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1886.

Sonnabend, den 6. Februar

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* Zustimmungs-Schreiben der Bischöfe Australiens an de« deutschen Episkopat.

Eine bedeutsame Kundgebung kommt aus dem entlegenen Australien: ein Schreiben der zum 1. Plenarconcil in Sydney versammelten australischen Bischöfe an die Bischöfe Deutschlands, voll warmer Anerkennung ihrer hohen Verdienste und ihres er­habenen Muthes, der als leuchtendes Vorbild hin­gestellt wird. Das Schriftstück lautet nach der ,Köln. Volksztg.' in der Uebersetzung:

Hochwürdigste Bischöfe!

Wir, Kardinal P. I. Woran, Bischof von Sidney, Apo­stolischer Delegat, und die Bischöfe der siebenzehn austra­lischen Diözesen, die wir auf der ersten australischen Ge- sammt-Synode vereinigt sind, halten es für unsere Pflicht, euer bei dieser Gelegenheit eingedenk zu sein. Wahrlich, eingedenk sind wir des Werkes eueres Glaubens, d-r Mühe, Liebe und des Ausharrens in der Hoffnung unseres Herrn Jesu Christi.

Ihr seid ein Vorbild geworden allen Gläubigen; von euch aus ist das Wort des Herrn nicht nur in Deutsch­land erklungen, sondern an jeden Ort drang euer Glaube, der sich auf Gott stützt.

Denn beseelt seid ihr von dem Geiste edler Kämpfer, des Clemens August Droste v. Vischering und des Martin Dunin, welche Drohungen und Gefängniß nicht fürchtend, tapfer die Rechte der apostolischen Kirche schirmten; ihr befolget das Beispiel der ausgezeichneten Bischöfe Paulus und Miecislaw, welche ihre Treue und Standhaftigkeit im Hirtenamt aus Verbannung und Kerker zum Purpur führte. Christi Statthalter hat sie mit demselben bekleidet; sie, die keine Trübsal, keine lang andauernde Bedrängniß trennen konnte von der Liebe Christi, der uns geliebt hat. Und wie durch sie, so auch durch euch durchfluthet ein Strom der Freude d.ig.Stadl.Ssttes, die auf Petrus gegrür.det ist; denn ein Schauspiel seid ihr geworden den Engeln und Menschen. Wohl hat das Brausen des Sturmes noch nicht sich gelegt, aber die Prüfung selbst erfüllt mit Freude euer Herz; denn nicht werden die Pforten der Hölle die Braut Christi überwältigen. Gott thut große Thaten durch seinen Arm. Er verstört die Hoffärtigen in ihres Herzens Sinne; Er setzt herab Mächtige vom Sitze und erhöht Niedrige.

Und wer möchte am Siege zweifeln, deffen sichere Un­terpfänder ihr schon besitzt? Denn woher kommt jene ein- müthige Uebereinstimmung unter euch, als daher, daß an euch geschieht, was Christus seinen Aposteln vom Vater erflehte: daß sie Eins seien?

Woher kommt jene geradezu wunderbare Treue, kraft deren eine so große Zahl von Priestern, Mitarbeitern euerer Mühe, auf euere Stimme hört, euere Sache schirmt, lieber an eueren Prüfungen theilnehmen, als leichtfertig dem Geiste dieser Welt nachgeben will?

Wer könnte den übrigm Gläubigen euerer Diözesen größeres Lob spenden als ihr, versammelt am Grabe des

A Betrogene Betrüger. 2

Eine wahre Geschichte aus der Gegenwart.

Von Serig tzrecker.

2. Kapitel.

In der Wohnstube des Rentners Kehlhofer standen sich zwei junge Leute einander gegenüber.

Das junge Mädchen, weiches sich eben so vor­nehm als nachlässig zum Gehn wandte,verdiente ent­schieden das Prädikat der Schönheit; davon gaben die herrliche, hochauigerichtete Gestalt nut dem imponirenden, klassisch geformten, von raben­schwarzem Gelocke dicht umrahmten Haupte und die halbverschleierten, mandelförmigen, tiefdunklen Augensterne genügenden Beweis.

Aber auch der junge Mann, welcher in Freiers­toilette vor Marie Kehlhofer, der einzigen Tochter des Rentners, stand, war nicht häßlich zu nennen.

Die Scheu und Befangenheit abgerechnet, welche ihn in dreiem Augenblick beherrschte, war Olto Haßlinger sogar hübsch zu nennen, denn er repräsen- tirte eine stattliche, männliche Erscheinung und sein Antlitz trug die Merkmale eines treuen und offenen Charakters zur Schau.

„Ein für alle Mal," sagte eben Marie, sich zum Gehen wendend, „machen Sie sich keine Hoff­nungen länger, Herr Haßlinger. Meine Absichten haben sich geändert."

hl. Apostels Deutschlands, denselben gespendet habt? Ihr zeiget dem gesummten Erdkreis ihren bewundernswerthen Gehorsam, ihr hebet hervor ihre Treue gegen den Erlöser und die katholische Kirche und lobet ihre Geduld in Ver­folgungen.

Wahrlich, hier ist der Finger Gottes! Wo in solchem Grade die katholische Einigkeit herrscht, da ist der Sieg, der die Welt überwindet.

Die Macht dieser Welt mag erscheinen wie ein furcht­bares Schreckbild; aber das Steinchen aus der Schleuder David's, der im Namen Gottes kommt, besiegt den Go­liath, der die Kraft Gottes verachtet, und der Stein vom Berge zerstört das Bild Nabuchodonosor's, welches bis zum Himmel zu ragen schien.

Ehrwürdige Bischöfe! Zwar bewundern wir eueren Muth und vertrauen auf den vollständigen Sieg; aber dennoch können wir nicht umhin, euere Lage zu beklagen. Gehindert seid ihr bei der Erbauung und der Zier der Mauern Jerusalems, weil ihr wenigstens mit der einen Hand die Feinde abwehren müsset vom Erbtheil des Herrn.

Fast verzehrt wird euere Kraft und Stärke in Verthei« digung der Rechte der Kirche; dadurch wird eine bessere Er­bauung des himmlischen Jerusalem behindert und der Glanz des göttlichen Werkes getrübt.

Mit euch beklagen wir die Erniedrigung der Braut Christi, wir beklagen die Verbannung der Hirten, wir be­klagen den geistlichen Hunger, „da kaum Jemand ist, der den Kleinen das Brod breche."

Dieser unser Schmerz ist um so größer, weil wir hier die Macht und Schönheit der Braut Christi sehen, wenn sie nicht gefangen, sondern ein glückliches Loos ihr zuge­fallen ist. In unseren Gegenden ist der unserer Sorge anvertraute Weinberg zwar noch eine junge Pflanzung, aber gepflanzt von jenem Landmanne, der seinen Sohn gesendet hat. Erst 50 Jahre sind seit der Anlegung ver­flossen, und schon ist unser Weinberg in wunderbarer Weise yerangewachsen. Den Kranz der Bischöfe seht ihr umgeben trott -cttu-t großen Zahl „on Leviten, die hier in dem herr­lichen Tempel der sei. Jungfrau Maria versammelt sind. Mit uns blicket hin auf die Zahl der in unseren Landen errichteten Tempel, die Menge der Jugend, die in katho­lischen Schulen vorbereitet wird zu kämpfen die Kämpfe des Herrn; mit uns sehet die Menge der Gläubigen, welche gespeist werden mit dem Worte und Brode des Lebens.

Deshalb, ehrwürdige Brüder, weil wir sehen, was eine von den Ketten und Banden einer gegnerischen Macht freie Kirche vermag, beklagen wir wiederholt mit euch die Ge­fangenschaft der Braut, die Blindheit der Gegner, den Verlust der Seelen. Wir hoffen, nicht fern möge die Stunde sein, zu welcher der Braut Christi die ihr gebüh­rende Freiheit zugestanden wird. Das sind unsere Wünsche für euch, ehrwürdige Brüder.

„Er aber, der Gott des Friedens, möge euch immer­währenden Frieden an jedem Orte verleihen. Gott sei mit euch Allen."

Gegeben zu Sydney, am 29. November 1885.

(gez.) Patrick I. Woran, Cardinal, Erzbischof von Syd-

Der junge Mann zuckte zusammen, aber im nächsten Augenblick richtete er sich hoch auf.

„Verzeihen Sie mir," sprach er mit Bitterkeit, „wenn ich Sie an Versprechungenjerinnerte, welche Sie vor undenklich langer Zeit, vor schier einem halben Jahre, mir gaben. Sie waren damals noch nicht in dem französischen Pensionat gewesen —"

„Ich täuschte mich in meinen Gefühlen," ver­setzte das junge Mädchen unrnuthig.

„Ich glaube es Ihnen, gnädiges Fräulein," sagte Haßlinger mit Nachdruck, „und ich will nur hoffen und wünschen, daß Sie es nie bereuen, einen zwar einfachen, aber rechtschaffenen Mann zurückgestoßen zu haben, der Sie immer von Herzen lieb gehabt hat."

Der junge Mann verbeugte sich tief und förm­lich und verließ das Zimmer.

Als er im Hausflur angelangt war, blieb er einen Augenblick stehen und lächelte bitter vor sich bin.

„Das hätte ich nicht gedacht," sagte er dann leise. „Doch vielleicht ist es besser so. Ward ich auch um eine Hoffnung ärmer, so habe ich dafür manche schätzbare Erfahrung gemacht."

Oben im Wohnzimmer hatte sich unterdessen Marie mißmuthig in eine Ecke des Sophas ge­worfen.

„Lächerlich," sagte sie zu sich selbst, „ein arm-

ney, Apostolischer Delegat. Daniel Murphy, sBischof von Hobarttown. Rodesind, Bischof von Victoria. Patrick Woran, Bischof von Dunedin. James Murray, Bischof von Maitland. William Lanigan, Bischof von Goulburn. Martin Griver, Bischof von Perth. Christoph August Reynolds, Bischof von Adelaide. Franz Redwood, 8. M., Bischof von Wellington. Elzear Torrigiani, 0. 8. F„ Bischof von Armidale. Johann Cani, Bischof von Rock­hampton. Robert Dunne, Bischof von Brisbane. Johann Edmund Luck, O. 8. F„ Bischof von Auckland. James Moore, Bischof von Ballarat. Stephan Reoille, O. 8. A., Bischof von Sandhurst. Joseph Patrick Byrne, Bischof von Bathurst. Johann Hutchison, O. 8. A„ Apostolischer Vikar von Queensland. Patrick Joseph, Procurator des Erzbischoss von Melbourne.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Februar.

** Der Reichstag genehmigte heute in erster und zweiter Lesung den Gesetzentwurf, betrtffenb die Bürgschaft des Reiches für die Zinsen :c. einer egyptischen Anleihe. Der Gesetzentwurf, betreffend Abänderung des § 137 des Gerichtsverfassungs- Gesetzes soll in zweiter Berathung im Plenum er­ledigt werden. Es handelt sich darum, Verschie­denheiten in der Rechtsprechung der Cioilsenate gegenüber derjenigen der Strafsenate zu verhüten und auszugleichen. Schließlich wurden Wahlprü­fungen erledigt. - Nächste Sitzung Montag: Dritte Berathung des Etats.

* Die am 28. und 29. Januar vorn Fürsten Bismarck im Abgeordnetenhause g-haltenen Reden werden von reptilischer Seite vielfach in Massen verbreitet. Höchst unvorsichtig! Denn wie soll das wirken, wenn möglichst allgemein bekannt wird, daß der Reichskanzler für bie Berufung auf eine feierliche königliche Proklamation „keinen Pfiffer­ling" gibt, daß er geneigt ist, den gefammten polnischen Adel für bie Kleinigkeit von 300 Mll. Mark zu „expropriiren", unb was ber son­stigen Rebeblülhen mehr sind.

* Die Poleubebatte wirb von ber ,Frkf. Ztg/ fortgesetzt mit ber ausgesuchtesten Ironie behandelt. So bemerkt das Blatt u. 31. Folgendes: „Wie aber auch im Reich jetzt die Wogen gehen, wir Frankfurter sind sicher, uns können sie nichts anhaben. Wir haben durch Metzler die Geschäfts­ordnung vergewaltigt, wir haben sie durch Flinsch

seliger Amtsrichter und ich! Wie paßte das zu­sammen?"

Sie trat vor den hohen Spiegel und schaute selbstgefällig ihr Bild darin an.

„Ja, ich bin schön," sagte sie dann sinnend, indem sie ihr Spiegelbild fortfuhr prüfend zu be­trachten, „unb ich sollte meine Jahre vertrauern an ber Seite eines unbebeutenben Menschen, ich, bie ich zum Genuß unb zur Freube geschaffen bin, wie keine Andere?"

Eine hagere, ältliche Dame trat in das Zimmer und schritt langsam auf das junge Mädchen zu.

„Nun, mein Kind," sagte sie mit süßlichem Lächeln, „hast Du dem Habenichts gründlichheim­geleuchtet?"

„Ist geschehen, Mama," sagte das junge Mädchen, laut lachend. „Du hättest sehen sollen, wie tragisch er zum Schluffe wurde."

„Rann es mir denken," versetzte die Mutter spitz. „Den wären wir glücklich los. Wenn unser jetziges Mittel hilft —"

„Du meinst das Inserat?" fragte Marie rasch. „Er ist nicht daran zu zweifeln, daß Jemand anbeißt."

„Ja, es muß helfen," meinte Frau Kehlhofer. „Es muß helfen, Kind, sage ich, denn sonst sitzen wir Alle zusammen in der Tinte."

„Wieso?" fragte das junge Mädchen unb sah bie Sprechenbe erschreckt an.