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Dienstag, den 23. Februar

1886,

— mit der

Die .Fuldaer Zeitung- erscheint tSalich. Sonn, und Feiertage ausgenommen. 1 &°

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An die Katholiken Deutschlands.

Am 31. Dezember 1887 wird unser glorreich regierender hl. Vater Papst Leo XIII. Sein Fünf- zigjähriges Priesterjubiläum feiern. Wenn irgend je äußere Umstände und die Person des Feiernden den Character einer solchen Feier besonders zu ge­stalten im Stande sind, dann ist das sicherlich bei diesem Priesterjubiläum dieses Papstes in dieser Zeit der Fall.

Unter den schwierigsten Verhältnisien übernahm Papst Leo XIII. die Bürde der dreifachen Krone; Er empfing die Schlüsiel des hl. Petrus in einer Zeit, die für die Kirche und das Papstthum an Gefahren und Bedrängnisien reicher war als jede frühere. Ungebrochenen Muthes führt Papst Leo das Steuer des Schisfleins Petri durch die bran­denden Wogen, mit dem Scharfblicke Seines die Welt überschauenden Auges alle Untiefen und Klippen erspähend und erkennend. Und was mehr ist als das! In zahlreichen Ansprachen und Apo­stolischen Sendschreiben hat dieser oberste Hirt aller Völker im Lichte der untrüglichen Wahrheit die Quellen aller sozialen Schäden der Gegenwart aufgedeckt und auf den einzigen Weg hingewiesen, auf welchem der schwerkranken menschlichen Gesell­schaft Gesundung und Rettung werden kann. Der Freimuth und die Ueberzeugungskraft Seines Apo- stolischsn Wortes erfüllte nicht nur die große Schaar der treuen Söhne mit höherer Begeisterung für die hl. Kirche und für St. Peters Stuhl, son­dern rang selbst vielen ihrer bittersten Feinde Staunen und Achtung ab. So bewährt sich in Seiner Person und in Seinem Wirken weithin das Wort, Seiner Encyclica „Jmmoctale": „Und unter Allen sollte nach Gottes Willen Einer der Erste sein, der unfehlbare oberste Lehrer der Wahrheit, der, dem Er die Schlüsiel des Himmelreiches an­vertraut."

Alle Völker des Erdkreises rüsten zu würdiger Begehung des Jubeltages des höchsten Priesters. Dabei muß Deutschland, das so unendlich große und zahlreiche Beweise der besonderen Hirtensorge des großen Papstes erhalten hat,zu den ersten ge­hören und vor aller Welt bekunden, daß es Ihn nicht nur versteht, ehrt und mit treuer Anhäng­lichkeit liebt, sondern auch bereit ist, die seither bewiesene Hingabe und Treue, die der hl. Vater in Seiner Encyclica vom 6. Januar an den Episcopat Preußens betont, unentwegt, für und für festzuhalten.

Das unterzeichnete Comite, auf Geheiß ber 32. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Münster zusammengetreten, um in Ausführung des Beschlusses derselben die Vorbereitung für die Jubelfestfeier zu treffen, richtet daher an die Ka­tholiken Deutschlands den Aufruf, daß Alle, Alle sich aus's regste und eifrigste an den von dem Comitv zur Begehung und Verherrlichung der Feier beabsichtigten Veranstaltungen betheiligen möchten. Das Gönnte hat sich mit dem Hochwürdigsten Episkopate in Verbindung gesetzt und für feine Bestrebungen das liebevollste oberhirtliche Entgegen- kommen gefunden. m r ,

Das Comite hat durch die Größe der Ausgabe und durch die Ausdehnung unseres Vaterlandes veranlaßt Subcomites gebildet, welche sich in be­sonderen Aufrufen entweder direct oder durch die Presse an die deutschen Katholiken wenden werden.

Inzwischen werden alle Katholiken der Welt in biejeat allgemeinen Jubeljahre, welches dem Juki- lÄlliDlh.. des hl. Vater voraufgeht, im Gebete sein, damit Gott Seinen erhabenen SteSyertreter auf dem Stuhle des hl. Petrus er- halte und Ihn den Jubeltag, den wir vorbereiten, nach Seinem allmächtigen Willen in ungetrübter Freude erleben lasse.

Frankfurt a. M., im Februar 1886.

Das Comite

zur Vorbereitung der Secundizfeier Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII.

von der Acht, Kaufmann, Cöln. Ferdinand Graf Bifsingen-Nippenburg, Schramberg i. Wrtbg. Franz Freiherr von und zu Bodmann, Grundherr auf Bobmann, Baden. Peter Paul Cahensly, Kauf­mann, Limburg a. d. L. Clemens Graf Droste zu Vrfchering Erbdroste, Darfeld. Rudolf Freiherr von Freiberg, Haltenwang. Fuchs, Kaufmann,

UH Mein ist die Rache.

Original-Erzählung aus unseren Tagen.

(Schluß.)

Julius eilte der Stadt zu, um einen Wagen zu suchen und begab stch dann selbst nach Hause. Dr. Lehrbuch dagegen brachte Lambert nach dessen Wohnung. Als der Hausarzt des Verunglückten eintraf, fand er den jungen Kollegen mit Erfolg beschäftigt, die Lebensgeister Lamberts zurückzu­rufen. Im Fluge verbreitete sich die Kunde von dem Geschehenen durch die Stadt. In heller Begeisterung ertönte das Lob der beiden edlen Brüder von Mund zu Mund. Eine große An­zahl der Einwohnerschaft zog dem Hause der Frau Räthin zu und nicht eher ruhte die freudig aufgeregte Menge, bis daß Julius sich am Fen­ster zeigte, empfangen von brausendem Beifall.

Die Stille der Charwoche war unerwartet unter­brochen worden, und doch sollte das nur erst der Anfang noch größerer Ueberraschung sein.

Auch zu Schweller drang die Kunde von dem Unfall, den Lambert getroffen. Begann das Ge­richt Gottes schon? Als er hörte, wer der Retter seines Mitschuldigen sei, da sank der Un­

glückliche kraftlos zusammen. Mit furchtbarer Macht erhob sich in seinem Innern wieder die vorwurfsvolle Stimme. Sie klang härter, schär­fer, peinlicher, erbarmungsloser als je. Ruhelos trieb es den Schuldlosen umher. Die Nacht kam, aber die Ruhe blieb fern. Kein Schlaf senkte sich auf die erhitzten Augenlider, kein Schlummer fesselte die wild aufgeregten Ge­danken. Das Lager ward zum brennenden Pfühl und der anbrechende Tag fand Schweller, das Gesicht tief in den Händen begraben, bleich und verstört. , . _ ,

Da zuckte ein Gedanke in rhm auf. Er konnte sich Linderung schaffen, er wußte ein Mittel, die entsetzliche Stimme in seiner Brust zu betäuben. O wie oft hatte er gewünscht, thun zu können, was er nun auszuführen vermochte, aber Lambert hatte es nie geduldet. Jetzt konnte dieser ihn nicht stören. Schweller eilte fort zur Kanzlet; er wußte, wo der Diener die Schlüssel der einzelnen Bureaus aufbewahrte. Eine Viertelstunde später betrat er das Arbeitszimmer Lamberts. Mit gieriger Hast stürzte er sich auf die Registratur. Seine Hände zitterten, seine Augen glühten. End- lich, endlich hatte er gefunden was er suchte. Triumphierend trug er das Aktenbündel zum Pulte

Danzig. Dr. Giese, Generalvicar, Münster i. W. Heinr. Fr. Grimm. Schriftgießereibesitzer, Frank­furt a. M. Eugen Haffner, Kaufmann, Mainz. Clemens Freiherr von Heeremann-Zuydwick, Mün­ster i. W. Dr. Franz Hergenröther, Subarchivar, Rom. Wilhelm Gras von und zu Hoensbroech, Haag i. Gelderland. Dr. Johannes Janssen, apost. Prolonotar, Frankfurt a. M. Friedrich Freiherr von Kehler, Berlin. M. Freiherr von Korff, Har­kotten. Dr. Josef Lingens, Rechtsanwalt, Aachen. Felix Freiherr von Loe, Terporten. Karl Fürst zu Löwenstein-Werthheim Rosenberg, Kleinheubach a.M. Ed. Müller, Rechtsanwalt, Coblenz. E. F. A. Mün- zenberger, Geistl. Rath und Stadtpfarrer, Frank­furt a. M. Freiherr von Ostmann von der Leye, Honeberg b. Osnabrück. Dr. Felix Porsch, Con- sistorialrath und Rechtsanwalt, Breslau. Karl Pustet, Verlagsbuchhändler, Regensburg. Rang, Rechtsanwalt, Fulda. Rochus von Rochow, Major a. D., Dresden. Freiherr von Schierstädt, Kleinheubach a. M. Fritz Freiherr v. Schorlemer, Heringshausen. Friedrich Schmidt, Domchordrrektor, Münster, i. W. Edward Ritter o. Steinle, Historien­maler, Frankfurt a. M. Dr. Alphons M. Steinte, Rechtsanwalt, Frankfurt a. M. Dr. Ewald Voß, Apotheker, Trier. Leo Wörl, Verlagsbuchhändler und Magistrathsrath, Würzburg.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Februar.

•* Das Abgeordnetenhaus trat heute in die Beralhung der ersten der sogenannten Polen- Vorlage, der Vorlage betreffend die Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen West­preußen und Posen, ein. Erster Redner ist der Abgeordnete v. Wierzbinski, welcher gegen die Vor- lagen spricht. Redner betont, daß man erst eine künstliche Erregung gegen die Polen geschaffen habe, um dann daran die wahren Absichten zu knüpfen. Man sage, die polnische Nation sei ad- gestorben; wenn sie ein Leichnam ist, warum ver­folgt sie der mächtige Staatsmann mit solchem Haß? Gerade das beweise, daß die polnische Nationalität nicht das ist, als was man sie hin- stellt, sondern ein lebenskräftiges Volk. Nach diesen mehr allgemeinen Ausführungen ging Redner aus die Tendenz der Vorlage ein. Diese Gesetze werden immer den Charakter einer „verfolgerischen Aus-

hin, an dem er damals geschrieben. Er wollte, er mußte es wieder sehen, wwder lesen, wie Lehr­bach sein Unglück verschuldet, wie dieser es ge­wesen, der seine Zukunft vernichtet, ihn elend ge­macht hatte. Dann — so hoffte der Arme — dann werde sich auch die entsetzliche Stimme im Innern betäuben lassen, dann mußte sie schweigen vor der gerechten Entrüstung über den an dessen Sohn er Rache genommen. Jetzt hatte er das Blatt, das Lambert ihm damals vorgelesen; er durchflog es mit grimmiger Freude. Das war Balsam auf seine Wunde; er glaubte schon Lin­derung zu fühlen. Aber der Faszikel enthielt sicher noch mehr, was gegen den alten Lehrbach sprach und ihn beruhigen konnte. Er schlug das Blatt um. Da stand sein Name. Er las; sein Gesicht, das sich in der Aufregung gelobtet, wurde bleich wie der Tod. Seine Augen bohrten sich in das Papier ein, als wollten sie alle Buchstaben herauszerren. Und wieder las er, diesmal laut mit heißerer Stimme:

„Herrn Verwaltungsrath Lehrbach benachrichtige ich wiederholt, baß begründete An­zeichen vorhanden find, die auf mangelhafte Kassensührung oder gar Defekte in der Kaffe des provisorischen Forstkaffen-Kaffiers Schweller schlie«