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J\6 31.

Dienstag, den 9. Februar

1886.

,Fuldaer Zeitung^ erscheint tS glich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellqeld: 1 Mk 50 Via — mit der bAetristischen Wochenbeilage ,Sterne «nd ölumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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früher der Reichstag gegen die Einzelstaaten aus.

Tisch.

auf seinem Teller herum.

Platz.

„Das ist sehr gütig von Dir und Deinem Herrn

Gemahl", meinte Pauline, während ihr Gatte, , —u„w lluyill ulutlu. ”et doch nun auch etwas sagen zu müffen glaubte, lich Antheil; ihr Gatte indessen stocherte müssig versetzte: auf seinem Teller herum.

sicht und andere Männer gar keine. Wenn das so wäre, dann würde es um das deutsche Reich schlecht bestellt sein. Redner zeichnet dann die po­litische Situation vonl Standpunkte des Fördera- lismus und der Reichsverfassung. Da cs nicht gelungen sei, Bayern, Sachsen u. s. w. durch den Reichstag preußisch zu machen, so verfolgt der

„Aber sie setzen sich ja gar nicht, Herr Baron."

* Zu der Nachricht, daß die frei-konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses beabsichtige, den im vorigen Jahre abgelehnten Antrag wegen Ver­doppelung der Loose der preußischen Staats­lotterie wieder einzubringen, bemerkt die ,Post': „Es muß diese Nachricht auf einem Jrrthum be­ruhen; in der freikonservativen Partei selbst ist bis jetzt nichts darüber bekannt. Der Lotterie-Etat befindet sich zur Zeit in der Budget-Kommifsion.

** Der Reichstag überwies heute die Vor­lage, betreff, die Bürgschaft des Reiches für eine egyptifche Anleihe der Budgetkommission zur Vor-

Der Reichskanzler könne nicht bange machen, er habe ein großes Felv für seine Thätigkeit vor sich und wenn man auch noch so fleißig ins Abgeord­netenhaus geht, man werde doch immer wieder in

berathung, nachdem Abg. Kayser (Soz.) gegen die Genehmigung gesprochen. Dann wurde in die dritte Berathung des Reichshaushalts für 1886/87 eingetreten. Abg. Liebknecht (Soz.) bekämpft die ruffensreundliche Politik der Regierung, welche die deutschen Kapitalisten veranlaßte, ihre Ersparnisse in Anleihen des bankerotten Rußland anzulegen. Abg. v. Kardorff (Reichsp.) wandte sich gegen die in der 2. Berathung beschlossenen Abstriche im Militär- und Marine-Etat und überhaupt gegen die „Obstruktionspolitik" des Reichstags, wie sie in der Polendebatte, in der Diätenfrage rc. her­vorgetreten sei. Dr. Windthorst vertheidigt vor allen Dingen die in zweiter Lesung aus Ersparniß- rücksichten vorgenommcnen Abstriche. Jeder Ver­such, zu sparen, kann nicht energisch genug unter­stützt werden, denn sowohl die direkten wie die in­direkten Steuern haben eine Höhe erreicht, daß jetzt mit den Steuerbewilligungen aufgehört wer­den muß. Die Herabsetzung der Bedeutung des Reichstags wird dadurch herbeigeführt, daß man Alles auf zwei Augen des Reichs­kanzlers stellt und so thut, als habe er alle Em-

Der Profi ssor und seine Frau sprachen der Mahlzeit tüchtig zu; auch Marie nahm ordent-

„Es schmeckt wohl nicht?" lächelte Pauline , leicht, während ihr Gatte, der eben damit be- Paulme stellte Stühle herbei und man nahm schäfligt war, eine von dem Mädchen gebrachte l Flasche Bier zu entkorken, hinzufügte:

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Februar.

* Dem Moniteur de Rome' wird aus Berlin berichtet, die preußischen Bischöfe würden demnächst eine gemeinschaftliche Antwort an den Papst auf dessen jüngste Encyklica richten.

* Die Sperrgelder sind nach der dem Ab­geordnetenhause zugegangenen Uebersicht über die „eingestellten Leistungen aus Staatsmitteln für römisch-katholische BiSthümer und Geistliche" auf 15,632,134 M. 31 Pf. gestiegen. Der Bestand aus dem Rechnungsjahr 1883/84 war 12,132 860 Mark 55 Pf.; dazu sind 1885/86 gekommen 499,274 M. 31 Pf., wovon an Rückzahlungen ans abgelieferte, eingestellte Leistungen 31,331 M. 36 Pf. kommen, so daß die oben genannte Summe übrig bleibt.

— Die Bimetallisten im Reichstage haben nun doch ihren bereits angekündigten Antrag zu Gunsten der internationalen Doppelwährung nicht eingebracht. Sie fanden im Centrum nicht die nöthige Unterstützung und haben sich nun, um diese zu erhalten, mit dem nichtssagenden Anträge begnügen müssen: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, der Währungsfrage erneut die ein­gehendste Prüfung zu Theil werden zu lassen und das Ecgebniß derselben dem Reichstage mit- j zutheilen.

debatte geschlossen und die nächste Sitzung auf morgen Nachmittag 1 Uhr anberaumt.

** Das Abgeordnetenhaus setzte die Be­rathung des Etats des Ministeriums des Innern fort. Die Abgg. Barth und v. Rauchhaupt be­klagten sich hierbei über das Unwesen herum­ziehender Zigeunerbanden und forderten energisches Vorgehen gegen dasselbe. Ministerialdirektor v. Zastrow theilte mit, daß Verhandlungen über ein gemeinsames Vorgehen der Bundesstaaten gegen dir ausländischen Zigeuner im Gange seien. Der Minister des Innern v. Puttkamer hob hervor, daß die inländischen Zigeuner Anspruch auf die­selbe Behandlung hätten wie andere preußische Unterthanen und daß ihnen der Wandergewerbe­schein nicht ohne Weiteres verweigert werden könne. Die von der Budgetkommission vorgeschlagene Re­solution in Betreff der anderweiten Regelung der örtlichen Polizeiverwaltung und der staatlichen Beitragspflicht zu den Kosten dieser Verwaltung wurde nach längerer Debatte, in der regierungs­seitig eine entgegenkommende Erklärung abgegeben wurde, mit großer Mehrheit angenommen. Abg. Berger befürwortete beschleunigte Einführung der neuen Bauordnung von Berlin aus sanitären Rück­sichten. Weiterberathung morgen.

* In der Diözese Würzburg hat der Priester- mangel auch im abgelaufenen Jahre wieder zu­genommen, indem 25 Priester gestorben und nur 16 Neugeweihte in die «Peelsorge entsendet worden falb. Von 160 Kaplaneistellen sind nur 78, von den 58 Benefizien nur 34 und von den 42 Kuratien und Lokal-Kaplaneien nur 30 besetzt. Zur Unter­stützung alter und kranker Pfarrer sind nur 3 Kooporatoren verfügbar. Man denkt in Unter- franken an Aufbesserung des Einkommens der Geistlichen. Allein damit wird die Wurzel des Uebels kaum getroffen.

Ausland.

* Paris, 5.Febr. Die gestrige Kammersitzung 'rächte eine Ueberraschung. Aufgebracht über die Aeußerung Lanjuinais', das Land werde eines Tages der Republik den Rücken kehren, brachte der Abgeordnete Dach« im Verein mit 15 Gesinnungs­genossen einen in Eile verfaßten Gesetzentwurf ein,

„Wir müssen um Enschuldigung bitten, aber wir sind es gewohnt, einfach zu essen und konnten nicht ahnen, daß wir solch angenehmen Besuch erhalten würden."

„In der That," sagte Münchhofen mit förm­licher Stimme, „Sie speisen sehr einfach, Herr Professor."

„Jeder streckt sich nach seiner Decke," lachte der Professor gutmüthig. „Die Hauptsache ist, meine Frau hat es gekocht und da schmeckt mir Alles. Darf ich Ihnen ein Gläschen Bier ein­schenken, Herr Baron?"

„Ich danke!" versetzte dieser kühl, indem er seine Hand abwehrend über das Glas hielt. „Ich trinke Mittags kein Bier."

„Ich sonst auch nicht," versetzte Weber, der das Verletzende nicht zu bemerken schien, welches in dem Gebühren seines Gastes lag, „aber einem Gaste zu Ehren — "

Münchhofen lachte verletzend auf, so ver­letzend, daß sogar seine Gattin ihn befremdet an- blickte.

„Ich muß Ihnen gestehen, Herr Profesior," sagte er alsdann, „Sie leben aber auch gar zu bescheiden."

Weber schenkte ruhig die anderen Gläser voll und erwiderte alsdann:

„Ich könnte vielleicht auch Wein zu Tische

A Betrogene Betrüger. 4

Eine wahre Geschichte aus der Gegenwart.

Von 6t«rg

„Hier herein?" fragte der Professor mit stockender Stimme. „Aber liebes Kind, der Hecht ist ja schon aufgetragen!"

In demselben Moment rauschte es jedoch schon vor der Thür und herein trat am Arme ihres tadellos gekleideten Gatten die Baronin von Münch­hofen.

Marie, deren schlanker Leib ein kleidsames schwarzes Seidenkleid umschloß, rauschte mit vielem Aufwand von Zärtlichkeit auf ihre Cousine zu, welche sie mit beiden Armen eng umschlang.

„Meine theure Pauline!" rief Marie zärtlich. „Wie es mich freut, Dich müderzusehen! Wir sind heute Morgen angekommen und da drängte es uns, Euch sofort nach den lieben Eltern auf­zusuchen."

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--ist über die Einbringung der 'C a n'äl b au-Dorlage Reichskanzler jetzt einen anderen Weg. Während

im Landtage eine Entscheidung getroff n; die Vor- früher der Reichstag gegen die Einzelstaaten aus-

tage ist in kürzester Zeit zu erwarten. Den Grund gespielt wurde, macht man es nun umgekehrt,

der Verzögerung bildete die Bemessung des Beitraas ----- ' '' '

der Adjacenten."

den Reichstag kommen müssen, der an dem f.fb । hält, was die Reichsverfassung stipulirt. Eine

Aenderung hierin könne nnr durch den Reichstag selbst herbeigeführt werden, ohne dessen Mitwirkung sind alle Pläne gegen die Verfassuug unmöglich. Gegen die Politik des Staatsstreichs legt der Herr Redner feierlichen Protest ein. Nachdem noch die Abgg. Dr. Hänel (deutschfreis.). Dr. von Lenz (nationallib.), Rickert (deutschfreis.) uud v. Hell­dorf (freikons.) gesprochen, wurde die General«

„Aber ich hoffe doch," sagte Marie, „Ihr werdet Euch mit meinem Gatten duzen. Ihr seid doch jetzt mit ihm verwandt!"

„O bitte!" äußerte Pauline leicht, während der Profissor hüstelte und sich eifrig mit dem Reinigen seiner Brillengläser beschäftigte.

„Aber wir stören doch nicht?" sagte Münch­hofen nach einer kleinen Weile verlegenen Still- fchweigens.

„Nicht doch," versetzte Weber. „Wir wollten nur gerade zu Mittag essen."

„Wenn wir zum Mittagbrod einladen dürften," sagte Frau Pauline, „so würde uns dies sehr freuen."

Der Besuch wollte zuerst Nichts von einer solchen Einladung wissen, nahm nach einigem Zögern aber doch schließlich an.

Pauline besorgte rasch noch zwei weitere Ge­decke und bald saß der kleine Kreis um den runden