sicht eine Erklärung, dahin lautend, daß er nach Wortlaut und Zusammenhang des Gesprochenen die „gesammte katholische Presse" nicht im Auge gehabt habe» könne und thatsächlich auch nicht gehabt habe. Es sei die Rede von seinen „Erfahrungen" gewesen und er habe dabei nur an bestimmte Blätter gedacht. Es wird also kaum ausbleibcn, daß er den von diesen Blättern geforderten Wahrheitsbeweis zu führen hat.
* Freibura, 9. Februar. Ter ,Bad. Beob.' erhält in Bezug auf die Mittheilung über das Befinden des Herrn Erzbischofes von zuver- läsfiger Seite die Nachricht, daß der hochw. Herr noch täglich die Posteinläufe entgegennimmt, sie an die betreffenden Respicienten vertheilt und die ausg henden Erlasse selbst unterzeichnet. Wenn Hochdersclbe die h. Sacramente sich reichen ließ, so geschuht solches von jedem Priester, der bei längerer Erkrankung an der Celebration der hl. Messe fich verhindert sieht.
Ausland.
» London, 11. Febr. Bis jetzt (Nachmittags) herrscht in ganz London vollständige Ruhe. Alle Läden sind offen, die Geschäfte nehmen ihren gewöhnlichen Gang. Die von den Behörden getroffenen Vorsichtsmaßregeln bleiben aufrechterhalten.
* London, 10. Febr. Die Nachricht von der Ermordung des Bischofs Hanington in Ost-Afrika scheint sich zu bestätigen. In Brighton ging gestern ein Telegramm von dem Bruder des Bischofs ein, welches besagte, daß ein eingeborener Missionär, Namens Jones, in Sansibar mit der Meldung angelangt sei, daß der Bischof unzweifelhaft ermordet worden, doch ist Jones nicht Augenzeuge des Verbrechens gewesen.
* Im neuen englischen Kabinet befinden sich Männer, welche als offene Vertheidiger der Rechte Irlands bekannt sind; vor Allem ist der Gene- ral-StaatsanwaltCharles Rüssel zu nennen, der schon lange die Gleichstellung des irischen Wahlrechts mit dem englischen forderte. Erne Stütze in seinen Bestrebungen hat er an dem neuen Obersekretär für Irland, John Morley. Ec ist der erste Journalist, der sozusagen vom Schreibtisch weg in’s Unterhaus (1883) und in's Ministerium kam. Ebenso redegewandt wie lfederfertig hat er sich, obwohl ein Feind des Katholizismus, den Home-Rulern angeschlossen. Sein Wortspiel: Die Lords müssen wenden oder enden (must wend or end) wurde das Stichwort im Reform - Feldzuge des vorigen Jahres und lenkte die Aufmerksamkeit Aller auf ihn. Eine interessante Persönlichkeit ist Anthony John Mündel la. Sein Vater war ein armer italienischer Flüchtling, der seinen Sohn in einer Druckerei zum Setzer ausbilden ließ. Da diese Beschäftigung ihm wenig gefiel, so ging der junge Mundella bald in ein Strumvfwaaren-Ge- schäft über, wurde mit 19 Jahren schon Oberaufseher einer Fabrik und 4 Jahre später Theilhaber des Hauses Hine in Nottingham. Reich geworden, vergaß er aber die Kreise nicht, aus denen er her- vorgegangen. Er beschäftigte sich viel mit der Lage
„Sie find doch ein reicher Mann? Sie haben es mir doch selbst gesagt, daß — —"
„Ich habe Nichts als Schulden!" rief der Stadtrath ärgerlich. „Hätten Sie mich nicht beschwindelt, Herr von Münch — hausen, so hätte ich mich retten können. So bin ich verloren, denn die nächsten Tage schon bringen mir den unausbleiblichen Konkurs!"
Münchhofen wankte zurück, als habe ihn der Schlag getroffen.
„Hoho, Schwiegerväterchen," lachte er nach einer Weile grimmig auf, „so steht es mit Ihrem Reichthum? Dann haben wir uns wahrlich einander Nichts vorzuwerfen. Wissen Sie was, rch weiß eine herrliche Existenz für uns Beide. Wir ziehen mit einer Drehorgel auf die Jahrmärkte und verkünden der staunenden Menge, wie wir es fertig gebracht haben, uns anzulügen, bis wir blau angelaufen sind!"
Münchhofen lachte wieder, dann faßte er plötzlich mit beiden Händen nach feinem Kopf und rannte wie besessen in der Stube umher.
„O, ich Narr, ich hirnverbrannter, dummer Narr!" rief er wüthend. „Daß ich mich aber auch fangen ließ, wie ein dummer Gimpel! Ich hätte mir es doch denken können, daß hinter der schönen Tochter mit dem steinreichen Vater Stadtrath etwas stecken müsse!"
des Volkes, richtete Sonntagsschulen ein und wurde selbst Sonntagslehrer, wodurch er sich einen tiefen Einblick in die englischen Schulverhältnisse erwarb, der ihm später als Unterrichtsminister wohl zu Statten kam. (In England nimmt mau nämlich die Unierrichlsminister aus dem praktischen,Leben, bei uns ist dies nicht nothwendig, ja eigentlich gar nicht möglich.) Daneben errichtete er Schiedsgerichte und Versöhnungsämter und hielt Vorträge über deren Zwecke und Vortheile. Gladstone, der ihm schon 1880 die Vizepräsidentschaft des Erziehungsrath s gab, reservute ihm im neuen Kabinet den Posten des Handelsministers. Der Mariue- minister, Marquis of Ripon, ist derselbe, dessen Uebertritt zur katholischen Kirche 1874 so großes Aufsehen erregte, nachdem er einige Tage vorher zur nicht minder großen Verwunderung dec ganzen Welt seine Stelle als Großmeister der Freimaurerlogen niedergelegt hatte, die er seit 1870 bekleidete. Schon vorher war er Kriegs- und Unterrichtsminister, sowie Vicekönig von Indien gewesen, welch' letzteres wichtige Amt ihm 1880 Gladstone zum zweiten Male übertrug. Als solcher suchte er die Gleichstellung der Indier mit den Europäern durchzuführen, was ihm dort eine außerordentliche Popularität, freilich bloß bei den Indiern, oer- schaffte. Spencer, der Präsident des geheimen Rathes, gilt mit seinen 48,000 Mark Einkommen als einer der reichsten Peers. Sein Urahn, John Spencer, war einfacher Viehzüchter zur Zeit Hein- rich VII. Als ein späterer Abkömmling desselben, Lord Spencer, im Jahre 1621 im Oberhause wegen feiner Abkunft verhöhnt wurde — ein Kollege bemerkte ihm: „Als sich das ereignete, hüteten Ihre Vorfahren die Schafe" — bemerkte er gefaßt: „Als sie ibie Schafe hüteten, brüteten Die Ihrigen Verraih."
Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet-
Fulda, 12. Februar.
** Bekanntlich spricht man in hiesiger Stadt schon länger davon, daß zwischen der Petersgasse und dem Güterschuppen eine fahrbare Straße hergestellt werden soll, da die Vortheile einer solchen, bisher sehr stark vermißten Verkehrsverbindung zu offenkundig sind, als daß man die Herstellung der betreff. Straße unterlassen kann. Durch den bevorstehenden Bau der Eisenbahnlinien Fulda-Gersfeld und Fuldachilders wird die bisher schon empfundene Nothwendigkeit dieser Straßenverbindung noch um ein Bedeutendes gesteigert werden. Nun ist man, roie wir hören, im Allgemeinen der Ansicht, die Ausführung des Straßenprojektes scheitere vorderhand an den zu hohen Forderungen des Hrn. Wißler, dessen Eigenthum an Grund und Gebäuden dabei in Frage komme. So viel wir mit Bestimmtheit wissen, ist Herrn Wißler auch bereits ein in diesem Sinne lautender Stadtrathsdeschiuß zugegangen. Darnach würde die Ausführung des Projektes allerdings noch einige Verzögerung erleiden. Indessen scheinen uns die wegzuräumenden
Jäh war der Schleier vor den Augen der beiderseitigen Betrüger zerrissen. Beide erkannten ihren eigentlichen Werth. Als sie sich trennten, geschah es mit den fürchterlichsten Verwünschungen.
Kehlhofer faßte seine Tochter am Arm und stürmte mit ihr aus dem Zimmer. Bei dem Hotelbesitzer, der ihnen begegnete, hielt er an.
„Ich will Ihnen nur erklären, Herr Rappmann" , sagte der Stadtrath, sich den Schweiß von der Stirn wischend, „daß ich für meinen Schwiegersohn keinen Heller bezahle!"
„Dann bleibt es bei meiner Versicherung!" drohte Rappmann.
„Thun Sie, was Sie nicht lassen können," höhnte Kehlhofer, „je mehr Skandal, desto besser. Aus ein Bischen mehr ober weniger kommt es mir ohnehin nicht mehr an. Komm, mein Silberspätzchen!" roanbte er sich zu seiner Tochter und ließ ben verblüfften Hotelbesitzer stehen.
Eine halbe Stunde später wurde der Baron von Münchhofen verhaftet.
Es läßt sich denken, daß das Gerücht, Baron von „Münchhausen" — wie er nunmehr aller- wärts genannt wurde — sei wegen Zechprellerei im Betrage von mehreren tausend Mark verhaftet worden, wie ein Lauffeuer die Stadt durchflog und überall das größte Aussehen erregte.
Nach der Wohnung des also betrogenen Schwieger-
Hindernisse keineswegs derartig zu fein, daß man bei dem bereitwilligen Entgegenkommen einerseits und der erkannten Baunothwendigkeit andererseits nicht doch und zwar schon bald zu dem erwünschten Endresultate gelangen sollte.
* Die Königliche Prüfungskommission zur Prüfung der Lehrer an Mittelschulen und bet Rektoren ist für das Jahr 1886 aus folgenden Mitgliedern zusammengesetzt: Provinzialschulrath Kannegießer in Cassel, Vorsitzender, Regierungs- und Schulrath Dr. Falckenheiner ebendaselbst, Regierungs- und Schulrath Dr. v. Fricken in Wiesbaden, Seminar* Direktor Dr. Flügel in Fulda, Erster Seminar« lehret Lotz in Ufingen, Direktor Dr. Krummacher in Cassel. Die Prüfungskommission tritt in Cassel zusammen.
* Die neunte Jahresversammlung des Rhönklubs wurde am 15. August 1885 zu Hammelburg abgehalten. Aus dem Jahresberichte läßt sich ersehen, daß trotz des Abgangs der Sektionen Dermbach und Zillbach der Rhönklub in diesem Iahte wieder um 54 Mitglieder zugenommen hat und somit jetzt aus 25 Sektionen mit 2380 Mitgliedern besteht; Hersseld mit 92 Mitgliedern ist neu beigetreten.
* Vom 1. April d. I. an treten einige neue Vorschriften im Eisenbahnbetrieb in Kraft. Die Personenzüge dürfen als Maximum höchstens 100 Achsen stark fein, die Güterzüge höchstens 150 Achsen und die gemischten sowie Militärzüge höchstens 110 Achsen. Die Fahrgeschwindigkeit eine» Personenzuges (auch Schnellzuges) auf horizontaler Strecke ober mit einer Steigung 1 : 200 Meter barf höchstens 75 Kilometer in ber Stunbe betragen. Bei außergewöhnlichen Anlässen kann sie auch bis 90 Kilometer in bet Stunbe betragen. Güterzüge dürfen höchstens 45 Kilometer in ber Stunde zurück- legen und Arbeitszüge höchstens 30 Kilometer.
• Wie das ärztliche Vereinsblatt meldet, ist bis bis vor kurzer Zeit beftanbene Einrichtung, wonach Postsendungen, die Arzneien für Kranke auf dem Lande enthielten, auch außer den gewöhnlichen Postdienststunden auf ber Post aufgegeben und ohne Porto-Erhöhung abgefanbt werben konnten, jetzt aufgehoben und biese Sendungen ben übrigen außer ber Zeit aufgegebenen vollständig gleichgestellt worden, so baß ein Zuschlag von einer Mark erhoben wird. Eine Eingabe bes hinterpommer'- schen Aerzte-Vereins um Zurücknahme ber Neuerung ist von dem Reichspostamt abschlägig beschieden worben, weil es „nicht thunlich fei, von den Bedingungen, unter welchen Packete außerhalb der Schalterdienststunden zur Postbeförderung eingeliefert werden können, allgemein zu Gunsten der Arznei-Sendungen eine Ausnahme zu machen".
* Bei Tauschverträgen, bei welchen der eine Kontrahent den andern in Bezug auf den Werth des eingetauschten Gegenstandes (beispiels- rotife in Bezug auf die Hypothekanlage unb den Miethsbetrag des eingetauschten Grundstücks) geflissentlich getäuscht hat, liegt nach einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Strafsenats, vorn 21. November v. I., kein strafbarer Betrug vor, wenn
vaters geschah alsbald nach dem Bekanntwerden der Thatsache eine wahre Völkerwanderung.
Die zahllosen Gläubiger, welche der Stadtrath das zweifelhafte Glück hatte, fein eigen nennen zu dürfen, waren stutzig geworden, als sie erfuhren, daß ber Stadtrath seinem Schwiegersöhne nicht aus der Klemme geholfen, sondern ben grenzenlosen Sfanbal heraufbeschworen hatte. Da kam Emer nach dem Anderen, jeder hatte eine andere Ausrede, aber Alle wollten sie ihr Geld zurückhaben.
Und als ber Stadtrath bedauernd mit den Achseln zuckte und von momentaner Geldverlegenheit sprach, da zuckten feine Gläubiger ebenfalls vielbedeutend mit ben Achseln unb entfernten sich mit rnerkwürbig kühlem Gruß.
Was jetzt zu erwarten stand, unterlag keinem Zweifel, und mit entsetzlicher Wucht traf diese Gewißheit den verwöhnten Mann.
Acht Tage später zischelten es sich die Leute erst verstohlen, bann immer öffentlicher zu: „Ist es denn möglich, der reiche Stadtrath Kehlhofer hat seine Zahlungen eingestellt?"
Und dann prangte plötzlich im Verkündigungsblatte die Anzeige von der amtlichen Konkurs* verhängung über den Rentner Kehlhofer.
War das ein Gespräch und ein Aussehen in der Stabt!
(Schluß folgt)