Wellen malen.
(Fortsetzung folgt.)
sind.
Seitwärts von den Uebrigen stehen zwer Manner in ernstem Zwiegespräch. In dem hochgewachsenen, muSkelkrästigen Jüngling, welcher in seiner Haltung ungesuchte Hoheit bekundet, würde man sofort den Gebietenden erkennen, auch wenn man nicht die Auszeichnung der goldenen Ballets auf den Schultern, nicht den blitzenden Degen an goldgestickter Schärpe und nicht die reiche Bordi- rung der Weste sähe, welche, vorn offen, eine Fülle von feinem Spitzengekräusel sehen läßt. Nicht leicht möchte es dem Pinsel des Malers ge- lingen, eine stattlichere, vollkommenere Kciegerer- scheinung zu entwerfen, als Graf Antonius Boos
Gepräge frühzeitiger Thatkrast. Daß es ihm an Muth und Kühnheit nicht mangelt, hat er vor 2 Jahren den Franzosen gegenüber bei den Schanzen von Pellingen und im Gefechte bei Saarburg bewiesen. Ohne seine Entschlossenheit und Geistesgegenwart wäre es damals dem kleinen Häuflein kurtrierrscher und kaiserlicher Truppen schwerlich gelungen, den überlegenen Feind zu vertreiben.
Sein Gefährte, der jugendliche Doktor der Rechte, Herr Joseph Lamberti, Sohn des Amtsverwalters und Kellners auf Schloß Waldeck, ist von schmächtigerem Wüchse. Schwarzes ungepudertes Lockenhaar umrahmt ein bleiches Antlitz, welches von geistreichen dunklen Augen belebt wird, und der auffallend hübsche, weiche, von feiner Empsindung sprechende Mund zeigt zugleich einen schalkhaften Zug. Er hat vor Kurzem seine Studien auf der
von Waldeck sie bietet. In der Fülle frischester Jugendkrast steht er da. Der Dreispitz mit mal- lendem Federschmuck bedeckt die reichen, kastanienbraunen Locken, welche, leichtgepudert, im Nacken von dunkeler Schleife gehalten werden. Unter der freien, hohen Stirn sehen ein Paar tiefblaue, blitzende Augen sröhlich kühn in die Welt, Die Adlernase im Verein mit dem klastisch gewölbten Kinn und dem keck gedrehten Lippenbärtchen Reigern den entschlossenen Zug um den schönen,
Abg. Munckel Vertagung beschlossen. — Morgen: ! Anträge und Petitionen.
• 3233 Petitionen gegen das Branntwein- Monopol sind vom 28. Januar bis 16. Febr. beim Reichstag eingelaufen, von denen nicht weniger | als 2066 auf die kurze Zeit vom 8. bis 16. Febr. entfallen. Der Petitionssturm wird also immer stärker. Hieraus mag Fürst Bismarck ersehen, daß seine Drohungen im Abgeordnetenhause mit der Licenzsteuer ein Schlag in's Wasser gewesen und auch auf die Wirthe nichts weniger wie abschreckend gewirkt haben.
* Das Facit des neuen kirchenpolitischen Entwurfes zieht der ,Wests. Merkur' also- „In der Kriegführung geht der angreifende Theil leicht dazu über, eine Position, welche ihm unhaltbar geworden ist, zu räumen und eine solche, deren । fernere Behauptung ihm mehr Schaden als Nutzen bringt, aufzugeben. Dasselbe beabsichtigt die preußische Staatsrezierung mit der neuen Gesetzes- Vorlage. Die Position Culturexamen ist für sie unhaltbar geworden, und so soll diese geräumt werben. Die Positionen Seminarschließungen und staatlicher Gerichtshof für Kirchensachen bringen ihn mehr Schaden als Nutzen, und fo will man diese aufgeben. Im Uebrigen bleibt der ganze Kriegsapparat der Maigesetze imact bestehen und geht der Culturkampf gegen die katholische Kirche in bisheriger Weise weiter. Man macht uns nur mit Demjenigen Anerbietungen, was man selbst nicht mehr gebrauchen kann. Höher vermögen wir | den Inhalt dieser Vorlage dem Wesentlichen nach nicht anzuschlagen."
• Vom neuen Erzbischof von Posen hieß es, er sei nach Rom gereist, und neuerdings wieder, er sei nunmehr aus Rom nach Königsberg zuruckgekehrt. Dem gegenüber konstatirt die ,Pos. Ztg.', daß Herr Dinder bisher nicht in Rom gewesen und Königsberg überhaupt seit dem Bekanntwerden feiner Ernennung zum Erzbischof nicht verlassen hat. Auch die Gerüchte über den Termin der Präconisirung des neuen Eczbischofes und seinen Einzug in Posen sind eben lediglich Gerüchte.
* Oldenburg, 22. Febr. Ein „frühererGe- schworener" schreibt in der ,Oloend. Ztg.' u. A.: „Will man die Handlungen nicht bestrafen, welche der Betrunkene begeht, indem er einen Men- scheu verletzt oder gar lobtet, so bleibts nichts Anderes übrig, als die Trunkenheit zu bestrafen, in der solche Unthaten verübt werden, und zwar ganz exemplarisch, denn auch die Gerechtigkeit verlangt, daß solche Fälle nicht unbestraft bleiben."
• Freiburg, 23. Febr. Die Vertrauensmän- ner-Versammlung der Badischen Centrumspartei war aus allen Theilen des Landes von etwa 300 Personen, darunter 150 Geistlichen besucht. Die- selbe nahm eine Resolution an für eine entschiedene Politik der Centrumspartei, tadelte die lässige Hal- tung der Fraktionsmehrheit, votirte eine Resolution für die Presse in anerkennendem Sinne und forderte auf, sorlzufahren auf dem bisherigen Wege. Ein Kornits wurde mit der Aufgabe betraut, even- tuell die Neuorganisation der Partei vorzunehmen.
werden. Von dem Sammelplätze Zell aus waren sie dem jungen Grasen am ersten Tage über Wittlich nach Föhren zu dem Gute des Grafen Keflelstadt gefolgt, wo sie gastfreundlich bewirthet wurden, und von wo aus sie heute ihren Weg durch das Gebirge nach Trier fortsetzten. Im Angesichte des Zieles läßt ihr Führer sie nun kurze Rast halten; er ist stolz auf seine Truppen, mit voller Kraft und heiterer Lebensfrische sollen sie dem Ange des Fürsten sich vorstellen. Inhalts« , y--- Qr ... k»«
schwere Körbe werden ausgepackt, und gewaltige stolzen Mund und geben feinem edlen Antlitze das Becher mit köstlichem Moselwein kreisen von Mund Th‘1tfrnff 31(16 68 lbm
zu Mund, dabei wird gesungen und geplaudert, während die Gewehre friedlich aneinander gelehnt
absolute Schwingungszahl einer Normalstimmgabel. Von den Schwingungszahlen wandte sich die Betrachtung zu den Schwingungsformen. Fortschrei- tende und stehende longitudinale Wellenbewegungen wurden an Mach's iWellenmaschine versinnlicht, dann aber auch an mehreren offenen und gedeckten Lippenpfeifen demonsirirt. Nachdem noch Fla- geolattöne an einer offenen Lippenpfeife, sowie die diatonische Durtonleiter und chromatische Tonleiter an einer gedeckten (sog. Stimmpfeife) zu Gehör gebracht waren, besprach Herr Dc. Müller die Zungenpseife mit durchschlagender und auf« schlagender Zunge und erklärte sie als Sirenen- apparate. von besonderer Konstruktion, die mit den Lippenpfeifen nur die äußere Form gemeinsam hätten. Zum Schluffe wurde Die Beschreibung des menschlichen Gehörorgans gegeben und die Thätigkeit desselben durch Abbildung und Modelle erläutert. Warmer Dank wurde nicht nur dem Vortragenden, sondern auch dem Herrn Gymnasial- bireftor Dr. Goebel zu The l, der die Räume und Apparate bereitwilligst zur Verfügung gestellt hatte. Darauf sprach Herr Baurath Hoffmann über Luftprüfungen, welche seit vorigem Jahre in den Schulzimmern der staatlichen Lehranstalten vorgenommen werden, und zeigte uno erklärte die dabei zur Verwendung kommenden Apparate, was die Anwesenden mit Interesse und Dank aufnahmen.
• * Zn dec dem Aogeordnetenhause zugegangenen sogenannten Sekundärbahn-Vorlage offiziell heißt sie: Gesetzentwurf, betr. die Erweiterung und Vervollständigung des Staatseisenbahnnetzes und die Betheiligung des Staates bei mehreren Pcioateifenbahnunternehmungen — sind jetzt eine Anzahl Anlagen nachgeliefert worden. Dieselben enthalten zunächst den Staats oertrag zwischen Deutschland und Oesterreich über die vier schlesi- chen Bahnen, welche ihre Fortsetzung auf öfter« reichischem Gebiet finden sollen. Ferner den Staats« vertrag zwischen Preußen und Braunschweig wegen Herstellung der Linie von Braunschweig nach Gifhorn, schließlich den Staatsvertrag zwischen Preußen und Braunschweig, betreffend die anderweite Regelung der Verhältnisse der die beiderseitigen Gebiete berührenden Eisenbahnen. Die übrigen Anlagen find Denkschriften über die nach der Vorlage zu erbauenden 23 neuen Linien und die sonst noch in der Vorlage enthaltenen Bahnhofs- bauten und Betheiligung bei Pcivatbahnen. In den Denkschriften wird auf Grund ziemlich eingehender Schilderungen der von den einzelnen Linien durchschnittenen LandeStheile die wirthschaft- liche Bedeutung und Rentabilität derselben erörtert. So wird z. B. für die Linie Fulda-Tann Folgendes ausgeführt:
Wie bereits bei den Berathungen über die voriahn ge Gesetzesvorlage, betreffend die Beschaffung von Mitteln für die Erweiterung und Vervollständigung des Staats- eisenbahnnetzes, bemerkt, kann eine durchgreifende Besserung der wirthschaftlichen Zustände des Rhöngebietes (Preußischen Antheils) von der rn jenet Vorlage zunächst empfohlenen und durch Gesetz vom 7. Mm 1885 zur Ausführung genehmigten Meliorationsbahn von Fulda nach Gersfeld nicht erwartet werden. Die neue Schienenverbindung wird vielmehr im Wesentlichen nur
UniöerRtät zu Trier vollendet und folgt nun wie ein gräflicher Freund dem Rufe des Kurfürsten zu den Waffen.
Von gleichen Gefühlen begeistert, lassen Beide ihre Blicke bewundernd über da» schöne Land- schaftsbilü vor ihnen schweifen. Eine dunkelgrüne Hügelkette schlingt sich gleichsam im Kranze um die Höhe, auf welcher sie stehen. Zu beiden Seiten neigen malerische Berge sich nieder, und ein un« absehbare« Meer von Wipfeln dehnt sich in wechselnder Schaltirnng abwärts in das weite Thal, welches, ein herrliches Panorama mit wogende« Saatfeldern und grünen Wiesenfluren sich aus- breitet. Rechts ruht die Sonne wie eine Gluth- scheibe auf den sanften Wellenlinien der Bergkette, und feurig glühenden Wolken spiegeln sich in dem Strome, welcher von ferne her aus den Berg- thälern bei Conz feine Wogen treibt, vorüber an der malerischen Karthause und dem reizenden Ro- coccoschlößchen Monaise unter den stolzen Bogen der Romerbrücke, durch bis weit hinunter nach dem lieblichen Pfalzel. Der schöne Fluß, welcher zu Zeiten der römischen Kaiser Paläste bespült hat, strömt noch ebenso wie damals an den an- muthigen Rebenhügeln hin, die sich in seine«
Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefaßt. Die Versammlung brachte Hochs auf das Centrum, Windt« horst und zum Schluß auf den Erzbischof aus.
(Flkf. Ztg.)
Ausland.
* Aus Wien wird der ,Frkf. Ztg.' gemeldet: Polnische Blätter melden die Bildung einer Gesellschaft in Galizien behufs Ankaufs der zur Lici- tation gelangenden polnischen Güter in Posen, damit dieselben nicht in die Hände der preußischen Regierung gelangen.
• Paris, 23. Februar. Jerome Napoleon richtete ein Schreiben an beide Kammern, worin er das Gesetz über die Ausweisung der Prinzen als Gesetz gegen Verdächtige bezeichnet, das die Angehörigen der Familie Napoleon, die Soldaten der Revolution, mit den Bourbons, deren Feinden vermenge. Er sei französischer Bürger und anerkenne die Republick, weil sie das Ergebniß des allgemeinen Stimmrechts sei. Die gegenwärtige Republick sei indes einfach eine Oligarchie und müsse reformirt, nicht umgestürzt werden; das Volk müsse sein Oberhaupt wählen.
* Belgrad, 23. Febr. Serbien beantragt einen einzigen Friedensartikel, nämlich die Wiederherstellung des Zustandes vor der Kriegserklärung.
* London, 23. Febr. Nach einem Telegramm der .Times' aus Philadelphia ist die Stadt Wilmington in Norv-Karolina von einer heftigen Feuersbrunst heimgesucht worden. Das Feuer war auf einem mit Baumwolle beladenen Dampfer ausgebrochen und hatte sich auf die Werste verbreitet. Viele Gebäude und Waarenlager, zwei Dampfer und Segelschiffe find verbrannt. Der Schaden wird auf 1,500,000 Dollars geschätzt. Es werden Sammlungen veranstaltet zur Unterstützung der obdachlosen und sonst nolhleidenden
i Armen. (5r- 3-)
Aus Stabt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 24. Februar. .
* Am vorigen Montag war manch' ehrwürdiges Haupt wieder einmal auf die Schulbänke gekommen. Die Mitglieder des Vereins für Naturkunde hatten sich nämlich im physikalischen Lehr- zimmer des Gymnasiums eingefunoen, um einen Vortrag des H.rrn Gymnasiallehrers Dr. C. M ü l« ler über akustische Apparate zu hören. Dieselben stammen aus der Firma Leppin und Masche in Berlin und roeroen zu Unterrichtszwecken im König!. Gymnasium gebraucht. Nach einem einleitenden Experiment über die physikalische Ursache der Tonempfindung beschrieb Herr Dr. Müller die Sirenen- apparate von Seebeck und Dove und zeigte ihre Wirkungsweise. Es wurden namentlich die musikalischen Toninteroallen (Grundton, Terz, Quint, Okiav) zur Darstellung gebracht und das Verhält- niß ihrer Schwingungszahlen abgeleitet. Der Vortragende zeigte sodann, wie die Dooe'sche Sirene als Meßinstrument dienen kann und bestimmte Die