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Dienstag, den 26. Januar

1886.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Soun- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementspreisZohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der bellevMschen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Berlin, 25. Januar.

• 375 Petitionen gegen das Branntwein- ° Monopol waren bei dem Reichstage nach dem . am 21. Januar aufgestellten Verzeichniß eingelaufen. Keine einzige Petition ist bis jetzt für das Mo- • nopol eingelaufen. — Gegen das Branntwein- Monopol haben sich weiter erklärt die Handels- ' kammern von Mainz (mit großer Mehrheit), Barmen (mit allen gegen fünf konservative Stirn» ; men) und Hannover (einstimmig). — In einer ' Besprechung der Stellung der Parteien zum Brannt­wein-Monopol sagt die .Freis. Ztg.': „In Wahr­heit wiflen die National-Liberalen selbst noch nicht, woran sie sind. Die Partei soll wieder ein Mal in drei Theile zerfallen. Einige sind gegen, Andere für das Monopol, wieder Andere blicken mit einem Auge nach oben zu dem Reichskanzler hinauf, mit dem andern zu den Wählern hinab. Sache der Wähler der von den National-Liberalen vertretenen Wahlkreise wird es sein, die einzelnen schwanken­den National-Liberalen etwas deutlicher, als es bisher geschehen ist, über die Ansicht des Wahl­kreises dem Monopol gegenüber aufzuklären."

* In der Sitzung des Bundesraths vom 23. d. M. kam das Schreiben des Präsidenten des Reichstags zur Sprache, nach welchem der letztere am 16. beschlosien hat: „Die Ueberzeugung aus- zusprechen, daß die von der königl. preußischen r Regierung verfügten Ausweisungen russischer I und österreichischer Untertanen nach ihrem Um» i> fange und nach ihrer Art nicht gerechtfertigt er» 1 scheinen und mit dem Interesse der Reichsange« . hörigen nicht vereinbar sind." Der Vorsitzende , knüpfte an diese Mittheilung folgende Erklärung: „Die königlich preußische Regierung hält die in der Resolution vom 16. d. M. ausgesprochene Ansicht der Mehrheit des Reichstag» für eine irrtümliche und hält an ihrer Ueberzeugung fest, daß die fraglichen Ausweisungen, welche sie inner­halb ihrer verfassungsmäßigen Rechte angeordnet hat. im Interesse Preußens und der deutschen Nationalität zweckmäßig und nothwendig waren." Es wurde einstimmig beschlossen: „Der Bundesrath lehnt es ab, bie vom Reichstag am 16. Januar

Auf gehemmißvollen Wegen.

Roman von J. Meifttt. ' log

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"Gilbert ist so gut gegen uns," bemerkte Alfred nach einet Pause, und feine schönen Augen blick- ' ten verständnißinnig. „Ec ist gut, Giralda, und ich habe ihn sehr lieb; aber," und seine Stimme - ältt”te- sehne mich nach der lieben Mutter." 1 Gilbert kam gerade zur rechten Zeit, um diese Worte zu hören. „Bieibe standhaft, Alfred," tagte er ermuthigend, „bald wirst Du sie sehen. Ich habe ihr versprochen, morgen früh um zehn 2H- in zu sein und Euch mitzubringen." Alfred stieß einen Freudenschrei au».

„Du hast es meiner Mutter versprochen?" Nagte Giralda. Wann hast Du sie zuletzt ge- k ,ehen G i rrt?" 9 e 0

<&■ ■ - diesen Nachmittag."

Giraiüa war außer sich vor Freude.

»Wo iO sie gegenwärtig?" fragte sie lebhaft.

. )uci, ihrem Landsitze, hier ganz in

-ihr Vater, der Graf von Chatroi», imd der Marquis de Vigny befinden sich auch zum Dommeraufer-chalt dort."

ntiwi*lbe • ^gann zu zittern. „Ich kann UN» möglich meinem Onkel de Vigny begegnen!" rief « sturm,ich. „Gilbert, was bedeutet da« Alles?"

„Er bedeutet, meine Liebe, daß die Comteffe

1886 beschlossene Resolution in Berathung zu ziehen, da die K ornpetenz der preußischen Regie­rung zu den in der Resolution erwähnten Aus­weisungsmaßregeln eine zweifellose und aus­schließliche ist."

*• Das Abgeordnetenhaus hielt heute eine kurze Sitzung ab, in welcher verschiedene Rechnungssachen und solche Theile des Staats­haushaltsetat» erledigt wurden, von deren Ver­weisung an die Budget-Commission abgesehen worden war. Der geheime Fond beim Staats­ministeriums wurde gegen die Stimmen des Centrums, der Polen und der Freisinnigen ange­nommen. — Morgen: Etat.

* Dem Herrenhause ist der Entwurf einer Landgüterordnung zugegangen. Der Entwurf stimmt im Wesentlichen mit den Gesetzen über das Höferecht in Hannover überein.

* Der Reichskanzler hat bei dem Bundesrathe beantragt, daß der Umlauf der Reichskassen­scheine in Abschnitten zu 20 Mark auf den Be­trag von 30 Mill. Mk. und der Reichskassenscheine in Abschnitten zu 5 Mk. auf den Betrag von 20 Mill. Mk. festzustellen sei.

* München, 23. Jan. Seit gestern weilt hier der Direktor einer auswärtigen Bank, der bereits mit Hofrath Klug konferirle. Es handelt sich offen­bar um eine von der Kabinetskafle zu kontrahirende Anleihe.

* Darmstadt, 24. Jan. Prinz Alexander von Hissen ist vom Großherzoa zum Präsidenten der Ersten Kammer ernannt worden.

Ausland.

* Brüssel, 24. Jan. Die Regierung des Kongostaates hat Stanley ersucht, den Zeitraum, zu dem er sich zu ihrem Dienst verpflichtet hat, zu verlängern. Man glaubt, daß er die Leitung des Baue» der Kongo-Eisenbahn übernehmen wird. — Ein Kontrakt auf 5 Jahre ist zwischen dem Kongo- Staat und der portugiesischen Gesellschaft „Em» preza nationale" in Lissabon abgeschlossen worden. Die Gesellschaft verpflichtet sich zur Herstellung eines einmonatlichen Verkehr» durch Postdampfer und eines dreimonatlichen Verkehrs durch Fracht­schiffe zwischen Antwerpen, Banana und Soma.

Gabriele Dich in ihrem Garten im Geheimen sehen will. Sie ist fast wahnsinnig geworden vor Schmerz um Dich und Alfred. Sie hat Deinen Brief aus Vernon bekommen, daß Du in Sicher­heit seiest, und ich habe ihr gestern erzählt, daß Du wieder vermiU wirst. Da sie Besuch hat, kann sie nicht sortkommen, um Dich zu besuchen; so muß ich Euch Beide zu ihr führen."

„Werden diese Heimlichkiten denn kein Ende nehmen?" rief Giralda verzweiflungsvoll. „Ach, wenn nur mein Vater rein vor der Welt dastehen könnte! Wie k<mn nur solche Schurkerei trium» phireu?"

„Der Sturz de« Elenden rückt immer näher, Giralda," erwiderte Gilbert. „Es geht mit ihm zu Ende! Seine Verzweiflung in den letzten Tagen beweist es!" Er erzählte Giralda, wie er sie gesucht; wie er ihren Brief empfangen und wie er ihr Gesängniß aufgespürt hatte.

„Und mein Vater und Rupert?.Sind auch sie auf dem Landsitz?"

„Sie befinden stch in dem alten Castell Adlers­horst. Auch sie werden am Morgen in Sanssouci sein. Es ist jetzt nach Mitternacht. Die Comteffe wünscht ihre kleine Familie noch einmal vollzählig um sich zu versammeln, ehe sie wieder getrennt wird."

„Arme Mutter! Wa« wird noch an« »ns Allen werden?" seufzte da» junge Mädchen.

Die Schiffe müssen auf dem Hin- und Rückweg in Lissabon, Madeira, St. Vincent, Principe, St. Thom«, Banana, Borna, Ambriz, Loando, Ben» guela und Mossamedes anlegen.

* Belgrad, 24. Jan. Der König hat den auf einen raschen Abschluß des Friedens mit Bul­garien gerichteten Vorschlag der Regierung ange­nommen. Der Ministerpräsident Garaschanin hat sich in Folge dessen heute mit dem Kriegsminister und mit dem Finanzminister nach Risch begeben, um daselbst die Instruktionen für die Friedensver­handlungen festzustellen.

* Athen, 25. Jan. Die Vertreter der Mächte überreichten gestern Abend Delyannis auf den Antrag Englands eine Collektivuote, welche besagt, daß die Mächte, da Griechenland keine legitimen Motive zu einem Angriffe auf die Türkei habe, ein Vorgehen Griechenlands zur See nicht gestatten würden, da solches die Interessen des Frieden» gefährde. Das Kabinet tritt heute zur weiteren Berathung zusammen.

* London, 23. Jan. Die Nachricht von einem gegen den Prinzen von Wales geplanten Attentate findet wenig Glauben. Der Herzog von Westminster, dessen Gast der Prinz auf einem Landsitze des Herzogs (Canton Hall bei Chester) ist, hat zwar durch feine letzten Reden die Irländer gereizt, allein deshalb machen sie doch kein Atten­tat gegen den Prinzen von Wales.

K Geschichtliches über die Burg Stolzen­berg, Soden «nd die Mineralquellen.

~ Die Vorgeschichte der Burg Stolzenberg nebst Soden und seinen reichen Mineralquellen in einer ausführlichen Weise zu behandeln, ist leider nicht möglich, denn weder das Material der Archive der nahe liegenden Städte und Klöster noch dasjenige des Landarchivs Marburg bietet einen genügen­den Anhalt, um ein zusammenhängendes übersicht­liches Bild der früheren Befestigungen am Stolzen« berge, der Entstehung und des Verfalls der letzten Burg, sowie namentlich der Ausbeutung der Sool« quellen in früheren Jahrhunderten entwerfen zu können. Immerhin dürfte es lohnend fein, die« jenigen Seiten und Momente aus den Gefchichts-

„Graf Armand wird mit den Kindern ver­reisen, Giralda, und Du wirst auch mftgehen. Ich werde ebenfalls mitreifen und wenn Du damit einverstanden bist — Deine Eltern haben ihre Einwilligung schon gegeben — dann werden wir in irgend einer Stadt, wo es uns am besten gefällt, getraut werden. Denn nur als meine Gattin wirst Du vor Eugen'» Nachstellungen ge­sichert fein. Bist Du damit einverstanden? Willst Du bald mir das Theuerste geben, wonach ich mich fehne — Dich selbst?"

Er beugte sich wie ein galanter Ritter der alten Zeit zu ihr nieder und sah ihr liebend in die Augen. Es war nicht zu verwundern, daß Giralda das Köpfchen hängen ließ und die Röthe der Verlegenheit ihr in'» Gesicht stieg und daß sie ein so leises „Ja" hauchte, daß nur solche Ohren, deren Gehör durch Liebesworte geschärft waren, e» vernehmen konnten und nicht für einen Seufzer hielten.

Alles um sich her vergessend, nur nicht sich selbst, gingen sie weiter, bis schließlich die lang- samer werdenden Schritte Alfred'« den jungen Liebhaber an die Wirklichkeit erinnerten und ihn darauf aufmerksam machten, daß der Knabe müde wurde. Trotz seiner Proteste nahm Gilbert den Knaben wieder auf feinen Arm, woraus Alfred alsbald, vollständig erschöpft, einschlief.

„Wohin bringst du uns?” fragte Giralda.