entlang, der Wohnung des Arztes zu. In kurzer Entfernung schlichen dem nichtsahnenden, jungen Mädchen und ihrem kleinen Begleiter zwei Männer nach; es waren der schurkische Graf Eugen von Lamartin und sein ebenso schuftiger Diener Bertram.
XL VIII.
Giralda und Alfred eilten durch die einsamen Straßen, um das Haus des Arztes möglichst schnell zu erreichen. Sie unterhielten sich während des Gehens über den Kranken, welchem sie eine Erleichterung verschaffen wollten, doch geschah ihre Unterhaltung in halblautem Tone, so daß ihre Verfolger Nichts verstehen konnten. Als sie die nächste Straßenecke erreichten, diejenige, wo das vom Grafen Eugen gemiethete Gespann hielt, erfaßte ein. Windstoß Giralda's Schirm und verhinderte sie am Weiterschreiten.
„Warte einen Augenblick," sprach dar junge Mädchen und bemühte sich, ihren Mantel fester an sich zu ziehen. „Das Wetter ist heute Abend schlimmer als ich dachte. Ich kann Dich nicht dem Regen und dem Winde aussetzen. Wir wollen umkehren, Alfred."
„Ach nein," bat Alfted flehentlich, „Du verlangst darnach, zu wiffen, wie es dem Kranken
1886.
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Die übrigen Titel der ordentlichen Ausgaben des Postetats gaben zu besonderen Bemerkungen'keine Veranlassung. MM
* Abg. Dr. Lingens hat mit Unterstützung der Centrumsfraktion folgende Resolution eingebracht: „Der Reichstag wolle beschließen: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, zu veranlassen, fortzufchreiten mit wirksamen Anordnungen, damit den Post- und Telegraphenbeamten Sonntagsruhe und Sonntagsfeier ermöglicht bleibe.
* Nachdem die Veröffentlichung des Karolinenprotokolls auf Veranlaffnng der spanischen Regierung stattgefunden hat, ist nunmehr auch deutscherseits die Veröffentlichung des Wortlautes des päpstlichen VermitilungSvorschlazs, sowie des Protokolls im ,Reichsanzeiger' erfolgt, aber nicht im amtlichen Theil desselben, sondern unter „Nichtamtliches".
» Dem Minister der öffentlichen Arbeiten, M ay- bach, wurde das Großkreuz des Rothen Aoler- Ordens mit Eichenlaub verliehen. Diese Auszeichnung ist dem Beliehenen durch ein Handschreiben des Kaisers zu Theil geworden, worin dem Minister in den huldvollsten Ausdrücken Anerkennung und der Dank des Monarchen für sein amtliches Wicken ausgesprochen wird.
* Der kürzlich zum Protestantismus übergetretene „Doktor Philadelphias" Simon Map ist aus der Redaktion des .Reichsboten' entlassen worden.
* In dem heute stattgehabten Preßprozeß der .Germania' wegen Beleidigung des Grafen Görtz- Wriesberg wurde der verantwortliche Redacteur derselben, A. Körnig, zu 3 Monaten Gefäng- niß verurtheilk.
* Die Blüthezeit des Anti-Semitismus ist in Berlin vorüber. Ganz abgesehen davon, daß die Anti-Semiten in verschiedene Gruppen zerfallen — es gibt radicale und gemäßigte, „nationale" und „konfessionelle" Anti-Semiten — so sind auch die Vorgänge der letzten Zeit nicht dazu angethan gewesen, die Sache des Anti-Semitismus zu fördern. Die Ausfälle der Offiziösen gegen Stöcker und den Anti-Semitismus haben fast den ganzen Schwarm der akademischen Jugend, der sich früher in den anti-semitischen Versammlungen so hervorthat, wie Spreu weggeblasen; denn das jugendliche Strebervolk hat einen feinen Utilitäts-Jnstinkt und weiß immer den Mantel hübsch nach dem Winde zu drehen. Wieder ein
vorgelegt worden über die Anzahl der Postämter erster, zweiter und dritter Classe, sowie eine lieber« sicht der Vertheilung der Gehalte, welche die Postsekretäre nach ihren verschiedenen Rangstufen beziehen. Auf den Antrag des Abg. Baumbach sollen beide Aktenstücke bis zur nächsten Sitzung gedruckt werden. Titel 27 fordert für 13,000 Landbriefträger mit 610 M. Durchschnittsgehalt 7,930,000 M. Abg. Baumbach befürwortete eine Gehaltserhöhung "der Landbriefträger und behält sich eine bezügliche Resolution vor. Abg. v. K eilet ist gegen den Vorschlag; soweit er chie Verhältnisse kenne, seien die Landbriefträger besser gestellt, als alle anderen Arbeiter. Abg. Baumbach hebt demgegenüber hervor, daß es fich hier nicht um Arbeiter, sondern um Beamte handle. Abg. Fehr, v. Huene: Wenn wir das erforderliche Geld hätten, würden wir sehr gern die Gehalte für alle Kategorien von Beamten erhöhen. Leider ist es nicht angängig. Die Landbriefträger sind im klebrigen nicht schlechter gestellt als alle anderen Beamten gleicher Qualität. Abg. Kalle schließt sich diesen Ausführungen an. Bei Titel 37: „Zu Vergütungen für ungewöhnliche Leistungen von Beamten, zu Ünterstützungen an bedürftige Beamte und Unter- beamte, deren jährliches Diensteinkommen den Betrag von 4500 M. nicht übersteigt, und zur aus- nahmsweisen Unterstützung höher besoldeter Beamten in außerordentlichen Bedarfsfällen 920,720 M. wünscht Abg. Rickert Auskunft darüber, nach welchen Grundsätzen tue Remunerationen veriheilt werden. Staatssekietär Dr. v. Stephan erwidert, daß bei der Post Weihnachtsremunerationen nicht existiren. Die Briefträger in Berlin bekommen vom Auswärtigen Amt oder von Sr. Majestät dem Kaiser Weihnachtsgeschenke. Die Unterstützungen von Seiten der Verwaltung werden vorzugsweise bei Eintritt der kalten Jahreszeit ertheilt, der Rest gewöhnlich im März. 790,944 M. sind den Ober- Postdirektionen zur Vertheilung überwiesen worden, 60,000 M. durch die Centralverwaltung und 5000 M. an die Beamten Elsaß-Lothringens gekommen. Abg. Rickert hebt hervor, daß bei der Post nur 27 M. pro Kopf an Gratifikationen eingestellt sind, während bei anderen Verwaltungen der Satz pro Kopf sogar die Höhe von 60 M. erreicht. Direktor Aschenborn erklärt diesen Umstand dadurch, daß bei der Postverwaltung eben die Zahl der Unterbeamten eine viel höhere sei.
ken machten sich zum Sprunge bereit, wie auf Beute lauernde Tiger.
„Ich bin durchaus nicht ängstlich, Madame Goutier," hörten sie eine Stimme, welche sie sofort als die Giralda's erkannten, sagen. „Ich muß zu Doktor Boncourt. Ich habe Cecile Roffeau eine nothwendige Botschaft zu senden und bis zur Wohnung des Arztes ist es ja nicht weit!"
„Dennoch, Fräulein," antwortete Frau Goutier unruhig, ihre Lampe hoch hebend, so daß die Straße vor dem Hause hell erleuchtet war. „Ich wollte, ich hätte Jemanden zu Ihrer Begleitung. Das Beste wird sein, ich gehe selbst mit Ihnen; ich kann das Haus schon so lange verlaffen." ,
„Nein, nein, Madame Goutier," unterbrach Giralda.sie lebhaft. „Geben Sie mir nur die Gelees und die frischen Blumen für den Kranken und taffen Sie mich gehen. Es wird mir Niemand ein Leib zufügen. Bald bin ich wieder hier!" , ,
Die alte Frau reichte ihr ein Glas mit Fruchtsaft, einige Bisqmts und ein Bouquet Blumen; darauf schloß Frau Goutier die Thür und Giralda schritt in Begleitung Alfred'S die Straße
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Januar.
* Der Kaiser wird, wie allseitig bestätigt wird, nach den bisher getroffenen Bestimmungen morgen den Landtag eröffnen.
** Der Reichs tag, dem der Gesetzentwurf, betreffend die Rechtspflege in den deutschen Schutz- gebieten zugegangen ist, setzte die erste Berathung der Zuckersteuervorlage fort. Abg. Haerle (Volksp.) erklärte sich für die Fabrikatsteuer, will aber, da diese nicht zu erreichen, keine Ecböhung, sondern eine Erhöhung der Rübenfteuer. Abg. Graf Hacke (lib.) erachtet für den Fall, daß sich eine Form der Melaffezuckerbesteuerung nicht finden lasse, eine Erhöhung der Rübensteuer für unannehmbar. Er wünsche gleichzeitig eine Erweiterung der Bestimmungen über die steuerfreien Lager im Jntereffe der deutschen Raffinerie. Abg. Heine (Soz.) tadelt das Verhalten der ..Zuckerbarone", die ihre Arbeiter in Leibeigenschaft hielten. Er erklärte, daß die Sozialdemokraten gegen jede Erhöhung der Zucker- steuer stimmen würden. Man solle die Zuckeisteuer abschaffen und eine richtige progressive Emkommen- steuer einführen. Abg. v. Roland (frs.) erklärt sich gleichfalls gegen eine Erhöhung der Rübensteuer und wünschte im Interesse der Hebung des Konsums eine Herabsetzung der Steuer. Staatssekretär D. Burchard ist umgekehrt wie Graf Hacke der Meinung, daß, wenn es unmöglich ist eine Form der Melassebesteuerung zu finden, die Rübensteuer erhöht werden müsse. Die Vorlage wurde einer 28gliedrigen Kommission überwiesen. Dann wurde die Wahl des Abg. Bormann (Trier) für gültig erklärt; die des Abg. Gottburgsen (2 Schleswig- Holstein) aber entgegen den Kommissionsanträgen für ungültig erklärt, und zwar wegen zu Unrecht erfolgten Verbots einer sozialdemokratischen Wählerversammlung. Für Ungültigkeit sprachen die Abgeordneten Spähn, Dr. Windthorst, Liebknecht, Frohme (Soz.) und Rickert (frs.), während die Abgeordneten Frank und Dr. Marquardsen (nL), sowie Köller (tonf.) für Gültig plaidirten. — Morgen: Anträge Ausfeld, betreff. Zollangelegenheiten und Antrag Junggreen, betreffend Dänische Frage.
* Die Budgetkommission des Reichstags setzte am 11. d. M. die Berathung des Postetats fort. Von Seiten der Regierung war ein Veizeichniß
-H- Auf geheimnisvollen Wegen.
Roman von - Helft». 99
„Nein 1 Aber ich denke mir, Fräulein Alvarez wird ihr Logis am Tage nicht zu verlaffen gewagt haben und sich danach sehnen, sobald die Dunkelheit hereinbricht, frische Luft schöpfen zu können. Wir werden deshalb in der Nähe auf sie warten."
Diese Entscheidung war kaum getroffen, als sie auch ungesäumt in's Werk gesetzt wurde. Pferde und Wagen wurden herbeigeschafft und Herr und Diener fuhren davon. Eine Viertelstunde später lagen Graf Eugen und Bertram in der Nähe vor Giralda's neuem Asyl in einem Thorwege auf der Lauer; die Pferde hielten mit dem Wagen an der nächsten Ecke. Eine Stunde verging , ohne daß sich irgend Etwas ereignet hatte, was zu Gunsten der Wartenden ausgefallen wäre.
„Sie kommt nicht!" flüsterte der Graf mißgestimmt.
„Still!" flüsterte Bertram, seine Hand auf de« Grasen Arm legend.
Die Hausthür wurde geöffnet, und ein Heller Lichtstrahl fiel auf die Straße. Die beiden Schur