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Ludwig II. legte dem Ministerium nahe, dem Landtage eine Kredit-Vorlage bis zu 20 bezw. 30 Millionen zu machen, behufs Fortsetzung seiner Schloßbauten. Am 6. d. M. antwortete das Gesammt«Ministerium hierauf mit einer Vor­stellung an den König, weiche in der Bitte gipfelte, derselbe wolle im Hinblick auf die prekäre Lage des Landes die Bauten einstellen. Am 10 d. M. erfolgte die Antwort des Königs, durch welche diese Vorstellung zurückgewiesen wurde. Am 11. d. M. berieth das Gesammt-Ministerium über die Angelegenheit; eine Minorität war für Demission, es behielt indeß die Ansicht die Oberhand, daß das Ministerium keinen Grund habe zurückzu­treten.

* Karlsruhe, 14. Jan. In der zweiten Kammer wurde heute von liberalen und katholi­schen Abgeordneten Anfragen an die Regierung über ihre Stellung zum Branntwein-Monopol ge­richtet. Der Karlsruher Wirthsverein hat läut dem ,Bad. Beob.' in einer gestrigen Ver­sammlung Stellung gegen das Branntweinmonopol genommen. Von Seiten des Staats Ministeriums war ein Ersuchen um Stellungnahme des Vereins an den Vorsitzenden eingelaufen. Nach einer Dar­legung der Grundzüge des Entwurfs und nament­lich der die Wirthe berührten Bestimmungen und nach längerer lebhafter Debatte pro und contra sprach sich die Versammlung mit großer Majorität gegen den Gesetzentwurf aus. Der Verein wird demnächst in Erwägung ziehen, welche Schritte gegen die Einführung des Monopols zu thun sind.

* Wie der Leipziger Zweigverein des Deut­schen Brauerbundes, so hat jetzt auch der Gesammt-Ausschuß dieser Körperschaft für ein Verbot aller Surrogate zur Bierbereitung sich ausgesprochen. Er hat in diesem Sinne eine Vor­stellung an das Reichs-Gesundheitsamt in einer Petition an den Reichskanzler abgesandt.

Ausland.

* Paris, 15. Jan. Ueber den Mord des Eure-Präfekten berichten die Blätter: Der muth- maßliche Mörder sei ein Individuum, welches in Montes den Bahnzug verlassen; dasselbe trug die Reisedecke des Präfekten, die sodann in Mantes auf der Straße gefunden wurde. Der Präfekt vereinnahmte in Paris 20,000 Francs, daher wahrscheinlich Raub das Verbrechen veranlaßte.

• Rom, 15. Jan. In dem heute stattgehabten Konsistorium ernannte der Papst eine Anzahl neuer Bischöfe und hielt eine Ansprache, die hauptsächlich von der Vermittelungsfrage handelte und morgen publizirt werden wird. (Fr. Z.)

* Rom, 14. Jan. Der Papst hat eine

Sie können mich zum Guten, wie zum Bösen antreiben, nach Ihrem Willen! Ich werfe die Ver­antwortung auf Sie —"

»Und ich lehne sie ab!" versetzte die Angeredete lakonisch. „Sie können nicht auf andere Schultern die Verantwortung für Ihre Thaten legen. Wenn Sie den Wunsch haben, ein besserer Mensch zu werden, so beweisen Sie es dadurch, daß Sie uns f reifoffen!"

„Das kann ich nicht! Dazu liebe ich Sie zu sehr! Erbarmen Sie sich, Giralda, einer Seele, die einen Führer und Wegweiser braucht, um gut zu werden! Werden Sie mein Führer, mein Wegweiser zum Guten!"

Seine Worte erregten des jungen Mädchens Unwillen. „Es ist traurig, daß das Gold so schwer zu erlangen ist, Herr Graf," sprach sie. „Wie schwer muß es Ihnen fallen, bessere Ge­fühle zu heucheln, die Sie in Wirklichkeit nicht besitzen! Wenn es Ihnen Ernst wäre mit der Besserung, so müßten Sie vor allen Dingen wohl in sich selbst die Kraft besitzen, Ihre Fehler abzu­legen. Wie können Sie erwarten, daß ich den Feind meiner Eltern heirathen könnte? Den Mann, ohne welchen mein Leben und das Leben Aller, die ich liebe, schön wie ein Frühlingstag sein könnte?" Sie waren es, Graf Eugen von Lamartin, der vor achtzehn Jahren meinem Onkel, dem Marquis de Vigny, den Dolchstoß versetzte und der es so einzurichten gemußt hat, daß mein unschuldiger Vater als Mörder angesehen und aus dem Schlosse gejagt wurde. Und Sie sollte ich heirathen? Es würde mir sein, als ob ich den Mörder meines Vaters heirathcnscllre; denn Sie sind der Mörder seiner Ehre, die er höher hält, als sein Leben!"

Encyklica an die preußischen Bischöfe gesandt, welche als Antwort auf die nach der Fuldaer Konferenz dem h. Vater überschickte Adresse anzu­sehen ist. Die Encyklica bespricht in gemäßigter Form aber mit Entschiedenheit die religiöse Lage in Preußen und betont die Rothwendigkeit der Lösung der Erziehungsfrage. Schließlich berührt der Papst die Freiheit der katholischen Missionen in den Kolonien und den Standpunkt einer freien Entwickelung der katholischen Kirche speziell betreffs der Erziehung in Preußen.

* Kopenhagen, 15. Jan. Der Urtheils- spruch gegen Raßmuffen, welcher das Attentat auf den Ministerpräsidenten Estrup verübt hat, wird morgen erwartet. — In Nordjütland wüthen abermals Schneestürme. (Fr. Z.)

Aus Stabt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 16. Januar.

** Das neueste Heft (5) des „Deutschen Haus­schatzes" enthält die Abbildung der in Eisenach zu erbauenden St. Elisabethkirche und begleitet dasselbe mit einem längeren Aufsatz, worin der Entstehungsgedanke und dessen seitherige Verwirk­lichung in unterhaltender Form näher ausgeführt ist. Die Schwierigkeiten, auf welche die erste An­regung des Kirchenbaues stieß, waren sehr groß. Zuerst wurden hohe Persönlichkeiten für die Sache zu gewinnen gesucht, aber ohne Erfolg. Dazu kam die bischofslose Zeit — Eisenach gehört zu Fulda — und ohne Bischof kann in solchen Sachen nicht wohl vorgegangen werden. Es dauerte bis zum Jahre 1881, wo im Herbst die Gründung eines Comites möglich wurde, das endlich einen Aufruf zum Kirchenbau in die Welt schicken konnte. Nachdem der Plan die bischöfliche Gutheißung er­halten hatte, ließ seine Durchführung keinen Zweifel mehr aufkommen. Seit einem Jahre ist der Bau­platz gekauft. Der Preis beträgt 37,500 Mark. Auch der Bauplan ist seit einigen Monaten fest­gestellt und genehmigt. Die Gesammtbaukosten sollen ohne die innere Einrichtung (Altäre, Kan­zel, Gestühl, Glasmalereien, Orgel und Glocken) 100,000 Mark betragen. Der Bau soll im kom­menden Frühjahr begonnen werden, und man hofft, daß er im Laufe des Jahres im Rohbau voll ndet wird, so daß die Einweihung um die Mitte 1887 erfolgen kann. Für den Hochaltar sorgen die adeligen Damen vom Rheinland, von Westfalen und Schlesien. Einen Seitenaltar zu Ehren des hl. Joseph besorgt eine Dame aus Schlesien. Ein Fenster ward von einem belgischen Grafen über«

Ihr gerechter Zorn machte den Grafen stumm. Er wußte nicht, was er ihr antworten sollte. Die Zunge war ihm wie gelähmt; so saß er da, finster und schweigsam. Die Nacht wurde immer dunkler. Der kleine Alfred schlief ein und ließ seinen Kopf auf dem Schoße seines Feindes ruhen. Giralda saß wachend und hatte ihr Antlitz zum Himmel erhoben, gleichsam als suche sie dort Rettung vor ihrem Feinde. Dabei fiel der Regen noch immer gleichmäßig nieder. Was sie gedacht und was sie gebetet in diesen nächtlichen Stunden voller Finsterniß um sie her und in ihr, Gott allein weiß es!"

Gegen Morgen ließ der Regen nach, aber die Luft wurde schäfer und kälter. Giralda fror, trotz der Decken und Tücher, in die sie sich ge- hüllt hatte. „Gleich sind wir am Ziele," unter­brach der Graf gegen Morgen die Stille plötzlich. „Binnen wenigen Minuten werden Sie Ihre neue Heimath erreichen, in der Sie, von Ihnen wird es abhängen, Gefangene ober Gebieterin sein werden. Ein Wort von Ihnen und Ihre Fesseln fallen und als Sklave hege ich Ihnen zu Füßen. Aber wenn Sie sich auch widersetzen, Ihr Widerstand ist nutzlos — der Sieg ist dennoch mein, denn ich halte, was ich Ihnen und mir gelobt: nur als mein Weib verlassen Sie wieder diese Stätte!"

XLIX.

Die Sonne war im Aufgehen begriffen, als Graf Eugen von Lamartin das Haus, welches er gemietet hatte, in Sicht bekam, das Haus, wel- ches nun das Gefängniß Giralda's und ihres Bruders Alfred werden sollte. Das Gebäude lag in vollkommener Einsamkeit. Kein Nachbarhaus

nommen, ein anderes von der katholischen Stu- | dentenverbindung in Tübingen, einige andere Ge- | schenke sind in Aussicht. Die innere Ausstattung der Kirche wird sich nach den noch fließenden Bei- i, trägen richten. Schließen wir darum diesen Artikel | mit der Bitte um weitere gütige Gaben, auf daß z „ein der großen Heiligen würdiges Gotteshaus ' in Eisenach entstehe".

* Zum Gehilfen des erkrankten Lehrers Weber I an der dompfarrlichen Knabenschule Hierselbst wurde I Lehrer Wiederholt in Abtsroda ernannt.

* Mittelst Allerhöchster Ordre vom 27. Dezbr. I 1885 wurde dem Handlungsgehülfen Phil. Voll- ] graff hier das Verdienst-Ehrenzeichen für Rettung ] aus Gefahr verliehen. Ferner wurde, wie man | dem ,F. K.' mittheilt, dem Handlungsgehülfen j Carl Dietrich hier für feine Betheiligung bei der | Rettung des Küferlehrlings Adolf Fack und des 1 Kammmacherlehrlings Peter Münker dahier vom I Tode des Ertrinkens mittelst Erlasses des Herrn Mi- | nisters des Innern vom 3. d. M. die Erinnerungs« 1 Medaille für Rettung aus Gefahr zuerkannt.

* Aus der Tagesordnung, welche für den auf 1 den 29. d. M. einberufenen Kreistag des Krei- i ses Fulda festgestellt ist, erwähnen wir nach dem 1 ,F. K.' das Folgende:

1) D-r Herr Minister der öffentlichen Arbeiten hat dein I Oberpräsidenten davon Mittheilung gemacht, daß er nicht abgeneigt sein würde, der Frage des staatsseitigen Aus- ; baues der von Fulda nach Tann projektirten Eisenbahn untergeordneter Bedeutung näher zu treten, sofern die Er- 1 fiillung der in dem Gesetze vom 7. Mai 1885 (Ges.-S, S. 119) unter Litt. A und B bezeichneten Bedingungen durch rechtsverbindliche Beschlüffe von den Interessenten auch im ' vorliegenden Falle übernommen werden würden. Diese , Bedingungen bestehen darin, daß sich die betheiligten Kreise verpflichten, den gesammten zum Bau der qu. Eisenbahn und deren Nebenanlagen nach Maßgabe des Projekts er- ' forderlichen Grund und Boden der Staatsregierung in dem Umfange, in welchem derselbe nach den S§ 4 und 23 des Gesetzes über die Enteignung von Grundeigenthum vom 11. Juni 1874 (G.-S. S. 221) der Enteignung unterwor­fen ist, unentgeltlich und lastenfrei — der dauernd erfor­derliche zum Eigenthum und der vorübergehend erforder­liche zur Benutzung für die Zeit des Bedürfnisses — zu überweisen, oder die Erstattung der sämmtlichen staatssei­tig für Beschaffung im Wege der freien Vereinbarung oder der Enteignung aufzuwendenden Kosten, einschließlich aller Nebenentschädigungen für Wirthschaftserschwerniffe und son- - stige Nachthcile in rechtsgültiger Form zu übernehmen und sicher zu stellen; auch ferner für die qu. Bahn die Mitbe- nijtzung der Chausseen und öffentlichen Wege, soweit dies die Aufsichtsbehörde für zulässigerachtet, unentgeltlich und ohne besondere Entschädigung ftir die Dauer des Bestehens und Betriebes der Bahn zu gestatten. Die Eisenbahn wird ungefähr 36,6 km lang werden, wovon auf den Kreis Fulda co. 16 km entfallen. Zu dem Bau werden voraus­sichtlich etwa 1,5 ha pro km im Durchschnitt erforderlich sein. Es wären also seitens des Kreises Fulda co. 24 ha Aecker und Wiesen zu erwerben. Wie hoch sich die Kosten des Grunderwerbes stellen werden, konn ich zur Zeit noch nicht ongeben. Im Interesse dieser so nothwendigen und

war sichtbar. Die Ställe und Außengebäude lagen hinter dem Wvhnhause. Auf der einen Seite stand niedriges Gebüsch; auf der anderen lag eine Wiese, an welche wiederum mehrere Felder grenzten. Das Haus selbst war von rothen Backsteinen er­baut und von fast viereckiger Farm; die Einfach­heit des Stils war durch ein paar Erker und durch einen Thurm unterbrochen. Im Uebrigen bot das Ganze einen traurigen Anblick dar, weil Alles dicht verschlossen war. Var dem Hanse dehnte sich ein Rasen aus. Zu beiden Seiten waren Blumen­gärten, in denen nach vereinzelte vorjährige Blumen standen. Hinten, zwischen dem Wohnhause und ' den Nebengebäuden, lag der Gemüsegarten.

Als der Graf das Ganze int Lichte der auf- gehenden Sonne bemerkte, umspielte seine Lippen ein zufriedenes Lächeln. Seine vereinsamte und verlassene Lage, sein verfallenes Aussehen, seine wilde Umgebung, Alles machte einen günstigen Eindruck auf den schurkischen Grasen, und er war sicher, daß er keinen günstigeren Platz hätte finden können, um Giralda seinem Willen gefügig zu machen. Er warf einen Blick auf den Knaben, nachdem er fein Gesicht von der schützenden Hülle befreit hatte. Derselbe sah bleich und angegriffen aus, so daß Gabriele, wenn sie ihn so hätte sehen können, seinethalben Angst erfaßt haben würde. Dann sah der Graf nach Giralda hinüber, die er ebenfalls schlafend glaubte, aber sie begegnete seinem Blick so fest und so wach, daß er annehmen konnte, sie habe während der ganzen Fahrt kein Auge geschloffen gehabt, sondern fei während der langen, traurigen Nacht stets auf ihrer Hut ge­wesen. Er zeigte mit der Peitsche nach dem rothen Hause.

(Forffetzung folgt.)