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büchern herauszuziehen, die in ihrer Zusammen­stellung geeignet sind, die Vergangenheit diese» allen Huttensitzes und seiner Umgebung, wenn auch im größeren Rahmen, zu skizziren.

Die Salzquellen am Ausgange des Salzthales, uni die einst die Hernianduren und Chatten kämpf­ten, waren gegen oas Ende des aä-ten Jahrhun­derts als Eigenthum des Klosters Fulda bekannt. Diese» Kloster, obwohl erst im März 744 durch den hl. Sturmius gegründet, war bereits unter dem Abte Rhabanus (822—842) zur schönsten Blüthe und Machtentfaltung gelangt und desien Grundbesitz erweiterte sich durch die Gunst vieler geistlichen und weltlichen Großen von Jahr zu Jahr. Die erste in der Landesbibliothek Fulda noch vorhandene Schenkungsurkunde, die „Chatula St. Bomfatii," ist diejenige des Majordomus Kartmann und trägt die Jahreszahl 744. Sie bezieht sich auf Landabtretung in der unmittel­baren Nähe des Klosters. Später, insbesondere durch weitere Schenkungen Karls des Großen, sowie durch Tausch, gelangten die Aebte Fuldas in den Besitz eines Landstriches an der Kinzig. Ein Tauschhandel, der im Jahre 900 zwischen dem Abte Hatto und einem Grafen Stephan abge­schlossen und vom Könige Ludwig zu Tribur be­stätigt wurde, verschaffte der Kirche Fulda einen arrondirten Besitz zwischen dec Kinzig und der Bracht. Rach der interessanten gleichfalls erhal­tenen Tauschurkunde erstreckte sich derselbe vom Einflüsse der Bracht in die Kinzig, die Bracht hinauf bis an die Riedbach und nach Reichenbach, von da über das Salzthal nach Ulmbach und Kresienbach, an der Steinbach hinab bis wieder an die Kinzig und zwar mit dem Hauptorte Salza und den dazu gehörigen Mineral-Quellen. Dieser Hauptort ist das zu einem kleinen Dörfchen zu­sammengeschrumpfte „Salz", da» im Jahre 1734 mit Soden vereinigt wurde. Schon im Ansange des achten Jahrhunderts war der Sidelott Salza als der ausgedehnteste im Kinzig und Salzthale bekannt und man darf wohl annehmen, daß eine rege Ausbeutung der Mineral-Quellen die Veran­lassung zu seiner Größe und Bedeutung gewesen ist.

Eine uralte Veste sollen die Ausläufer des Vogelsberges zwischen der Salza und der Kinzig damals gekrönt haben. Sie war schon gegen das Ende des 9. Jahrhunderts vollständig zerfallen und die Aebte von Fulda ersetzten sie durch eine neue Burg, die iin Jahre 920 entstand und den Namen Stolzenberg erhielt. Sie war bestimmt, den Eingang zum Salzthale gegen die Angriffe der benachbarten Ritter, insbesondere gegen die Herrn von Jossa, zu vertheidigen, die immer neue Anstrengungen machten, um in den beneidenswerthen Besitz des Salzquellengebietes zu gelangen. Jedoch widerstand sie den zahlreichen Belagerungen nur bi» in die Mitte de» 13. Jahrhunderts.. Abt Heinrich von Erbthal IV. (1249—1261) legte sie nieder, um sie von Neuem mit Genehmigung

„Nach dem Gasthofe."

„Aber derselbe wird geschlossen sein zu so später Nachtstunde," versetzte das junge Mädchen ängstlich.

„Sei unbesorgt, Giralda," antwortete Gilbert eifrig. „Wir können in diesem Augenblick nirgend» anders hin. Ueberlaffe nur Alles mir!" Sie waren inzwischen bei der Vorstadt von Vernon an­gekommen. Bis jetzt waren sie Niemandem be­gegnet, aber plötzlich hörten sie das Aufschlagen von Pferdehufen auf das Pflaster in einiger Ent­fernung, doch war Niemand zu sehen.

„Es wird un» gleich ein Reiter begegnen," sagte Gilbert. „Eugen wird kommen. Man hat ihm geschrieben. Möglicherweise ist er e». Wenig­stens ist er jetzt keine besonder« passende Zeit für ordentlich» Leute, zu Pferde unterwegs zu sein."

Er sah umher. In der Hecke an der anderen Seite der Weges war eine Oeffnung. Sie gingen hinüber und traten hinter das Gebüsch, von wo aus sie den Weg überblicken konnten, ohne jedoch selbst gesehen zu werden.

Der Reiter, den sie hatten kommen gehört, kam jetzt um die letzte Biegung des Weges und ritt an ihnen vorbei, die Richtung nach Giralda's Gefängniß nehmend. Das Pferd, welches er ritt, war müde und mit Schaum bedeckt, ein Zeichen, daß es eine weite Reise geniacht hatte. Das Ge­sicht des Reiters war ihnen zugewandt und sie erkannten in ihm — den Grafen von Lamartin. Sie warteten bis er aus ihrem Gesichtskreise ver­

des Königs Wilhelm von Holland, der hierzu eine namhafte Geldunterstützung gewährte, aufzubauen. So entstand im Jahre 1253 die zweite Burg Stolzenberg. Ein Thurnr und einige Mauerreste bilden noch heute die Ruine dieser Burg. Die Ueberwachung und Verlheidigung derselben war einem Amtmanne und einer Anzahl Burgmannen anoertraut. Im Jahre 1328 nennt die Chronik zum ersten Male die Herrn von Hutten und zwar die Gebrüder Friedrich und Frowin, als Erbburg- mannen auf Stolzenberg, unter Fürstabt Hein­rich VI. von Hohenburg.

Der verführerische Schutz, den die Burg mit ihren starken Mauern nunmehr gewährte, war die Veranlassung zur Ansiedelung am westlichen Berg­hange. Die Bewohner des Siedelortes Salza, deren cxponirter Besitz im Thale während der Kämpfe und Belagerungen stets argen Verwüstungen ausgesetzt war, beeilten sich, da» rechte Ufer der Salza zu verlassen, um sich am Burgberge festzu­nisten. Die heutige Lage der Stadt deutet noch darauf hin, wie man ängstlich bemüht war, jedes geschützte Fleckchen Erde zum Anbau auszunutzen. Der östliche, langgestreckte, dem Feinde zugängliche Burghang mußte unbenutzt bleiben, so daß im Laufe weniger Jahrzehnte auf der gedeckten West­seite ein neuer Siedelort entstand, der sich vom linken Salzufer erstreckte.

Im Jahre 1253 war die zweite Burg ent­standen, und schon im Jahre 1296 durfte mit Rücksicht auf seine Bedeutung Abt Heinrich V. Graf von Weilnau (1288—1313) den Kaiser Rudolf I. ersuchen, dem Orte, den er inzwischen im Anschluß an den Stolzenberg befestigt hatte, unter dem Namen Stolzenthal Stadtrecht« zu ge­währen. Diesem Ansuchen roiirbe willfahrt und so erhielt Stolzenthal gleiche städtische Rechte mit Frankfurt a. M. Der Name Stolzenthal hat sich indessen nicht lange gehalten, denn schon in der Mitte des 14. Jahrhunderts ist die Bezeichnung Soden vorherrschend, eine Thatsache, aus der mit Bestimmtheit geschlossen werden darf, daß zu jener Zeit die Saalquellen in Benutzung waren, denn „die Sod" oder „die Salzsod" ist eine allgemeine geräuchliche Benennung für eine Soolabsiedung»- stätte von jeher gewesen. (Forts, folgt.)

Aus Stadt-, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 26. Januar.

□ Den Hauptgegenstand der gestrigen Bürger­ausschußsitzung bildete ein vom Stadtrath vor­gelegter Entwurf über Abänderung der Geschäfts­ordnung für die hiesige städtische Sparkasse. Aus der längeren lebhaften Debatte ging hervor, daß der Bürgerausschuß gleichwie der Stadtrath der festen Ueberzeugung ist, daß die bei der Sparkasse bestehenden schreienden Mißstände unter allen Um­ständen beseitigt werden müssen, er auch, sobald

schwanden war und krochen dann au» ihrem Versteck heran». Giralda war leichenblaß, doch gefaßt.

„Wir müssen un» beeilen, nach dem Gasthofe zu kommen," sagte Gilbert schnell. „Sind wir erst bort so kann er un« nicht« mehr anhaben. Kommt!"

Sie kreuzten den Weg, eilten zur Stadt und erreichten den Gasthof. Der Wirth war gerade im Begriff, die Thür zu schließen. Er hatte be- reit» in Erfahrung gebracht, daß sein Gast ein Edelmann und ein Bekannter der Familie von Chatrois sei. Sein Gasthof gehörte nämlich zum Privateigenthum der Comtefle und er mußte der­selben Pacht zahlen. Ihr Name war daher ein wohlbekannter sowohl in der Gegend, al» auch im Gasthofe.

„Diese junge Dame und der kleine, junge Herr sind unterwegs nach dem Gute der Comtesse von Chatrois, Herr Wirth. Sie sind von ihr eingeladen, sie morgen Früh zu besuchen. Sie haben jedoch ein Malheur gehabt, so daß sie ge­zwungen wurden, ihren Weg weiter zu Fuß fort­zusetzen. Sie wünschen ein Paar in einander gehende Zimmer — die besten, welche sie haben — und morgen Früh um acht Uhr eine Chaise nebst Kutscher."

Giralda'» Aussehen genügte, um in ihr eine Dame von Stand erkennen zu lassen. Der Wirth hielt sich daher auch nicht mit Reflexionen betreff» ihrer Ankunft zu Fuße und zu so später Stunde

die unten aufgeführten im vorgelegten Entwürfe enthaltenen Vorschläge, wodurch weder eine Per­sonal- und Localveränderung, noch eine Kosten­vermehrung bedingt ist, nach versuchsweiser Durch­führung für unzureichend befunden werden, gerne bereit sei, zu den weiteren Vorschlägen, bezüglich der Trennung der Verbrauchssteuer von der Spar­kasse, sein Einverständniß nicht zu versagen. E» wird sonach, so bald der Stadtrath hiermit ein­verstanden ist, versuchsweise 1. die Sparkasse täglich, mit Ausnahme des letzten Wochentages im Monate, wegen der Kassenreviston, von 8 bis 12 Uhr geöffnet und dem Publikum der sofortige Eintritt in das Geschäftslocal gestattet sein. Hier­durch wird der Andrang vor dem Local, wenn auch nicht ganz vermieden, so doch weniger stark sein, so daß nicht ausgeschlossen bleibt, auch während den 4 Sparkassestunden die etwa vor- kommenden Verbrauchrsteuergeschäfte, ohne Beein­trächtigung dec Sparkasse, abzuw-ckeln. 2. Die Eintragung der Einnahme- und Ausgabeposten aus dem Journal in das Hauptbuch, hat Nach­mittags zu geschehen und 3. die Schließung der Sparkasse erfolgt am 15. Dezember. Von weiterem Interesse dürfte noch der Beschluß fein, daß künf­tighin die Zahluna dec 41/2O/Oigen Zinsen von Hypotheken nicht ...galb 28 Tagen, sondern zweier Monate nach dem Zinstecmine geschehen muß.

* Das bereits im Druck besindliche Jubiläums- Büchlein für die Diözese Fulda wird sofort zur Ausgabe gelangen, sobald das Jubiläum verkündet ist, und die näheren Bestimmungen für unsere Diözese gegeben sind.

* Wie mehrere Berliner, Leipziger und Casseler Blätter wissen wollen, soll der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten seine Gründe für die Bevor­zugung des Bahnprojekts Fulda -Hilders gegen­über der Haun-Ulsterbahn jetzt durch Vermittlung eines hessischen Abgeordneten bekannt gegeben haben. Dieselben wären hiernach die folgenden: 1) Vermeidung der Mitbenutzung weimarischen Gebietes. 2) Unsicherheit der Bewilligung von Grund und Boden Seitens der weimarischen Ge­meinden. 3) Unzweckmäßigkeit eines Anschlusses an eine schmalspurige Bahn (Feldbahn). 4) Ent­schädigung der Stadt Fulda für diverse Verluste, so z. B. für die Wegnahme des Militärs, de» Landgerichts u. dgl. m. Nach anderen Berichten heißt e», Herr Löhbecke aus Hersfeld habe diese Gründe in der Bebraer Generalversammlung de» Hessischen Vereins für wirthschaftliche Interessen am 24. ds. vorgebracht. In dieser Versammlung rourbe beschlossen, eine bie Haun-Ulsterbahn befür­wortende Petition abzusenden.

•* Das ,Hünf. Krbl.' bringt in der Rhönbahn- Polemik einen gegen die Kreisblätter von Fulda und Gersfeld gerichteten Artikel, der u. A. fol­gende Stelle enthält:

„Dieselben wissen auch nicht, daß selbst die ,Fuld. Ztg.' durch kritiklose Wiedergabe der zu Gunsten der Haun-

auf, sondern nahm Gilbert'» Versicherung al» glaubwürdig entgegen. Und wahrlich, so jung Gilbert auch noch war, man konnte ihm doch an­sehen, daß er ein Ehrenmann sei, dessen Worten man vertrauen konnte. Der Wirth rief ein Mäd­chen herbei, daß sie die Zimmer in Ordnung brachte, und bevor eine halbe Stunde verging, lagen Giralda und Alfred im festen Schlafe. Die furchtbare Aufregung, in der sie sich befunden, seitdem Eugen sie au» Vernon fort und nach dem Gefängniß, welche« er für sie eingerichtet, geführt hatte, wich endlich einer völligen Abspannung. Die Natur machte ihre Rechte geltend. Wußte Giralda sich doch jetzt beschützt vor ihrem Feinde, dessen Rachsucht sie mit Recht nicht genug zu fürchten hatte. Hing doch Eugen'« ganze Zukunft von dem ©dingen seine» Schurkenplanes ab. Wa« würde er thun, wenn er ihre Flucht ent­deckte? Dieser sorgenschwere Gedanke spann sich fort in ihrem Traum und führte ihr wilde, wirre Bilder vor die Seele.

Und während Alle» im Hause im tiefsten Schlummer lag, postirte sich Gilbert von Beaufort vor Giralda'» Schlafzimmer, um sie vor eine« Ueberfall Graf Eugen'» zu sichern, und verbrachte dort eine schlaflose Nacht — einer wachsame« Schildwache gleich nicht von der Stelle weichend und in jeder Minute bereit, Giralda vor ihrem Feinde zu schützen und sei es selbst mit seinem eigenen Leben.

(Fortsetzung folgt.)