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Donnerstag, den 28. Januar

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1886.

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Deutsches Reich.

Berlin, 27. Januar.

* Das Abgeordnetenhaus berieth heute über den Antrag der Freisinnigen auf Einführung der ge Heimen Abstimmung bei den Wahlen zum Abgeordnetenhause und denKommunalwahlen. Abg. Uhlendorff (frei).) begründete den Antrag, der immer wieder koinmen werde, bis er Berücksichti­gung gefunden. Abg. v. Eynern (nl.) charakteri- nrte den Antrag als einen rein agitatorischen, da deffen Aussichlslosigkeit von vorn herein feststehe. D.e öffentliche Abstimmung habe den Vorzug, daß der Gewählte seine Wähler kenne und in der Lage fei, sich über deren Meinung zu informiren. Die Freisinnigen suchten sich allerdings dadurch zu Hel­sen, daß sie die Stimme ihrer Presse, die sie selbst schreiben, als die Stimme der Wähler ausgeben. Der Adg. Fuchs (Centrum) geißelte mit trefflicher Ironie den Vorredner. In der Heidelberger Er­klärung steht, daß die Nationalliberalen für ge­heime Wahlen sind. Herr v. Eynern hält fest an der Heidelberger Erklärung, stimmt aber gegen den Antrag auf Einführung des geheimen Wahlrechts. Herr Fuchs wies die Ausstellung zurück, als ob die Minoritäten nach den Ansichten des Herrn v. Eynern zu handeln hätten. Mit dem vollen Ernst, den eine so wichtige Angelegenheit erfordert, setzte er an der Hand seiner praktischen Erfahrungen auseinander, daß bei der jetzigen öffentlichen Wahl eine freie Wahl unmöglich ist. Er-stellt es als, eine ernste Pflicht des Staates hin. Frhr. von Zedlitz (freikonservativ) sprach sich gegen den Antrag aus. Wenn wir aber nur auch aus seiner Rede eine triftige Begründung dieser Gegnerschaft herausgehört hätten! Er stellte sich einfach auf den Standpunkt des Herrn v. Eynern. Die Regierung und die Majorität des Hauses sind gegen das ge­heime Wahlrecht, .der Antrag Uhlendorff hat des­halb nichts mit ernster prahlerischer Politik zu thun, deshalb sind die Freikonservativen dagegen. Herr v. Zedlitz drückte das zwar in gewählten Worten aus, die weitab waren von dem Bramar- baston des Herrn v. Eynern, aber damit vermochte er in keiner Weise über die Dürftigkeit seiner Ar­gumentation hinwegzutäuschen. Nach Herrn von Zedlitz ergreift Dr. Windthorst unter der tief- fien Stille des Hauses das Wort. Ec stattet vor

-H- Auf geheimnisvollen Wege«.

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Des alten Mannes Gesicht übergoß dunkle Zor- nesröthe. „Und diese Botschaft schickt sie mir?" Es schien, als ob feine Augen auf dem Grunde von Eugen's Seele lesen wollten, so fest waren sie auf ihn gerichtet.

„Ja, und noch mehr!" entgegnete der Schurke mü festem Blick. „Sie hat meine Liebesbetheue- rungen verhöhnt, sie hat meinen Antrag abgewie- ieu! Sie stellt Dich und mich auf eine Stufe der Lächerlichkeit, und sich stützend auf die Aussicht, binnen Kurzem die Gemahlin des jungen Herzogs von Beaufort zu werden, ist sie voller Zorn und Verachtung — ganz und gar die echte Tochter ihres nichtswürdigen Vaters!"

„Und sie will nicht zu mir zurückkehren? Sie 'ogte es Dir, daß sie mich haßt?"

^.,Ja!" rief Graf Eugen mit heiserem Lachen. „Sie selbst hat es mir gesagt und zwar mit so furchtbarem Hohn, daß ich es glauben mußte. Uebrigens kannst Du Gelegenheit finden, sie zu sehen, wenn Du es willst, Onkel. Du kannst sie anflehen um ein Almosen der Liebe! Du kannst fit sehen, hier — auf Sanssouci!"

Allem dem Herrn v. Eynern seinen Glückwunsch ab, daß er sich jetzt als Führer der Mittelpartei eingefühct. Der Anschauung der Herren v. Eynern und v. Zedl.tz, als ob man nur das beantragen könne, was der Regierung genehm, stellt Excellenz Windthorst entgegen die positiven Ziele des Antrages. Er ist der Ansicht, daß, wenn man auch nicht irgend welche Aussicht hatte, diesen An­trag durchzubringen, man ihn doch einbringen mußte. Das erste positive Ziel ist das, daß man, wenn man nicht heute etwas erreichen kann, immer und immer in Angriff nimmt, bis man es durchsetzt. Ideen muffen stets auf's Neue behandelt werden, bis sie zum Durchbruch kom­men. Das zweite positive Ziel ist, um Herz und Nieren zu erforschen. Was im Reichstag Herr v. Helldorff gesagt, ist noch in aller Erin­nerung. Der Herr Abgeordnete ist der Meinung, daß man erstrebt, auf dem Gebiete des Wahlrechts eine weitgehende Aenderung herbeizuführen; er habe von einem hochstehenden Manne gehört, daß bis 1890 alles fertig sei. Exzellenz Windthorst führte diese Gedanken in längerer Rede und unter der größten Aufmerksamkeit des Hauses aus. Minister v. Puttkamer lehnte es nach der Stellung­nahme der Regierung zu dem Sternschen Anträge ab, den Antrag in Betracht zu ziehen, und er­klärte gleichzeitig, daß die preußische Regierung keine Schritte behufs Abschaffung des für die Reichstagswahlen gültigen Systems thun werde. Abg. v.. Hammerstein (cons.). erklärte die Durch­führung eines auf korporativen Organismen be­ruhenden Wahlrechts als noch in ferner Zukunft liegend. Nachdem noch Abg. Dr. Hänel (freis.) als Schlußredner für den Antrag eingetreten, wurde derselbe mit 241 gegen 148 Stimmen ab­gelehnt. Dagegen stimmten die Rechte und National­liberalen. Morgen: Antrag Achenbach betr. die Polenfrage.

*• Der Reichtag führte heute die zweite Be- rathung der Reichshaushaltsetats fort. Die Etats des Reichskanzlers und der Reichskanzlei, des Reichs­amts des Innern, des allgemeinen Pensionsfonds und des Jnvalidenfonds wurden unverändert ge­nehmigt. Beim Etat des Reichsamts des Innern erklärte Staatssekretär v. Bötticher, daß in dem nächsten Etat ein höherer Betrag zur Unterstützung für den deutschen Fischereiverein zur Förderung

„Sie kommt — sie kommt hierher?" stammelte der Marquis athemlos.

Graf Eugen lachte höhnisch auf. „Ja! Sie kommt hierher, im Geheimen mit dem Herzog von Beaufort. Du weißt, Sanssouci ist ein Oct, der häufig von Fremden besucht wird. Giralda kommt hierher als einfache Besucherin des Land­sitzes, während in Wirklichkeit hier eine Zusam« Mcnkunft zwischen ihr und ihren Eltern stattfinden soll. Ihr Vater ist irgendwo hier versteckt. Willst Du zuhören, wenn sie sich darüber lustig machen, wie sie den alten Narren von Marquis de Vigny gründlich betrogen haben? Hast Du Verlangen, noch einmal in das falsche Gesicht Deines betrügerischen Neffen zu sehen, der es ge­wagt hat, ein Attentat auf feinen Onkel und Wohlthäter zu verüben? Die Gelegenheit ist da — willst Du sie Alle sehen, die ganze, falsche Brut?"

Der Greis rang die Hände in Verzweiflung. Sein Gesicht wurde abwechselnd blaß und roth. Ec sah seinen schurkischen Neffen an, als ob er ihn etwas fragen wollte, aber er vermochte kein Wort hervorzubringen.

Graf Eugen's Ton wurde bitterer und giftiger. „Herr Marquis," rief er und es leuchtete teuflisch auf in feinen Augen, „wollen Sie noch einmal

der künstlichen Fischzucht eingestellt werden solle. Beim Jnvalidenfonds kam es zu einer Auseinander­setzung über die Petitionen von Stadtgemeinden um Herabsetzung des Zinsfußes für Darlehn aus dem Reichsinvalidenfonds. Auf eine Anfrage des Abg. Rickert erroieberte Staatssekretär v. Burchard daß der Bundesrath noch nicht in die Lage ge­kommen sei, zu den Petitionen, die an den Reichs­tag gerichtet seien, Stellung zu nehmen. Abg. Bamberger sprach gegen die Herabsetzung des Zinsfußes. Die Abstimmung über die Petitionen findet erst in dritter Lesung statt Die gestern ausgesetzte Abstimmung über den Neubau eines Avisos ergab Ablehnung mit 105 gegen 100 Stimmen. — Morgen: Anträge betr. die dänische Sprache und betr. Abänderung der Gewerbe­ordnung.

* In hiesigen Finanzkreisen wird versichert, die Erklärung, welche Finanzminister von Scholz im Abgeordnetenhause gegen die Agitation der An­hänger der Doppelwährung abgegeben hat, sei auf Grund eines Beschluffes des preußischen Staatsministeriums erfolgt.

* Crefeld, 26. Jan. Hr. Redacteur Heinrich Otto von der .Niederrh. Volksztg.' hat gestern die ihm s. Z. von der hiesigen Strafkammer wegen Beleidigung des preußischen Staatsministeriums (der incriminirte Artikel enthielt eine scharfe Kritik der den Barmherzigen Schwestern in Preußen zu Theil werdenden Behandlung) zuerkannte dreimonat­liche Gefängnißstrafe in der Strafanstalt zu Düffel- dorf'angetreten.

* Au» Cassel wird der ,®erm.' geschrieben: Nachdem die Wahl des nationalliberalen Reichs­tagsabgeordneten Gottburgsen wegen des Verbotes der sozialistischen Wahlversammlung annullirt worden, ist man hier ungemein gespannt darauf, welches Verdikt der Reichstag bezüglich der Wahl des konservativen Abgeordneten Dc. Lotz fällen wird, da auch in Cassel diese Versammlungen untersagt waren.

* Waldshut (Baden), 25. Jan. Wie man dem ,Bad. Beob.' versichert, verzichtet der ,Alb- bote' auf die mit so großem Pomp angekündigte Prioatklage gegen die 51 Geistlichen, welche gegen die kirchenfeindlichen Tendenzen dieses Amts« Verkündigers öffentlich Protest erhoben haben. — Das läßt, um mit Sabor zu reden, „tief blicken!"

das Gesicht desjenigen sehen, welcher vor achtzehn Jahren Sie im Schlaf überfiel, mit der Absicht, Sie zu ermorden? Wollen Sie noch einmal in die blauen Augen sehen, die jenem Knaben angehörten, den Sie wie einen Abgott liebten — in die Au­gen des Mannes, den Sic Haffen wie die Sünde? Wollen Sie hören, wie er seine Tochter nach Ihrem Aussehen befragt und ob Sie noch lange leben könnten? Sprich, Onkel, willst Du Armand de Vigny wiedersehen?"

Alle böse Leidenschaften, welche so lange ge­schlafen im Herzen des allen Marquis durch diese berechnenden Worte seines schlauen Neffen wurden sie geweckt mit jäher Gewalt und brachen nun im mächtigen Lauf hervor, wie der Bergstrom sich Bahn bricht, von Ungewittern geschwellt. Giralda und seine Liebe zu ihr waren vergeffen und der Haß und die Rache, welche jahrelang in ihm geschlummert, sie hatten roieber Besitz ge­nommen von ihm und scheuchten alle milden Gefühle, die sich noch geltend machen wollten, in die Flucht.

„Ja," sprach er und seine Stimme klang wie fern grollender Donner, „führe mich zu ihm. Laß mich den Schurken sehen. Ach, daß ich ihn gerade in dem Moment der strafenden Gerechtig- keit überliefern könnte, wenn er sich am sichersten glaubt!"