1886
Mittwoch, den 20. Januar
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Auf geheimnitzvollen Wegen.
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Encyklika Lr. Heiligkeit Papst Leos XIII. an die Erzbischöfe und Bischöfe Preußens.
(Schluß.)
Daraus erhellt, wie wichtig und gerecht es ist, daß $Bir nachdrücklich darauf bestehen, daß die Seminare euerer Diözesen nach denjenigen Vor- schnften eingerichtet und geleitet werden, welche die Väter des Tcidentinischen Konzils, wie allgemein bekannt, erlassen haben.
Aus keinem andern Grunde hat auch der Apostolische Stuhl, wenn zwischen den römischen Päpsten und den obersten Leitern der Staaten den verschiedenen Zeitumstänüen gemäß Verträge geschloffen worden sind, mit Fleiß darauf gehalten, daß bei den Seminaren nach diesen Grundsätzen verfahren und das Recht der Bischöfe, dieselben unter Ausschluß jeder andern Gewalt zu leiten, festgesetzt und geschützt werde.
Einen deutlichen Beweis hierfür liefert unter Anderem die Bulle de salute animarum, welche von Unserm Vorgänger, dem in Gott ruhenden Papst Pius VII., unter'm 18. Juli 1821 erlaffen wurde, und nach erlangter Uebereinstimmung zwischen ihm und dem König von Preußen die neue Umgrenzung der Diözesen festsetzte.
Es sei daher unversehrt und frei das Recht und die Macht der Bischöfe, auf dem Ringplatz der Seminare die friedliche Heerschaar Christi heranzubilden; unversehrt sei ihr Recht, die Priester nach ihrem Ermeflen auszuwählen, welchen sie die verschiedenen Aemter übertragen wollen, und ohne jedes Hinderniß ihr H rtenamt in Frieden zu verwalten! r, ,,
Aus dem, was Wir gesagt haben, erseht rhr, ehrwürdige Brüder, wie wahr und gerecht von Uns erklärt worden ist, daß es zu einer glücklichen und dauernden Eintracht zwischen Kirche und Staat, welche Wir so lange schon mit Unser» inbrünstig- sten Gebeten erflehen, nothwendig ist, die erlassenen Gesetze so abzuänderu, daß der Kirche, die zu ihrem Leben und Wirken nothwendige Freiheit ungeschmälert verbleibe. Wir vertrauen, daß, die Männer, welche das Steuerruder des Staates führen, mit Billigkeit Unfern Wünschen entgegenkom- men, und Uns dasjenige gewähren, was Wir kraft der heiligsten Rechte verlangen.
Auch ist Unser Verlangen nicht derart, daß durch daffelbe den Herrschern irgend etwas von ihrer
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War ihr Feind kühn und verwegen in der Verfolgung Giralda's gewesen, so war ihr Freund und Verlobter, der junge Herzog Gilbert von Beaufort, nicht minder eifrig, sie wieder aufzufinden. Er hatte keine Ahnung von ihrer Flucht aus dem Schlöffe gehabt, als er am andern Morgen dorthin kam, um sie zu begrüßen, bevor et nach Paris ging. Er traf glücklicherweise zu einer Zeit im Schlöffe ein, als der alte Marquis, entmuthigt über sein erfolgloses Suchen nach Gl- rrlda, soeben in's Schloß zurückgekehrt war. Der alte Herr theilte ihm mit thränenfeuchten Augen den Vorgang des vergangenen Abends mit, hinzufügend, daß er kein Mittel unversucht gelaffen, ihre Spur aufzusinden; gleichzeitig werde auch Madame Roger vermißt und er sei der festen Ueberzeugung, daß Beide gemeinschaftlich geflohen seien.* 1 Wahrscheinlich fei Giralda zu ihrer Mutter nach Paris gegangen oder zu ihrem Vater nach der Villa Larose.
„Aus jeden Fall," sagte der Marquis, „glaube
Mühen und Schmerzen auf das genaueste, schauen die Wunden ihres Herzens und sino daher, indem sie aus den Quellen der Religion heilsame Lehren schöpfen, im höchsten Grade geeignet, kranken Seelen jene Heilmittel zu spenden, welche die gerade heute herrschenden Lehren zu lindern, gebrochene Herzen zu erheben und aufrührerische Geister zu besänftigen vermögen.
Eine nicht minder weitreichende und ersprießliche Thätigkeit können die von echt kirchlichem Geist durchwalteten Diener der Religion in jenen weitabgelegenen noch nicht civilisirten Gegenden entfalten, in welchen mehrere europäische Fürsten die Gründung von Kolonieen beschloffen haben. Gerade die deutschen Staatsmänner sind es, welche eifrig ihre Bemühungen nicht allein darauf richten, Kolonieen zu gründen, die Besitzungen zu erweitern, sondern auch der Industrie und dem Handel neue Bahnen zu eröffnen. Dieselben werden auch in dieser Hinsicht um die Civilisirung der Menschen große Verdienste sich erwerben, »venn sie rohe Völkerstämme zu milden Sitten erzieyen und sie mit den Künsten des Lebens bekannt machen.
Sollen aber die Gemüther roher Völker umgebildet und ihr Wille gewonnen werden, dann muß man sie mit den heilsamen' Lehren der Religion bekannt machen, ihnen die Grundsätze der Sitt- lichkett mittheilen und sie zur Würde der Kinder Gottes erheben, wozu sie auch durch die Verdienste unseres Heilandes berufen sind. Die römischen Päpste, welchen solche Erwägungen stets vorschweb- ten haben sich daher die Absendung der Boten des Evangeliums zur Ver?yctMg der ft-ts eifrig angelegen fein lassen. Und in der ^hat ist die Aufgabe, um welche es sich hier handelt, nicht eine solche, deren Lösung durch Entsendung von Heeren, ober durch die Bemühungen der Staatsmänner oder Regenten herbeizuführen wäre. Mit ihr haben sich nach dem Zeugniß der Geschichte vielmehr jene Männer zu befassen, welche, aus dem Schooße der Kirche hervorgehend, sich den Mühen und Gefahren dieser im Interesse der Religion unternommenen Expeditionen unterziehen und als Boten und Dolmetscher Gottes den Weg
betreten, der zu barbarischen Völkern führt, um dort Leben und Blut dem Heil der Brüder zu ^Indern Wir alles dieses in M Tiefe der Seele erwägen, nähren Wir die Hoffnung, Gottes Gnade demjenigen der Tochter Armand de Vigny's verbinden." , , ,,
Und weshalb nicht?" unterbrach ihn Gllbert mit leuchtenden Augen. „Ich liebe Giralda und sie liebt mich. Und was ihren Vater anbetnfft, Herr Marquis, so gibt es keinen edleren, reineren Mann, dem eine große Demüthigung geschehen. Es wird noch der Tag kommen, an dem L>ie die Wahrheit erkennen, wo sie einsehen lernen werden, daß Sie einem Mann Unrecht gethan haben, der die beste, edelste Seele besitzt. Es wird für Sie eine schwere, bange Stunde werden, wenn die Wahrheit an's Licht kommen wird!"
„So ist Ihnen Giraloa's H«kunst bekannt! fragte der Marquis überrascht.
Gilbert bejahte.
„Giralda erzählte mir ihre ganzen Fannlren- verhältniffe in der Nacht, als ich sie aus der Fischerhütte auf der Klippe befreite," sagte der junge Herzog. „Sie hatte nicht eher eine Ahnung davon, daß ihr Vater mit Armand de Vigny identisch sei, als bis Sie sie nach Pans geführt hatten. Es war die gütige Vorsehung, welche sie zu Ihnen geführt und welche sie Die lieben gelehrt hatte. Ihre Eltern würden sie eher in eine Löwenhöhle, als zu Ihnen geschickt haben!"
Würde und Macht verloren ginge; vielmehr erwachsen aus demselben dem öffentlichen Wohle viele und schwerwiegende Vortheile. Denn in allen Zeugnissen, welche ihr, ehrwürdige Brüder, und euere Mitarbeiter in der Verkündigung des Wortes Gottes über die Pflichten gegen die staatliche Gewalt vor dem Volke ablegt, betont ihr immer vornehm- sich, daß alle Gläubigen den staatlichen Gewalten unterlhan fein müßten, „nicht nur um der Strafe willen, sondern auch um oes Gewissens willen (Röm. 13, 5); daß sie die Staatslasten pflichtgemäß tragen und sich von aufrührerischen Zusammenkünften und Anstiitungen fern halten müssen; daß sie aus christlicher Nächstenliebe gegen einan- der Nachsicht üben und die gegenseitigen Pflichten in der menschlichen Gesellschaft getreu erfüllen.
Ja, wenn die Zahl euerer Mitarbeiter größer wäre, als sie jetzt ist, so würde durch diese Vermehrung auch die Schaar Derjenigen vergrößert, deren Amt es ist, diese Grundsätze, welche der menschlichen Gesellschaft so heilsam sind, im Volke zu verbreiten. Zugleich würden dann leichter die Pfarren, welche schon so lange des Trostes ihrer Seelsorger beraubt sind, wieder der Sorge erprobter Priester unterfteHt werden: was die Wünsche der Katholiken am meisten verlangen.
Überdies liegt, wie euch bekannt ist. ehrwürdige Brüder, im Schooße der menschlichen Gesellschaft an nicht wenigen Orten zahlreicher Zündstoff angehäuft, der, wenn er sich entladet, weithin die Fackel des Brandes trägt uno schweres Unheil an« richtet. Dahin gehört «arr»ratkich. die girheitf-rfr.C'je. welche die Obsorge der Staatsmänner in Anspruch nimmt, die nach Mitteln suchen, wie sie die dro- henden Gefahren abwenden und die Anhänger der geheimen Gesellschaften bekämpf n können, welche alle Gelegenheit, aus öffentlicher Unruhe Nutzen für ihre Bestrebungen zu ziehen, ausbeuten und zum großen Schaden des Staatswesens Neuerungen em« führen.
Es ist geradezu unglaublich, welch reiche Verdienste eben auf diesem Gebiete die Diener der Kirche sich um die menschliche Gesellschaft erwerben können, wie sie es nach Ausweis der Geschichte auch in den Stürmen und Unglücksfällen vergan- gener Zeiten gethan haben. Denn die Priester, welche zufolge der Natur ihres Amtes mit den Leuten der niederen Klaffen fast täglich in Berührung, ja in innigen Verkehr kommen, kennen deren ich, daß sie in Sicherheit ist. Ich finde sie, ich muß sie finden, um jeden Preis. Ich gehe noch heute nach Pnris, um dort Nachfrage zu halten."
Gilbert von Beaufort, welcher die Familien- verhältniste Giralda's bester kannte, als der Marquis, machte demselben gegenüber durchaus keine Einwendungen, wenn er auch nicht dessen Ansicht theilte, daß das junge Mädchen nach Paris gegangen fei. Auch hatte er ihr mitgetheilt, daß die Villa Larose einsam uiü> verlasten stehe; es war also auch nicht anzunehmen, daß sie dorthin gegangen sei. Jedenfalls konnte sie unmöglich zu ihrer Mutter gegangen sein, weil Comteste Gabriele dadurch in die größte Gefahr gerathen würde. Er war vielmehr der Ansicht, daß Madame Roger mit ihr nach einem entlegenen Orte zu Bekannten gereist fei, wo sie sicher vor Eiitdeckung war, und daß er bald von ihr hören weroe.
„Es würde mich fehr freuen, wenn Sie mir Nachricht geben möchten, sobald Sie etwas von ihr hören sollten," sagte der alte Herr mit kummervoller Miene. „Sebstvrrständlich wird ziviscken Ihnen jetzt Alles vorbei fein, Bmusoct. Sie können doch unmöglich Ihren stolzen Namen mit
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