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j\g 11. Freitag, den 15. Januar 1886.

Fuldaer Jalung.

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Die Eröffnung des Landtags

ist gestern Mittag 12'/z Uhr mit besonderer Feier­lichkeit von Sr. Majestät dem Kaiser und König vollzogen worden. Der enthüllte Thronsessel zeigte, daß der Monarch, wie schon vorher bekannt gegeben, thatsächlich den Eröffnungsakt vollziehen würde, und im Weißen Saale wie auf den Tribünen zeigte sich ungewöhnlich starker Besuch. Haupt­sächlich vertreten war das Herrenhaus; man be­merkte von Fürstlichkeiten den Herzog von Rudol­stadt, den Herzog von Ratibor, den Herzog von Ujest, den Fürsten Hatzfeld-Trachenberg, dann den Grafen Brühl, Graf Herbert Bismarck, den Berliner Oberbürgermeister v. Forckenbeck. Nach 121/z Uhr verkündete der Eintritt des Staatsministeriums, das nach der Anciennität sich aneinander reihte, das Nahen des Königs, der nach der üblichen ceremonieCen Anmeldung den Saal, gefolgt vom Kronprinzen, Prinz Wilhelm, Prinz Georg, Prinz Alexander und Friedrich von Hohenzollern, sowie -dem Hofstaat, betrat, durch ein vom Herzog von Ratibor ausgebrachtes Hoch begrüßt. Dem Monar­chen wurde, nachdem er vor dem Throne Platz genommen, die Thronrede vom Ministerpräsidenten Fürsten Bismarck überreicht, worauf der Monarch mit lauter, vernehmlicher Stimme die einleitenden Begrüßungsworte der Thronrede vorlas, lautend: „Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!

Indem Ich Sie am Eingänge einer neuen Le­gislaturperiode willkommen heiße, ist es Meinem Herzen Bedürfniß von dieser Stelle aus nochmals Meinem Volke Meinen Königlichen Dank zu sagen für den einmüthigen und erhebenden Ausdruck der Liebe und Anhänglichkeit, der Mir zu dem Tage entgegengebracht wurde, an welchem Ich auf die fünfundzwanzigjährige Dauer einer durch Gotte- Gnade nach Innen und Außen reich gesegneten Regierung zurückblicken konnte.

Zu gleicher Befriedigung hat es Mir gereicht, daß bei dieser Gelegenheit auch außerhalb der Grenzen des Vaterlandes ein Maß von wohlwol­lender Theilnahme an Unserer Feier zu Tage ge­treten ist, welches den freundlichen Beziehungen des Reiches zu allen auswärtigen Regierungen und Meinem vollen Vertrauen auf die gesicherte Fort­dauer de» Friedens entspricht.

Im Uebrigen will Ich hiermit den Präsidenten

-H- Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von |. Mrefttt. 100

Eine Zeit lang sprach Giralda kein Wort; sie schien gänzlich verstummt zu sein. Sie ergriff des armen, kleinen Alfred'» Hände und drückte sie zwischen die ihrigen; aber sein unterdrücktes Seufzen und sein furchtsame« Stöh­nen waren mehr al» sie ertragen konnte. Sie legte ihr Gesicht gegen seine thränenfeuchte Wange, aber sie vermochte e» nicht ihn mit Worten zu beruhigen. Ihr Peiniger eilte auf dem kürzesten Wege vorwärts, nachdem er sich vorher über die nnzufchlagende Route erkundigt hatte. Sein böse» Herz triumphirte über den gelungenen Sieg, den er in dieser Nacht vollbracht hatte. Neue Hoff- Bungen, daß er noch da» Ziel erreichen würde, wonach sein Herz sich sehnte, belebten seinen ge- mnkenen Muth. Schien e» doch, al« ob da« Glück ihm hold sei und er binnen Kurzem eine lunge, schöne Frau und mit ihr ein bedeutende« Vermögen fein eigen nennen würde.

, Da« rauhe Steinpflaster der Stadt hatten die ^Bsamen Reisenden bald hinter sich gelaffen und

Wagen rollte jetzt fast geräuschlos auf der Landstraße dahin, in welche er soeben eingebogen

Meines Staatsministeriums beauftragen, Ihnen weitere Mitthellungen über die Sage des Staats­haushalt« und über die auf dem Gebiete der Ge­setzgebung an Sie herantretenden Aufgaben zu machen."

Hier überreichte der König dem Ministerpräsi­denten die Thronrede, welcher sie zu Ende verlas mit folgendem Inhalt:

„Die Finanzlage de» Staate« hat sich gegen das vorige Jahr, wo ihre Unzulänglichkeit Ange­sichts einer nothwendigen Erhöhung der Matriku- larbeiträge sich in erheblichem Maße geltend machte, wieder günstiger gestaltet.

Das letzte abgeschloffene Rechnungsjahr zeigt auf fast allen wichtigeren Verwaltungsgebieten erfreu­liche finanzielle Ergebniffe. Wenn dasselbe gleich­wohl keinen für das kommende Etatsjahr verfüg­baren Ueberfchuß hinterlaffen hat, so ist dies die Folge der gesetzlichen Vorschriften über die Ver­wendung der Jahresüberschüsie der Eisenbahnver­waltung, nach welchen der beträchtliche, über die Voranschläge erzielte Ueberfchuß des Jahres auch in der Rechnung eben diese» Jahres schon zu ent­sprechender Mehrtllgnng der Staatreisenbahnschuld ^lt in Ausgabe gestellt werden muffen.

Von dem laufenden Jahre find nach den bis- herigen Wahrnehmungen ganz so günstige Ergeb­nisse nicht zu erwarten, insbesondere wird der Ueberfchuß der Eisenbahnverwaltung unter dem Einfluß einer verminderten Verkehrsentwickelung den Voranschlag vielleicht nicht voll erreichen. Dessenungeachtet erscheint die Hoffnung berechtigt, daß da» Gesammtergebniß auch des laufenden Jah­res kein ungünstiges sein werde.

Für das nächste Jahr fällt ins Gewicht, daß inzwischen durch die gesetzliche Ueberweisung von Zoll­erträgen an die Kommunalverbände, und durch die Pensionirnng der Lehrer an den Volksschulen, die er­sten Schritte gethan sind zur Befriedigung der auf dem Gebiete der Kommunal- und Schullasten seit Jahren hervorgetretenen Bedürfnisse, für welche aus den bis­herigen Einnahmequellen de« Staates die erforder­lichen Mittel weder zu beschaffen waren noch in Aus­sicht stehen. Die Mehrausgaben in Folge jener beiden Gesetze nehmen die Mehreinnahmen,welche derStaat»- kaffe inzwischen durch die Reichrgesetzgebung neu zuge­führt worden sind, zum größeren Theile in Anspruch, während der Reichshaushalt eine erneute Steige­rung der Matrikularbeiträge für das nächste Jahr

war. Es hatte noch nicht aufgehört, zu regnen, und durch denselben hindurch sah Giralda einzelne Häuser und Bäume zu beiden Seiten der Straße. Dann und wann sah sie auch ein einsames Licht durch die Fenster eines Parterrezimmers scheinen, ja zuweilen tönte sogar fröhliche« Lachen oder liebliche Musik an ihr Ohr, sie an eine Glückselig­keit erinnernd, von der sie fürchtete, daß sie auf immer von ihr geschwunden war.

Nach einer Weile brach sie da« Schweigen. „Graf Eugen," sagte sie mit gedämpfter «Stimme, „wohin bringen Sie uns?"

Graf Eugen schrack zusammen und erwachte aus einem traumhaften Zustande, in den er ver­sunken war, doch antwortete er resolut: „Nach einem Hause in der Nähe von Sanssouci, welche« ich unter einem fremden Namen gemietet habe."

„Zu welchem Zweck?"

„Da« wissen Sie ebenso gut al« ich, Giralda — um Sie zu zwingen, mein Weib zu werden! Diese« ganz einsam liegende Landhaus ist dazu bestimmt, Sie meinem Willen geneigt zu machen. Ich gedenke, Sie so lange dort gefangen zu halten, bis die Suche nach Ihnen vorüber und Ihr Wille gebrochen ist, so daß Sie sich meinem Willen fügen. In dem Augenblick, in dem Sie

vorzusehen nöthigt. — Unter diesen Umständen können auch die größeren Ueberschüsse, auf welche bei den meisten Betriebsverwaltungen de« Staates nach den sorgfältig aufgestellten Voranschlägen wiederum zu rechnen sein wird, und die beträcht­liche Erleichterung der Zinslast des Staate«, welche durch die Umwandlung bisher höher ver­zinslicher Schulden in vierprozentiger gesichert ist, bei aller Sparsamkeit und Beschränkung in der Berücksichtigung neuer Bedürfnisse nicht hinreichen, um das Gleichgewicht der Einnahmen und Aus­gaben im nächstjährigen Staatshaushaltsetat her­zustellen.

Es wird daher, wenn auch in geringerem Um­fange wie für das laufende Jahr, abermals der Staatskredit zur Deckung des Fehlenden in An- sprach zu nehmen fein.

Die Regierung hat hierin und in der Heber» zeugung, daß es bei den geringen Anfängen einer Erleichterung des Druckes der Kommunal- und Schullasten und dem Aufschübe der Verbesserung der Beamtenbefoldungen nicht etwa fein Bewenden haben kann, erneuten Anlaß gefunden, auf die Weiterführung der Reichssteuerreform hinzuwirken, insbesondere hat sie sich angelegen fein lassen, reichs­gesetzliche Bestimmungen zur Einführung de« Brannt­weinmonopols vorzubereiten und zu beantragen, von deren Annahme sie ausreichende Erträgnisse zur Befriedigung der bringenden Bedürfnisse in Staat und Reich und günstige Folgen für Moral und Gesundheit erhofft.

Die Entwürfe des Staatshaushaltsetat» für das nächste Jahr und eine» Gesetzes wegen Aufnahme einer Anleihe zur Ergänzung der nächstjährigen Einnahmen des Staates werden Ihnen alsbald vorgelegt werden.

Auf dem Gebiete der industriellen Thätigkeit macht sich in einzelnen Betriebszweigen eine Stockung bemerkbar.

Diese Erscheinung läßt sich auf eine durch die bisherigen günstigen Erfolge der gewerblich, n Arbeit angeregte Steigerung der Betriebsamkeit und auf den Wunsch zurückführen, dem deutschen Fabrikat im Wettbewerb mit den konkurrirenden Industrie­staaten den Vorsprung zu sichern. Eine Abhilfe hiergegen liegt außerhalb de» Bereich» unserer Gesetzgebung. Nur die Zurückführung unserer Prodrcktion auf das Maß de» Bedürfnisse» wird die ungünstigen wirthschaftlichen Folgen fernzu­

versprechen, mich heirathen zu wollen, sind Sie frei. Bis dahin sind Sie meine Gefangene." Er sprach mit einer Bestimmtheit, welche Giralda schaudern machte.

„Bisher haben Sie mich ganz hübsch an der Nase herumgeführt," fuhr er bitter fort, „aber in der Folge werden Sie sehen, daß ein junges Mädchen, wie Sie sind, den Kampf mit einem desperaten Mann, wie ich e» bin, nicht aushalten kann. Sie haben e» nicht bedacht, mit wem Sie kämpfen!"

„Sie sprechen von einer Suche nach mir," sagte da» junge Mädchen. „Wer sucht nach mir?"

„Der Marquis! Sie können sich wohl denken, weshalb er Sie sucht, well er Sie jetzt haßt, ja, Sie verwünscht, weil er Ihr böses Herz und Ihre Betrügereien erkannt hat," erwiderte Gras Eugen, über die ausgesprochene Lüge triumphirend. „Ich glaube, mein Onkel will Sie aufspüren lassen und vor Gericht bringen wegen Gelderpressung unter falschen Vorspiegelungen."

„Ich habe niemals Geld von ihm erpreßt unter falschen Vorspiegelungen!" antwortete Giralda inbignirt.

„Sinb Sie nicht unter falschem Namen nach dem Schlosse gegangen und haben, ebenfalls unter