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JM 19. Montag, den 25. Januar 1886.

Fuldaer

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* Branntwein-Monopol.

(Schluß.)

Wie wird es nun in den kaiserlichen Brannt­weinschenken selbst aussehen? Es wird dort nur Branntwein geschenkt werden, denn auf andere Getränke, Verabreichung von Speisen kann stch die kaiserliche Monopolverwaltung nicht einlassen. Das macht ihr zu viel Umstände. Wer also ein­mal in die kaiserliche Schenke geräth, muß beim Branntwein bleiben. Der Branntwein ist dort in versiegelten Originalflaschen der Monopolverwal­tung zu kaufen. Solche ganze Flaschen sollen sehr viel billiger sein, als wenn man sich gläserweise ausschenken läßt. Darin liegt natürlich eine um so größere Versuchung, mit der kaiserlichen Monopol- Verwaltung im Arm nach Hause zu wandern und dort nebst Familie dem Haustrunk sich hinzugeben.

Welche Sorten Schnaps werden unter der Eti­kette des kaiserlichen Adlers ausgeschenkt werden? Das wird das kaiserliche Monopolamt bestimmen. Es werden nach dem Gutachten von kaiserlichen Sachverständigen verschiedene Normalschnäpse destil- lirt werden. Denen muß sich dann der Geschmack der Reichsbürger anbequemen. Allzuviel Sorten würden das Monopol sehr vertheuern. Jndeß wenn der Gast „zum Zweck des sofortigen Ge­nusses es ausdrücklich verlangt", darf ihm der kaiserliche „Verschleißer" (die« ist der Titel im Monopolgefetz) verschiedene Sorten untereinander und auch mit anderen Stoffen mischen. Offenbar soll es durch diese Gesetzesbestimmung ermöglicht werden, unter dem Monopol auch einen Grogk zu bekommen. Aber mit dieser Erlaubniß zu mischen, ist zugleich jeder Art von Verfälschung Thür und Thor geöffnet. Die Empfehlung des Monopols al, eines Mittels für die Gesundheit der Schnaps- trinker wird dadurch völlig zu Nichte, ganz abge- sehen davon, daß man seine Gesundheit nicht bloß durch die Qualität, sondern auch durch die Quan­tität ruiniren kann. Was aber die Quantität an- betrifft, so ist nur zweierlei möglich. Entweder wirkt da» Monopol auf die Einschränkung des Schnapsgenusses, alsdann bringt es desto weniger ein. Oder es übt diese Wirkung nicht, dann hat es einen bloß fiskalischen Zweck. Aus letzterem aber ist ein derartiger Eingriff in die Privatver-

* Ans geheirnnißvollerr Wegen.

Roman »on J. jh,tz»fr!b. 108

Gilbert hatte sich die Schlafzimmer Bertram'» und der Frau Bichou an dem Lichtschein, welcher aus denselben hervordrang, genau gemerkt. Nach­dem er sich nochmals versichert, daß der Fischer noch im tiefsten Schlaf lag, kehrte er nach dem Hause zurück und wartete, bi» er bestimmt an­nehmen konnte, daß alle Bewohner ringe chlafen waren. Dann, an die Hausthür tretend" wartete er einige Augenblicke. Alles blieb still. Er pro- birte den Schlüssel, den er in Bichou'« Tasche gefunden. Er paßte.

®t schloß die Thür auf und trat in die Halle, fett war dunkel. Er warf die Thür in's Schloß ohne sie zu schließen und steckte den Schlüssel wieder

furk b/n Fall, daß er ihn noch gebrauchen sollte. Tastend schntt er an den Wänden entlang und murmelte dabei mit rauher Stimme einige Worte, me er sie den Fischer hatte murmeln gehört; dabei

et LenJ,ut tiefer in's Gesicht. Er war noch r«ne zehn Schntte gegangen, als, wie er gehofft Jin» ^"e, sich am Ende de« Gange«

dEL^ete und Frau Bichou ihre Anwesenheit L^^worte geltend machte, welche sie tyrempermemtlichen Ehemannzusandte. „Da, Licht ist

hältnisse von Hunderttausenden erst recht nicht zu i zu einer Höhe der Steuererträge gelangen könne, begründen. welche der steten Steigerung der Staatsausgaben

In Rußland, dem einzigen Lande, wo ein und der Ausgaben der Provinzen, Kreise und Ge- Branntweinmonopol bestanden hat, und zwar auch meinden entspräche. Wer dieses verzweifelte nur bi« 1863, hat man die Erfahrung gemacht, Zugeständniß nicht machen will, sondern glaubt, daß das Monopol den Branntweinkonsum steigert, daß die fortwährende Steigerung der öffentlichen In denjenigen Theilen Rußlands, wo das Mono- Ausgaben übertrieben wird, und daß für die be* pol nicht bestand, war nämlich das Volk weit rechtigten Anforderungen der öffentlichen Gemein­mäßiger, als im Bereich des Monopols. Wolf schäften auch jetzt noch auf dem gewöhnlichen Wege in seinem Buch über Branntweinsteuern berichtet, der direkten und indirekten Besteuerung die etfor« daß au« fiskalischen Gründen auf jede Weise auf derlichen Mittel gewonnen werden können, der

die Steigerung de« Branntweinkonsums hingewirkt kann dem Monopolprojekt nur dann zustimmen, wenn

wurde. Als unter Nikolaus I., so berichtet der- er entweder an sich ein Vertreter der Staats- selbe, bei dem Streben nach Emanzipation hier omnipotenz ist und auf wirthschaftlichem Gr­ünd da Gemeinden das Versprechen ablegten, nur in biete allmählich dem Staate der Sozialdemokratie

Krankheitsfällen und bei Familienfesten Branntwein näher komm-n zu müssen glaubt, oder wenn er zu genießen, verbot ein ministerieller Erlaß den von crassem Egoismus sich leiten läßt, wozu Vollzug jener Gemeindebeschlüfle. Es sollen sogar aber nur die großen Kartoffelbrenner, nicht ein« Ruthen- und Stockschläge angewendet worden sein, mal Korn- und Fruchtbrenner, geschweige denn um die Bauern zum Trinken zu bringen. Syste- irgend eine andere Klasse unserer Mitbürger An« malisch, so urtheilt Wolf, wurden Volk und Be- laß haben könnte.

amtenthum in Rußland durch das Monopol de- ----------—---—----——-------------

moralisirt. Deutsches Reich.

Wenn nun auch bei uns unter dem Monopol Berlin, 24. Januar,

der Branntweinkonsum nicht durch obrigkeitliche ** Der Reichstag füh cte heute in P/gftünbiger Stockschläge vermehrt werden dürste, so unterliegt Sitzung die Berathung der Etat» der Zölle und es doch keinem Zweifel, daß alle mit Prozenten Verbrauchssteuern, sowie der Stempelabgaben zu am Branntweinabsatz interessirten Beamten alsdann Ende. Eine Debatte fand nur beim Titel Brau- kein Mittel unversucht lassen würden, um unter steuer statt, wobei die nationalliberalen Abgeord- der Etikette be« kaiserlichen Adlers den Monopol- neten Ulrich und Zsitz ihren Antrag auf Unter« schnaps'M empfehle». Ae^nkchkS- haben wir ja sagung der Verwendung von Malzsurogatcn bei an den Cirkularen der kaiserlichen Tabakmanufaktur der Bierbereitung und Abg. Auer (Soz.) seinen erlebt, welche insbesondere an Beamte und Offiziere Antrag auf ausschließliche Zulassung von Wasser, versandt wurden. Jetzt unterliegen alle Brannt- Malz, Hopfen und Hefe bei der Bierbereitung weinschenken nach jeder Richtung einer sehr scharfen vertraten. Die Abgg. Dr. Gere und Dr. Braun polizeilichen Kontrolle. Künftig unter dem Mono- (freit.) bekämpften diese Anträge, welche die Her« pol würde die Polizei in demselben Maße, wie stellung von Reis- und Maisbier ausschließen sie gegen Branntweinfchenken und Branntweintcinker würden. Die Abstimmung der Anträge findet erst vorgeht, die Reichseinnahmen gefährden und den bei der dritten Lesung statt. Die Etats wurden Finanzbehörden entgegenwirken. Das Monopol unverändert angenommen. — Nächste Sitzung ist darum verwerflich. Und wenn es dennoch zur Dienstag. (Marineetat.) Einführung in Deutschland gelangen sollte, woran I • Die Freisinnigen im Abgeordnetenhaus« be« vorab nicht zu denken ist, so läßt sich das ganze antragen, wie man der .Franks. Ztg.' meldet: Monopolprojekt eben nur al» ein Akt der „Ver« Die Regierung solle noch in dieser Session einen zweiflung" erklären. E« enthält ja das Zu- GesetzentwurfvorlegenbehufsEinführung geheimer geständniß, daß man auf dem normalen Wege Abstimmung bei den Wahlen zum Abgeordneten­direkter und indirekter Besteuerung gar nicht mehr Haus und zu den Kommunalvertretungen.

aus," rief sie ärgerlich, „und Du brauchst nicht Er schlich leise nach dem Schlafzimmer hin. daran zu denken, daß ich deinethalben aufstehen Ein schwacher Lichtschimmer drang durch die ver- und Licht anzünden werde. Bertram hat an den hängten Fenster. Er toimte auch deutlich den Herrn Grafen geschrieben und er wird in einigen Stuhl erkennen, auf welchem ihr Zeug lag; das Stunden hier sein, damit Du Deinen Lohn em- Kleid lag oben darauf. Gilbert schlich vorsichtig pfängst. Bleibe in der Halle. Ich denke, Du näher. Jetzt griff er nach dem Kleide und fühlte wirst Dich erinnern, daß an Dir diese Nacht die nach der Tasche, welche er sogleich fand und aus Reihe des Wachehaltens ist!" der er den Schlüssel hervorholte. Dann zog er

Gilbert kam ihrem Wunsche nach und ließ sich sich nach der Thür zurück. Seine leichten und chwerfällig auf den Fußboden nieder. Es dauerte I vorsichtigen Bewegungen hatten die Schlafende nicht gar lange, so ahmte er Bichou'» laute« nicht geweckt, sondern sie athmete regelmäßiger Schnarchen nach, gerade so, wie er e« unter der und lauter als vorher. „Jedenfalls will ich Hecke draußen gehört hatte. sicher gehen, daß sie mich nicht überrumpelt,"

„Der hält sichere Wache!" rief die Frau be« dachte er und suchte nach dem Schlüssel in der Fischer». „Ich höre seine bekannte Melodie. Nun, Thür. „Ich habe keine Lust, ein solche« Risiko ür heute Rächt ist er unter Dach und Fach, aber zu laufen."

norgen früh bekommt er seine Doppellektion von Er zog den Schlüssel leise au« dem Schloß und dem Herrn Grafen und von mir." Sie begab sich steckte ihn von außen auf; dann schlich er leise

wieder zur Ruhe und diese letzte Reflexion, welche hinan» und schloß die Thür ab. Einen Moment

wie Balsam auf ihr wundes Herz fiel, veranlaßte, stand er ruhig und horchte. Alles blieb lautlos,

daß fie bald in einen tiefen Schlaf versank. Einen Seufzer der Erleichterung ausstoßend, schlich

Nach einer Weile richtete Gilbert, welcher die er leise die Treppe hinauf und wandte sich nach

ganze Zeit hindurch gewacht hatte, sich auf seinem vorn, wo er da» Zimmer vstmuthete, welche» er Ellenbogen in die Höhe, wartete noch einen Augen- von außen mit Brettern vernagelt gesehen hatte, blick und stand dann vorsichttg auf. „Sie schläft," Leise klopfte er an.

sagte er zu sich, „und ich muß sehen, daß ich den Ein Geräusch ließ sich drinnen hören. Er Schlüssel au» ihrem Kleide bekomme; e« ist die steckte leise dm Schlüssel in's Schloß, drehte ihn höchste Zeit." | um und wiederholte da« leise Klopfen. Darauf