger Druckfehler ist auch im Ober-Barnimer Kreisblait vorgekommen. Auch dieses Blatt erzählte seinen Lesern die Hinrichtung des großen Elephanten in Hagen- beck's Thierpark in Hamburg. Als man den Schaden sich aber besah lautete der lejfte Satz: „Rach 10 Minuten war der Elephanten-Koloß eine Lerche."

„Die Politik verdirbt den Charakter!" Richt'ger war nie ein Spruch und exakter;

Doch zeigt seine Weisheit eine Lücke:

Wem nicht seines Volkes und Landes Geschicke In Zorn oder Freude die Wange mehr färben Der hat keinen Charalter .... zu verderben!

Getreide-Cours.

Frankfurt a. M., 23. Februar.

M-rk.

Weiße u. creme seidene Faille Fran^aise, Surah, Satin mer- veilleux, Damaste, Ripse, Taffete und Atlasse Mk. 1.25 Pf. per bis Mk. 18.20 nerf. i« tinjelnen Roben und Stückia 3NCvXvV zollfrei in'S Saus tas Seid-nfnbrik-Döpöi G. Henne­berg [Ä. u. X. Hosli-s.j Zürich. Master umgehend. Brief- kosten 20 Pfg. Porlo.___ 17

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Hiesiger Landreeizen Fremder ........

Hiesiger Roggen

Russischer Roggen Gerste nach Qual........

Mahlgerste..........

Hafer..........

Raps Mais (mixed)........

Heu ...........

Stroh

Roggenkleie bei Abu. v. 200 Cntr. an

Weizenkleie „ „ „ „ „ ,

Markt fest, besonders für Weizen, titel stramm gehalten bei guter Tendenz.

Süt o

Maimtmchmz.

Die Einzahlung der rückständigen Beträge an Gemeinde-Umlage, Schulgeld, Fleischpfennig re. bringe ich hierdurch mit dem Bemerken in Erinnerung, daß am 5. k. M. mit der zwangsweisen Beitreibung der bis dahin noch bestehender Rückstände be­gonnen werden wird. [387

Fulda, am 22, Februar 1886.

Der Stadtkämmerer

Schäfer.

Casseler St. Martins-Lotterie, enth. 10 000 Gew., mit Hauptgew.

LW.v. 100000 m.,20000 m., 15000 m.,12000 m. *

LOOSE 2. Klafft, dkttN Zieh,«, am 2. Wich n.ffWadki, ä 5 Mack, 11 Aase 50M, Kks.-Val-laasklM, 1« «i< W«) ä 10 BL, 11 Wt 100 M.

allen Lotterie-Geschäften uul^ d-i A. Fuhse, GsiMl-ÄMl MM (MD M CasSBl.