Dienstag, den 16. Februar
1886.
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Znm „Hutten-Sickingen-Denkmal".
(Schluß.)
Mit diesen brach er sofort sengend und brennend in's Gebiet des Kurfürsten Richard von Greiffen- klau ein; aber die Bürgerschaft von Trier stand treu zu ihrem heldenmüthigen Erzbischof. Fünf Mal stürmte der Raubritter mit seinen wilden Raubhorden^ wider Trier's Mauern, aber fünf Mal wurde der Sturm siegreich abgeschlagen. Am 14. September 1522 sah er sich genöthigt, abzuziehen; aber er zog nicht ab, ohne Kirchen und Klöster zu plündern und ganze Dörfer niederzubrennen. Dafür am 10. Oktober von der Reichsacht getroffen, lachte und spottete Franz anfangs über diese auf seiner steilen, festen Ehrenburg; als aber die Landesherren von Trier, Hessen und Pfalz an den Ufern des Rhein's und Main'S ein Raubnest nach dem anderen brachen ut b schleiften, da verging ihm das Lachen und Spotten und er flüchtete von der Ehrenburg in die für unüberwindlich gehaltene Veste Landstuhl. Aber auch diese brach trotz ihrer 24 Fuß dicken Mauern zusammen und er selbst stürzte, durch eine zertrümmerte Pallisade tödtlich verwundet, sterbend dahin. In demselben Jahre (1523) sank auch Ulrich von Hutten schmachbedeckt in'S Grab. Wer war dieser?
2. Ulrich von Hutten, in der Nähe von Fulda auf dem Schlöffe Steckelberg am 22. April 1488 geboren, myrbe im Kloster Fulda 5 Jahre lang unterrichtet^ Länger ertrug er nicht die- klösterliche Zucht und Einschränkung: er entfloh und kam nach Erfurt, wo er in Verbindung mit den Humanisten Crotus Rubianus, Peter Eberbach und anderen mit allem Eifer sich auf das Studium der klassischen Sprachen verlegte. Der Ausbruch der Pest zwang ihn, Erfurt zu verlaffen; er kam nach Köln, wo er Hogstraten, Grotius kennen, aber auch verachten lernte. Als 1506 in Frankfurt a. d. Oder eine neue Universität errichtet wurde, siedelte er von Köln dahin und wurde zum ersten Magister der freien Künste an dieser Hochschule ernannt. Aber unsteten Geistes, hatte er keine Freude an einem gebundenen Leben; nirgends fühlte er sich heimisch. Wandern war seine Lust. Er blieb weder längere Zeit in Frankfurt, noch in Rostock, noch in Wittenberg, noch in Böhmen und Mähren. Bettelnd und
try Mein ist die Rache.
Original-Erzählung aus unseren Tagen.
Mittlerweile hatten sich die beiden Töchter, trotzdem es bekannt war, daß Lehrbachs eine nur sehr bescheidene Mitgift in die Ehe bringen würden, recht gut verheirathet. Ihre beiden nunmehrigen Ehegatten, zwei wohlgestellte Kaufleute, hatten sich in ihrem praktischen Verstände gesagt, daß die vorzügliche Erziehung, welche Anna und Mina Lehrbach genoffen, vereint mit der Gediegenheit ihres Characters und der Erfahrung in allem, was eine tüchtige Hausfrau wiffen soll, viel werthvoller für sie und das Glück ihrer Familie sei, als eine Frau mit vielem Gelbe, aber von oberflächlicher Pensionsbilbung, blasirtem Herzen und kostspieliger Genuß- unb Putzsucht. Ihre Rechnung war richtig gewesen. Der guten Frau Rärhin blieb somit noch ihr jüngster Sohn Julius. Es war ihr eine große Freude, daß dieser sich dem juristischen Fache und zwar der Verwaltung widmen wollte. Sie knüpfte hieran die Hoffnung, ihn einstens in der Carriere zu sehen, der ihr Gatte nur zu rasch durch den Tod entrissen worden war.
Julius hatte seine Studien mit recht gutem Erfolge vollendet und war dann in den Staats«
fechtend, wie ein heimathloser Handwerksbursche, zog er von Stadt zu Stadt, oou Land zu Land. Von Wien, wo er sich des Kaisers Gunst durch das Gedicht: ,Ad Maximilianum Romanorum Imperatorum“ erwarb, zog er nach Pavia und Bologna, und als er hier in äußerste Roth ge» rieth, wurde er Soldat im Kaiserlichen Heere und machte 1513 die Belagerung von Padua mit. Allein seine Ausschweifungen machten ihn unfähig zum harten Kriegsdienst — er ging, um seinen Körper wieder herzustellen nach Ems. Dort vernahm er das schreckliche Ende eines Anverwandten, der durch Ulrich von Württemberg umgebracht worden war. Der Kaiser erklärte den Mörder in die Reichsacht; aber mehr als des Kaisers Verdikt wirkte Hutten's Feder. Diese Feder geißelte Alles; nichts in Staat und Kirche wurde von ihr verschont. Wäre Ulrich 300 Jahre später zur Welt gekommen, er hätte Voltaire, den Patriarchen der Gottlosigkeit, wenn nicht übertroffen, so doch erreicht. So giftig war seine Feder. Jede seiner Schriften goß frisches Oel in die Flamme der Empörung und des Aufruhrs.
Nachdem er den Ritter von Sickingen für die Sache Luther'S gewonnen hatte, schrieb er von der Ebernburg aus die schändlichsten Schmähschriften wider Leo X. und die Geistlichkeit, wodurch die aufgeregten Leidenschaften in immer größere Gährung kamen. Als aber die Eoern- tnirg gefallen und Franz, von Sickmgen elend umgekommen war, da war seines Bleibens nicht mehr auf deutschem Boden. Er flüchtete nach der Schweiz; und als der größte Gelehrte jener Tage, der in Basel lebende Erasmus, sich weigerte, den von der schändlichen Lustseuche zerfreffenen Hutten zu empfangen, da scheute sich der Bruder Liederlich nicht, auch gegen den gefeierten Erasmus eine Schmähschrift in die Welt zu schleudern. Erasmus ließ sich herab, darauf zu antworten. Ulrich von Hutten war tiefer Antwort nicht werth. Auf bet Insel Ufnau im Züricher See hat das schleichende Gift, das er sich durch feine Liederlichkeit zugezogen hatte, seinem schmachvollen Leben ein Ende gemacht. Er starb den 29. August 1523, erst 36 Jahre alt. Wie Vieles hätte er mit seinen großen Geistesgaben für die Menschheit wirken können! Aber dem alten Heidenthum verfallen,
dienst getreten. Nachdem er in zweijähriger Dienstzeit sich tüchtige, praktische Kenntniffe erworben, trat er, durch die Bitten und den Wunsch der Mutter bewogen, zu jener Verwaltung über, in der sein Vater als tüchtiger Beamter gewirkt und hochgeschätzt gewesen. Nach einem Jahre sollte seine definitive Anstellung erfolgen, ein Moment, der nicht nur von ihm und feiner Mutter, sondern auch noch von einer dritten Person mit Freuden erwartet wurde.
Julius hatte in dem Hause.seines früheren Vorgesetzten, des Verwaltungs-Direktor Bortmann, unter dem er das letzte halbe Jahr gearbeitet, Aufnahme gefunden. Ein doppelter Umstand erwies sich ihm hierzu behilflich; fein Vater hatte mit Bortmann zugleich ftubirt, sie waren Unioer» silätsfreunve gewesen, während die beiden Frauen schon feit früher Jugend in nahem freundschaftlichen Verhältniß zu einander standen. Die Frau Direktor hatte mit dem scharfen Auge, das bei dem weiblichen Geschlechte in Angelegenheiten dieser Art weit mehr ausgebildet ist als bei den Männern, schon in kurzer Zeit entdeckt, daß ihre einzige Tochter Marie, dem Sohne ihrer Freundin nichts weniger als gleichgültig sei. Emmal in Besitz dieser Entdeckung beobachtete sie tue jungen Leute, welche selbst keine Ahnung von der in ihren
ruinirte er sich selbst, ruinirte er die gute Sitte, ruinirte sein Vaterland. Wie kann man einen solchen Mann auf den Leuchter stellen! Was an den Pranger gehört, wie kann man das als Vorbild auf stellen? Welche Geistesverwirrung gehört dazu, Hutten und Sickingen ein Denkmal zu setzen? Erst hat man Gustav Adolph, diesen Verwüster unseres deutschen Vaterlandes, verherrlicht, jetzt kommen ein Hutten und Sickingen an die Reihe.
Deutsches Aeicki.
Berlin, 15. Februar.
* Dem Herrenhause ist der Entwurf eines Gesetzes betreffend Abänderungen der kirchenpolitischen Gesetze zugegangen, der im Wesentlichen Folgendes bestimmt:
Zur Bekleidung eines geistlichen Amtes ist fortan die Ablegung einer wissenschaftlichen Staatsprüfung nicht erforderlich.
Die Vorschriften der §§ 9 bis 14 iin Gesetz vom 11. Mai 1873 stehen der Errichtung von Gymnasialkonvikten Seitens der kirchlichen Oberen nicht entgegen. Dasselbe gilt für die Errichtung von Konvikten für Studirende an Universitäten und an denjenigen kirchlichen Seminarien, hinsichtlich deren die gesetzlichen Voraussetzungen für den Ersatz des Universitätsstudiums erfüllt sind. Solche Konvikte unterliegen den allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen über die Aussicht des Staats in Betreff der Unterrichtsund Erziehungs-Anstalten.
Die Aussicht des Staats über die zur theologisch - praktischen Vorbildung bestimmten Anstalten (Predigerund Priesterseminare) regelt sich fortan nach den allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen über die staatliche Aufsicht in Betreff der Unterrichts- und Erziehungs-Anstalten.
Der § 1 im Gesetz vom 12. Mai 1873 wird aufgehoben. Kirchendiener im Sinne des Gesetzes vom 12. Mai 1873 sind nur solche Personen, welche die mit einem geistlichen oder jurisdiktionellen Amt verbundenen Rechte und Verrichtungen ausüben.
Die Vorschrift des § 2 Absatz 2 im Gesetz vom 12. Mai 1873 findet fortan nur Anwendung, wenn mit der Entfernung aus dem Amte der Verlust oder eine Minderung des Amtseinkommens verbunden ist.
Der Königliche Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten wird aufgehoben.
Die Berufung an den Staat findet fortan nur gegen solche Entscheidungen der kirchlichen Behörden statt, welche die Entfernung aus dem kirchlichen Amte verhängen und mit denen zugleich der Verlust oder eine Minderung des Amtseinkommens verbunden ist.
Eine Berufung an den Staat im öffentlichen Jntereffe (§ 12, Absatz 2 des Gesetzes vom 12. Mai 1873) findet fortan nicht statt, ließet die Berufung entscheidet das Staatsministerium. Wird die Berufung für begründet
Herzen noch immer schlummernden, aber stetig weiter teimenben Liebe hegten, genauer und sie war sehr balb überzeugt, baß bas Kommen und Gehen des jungen Beamten, feine Unterhaltung, kurz alles, was ihn betraf, ihre Tochter ganz außerorbentlich zu interessieren schien. Die Frau Direktor war Überzeugt, daß Julius ihrer Tochter würdig sei, unb diese ihr Glück in der Verbindung mit ihm finden werde und so sah sie für ihre eigene Person keinen Grund ein, die jungen Leute in ihren harmlosen Zusammenkünften zu stören. Aber sie war nicht nur Mutter, sondern auch Gattin, und so hielt sie es für ihre Pflicht, ihren Mann mit einiger Genugthuung auf ihre Entdeckung aufmerksam zu machen. Direktor Bortmann hatte, wie feine Frau richtig vermachet, keine Ahnung von dem Wendepunkte, der für feine Tochter Leden heranzunahcn schien. Zur größten Freude seiner Gattin zeigte er sich jedoch über die Enthüllung nicht unzufrieden; — aber er war ein Mann von strengen und praktischen Grund- atzen.
„Julius Lehrbach ist ein braver unb ein tüchtiger Beamter," sagte er zur Gattin, „aber vorläufig noch außer stand, ans Heirathen zu denken. Die Aussichten im Staatsdienst sind gegenwärtig nicht die besten, unb so kann es noch ziemlich