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21. Mittwoch, den 27. Januar 1886.

Fuldtlcr Sl Jalung.

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Die katholische Kirche in England.

♦ In England macht der Katholizismus über­raschend große Fortschritte. Vor zwanzig Jahren gab «S z. B. in der Grafschaft Suffex kaum einige Katholiken mit ein oder zwei armseligen Kapellen. Jetzt zählen sie hier nach Tausenden, täglich baut man neue Kirchen, man verdoppelt die Pfarreien. M. I. A. Froude, ein protestantischer, englischer Schriftsteller, sagt, daß in jenen Gegenden Eng­lands, wo im Anfänge dieses Jahrhunderts die Katholiken äußerst selten waren, und wo man den bloßen Gedanken einer Rückkehr zum „Papismus" (Papstthum) als Tollheit bezeichnet hätte, nun« -nehr dieser selbe „Papismus" mit einer unerklär- .ichen Kraft und Schnelligkeit wieder auftrete. Folgende Ziffern sind vollkommen genau: Im Jahre 1875, also vor zehn Jahren, gab es im eigentlichen England, also ohne Irland und Schott­land, 1364 katholische Priester, heute gibt es deren 2198. Im Jahre 1875 besaßen die Katholiken daselbst 874 Kirchen oder Kapellen, heute aber 1259. Für einen so kurzen Zeitraum gewiß ein ungeheurer Zuwachs. Vor einigen Jahren ver­öffentlichte ein englisches, protestantisches Blatt unter dem Titel: „Roms Rekruten" eine Liste, worin 1500 der angesehendsten Personen aufge­zählt sind, welche seit Anfang dieses Jahrhunderts katholisch geworden sind. Im vorigen Jahre ist diese Liste in der 5. Auflage erschienen; sie ent­hält jetzt die Namen von mehr al« 3000 Per­sonen, welche alle eine hervorragende Stellung in der Gesellschaft einnehmen. Alle Gesellschastsklaffen sind vertreten: Adel, Bürgerthum, Armee, Marine, Medizin, Richterstand, Wiffenschast, CleruS und Universitäten, alle diese Klaffen haben bedeutende Männer geliefert, die heute der katholischen Kirche theils in der Welt, theils im geistlichen Stande dienen. Im englischen Oberhause sitzen zur Zeit 40 katholische Mitglieder; die Mehrzahl von ihnen find bekehrte Protestanten. Die Armee liefert zu der Liste nahezu 150 Namen, darunter 12 Generäle und einige Obersten. Der englische CleruS und die protestantischen Universitäten haben gleichfalls eine bedeutende Zahl zu den „Rekruten Roms" geliefert. Man kann ohne Uebertreibung behaup­ten, daß es heute keine bedeutende Familie Eng. lands mehr gibt, welche nicht das eine oder das

-H- Auf geheimnisvoller» Wege«.

Roman von J Mrefttt. ,

LVI.

der Solitude war inzwischen eine bedeutende Veränderung vorgegangen. Jacques Ricard, wel­ker während einiger Tage zwischen Leben und ^.od geschwebt, war durch die Bemühungen des Dottors glücklich der größten Gefahr entriffen, und sein Erstaunen war nicht gering, als er Sedle, das Ideal seiner Jugend, vor sich sah. In seinen Fieberphantasien nannte er oft genug chren Namen, um sie zu überzeugen, daß seine Gedanken noch nach achtzehnjähriger Trennung bei ihr weilten. Sie hatte es sich daher fest vorge­nommen, ihren einstigen Verlobten zur Umkehr und zur Ablegung eines offenen Geständnisi.ü vor dem Marquis de Vigny zu bewegen, um dem verrathenen Grafen Armand und feiner Familie »u chrrm Rechte zu verhelfen.

hEe in Erfahrung gebracht, daß die Comteffe von Chatrois lammt ihrem Vater und ^em Marquis in dem Landsitze Sanssouci ver« besänftigenden Zureden gelang es iqUietzluh, Jacques zu bestimmen, mit ihr dahin ju reifen, um durch Enthüllung der Wahrheft

andere Glied in den Reihen der Katholiken hat. Englische protestantische Bischöfe haben dort ihre Brüder, Schwestern, Vettern, manchmal sogar ihre Kinder. Der Graf von Granville gab der Kirche mehrere seiner Schwestern, Nelson zwei oder drei seiner Enkel; der letzte Erzbischof von Canterbury und der gegenwärtige Bischof von Oxford sind durch zwei Schwäger vertreten; von Lord Byron finden wir eine Enkelin. Ein Vetter Gladstone'» bereitet sich gegenwärtig auf die priesterlichen Weihen vor. Es ist wahr, daß es sich in Eng« land noch nicht um eigentliche Maffen-Bekehrungen handelt, aber die Einzelübertritte sind so zahlreich, daß sie in manchen Kirchen Londons jährlich die Zahl von 600 übersteigen. Vor wenigen Jahren zog die Bekehrung zweier Vikare der St. Bartho« lomäus-Pfarrei in Brigthon den liebertritt von mehr als 300 Pfarrangehörigen nach sich, und noch in jüngster Zeit sind in Folge von religiösen Vorträgen einiger aus Frankreich vertriebener Ordensgeistlichen mehrere Landgemeinden zum grüß- ten Theile katholisch geworden. Ein großer Theil der englischen Protestanten nähert sich ohnehin schon, ohne katholisch sein zu wollen, der katholi- schen Kirche. Die sogenannten „Ritualisten" ober „Englisch-Katholischen" haben nämlich fast dieselben kirchlichen Gebräuche angenommen, wie die wirk­lichen Katholiken. In Folge besten lasten sich zwar manche Protestanten abhalten, katholisch zu werden, weil ihnen die äußere Aehnlichkeft der ritualistischen Kirche mit der katholischen 'genügt. Aber viele ernstere Geister fragen sich, weshalb zwei Religion»- gesellschasten, die sich so ähnlich sind, trotzdem ge­trennt bleiben? Sie denken nach, forschen und finden dadurch häufig die Wahrheit. Die übrigen Protestanten führen deshalb einen erbitterten Kampf gegen die „Ritualisten". Trotzdem nimmt die Be­wegung beständig zu. Offenbar verfolgt die gött­liche Vorsehung hohe Ziele damit, und ist die gänzliche Bekehrung Englands zur katholischen Kirche vielleicht nicht mehr allzuferne.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Januar.

•* In der Polenfrage wollen die gouverne- mentalen Parteien nach der vom Kanzler zuge­sagten Motivirung der Ausweisungen ein Urtheil

dem schurkischen Grafen Lamartin sein nichtswür­diges Beginnen zu vereiteln. Ricard, von seinen Verletzungen und deren Folgen zwar noch er­schöpft, ließ ti ruhig geschehen, daß Cecile einen bequemen Wagen besorgte, und die Beiden machten fich nach kurzen Vorbereitungen auf den Weg nach Sanssouci.

Während von dieser Seite hin zu Gunsten des Grafen Armand gestrebt wurde, mar Gras La­martin bei dem Gefängniß Giralda's angekommen und sand zu seiner Verwunderung den Eingang offen. Mit einem gräßlichen Fluch auf den Lippen stürzte er in Giralda's Zimmer, allein feine Ge­fangenen waren verschwunden — das Zimmer war leer. Wuthschnaubend polterte er die Fischers­frau und feinen Diener au» dem Schlafe, jedoch konnten diese Beiden über das räthselhafte Ver­schwinden der Gefangenen keine befriedigende Aus­kunft geben.

„Abermals entkommen!" knirschte Graf Eugen. „Nun muß ich meinen letzten Trumph ausspielen! Rache! Ich kenne nur die» eine Gefühl! Bald werdet ihr aus allen den Himmeln gestürzt fein, in denen ihr Euch jetzt wähnt! Und Du, Herzog von Beaufort, der Du gewiß Deine Hand im Spiele hast, Du zahlst die Freiheit Giralda's mit Deinem Blute!"

über dieselben aussprechen. Die Berathung ihres diesbezüglichen Antrages „betreffend die Maßregeln gegenbie Polonisirung der preußischen Ostprovinzen" soll große Dimensionen annehmen. Die Berathung sollte schon morgen stattfinden, ist aber, angeblich weil Fürst Bismarck daran Theil nehmen will und nicht ganz wohl ist, auf übermorgen ver­schoben worden. Der Antrag der Konservativen und Nationalliberalen, betreffend die Anerkennung des Rechts und der Verpflichtung der königlichen Staatsregierung zum Sckmtze der deutsch-nationalen Jntereflen in beir östlichen Provinzen nachdrücklich einzugreisen, ist von folgenden hessischen Ab­geordneten unterzeichnet: Althaus, Bork, Dr. EnnecceruS, v. Gehren, Dr. Grimm, Hellwig, Dr. Oetker, Schreiber, Seyfahrth. — Das Cen- tium hat eine motioirteTagesordnung eingebracht; dieselbe lautet: „In Erwägung, daß es unthunlich ist, 1) bisher nur angedeuteten noch unbekannten Maßregeln der k. Staatsregierung im Voraus zu­zustimmen, und 2) die Gewährung von Mftteln, und zwar ohne alle Beschränkung zur Durchführung solcher Maßregeln zu versprechen, über den Antrag der Herren Abg. Dr. Achenbach und Genossen zur Tagesordnung überzugehen." Die Freisinnigen und auch die Polen werden ähnliche Anträge einbringen. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' fährt fort, diplomatische Aktenstücke zur Polenfrage aus dem Jahre 1864 zu veröffentlichen, ohne daß der Zweck dieser Publi­kationen erkennbar ist.

* Der Pariser ,Unioer»' erhält aus Rom die folgende wichtige Depesche: „Am Freitag hat Hr. v. Schlözer dem Vatikan den Wortlaut des neuen kirchen-politischen Gesetzes betr. die Freiheit der Erziehung des Klerus und dis Juris­diction der Bischöfe zugestellt, um die Ansicht des Vaticans über diese Vorlage zu vernehmen und einen entsprechenden modus vivendi herbeizuführen. Es ist bas erste Mal, baß Preußen in biefer Form dem Vatikan ein Kirchen-Gesetz unterbreitet. Die Tragweite dieses Vorganges wird als eine sehr bedeutende bezeichnet. Die Posener Erz- bisthumSfrage ist geregelt. Preußen acceptirt einen der drei vom Vatican präsentirten Candidaten." Bestätigung dieser an sich nicht unwahrscheinlichen Nachrichten bleibt abzuwarten.

• Wie man der ,Frkf. Ztg.' meldet, soll der Gedanke der Errichtung einer päpstlichen Nuntiatur

Sich plötzlich eines Befferen besinnend, rief er zu dem verlegen dastehenden Bertram: „Die Flüchtigen können noch nicht weit sein, in bet Stadt können wir sie sicherlich noch einholen. Fort, ich eile voran», durchsucht inzwischen die Gegend hier, ob sie nicht irgendwo versteckt sind. Aber seid aufmerksam, hört ihr, sonst zertrete ich Euch, elende Kreaturen, wie ich meinen Todfeind ver­nichten werde!" Er stieg zu Pferde und 'prengte davon. Kurze Zeit später fand die Fischersfrau von der Klippe ihren Mann fest schlafend unter der Hecke, wo ihn Gilbert am Vorabende ver- laßen hatte. Der Empfang, den sie ihm bereitete, war nichts weniger als zärtlich.

Eugen von Lamartin eilte, nachdem er selbst die Gegend furchtlos durchstreift, nach dem Gast­hofe und richtete seine Fragen an den Wirth, der keinen Anlaß fand, ihm die Antwort oorzu- enthalten.

„Der Herzog von Beaufort befindet sich soeben mit seiner Gesellschaft beim Frühstück," entgegnete der Eigenthümer des Gasthofes.

„Mit seiner Gesellschaft?" wiederholte Graf Eugen bestürzt.

„Ja, Euer Gnaden, mit Fräulein Alvarez und deren jüngeren Bruder. Der Wagen, welcher sie nach Sanssouci zur Comteffe von Chatroi«