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1886.

Fuldaer Jeitung

Dienstag, den 19. Januar

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Viertchährlicher Abonnementsprns ohne Brmgerlohn und »estellgeld. 1 Mk. 50 Pfg-, mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' m Fulda 1 Mk. 70 Pfg-, auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Encyklika Lr. Heiligkeit Papst Leo's XIII. an die Erzbischöfe «nd Bischöfe Preußens.

(Fortsetzung.)

Damit aber Unsere Wünsche und Hoffnungen zum glücklichen Ziele gelangen, ist vor allem da­für Sorge zu tragen, daß die Staatsgesetze nichts enthalten, was den Grundsätzen der katholischen Disziplin entgegen steht in demjenigen, was für die Frömmigkeit der Gläubigen besonders ehrwür­dig und heilig ist; nichts ferner, was die den Bi­schöfen zustehende Freiheit behindert, ihre Kirchen nach den von Gott gesetzten Normen zu regieren und die Jugend in geistlichen Seminaren nach den Vorschriften der kanonischen Bestimmungen zu un­terrichten. Denn trotz Unserer aufrichtigen Frie­densliebe dürfen Wir gegen göttliche Bestimmungen und Satzungen nicht» unternehmen; vielmehr würden Wir für dieselben, wenn e» zu ihrem Schutze nöthig wäre, nach dem Beispiele unserer Vor­gänger Lin Bedenken tragen, auch da» Schlimmste zu erdulden.

Ihr aber, ehrwürdige Brüder, seid wohl be­kannt mit der innersten Natur der Kirche, mit der von ihrem göttlichen Stifter ihr verliehenen Verfassung und den darau» entspringenden Rechten, deren Kraft zu vernichten oder zu beeinträchtigen Niemanden zusteht. Ist doch, wie Wir noch ganz kürzlich in unserer Encyklika Immortale Dei er­klärt haben, die Kirche eine übernatürliche und in ihrer Ordnung vollkommene Gesellschaft. Wie sie nämlich den Zweck hat, ihre Kinder zur ewigen Seligkeit zu führen, so ist sie auch mit von Gott gegebenen Mitteln ausgerüstet, durch welches sie chre Kinder der ewigen Güter theilhaftig macht, indem sie auf Erden und im Kampfe dieses Lebens ein Gebäude beginnt, welches seine Krönung und höchste Zier im Himmel erhalten soll. Nur der Kirche steht es zu, über diejenigen Dinge zu be­stimmen, welche sich auf ihr inneres Leben be­ziehen, dessen Regel von Christus, dem Wieder­bringer unseres Heiles, festgesetzt worden ist. Christus hat befohlen, daß diese freie und Nie­manden untergeordnete Gewalt nur bei Petrus und seinen Nachfolgern sein solle, und unter der Autorität und dem Lehramte Petri bei den Bi«

■ir Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von I. Hiheifrlt. 103

Gras Eugen hatte einige Stücke Holz, welche von den Brettern, mit denen er die Fenster ver­nagelt hatte zurückgelassen; diese hatte Alfred mit seinem kleinen Taschenmesser gespalten. Er hatte ferner auf dem Kaminsims einige Zündhölzer ge­funden und aus einem der vorhandenen Bücher so viele Blätter herausgeriffen, als ihm nöthig er­schien, um ein Feuer anzumachen. So war es ihm gelungen, mit Erfolg ein gutes Feuer anzu­zünden, und er war jetzt damit beschäftigt, Brod zu rösten. Er sah seine Schwester lächelnd an und machte sich alsbald wieder an seine Beschäf­tigung, während Giralda die Bettstelle an ihren früheren Platz zurückschob.

„Sie haben wiederholt gegen die Thür geklopft und einmal haben sie sie aufgeschlossen und gegen dar Kopfende des Bette» gestoßen," bemerkte Alfred, während er die Brodschnitte umwandte.

„Sie! Wer noch außer dem Grafen?" fragte ste erstaunt.

„Ich weiß e» nicht! E» schien eine Frau dabei zu sein. Jetzt kommen sie wieder, da find ste schon!" Er kümmerte sich nicht um die Kommenden, sondern blieb bei seiner Beschäf­tigung, al« der Schlüssel umgedreht wurde und nach kurzem Anklopsen GrafGugen in'« Zimmer trat.

schöfen in ihren einzelnen Kirchen; diese Gewalt der Bischöfe schließt ihrer Natur nach in vorzüg­licher Weise die Disziplin des Klerus ein, sowohl was das geistliche Amt, als was die Haltung de» priesterlichen Lebens betrifft; „denn die Priester­schaft ist mit dem Bischof verknüpft, wie die Saiten der Zither". (Schreiben des Märtyrer« Jgnatiu» an die Ephesier, K. 15.)

Da nun der priesterliche Stand, der Erbe eines so erhabenen Amte», indem die Einen den Andern folgen, stets sich selber gleich, im Laufe der Jahr­hunderte sich erneuert, und da e« nöthig ist, daß die zu diesem Stande Berufenen durch Reinheit der Lehre und Unschuld de« Lebens nach Mög­lichkeit den Spuren Jener folgen, welche Christus als die ersten Sämänner de» Glaubens erwählte so kann Niemandem zweifelhaft sein, daß einzig den Bischöfen das Recht und die Obliegenheit zu­kommt, die Jünglinge zu lehren und zu unter­richten, welche Gott durch besondere Wohlthat aus der Zahl der Menschen zu Seinen Dienern und zu Ausspendem Seiner Geheimnisse annimmt.

Und wahrlich, wenn die Menschen von Jenen, zu welchen das Wort gesprochen wurde: „Lehret alle Völker", die Lehre der Religion empfangen müssen, mit wie viel größerm Recht steht dann den Bischöfen die Obsorge zu, nach derjenigen Methode, welche sie für die beste halten, und durch Vermittelung derjenigen Lehrer, welche sie für die würdigsten erachten, die Weide der gesunden Lehre Jenen anzuweisen, welche kraft ihres Amte» da» Salz der Erde fein und in Christi Namen zu den Menschen als Gesandte gehest sollen? Und nicht nur diese» überaus schwere Amt lastet auf den Bischöfen, sondern auch die Verpflichtung, über das Wohl der Alumnen de» geistlichen Stan­des zu wachen, und dieselben frühzeitig mit den Gefühlen tiefer Frömmigkeit zu durchdringen; denn wenn diese fehlt, so sind sie weder der Ehre des Priesterthum» würdig, noch können sie der wür­digen Ausübung der Obliegenheiten desselben ge­wachsen sein.

Ihr namentlich, ehrwürdige Brüder, besitzet, durch Erfahrung belehrt, gestaue Kenntniß, wie schwierig e» ist, und welch unablässiger Mühe es bedarf, solche Jünglinge zu erziehen und zu unter-

„Ah, ein Feuer!" bemerkte der Graf. „Nun, es ist vielleicht eben gut. Sie sollen auch Feuer im Kamin haben, Giralda. Ihre Aufwärterin ist angekommen," fügte er hinzu.

„Meine Aufwärterin I" wiederholte Giralda mit zusammengezogener Stimme.

„Ja, die Frau, welche in meiner Abwesenheit Ihre Bewachung Übernehmen wird. Ich werde nicht länger al« bi« zum Dunkelwerden hierbleiben, um keinen Verdacht zu erregen. Man könnte sonst meine Reise mit Ihrem Verschwinden au» Vernon in Zusammenhang bringen. Ich werde deshalb noch heute dorthin zurückkehren."

„Und Bertram?"

„Wird hierbleiben. Sollte der Herzog von Beaufort Ihre Spur bis hierher verfolgen, so habe ich genügende Macht in Händen, ihn fern­zuhalten."

Bei dieser Wendung de« Gespräches angelangt, hörte man den Schall von Fußtritten auf der Treppe und gleich darauf erschien im Zimmer eine Frau, ein vollbesetztes Theebrett tragend. Giralda erkannte sie augenblicklich; e» war Frau Bichou, die Frau des Fischers von den Klippen. Als sie eingetreten war, machte sie eine Verbeugung gegen Giralda, stelle ihr Brett auf den Tisch und sah den kleinen Alfred mit nicht geringem Erstaunen an. Der Knabe, welcher sich durch Schlaf so­wohl, al« durch Speisen und Trank neu gestärkt

richten. Denn da Jene, welche in den ersten Jahren Gott zu ihrem Erbtheile erwählt haben, nach der Vorschrift des Apostelfürsten gehalten sind, sich selbst als lebendiges Vorbild der Tugend und Enthaltsamkeit den Augen de» christlichen Volke« darzustellen, so müssen sie bei Zeiten lernen, unter dem Lehramt der Bischöfe und unter der Zucht auserlesener Lenker ihre Leidenschaften zu beherrschen, das Irdische zu verachten, das Himm­lische zu erstreben, dessen Betrachtung sie stärken, dessen Liebe sie entflammen soll, auf daß sie um so leichter unter den Verlockungen der Welt keusch und rein leben können. Auch müssen sie sich bald daran gewöhnen, standhaften und furchtlosen Geiste» die katholische Wahrheit, welche die Welt ver­achtet und mit hartnäckigem Hasse verfolgt, den Völkern zu erklären und zu schützen.

Was, ehrwürdige Brüder, wäre zu erwarten, wenn in solchen Zeiten, die zum Schutz der Sache der Kirche einen heftigem Kampf erfordern, die Männer des geistlichen Standes nicht bereits durch die Stütze der heiligen Disciplin und der Liebe dazu vorbereitet wären, den Bischöfen getreulich anzuhangen, ihrem Rufe zu folgen, und vor der Ertragung keiner Schwierigkeit für den Namen Jesu Christi zurückzuschrecken? Gerade durch die Zucht der Jünglingsjahre, welche in den Semi­naren und sonstigen Anstalten der geistlichen Er­ziehung geübt wird, werden die Alumnen de« Priesterthum», fern vom Sturme menschlicher Sorgen, vorgebildet , die apostolischen Obliegen­heiten würdig auszuübm, alle Mühsalc de« Lebens und jede Art von Beschwerde freudigen Sinnes zum Heile der Seelen zu ertragen. Unter der Aufsicht und Leitung der Bischöfe und von ihnen au«gewählter, durch lange Erfahrung an kirch­lichen Leben ausgezeichneter Priester bewirkt diese Zucht, daß die Alumnen lernen, ihre Kräfte richtig abzuwägen und zu erkennen, was diese Kräfte vermögen; sie bewirkt anderseits, daß die Hirten, nachdem sie Anlagen und Charakter eine» jeden Einzelnen erkannt, verständig entscheiden können, welche au» ihnen der Ehre de« Priesterthum« würdig sind, und verhüten, daß Jemand unver­dient oder allzufrüh die hl. Weihen erhält. Aber wie könnten solche heilsame Früchte erzielt werden,

fühlte, betrachtete diesen neuen Besuch gleichfalls mit Erstaunen und regem Interesse. Seine Schwester ließ den Gmß der Frau völlig unbe­achtet. Ihre harten, mitleidslosen Züge stießen sie ab beim ersten Anblick.

„Guten Tag, Mademoiselle," redete die alte Fischerfrau da» junge Mädchen in hämischem Tone an, so leid e« mir thut, muß ich doch wieder meine Gesellschaft Ihnen aufdrängen. Sie hätten sich alle Sorge und Unruhe sparen können, wenn Sie damals im Hause an der Klippe sogleich eingewilligt hätten, des Grafen von Lamartin's Frau zu werden. Nachgeben müssen Sie ja doch. Wir sind in der Uebermacht und au» diesem Hause sollen Sie un» nicht wieder entkommen. Ich werde wachen Tag und Nacht. Hier find Sie so sicher, wie in einem Kerker. Ich hoffe, Sie werden bald zur Vemunft gelangen und sich nicht mehr lange sträuben, Gräfin von Samartin zu werden."

Graf Eugen sah, wie Giralda ihr Geficht ab­wandte, um ihre Abneigung gegen diese Frau zu verbergen, und er mußte sich gestehen, daß die­selbe keine Gesellschafterin für eine gebildete, junge Dame sei, welche durch ihre Gesellschaft dazu ge­trieben werden sollte, gegen ihren Willen ihn zu heirathen.

„Ich verlasse Sie, Frau Bichou, und übergebe Ihnen die Vollmacht, fall« e« nöthig sein sollte,