Einzelbild herunterladen
 

er ;b. tzt

iv m >st

lst n, n» r- m

'S r-

!« $» ib

>» u

2

Sonnabend, den 23. Januar

Fuldm

1886.

©te ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Branntwein-Monopol.

Der Monopolentwurf ist vorgelegt worden, und wenn es nach dem Wunsche des Reichskanzlers geht, werden wir im Jahre 1888, um mit der .Freis. Ztg.' zu reden, kaiserliche Branntweinschenken haben, ebenso wie man jetzt kaiserlich deutsche Postämter hat. Auch der deutsche Rrichsadler wird auf dem Schild dieser Branntweinschenken prangen. Also ist es im Gesetzentwurf über das Monopol ausdrück­lich vorgeschrieben. Kaiserliche Tabakläden, worin Cigarren aus der Straßburger Manufaktur n.r« kauft werden, gibt es ja schon an einzelnen Orten. Diese kaiserlichen Tabakläden muffen freilich, nach­dem der Reichstag das Tabaksmonopol abgelehnt hat, mit Privaten konkurricen, und eben deshalb sind recht viele derselben eingegangen. So wird es aber mit den kaiserlichen Branntweinschenken nicht der Fall sein, wenn das Branntweinmonopol nämlich angenommen werden sollte. Denjenigen Personen, welche jetzt Branntwein verkaufen oder ausjchenken, soll dann mit dem 1. August 1888 solches untersagt werden.

Selbst Gastwirthe.Kasewirthe, Restaurateure und Konditoren, welche nur nebenher ab und zu Brannt­wein verkaufen oder ausschenken, dürfen solches ferner nur dann noch thun, wenn ihnen dazu die Erlaubniß besonders ertheilt wird. Ob und unter welchen Bedingungen sie aber solche Erlaubniß er­halten, ist Sache der Monopol-Behörden und der hochlüblichen Polizei. Die bisherige Konzes sionge- währt dafür keinen Rechtstitel. In jedem Falle sind alle Diejenigen, welche die Erlaubniß erhalten, verpflichtet, ihren Brannlweinbedarf aus dem Mo- nopol-Magazin zu entnehmen. Ebenso soll es mit den Kleinhändlern gehalten werden, die bisher Branntwein verkauften. Sie bedürfen für die Zu­kunft dafür einer besonderen Erlaubniß und sind gehalten, nur in den Original-Monopolflaschen zu verkaufen.

Die große Zahl Derjenigen aber, welche sonst Branntwein verkaufen over ausschenken, muß am 1. August 1888, wie der Berliner sagt, die Bude zumachen. War das Branntweingeschäft für die Betreffenden nicht gerade ein selbstständiger Nah­rungsquell, so können sie zusehen, wo und wie sie den Ausfall von ihrem Erwerb decken. Höchstens wird ihnen aus „Billigkeitsrücksichten" eine kleine „Unterstützung" zu Tyeil. Aber auch wenn das

-H- Auf geheimuitzvollerr Wegen.

Roman von > G»heiski». i

LIV.

Kaum hatte Gilbert den Fischer Bichou in dem Schenklokal erkannt, als er auch schon wußte, was er zu thun hatte. Ec wollte ihn überwachen und ihm folgen. Er war jetzt fest überzeugt, obgleich er sich keine Rechenschaft dafür oder dawider geben konnte, daß Bichou hierhergekommen war, um Eugen in irgend einer Weise behilflich ' zu 'ein, und daß, wenn er dem Fischer folgen würde, er unbedingt nach Giralda's Gefängniß gelangen würde. Er zog seinen Rockkragen herauf und ; schlenderte in der Straße auf und ad, stets ein , wachsames Auge auf die Thür des Schenkiokals haltend. Zuweilen ging er auch ganz dicht heran und blickte hinein.

Es vergingen einige Stunden, während welcher Zeit die Ausgelassenheit in der Schenke immer wchr zunahm; Gilbert schritt in der Straße auf und ad, bald an der einen und bald an der an- bereu Seite sich immer im Schatten der Häuser haltend. Und endlich sollte seine Ausdauer Be­lohnung finden. Taumelnd und laut sprechend > kam Bichou aus der Thür des Wirthshauses und i

„Nichts — nichts!" antwortete er mürrisch. „Das heißt, das geht Sie nichts an — das geht Niemanden etwas an. Lasten Sie mich! Gehen Sie!"

vorher noch erst ein lang^ Zwiegespräch mit ein­ander gehalten. Gilbert stellte sich in den Schatten eines Thorweges, um nicht bemerkt zu werden. Dann schlug Bichou einen Weg ein, welcher aus dem Ort hinausführte. Er sang dabei Trinklieder mit lallender Zunge halblaut vor sich hin. Gilbert folgte ihm so dicht als , „cw uiuuujc «m e.«u; möglich auf dem Fuße. Auf diese Weise wurde zurück nach der Klippe!" der ziemlich lange Weg zurückgelegt. Jetzt waren sie dem Gefängnisse Giralda's und ihres Bruders

Mit Schnelligkeit richtete der Fischer sich in die Höhe und stützte sich auf seine Ellenbogen, doch ebenso schnell sank er wieder zurück und murmelte: „Ich brauche kein Geld! Ich wollte, ich wäre

I ** Bei der heute fortgesetzten Etatsdebatte im Abgeordnetenhause sprach zunächst Freiherr v. Zedlitz und Neukirch (freikonseroativ) für den Etat im Allgemeinen und für die Reichs-Schutzzoll­politik im Besonderen. Er suchte die gestrigen Ausführungen des Abg. Rickert über die Sage der Landwirthschaft zu entkräften. Bei Erwähnung des Kultusetats erklärt Redner, daß seine Partei zu Konzessionen bereit sei — bis zu der durch das Staatswohl gebotenen Grenze. Wo diese Grenze anfängt und aufhört, vermied der Redner nach mittelparteilicher Methode, zu erörtern. In den weiteren Darlegungen entwickelte der Abgeordnete, daß das Land ausgiebiger Mittel bedürfe, um im Stande zu sein, den steigenden Anforderungen an Staatsleistungen zu genügen. Der ganze Ver­such lief auf eine vorsichtige Rechtfertigung des Branntwein.Monopols hinaus. Das Wort nahm darauf der Abgeordnete Dr. Windthorst. Derselbe bemängelt zunächst, daß der Vorredner und gestern der Abgeordnete v. Minnigerode sich nicht ausführlicher über praktische Mittel und Finger­zeige ausgesprochen hätten, wodurch die Misere der Landwirthschaft abgekürzt werden könne. Beide Redner hätten nach ihren Voraussetzungen zur Empfehlung des Branntwein - Monopols kommen müssen; sie hätt.n sich über diesen Punkt aber nur zurückhaltend ausgesprochen. Auch ich, fährt der Herr Redner fort, werde Ihnen noch nicht genau sagen, wie ich über die Monopolfrage denke. Der bei diesen Worten laut werdenden Heiterkeit setzte "ber Redner die Bemerkung ent­gegen: Ich bin ebenso vorsichtig, wie die Herren v. Minnigerode und v. Zedlitz. Doch will ich nicht verhehlen, daß die Ausführungen meines Freundes v. Schorlemer meinen Ansichten am nächsten stehen. Er sprach sodann über das moderne Wirthschafts-System. Der Kulturkampf habe nicht bloß den Grund zur Verschlechterung der land- wirthschaftlichen Verhältnisse gelegt, sondern auch bie sittlichen Kräfte des Volkes vergiftet. Es sei an ber Zeit, biesen Kampf zu beendigen, damit der Redner und seine Freunde der konservativen Partei die Hand reichen und mit ihr gemeinsam an der wirthschaftlichen Reform des Vaterlandes arbeiten könnten. Stürmisches Bravo lohnte dem Redner, der bei geräuschloser Stille des ganzen Hauses gesprochen hatte. Nächste Sitzung Montag.

** Der Reichstag stand gestern und heute

„Wo ist das Geld?" fragte Bichou lallend.

Diese Frage als eine Zustimmung ansehend, entledigte Gilbert den Fischer der genannten Klei-

„Aber vielleicht kann ich Ihnen helfen," sagte Gilbert, .eine Handvoll Silbergeld aus der Tasche ziehend und damit klimpernd.

Nach kurzer Ueberlegung hatte sich Gilbert einen Plan zurechtgelegt, den er sofort ausführte.

85id)ou war in einen schläfrigen Zustand ver­sunken, in Folge dessen er nicht wußte, was um ihn her vorging. Gilbert rüttelte ihn, bis er nach und nach erwachte. „Hört einmal, guter Freund!" rief er. „Ich möchte ein Tauschgeschäft mit Euch machen. Leiht mir Euren Stock, Euren Hut und Euren Shawl und ich gebe Euch meinen schönen, dicken Ueberzieher und außerdem fünfzig Franks."

Branntweingeschäft einen selbstständigen Nahrungs­zweig bildete, dies aber nicht schon seit mindestens vier Jahren der Fall gewesen ist, gehen sie leer aus in Betreff der Entschädigung. Die übrigen aber sollen eine Entschädigung erhalten, welche je nach der Dauer ihres Geschäftes dem ein» bis zweifachen Jahresgewinn gleichkommt. Wer also beispielsweise in einer 20jährigen Thätigkeit es bis auf 2000 Mk. jährlichen Reingewinn gebracht hat, erhält 4000 Mark und kann zusehen, wie er mit den 160 Mark Jahreszinsen, welche ihm die be­treffenden Reichsschuldscheine gewährten, fernerhin mit seiner Familie auskommt.

Aber selbst diese Entschädigung wird nicht ge­zahlt, wenn der Gewerbetreibende eine Stelle in der Monopolverwaltung erhält oder wenn er eine angebotene Stelle dieser Art „ohne ausreichenden Grund" ausschlägt. <Sine Versetzung muß sich der Gewerbetreibende dabei freilich gegen die regle­mentsmäßigen Umzugskosten gefallen lassen, ebenso wie beispielsweise ein Zollbeamter vom Rhein nach Ostpreußen versetzt werden kann. Aber der Wirth, der wirklich eine Anstellung bei dem Monopol er­hält, ist dabei wie ein Vogel auf den Zweig gesetzt. Seine Anstellung ist jederzeit widerruflich. Wird die Anstellung innerhalb der ersten 5 Jahre ohne fein Verschulden widerrufen, so wird ihm noch eine Entschädigung gewährt in Höhe von zwei Dritteln des oben angegebenen Betrages. Wird ihm aber eine Schuld zum Vorwurf gemacht, oder erfolgt seine Entlassung nach 5 Jahren, so erhält er kei­nen Pfennig. Es ist wohl anzunehmen, daß die kaiserlichen Branntweinschenker ihrer großen Mehr­zahl nach, wie dies ja auch sonst bei Staatranstel- lungen üblich ist, aus den Reihen der veisorgungs- berechtigten Unteroffiziere entnommen werden.

(Schluß folgt.)

ganz nahe. Man konnte das einsam gelegene Haus deutlich sehen und Gilbert betrachtete es genau, weil er instinktiv fühlte, daß er dem ' Kerker der Geliebten nahe fei, als plötzlich Bichou sich im Schatten einer Hecke auf die Erde warf und bitterlich zu meinen und zu stöhnen begann.

Gilbert ging auf ihn zu. „Was fehlt Ihnen, guter Mann?" redete er ihn an.

Der Fischer war zu berauscht, um den jungen Herzog zu erkennen, oder über feine Anrede ver­wundert zu sein.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Januar.

* Das Branntweinmonopol ist in den Ausschüs­sen des Bundesraths noch nicht in Berathung ge­zogen worden. Zunächst müssen die Referenten sich mit der Materie vertraut machen und Infor­mationen einholen. Es scheint, daß die Verhand­lungen über den Entwurf recht eingehende, ziemlich ausgedehnte werden, die dem Entwürfe möglicher Weise eine wesentlich veränderte Gestalt geben. Die Berathungen dürsten geraume Zeit beanspruchen, wankte Arm in Arm mit einem Zechgenossen die Straße hinunter. Gilbert folgte, klopfenden Her­zens, dicht hinter ihnen. Bei einem freien Platz angelangt, trennten sich die Männer^ nachdem sie