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Erzbischof Borowski in Königsberg erhalten, der einzige evangelische Geistliche, der die Amtsbezeich­nung Erzbischof gehabt, und der erste Bürgerliche der diesen Orden und damit den Adelstitel erhalten hat. Unter Friedrich Wilhelm III. wurden die Generalsuperintendenten meist Bischöfe, was Fried­rich Wilhelm IV. abschaffte.

♦ Ein siebenjähriges Waisenkind ausgewiesen! Um das Unglaubliche wahrscheinlich erscheinen zu laffen, druckt die^Germania' einfach das nach­stehende, von dem Marrer Jwaszkiewicz von Kempen (Posen) aufgenomRne und von drei Zeugen unter­schrieben- Protokol^ab:

„Verhandelt Kempen, den 13. November 1885.

Bei dem Unterzeichneten erschien am heutigen Tage Marianna Tomaszak Wittwe des hiesigen, vor einem halben Jahre verstorbenen Einwohners Adalbert in Begleitung ihrer Mutter Agnes Janik, einer verwittweten Tagelöhnerfrau, und gab folgende Erklärung ab:

Bei mir wird ein Kind meines Mannes und seiner ersten Frau erzogen. Das Mädchen ist sieben Jahre alt und heißt Marianna. Seit einer Woche kommen täglich zwei Mal Polizisten nach dem Mädchen und wollen es mitnehmen, da es nach Polen transportirt werden soll. Am vergangenen Sonnabend entfloh das Kind vor Schreck, daß der Polizist es aus der Schule holen will, aufs Feld und schlief einen halben Tag hinter einem Zaun. Vor Schrecken und Kälte ist das Kind erkrankt und liegt zu Bett. Trotzdem kommt der Polizist und will es mitnehmen. Das Kind zittert vor Schrecken und bittet seine Mutter: „Mutter, laß mich nicht fort, ich gehe nicht nach Polen, ich will bei Dir bleiben." An dem gestrigen Tage schrieb die Frau an den Herrn Landrath, daß er das Kind bei ihr laste, da sie sich verpflichte, dasselbe zu erhalten und zu ernähren, und doch kam heute wieder der Polizist nach dem Kinde. Ich erwähne, daß die Mutter dieses Kindes nicht aus Polen stammte, sondern von hier gebürtig ist.

Marianna Tomaszek, Agnes Janik, Jwaszkiewicz,

Jakob Lorenz, als Zeugen. Pfarrer.

Ueber das Schicksal diese« Waisenkindes theilt Pfarrer Jwaszkiewicz aus Kempen außerdem noch Folgendes mit. Das Mädchen wurde von einem Polizeidiener, trotzdem es unter einem Bett sich versteckt hatte und flehentlich seine Stiefmutter um Schutz anrief, fortgeführt. Man übergab es einem von der Polizei angenommenen Manne, der mit ihm im Omnibus nach der Bahnstation zu fahren und das Kind nach Polen zu bringen beauftragt war. Die Großmutter und Stiefmutter des Kindes liefen hinter dem Omnibus her. Als der Trans­porteur mit dem Kinde den Zug bestiegen hatte und da« Zeichen zur Abfahrt nach der Grenze ge­geben war, sprang die Stiefmutter ins Coupe und fuhr mit. Welche ©eenen sich an der Grenze beim Abschiede abgespielt haben mögen, kann man sich leicht denken. — In welcher Weise die Ausweisung des Kindes veranlaßt worden ist, erfahren wir ebenfalls von dem genannten Pfarrer. Danach hatte die Großmutter des Kindes beim Magistrat zu Kempen den Antrag gestellt, des Waisenkinder sich anzunehmen, weil die Stiefmutter, die von der Hand in den Mund lebte, schließlich in einen Dienst getreten war und keine Mittel hatte, um das Kind zu ernähren. Der Magistrat wies dieses Gesuch ab, da die Gemeinde nicht verpflichtet sei, die Waise eines fremden Unterthanen zu unter­stützen, und veranlaßte die Ausweisung des Kindes. Da sah das unglückliche Weib erst ein, was sie

Niederschlag, von dem man nicht wußte, ob es Nebel oder Regen sei. Die kleine Stadt, welche im Morgensonnenschein einen so freundlichen Ein­druck gewährt hatte, sah jetzt trübe und lang­weilig aus. Graf Eugen eilte, sobald er den Gasthof erreicht hatte, auf sein Zimmer, zog seine Ueberkleider ab, klingelte seinem Diener und be­stellte sein Abendessen. Beide Wünsche waren alsbald erfüllt.

„Nun?" fragte der Graf, nachdem der Wirth, welcher ihn persönlich bediente, sich zurückgezogen hatte. „Was gibt es Neues?"

„Vieles und Gutes, Euer Gnaden!" berichtete Bertram triumphirend. „Ich ging zuerst nach den Häusern, wo Zettel über zu vermiethende Zimmer aushingen. Ich sagte, ich käme von meinem Herrn. Ich fragte allenthalben, ob keine neuen Miethsleute eingezogen waren, da mein Herr vermuthete, hier alte Bekannte, welche mit ihm Paris verlassen, anzutreffen. Als dies re­sultatlos blieb, ging ich in einige Läden, um weiter zu recherchiren. Aber auch damit war es Nichts —"

„Nun, was weiter?" fragte der Graf unwirsch, mit wachsender Ncugierde. „Ist sie in der Stadt? Hast Du sie gesehen?"

„Ich habe sie nicht gesehen, Herr Graf, aber sie ist hier in der Stadt. Ich habe ihren Versteck

gethan hatte. Sie wandte sich nunmehr an den Landrath des Kreises um Zurücknahme des Aus- weisungsbefehles mit der Erklärung, sie wolle selber aus ihrem geringen Verdienst das Kind er­nähren und sich nach Kräften bemühen, der Stadt nicht zur Last zu fallen. Vergebens, der Land­rath ertheilte eine abschlägige Antwort. — Laut dem Posener „Oredownik" treffen die Behörden auch Maßregeln, damit die Ausgewiesenen nicht wieder zurückkehren. Zu diesem Zwecke wer­den Personalbeschreibungen der Betreffenden an­gefertigt, damit sie beim eventuellen Überschreiten der Grenze leichter wiedererkannt und dann zurück» gewiesen werden können.

* Eine Vagabundenzählung ist neuerdings angeordnet! Die Behörden sind aufgefordert, eine Ermittlung des Bettler- und Landstreicherwesens für 1885 bis 1887 vorzubereiten, deren Ergebnisse Anfangs März 1888 dem Reichsamte des Innern zugehen sollen. Eine frühere Aufnahme umfaßte 1877 bis 1884, und die für diese gegebene An­weisung ist für die neue Zählung maßgebend.

• Hannover, 9. Jan. Nach einer Bekannt­machung des Landraths zu Neuhaus a. d. Oste soll vom 1. Januar d. I. ab regelmäßig keinem Wirths mehr als höchsten« zwei Mal im Jahre Erlaubniß zur Abhaltung einer öffentlichen Tanz- lustbarkeit gegeben werden. Der Landrath ist durch übermäßige Ausdehnung der Tanzereien zu diesem Vorgehen veranlaßt worden; denn 1885 sind im Kreise Neuhaus 497 Erlaubnißscheine zur Abhaltung von Tanzlustbarkeiten auf Grund der Polizei-Verordnung vom 1. November 1880 er« theilt worden.

* München, 12. Jan. Die Vorstellung des Gesammt-Ministeriums in Sachen der Sage des Landes und der Civilliste wurde vom König zurück- gewiesen. Das Ministerium beabsichtigt, seine Demission zu nehmen. — Baron Frankenstein, der Präsident der ReichSrathSkammer und Vizepräsident des deutschen Reichstags, soll mit der Bildung eines neuen Kabinets beauftragt werden. Diese Nachricht, die uns nicht von einem unserer ge­wöhnlichen Korrespondenten, sondern aus sonstiger guter Quelle zukommt, schreibt die ,Fckf. Ztg.', theilen wir unter allem Vorbehalt mit.

Ausland.

♦ Paris, 11. Jan. Der ,Gil Blas' versichert, aus genauer Quelle erfahren zu haben, daß der König von Bayern in Paris angekommen und bei Baron Hirsch, Rue de l’Elysee abgestiegen sei.

* Rom, 10. Jan. Papst Leo XIII. hat an den General der Franziskaner, P. Bernardino a Portu Romantina (Portogruaro) ein Breve gerich­tet, das den Franziskanern gerade jetzt, da sie ihr uraltes Kloster Aracoeli verlaffen müffen, zum großen Tröste gereichen wird. Es bezieht sich auf die neue Ausgabe der Gesammtwerke des hl. Bo­naventura, von denen schon mehrere Bände im Druck vorliegen. Der hl. Vater drückt seine Freude darüber aus, daß der General die neue Ausgabe unternommen habe. Der hl. Vater spendet sodann

in Erfahrung gebracht. Ein Knabe, welcher auf der Straße spielte und den ich glücklicherweise befragte, verrieth mir Alles. Er hatte eine wun­derschöne , fremde junge Dame in Begleitung eines kleinen Knaben und einer alten Frau, geführt von einem Hirtenknaben, gesehen, welche gestern hier anlangten und vor dem Laden eines Bäckers abgestiegen waren. Er beschrieb sie mir näher und es ist unzweifelhaft, daß es in der That Fräulein Giralda mit ihrem Bruder, Madame Roger und der Schäferknabe gewesen, der sie hierhergeführt hat und —"

„Du hast das Spiel gewonnen, Bertram! Deine Entdeckungen find eine Grafenkrone werth! Ist Bernard noch nicht angekommen?"

„Nein, Euer Gnaden!"

„Das ist fatal! Ich fürchte, er ist auf falscher Fährte. Ec kann mich unmöglich hintergehen wollen," fügte er im Flüstertöne hinzu, so daß Bertram es nicht verstehen konnte. „Ich bin seiner Treue und Anhänglichkeit gegen mich sicher. Indessen, ich will die Heirath beschleunigen, damit ich endlich einmal zur Ruhe komme und diese Un­gewißheit ihr Ende erreicht!"

Bertram wartete respektvoll, bi» sein nun­mehriger Herr seine Betrachtungen beendet haben würde. Nach einer Weile hatte er die Genug- thung, sein Warten belohnt zu sehen, denn plötz-

im Besonderen den bereits erschienenen und ihm überreichten ersten Bänden der Ausgabe verdientes Lob und rühmt den Fleiß und die Gelehrsamkeit de« leider schon verstorbenen P Fidelis a Fauna, der alle Bibliotheken Europas durchforschte und sich 10 Jahre lang mit den Vorbereitungen zu dem großen Unternehmen beschäftigte; in ehrender Weise erwähnt er auch seines Ordensgenossen und Nachfolgers Ignatius Jester, der mit gleichem Eifer und nach demselben Plane das Werk fortführe. Er rühmt ferner die schöne äußere Ausstattung des Werkes und findet e» besonders lobenswerth, daß man die einzelnen Bücher mit zweckmäßigen Anmerkungen ober Scholien bereichert habe, denn dies sei geeignet, klar darzulegen, welche Harmo­nie zwischen den zwei Kirchenlehrern herrsche. Er zweifle nicht,- fährt der hl. Vater fort, daß gerade die Jünglinge, welche sich dem Dienste der Kirche weihen und ihre philosophischen und theologischen Studien gemäß der Lehre der Aquinaten betreiben, aus der Lektüre der Schriften des heil. Bonaven­tura großen Nutzen ziehen werden; sie mögen aus Beider Schriften die Waffen entnehmen, mit denen sie gegen die Feinde der Kirche siegreich zu kämpfen vermögen.

— Einer, allerdings nicht ganz verbürgten Nach­richt zufolge, wäre der Gesundheitszustand des hochw. Ordens-Generals P. Beckx sehr besorgniß- erregenb. P. Beckx ist bereits 90 Jahre alt.

• Nach einem Philippopeler Bericht de» Prager ,Pokrok' nimmt die Auswanderung der Tür­ken aus Rumelien nach Asien große Dimen­sionen an. Sie verkaufen ihr Hab' und Gut zu Spottpreisen, weil sie sich mit den neuen Zuständen in Bulgarien nicht befreunden können, obwohl sie der Union nicht entgegengetreten sind, ja durch ihre Priester beim Sultan selbst dieselbe befür­wortet haben. Türkische Grundbesitzer äußern sich beim Verkaufe ihrer Realitäten: „Eure Wünsche sind in Erfüllung gegangen, wir können hier nicht bestehen. Allah hat es so gefügt, wer dürfte seinem Rathschluffe zuwider handeln? Wir werden dorthin ziehen, wo es keine Kreuze und keine Glocken gibt."

* Konstantinopel, 10. Jan. Fürst Alexander von Bulgarien hat folgende Vorschläge der Pforte gemacht: 1) die Pforte soll die Union anerkennen; die Form sei später zu diskutiren; 2) der Fürst verpflichtet sich, die bulgarische Armee zur Ver­fügung des Sultans zu halten; 3) der Tribut soll regelmäßig bezahlt werden; 4) der Fürst empfängt die Investitur in Konstantinopel. Die Pforte hat sich noch nicht entschieden. England soll der Annahme der Vorschläge günstig fein, Oesterreich dagegen Schwierigkeiten erheben. Ruß­land soll versuchen, die Pforte zu einem gemein­samen Vorgehen mit ihm zu bewegen damit die Bulgaren die Union Rußland zu verdanken hätten.

• In New-Pork erscheint ein „liberales" italienisches Blatt, ,L'Eco d'Jtalia'. Daffelbe schreibt anläßlich der Vermittelung des Papste» ut der Karolinenfrage folgende höchst beachtms- werthe Sätze:

lich schien der Graf au» seiner Träumerei zu er­wachen.

„Du hast unseren schönen Flüchtling gefunden, Bertram, und ich habe ihm einen Käfig besorgt," sagte er. „Ich habe ein kleine», hübsche» Land­haus in der nächsten Provinzstadt gemietet. Wir müffen uns der jungen Dame bemächtigen und sie zwischen jetzt und morgen Früh dotthin ge­leiten. Können wir hier Pferde und Wagen be­kommen?" Bertram antwortete bejahend.

„Gut, mein Pferd kann so lange al» Deckung hier bleiben, bis Du Alles zurückgebracht hast. Ich werde die junge Dame und ihren Bruder nach ihrem neuen Aufenthalt fahren, sobald wir sie in unserer Gewalt haben, und Du wirst währenddeflen den Nachtzug benützen, um direkt nach der Fischerhütte zu Frau Bichou zu eilen und sie gleich mitzubringen, damit sie al» Haus­hälterin und Gefangenwärterin in meinem Hause fungire. Aber sei hurtig und vorsichtig, damtt das Geheimniß unser bleibt!"

„Ich werde mich sogleich bereit machen, Ihren Befehl auszuführen, Herr Graf. Aber auf welche Weise werden wir die junge Dame in unsere Hände bekommen? Wir können Sie doch nicht mit Gewalt entführen I"

(Fortsetzung folgt.)