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JV 9.

Mittwoch, den 13. Januar

1886.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vittteljährltcher Avonnementspreis^ohne^Bringerlohni uni> SefteUgelfa: 1 belletristischen Wochenbeilage ,Sterne uni) Blumen m Fulda 1 Mk. 10 Pfg., auswärts 1 Mk. «p Pl8- Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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— mit der

* Der Papst gegen das Centrum?

Der ganze Schwindel, den die „Kulturkämpfer" mit dem hohen Orden treiben, den Leo XIII. dem Fürsten Bismarck verliehen hat, wird grausam Lügen gestraft durch den Brief, in welchem der Papst dem Kanzler diese Ehrenbezeugung kundgibt. Dieser Brief wurde vom ,Reichsanzelger' in seinem lateinischen Wortlaut veröffentlicht Wir haben den­selben auch bereits in gegenwärtigem Blatte zum Abdruck gebracht. Bei aller Höflichkeit in der Form, bei aller Verbindlichkeit in der Ausdrucksweise, bei allen Lobsprüchen über den „großen Kanzler" ent­hält der Brief des Papstes die entschietML Miß­billigung der Kirchenpolitik des Fürsten Bismarck! So entschieden ist dieser Tadel, als man ihn^WMd solcher Gelegenheit nur überhaupt anbringen konnte? ohne unhöflich zu sein. Leo XIII. lobt den Für­sten, daß er sich von Vorurtheilen losgemacht und dem Papste die Entscheidung in dem Streit mit Spanien übertragen, denn ein solches Schiedsamt entspreche der Natur des Papstthums; Leo XIII. versichert den Fürsten Bismarck wegen dieser dem Papstthum erwiesenen Ehre des Dankes aller Katho­liken der Erde und dann legt er ihm nabe, er möge nun auch der katholischen Kirche die Freiheit wiedergeben, die er ihr bekanntlich entzogen hat und immer noch vorenthält. Eindringlich weist der Papst auf die hohe Bedeutung hin, welche die päpstliche Gewalt für die Erhaltung der gesell­schaftlichen und staatlichen Ordnung habe, beson­ders wenn sie frei zu wirken im Stande sei. Was ist das anders, als die Freiheit der Kirche, wie sie das Centrum von jeher und bis in die neueste Zeit verlangt, dieselbe Freiheit der Entfaltung und des Wirkens, die es selbstverständlich auch jeder anderen Kirche im deutschen Reiche gönnt und ge­währt! Aus dem päpstlichen Schreiben an den Fürsten Bismarck geht klar und deutlich hervor, daß da« Papstthum auch nicht ein Jota seiner An­sprüche aufgibt, daß es nach wie vor die volle Frei­heit in der Leitung der katholischen Kirche in Deutschland verlangt. Und doch hatte man gerade wegen dieser „staatsgefährlichen Ansprüche des Papstthums" den „Kulturkampf" angesangen und die Katholiken vom Papste loszureißen gesucht. Mit allen Mitteln der Entstellung und Verdrehung, mit

4? Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von r gs

„Du kannst sogleich gehen und Erkundigungen über sie einziehen," fuhr sein Herr fort. „Ich habe Grund, anzunehmen, daß sie hier Wohnung in einem Privathause genommen hat. Jedenfalls wird sie hier verweilen wollen, bis sie Nachrichten aus Paris erhält. Sei vorsichtig, Bertram! Es würde vielleicht gut fein, wenn Du Dir, bevor Du Dich in den Straßen zeigst, den Bart ab­nehmen ließest. Zudem könntest Du ja auch Dein Haar anders tragen, als eine Art Verkleidung." Nachdem er ihm noch einige Verhaltungsmaßregeln gegeben, entließ er seinen Helfershelfer und gab sich ganz seinen Reflexionen hin.

Sein Frühstück wurde hereingebracht und er that demselben alle Ehre an. Nachdem dasselbe abgetragen, vertiefte er sich in den Inhalt einer Provinzialzeitung. Flüchtig überflog er die Spalten der Annoncen. Graf Eugen hatte auf'S Neue darüber nachgedacht, wo er Giralda, nachdem er sie gefunden, unterbringen könnte und suchte nun einen paffenden Aufenthalt für sie. Nach der Hütte Cecile'S konnte er sie nicht bringen. Cecile Rousseau würde Fragen stellen, die er nicht beant­worten könnte. „Ich kann sie auch nicht heimlich mit mir nehmen," murmelte er vor sich hin.

allen Mitteln selbst der Lüge hatte man die papst- treuen Katholiken als Feinde ihres Vaterlandes hingestellt, mit allen Mitteln — selbst eine syste­matische Fälschung wurde vielfach dazu beliebt — bat mau den konfessionellen Haß gegen sie ent­flammt, soeben erst suchte man den Papst selbst gegen sie auszuspielen und nun erklärt derselbe Papst dem Kanzler des Deutschen Reiches, wenn auch in der verbinolrchsten Weise, daß er nach wie vor die volle Freiheit in der Regierung der kath. Kirche in Deutschland verlange! Was der Papst begehrt, ist also nichts anders, als die Wiederher­stellung des früheren Zustandes, der Jahrzehnte zum Heile Preußens bestand und den man durch den „Kulturkampf" und durch eine schwerwiegende Veränderung der preußischen Verfaffung ohne jeden »triftigen Grund gebrochen hat. Was der Papst in seinem neuesten Briefe vom Fürsten Bismarck ver­langt, ist nicht mehr und nicht weniger als das kirchenpolitische Programm der Centrumspartei: die Wiederherstellung der kirchlichen Freiheit! Da­mit ist der ganze Schwindel widerlegt, welchen die unfreiwilligen und noch mehr fast die freiwilligen Reptilien in den letzten Tagen noch mit der Ver­leihung eines hohen päpstlichen Ordens an den Fürsten Bismarck getrieben haben.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Januar.

* Das Befinden Sr. Majestät des Kaisers wird als ein recht gutes bezeichnet. Die TKrsuzzeitung' will sogar wiffen, daß der Kaiser den preußischen Landtag übermorgen in Person eröffnen werde. Andere Blätter melden: Die Eröffnung des Land­tages wird, wie wir erfahren, am 14. Jan. um 121/a Uhr im Schlöffe, und zwar durch den Herrn Minister v. Puttkamer, stattftnden.

** DerReichstag trat heute in die erste Be- rathung der Zuckersteuer-Reform ein. Abg. Dr. Wüte (bf.) bekämpft die Vorlage, die ungerecht­fertigter Weise an dem System der Materialsteuer festhalte, und erklärte sich gegen jede Erhöhung der Rübensteuer, ist dagegen bereit, für eine Er­mäßigung derselben einzutreten. Staatsminister Dr. Lucius vertheidigte die Vorlage, die er im finanziellen wie wirthschaftlichen Jntereffe für wirk- „Ebensowenig kann ich sie nach einem Asyl bringen. Für den Knaben muß doch auch gesorgt werden. Und sie wieder nach der Hütte auf der Klippe bringen und sie abermals der Sorge Frau Bichous anvertrauen, der Plan taugt auch nicht. Was soll ich mit ihr anfangen?"

Noch einmal durchlas er krampfhaft die Spalten des kleinen Blattes und plötzlich blieb sein Auge haften auf einer Annonce, die seine besondere Aufmerksamkeit erregte. Es war eine Anzeige, daß in dem benachbarten Provinzstädtchen ein vollständig möblirtes Hau« zu vermiethen sei. Die Stadt besaß auch eine Eisenbahnstation und das Hau« lag ganz in der Nähe derselben. Zudem lag es, wie es hieß, sehr versteckt und sollte sich besonders für Solche eignen, welche in Zurückge­zogenheit leben wollten. „Diese» Haus werde ich miethen," sprach der Graf, wohlzufrieden und eifrig zu sich selbst. „Das Haus ist zur Zeit unbewohnt, denn der Schlüssel liegt bei dem Agenten. Ich kann noch heute Hinreisen und die Sache in Ordnung bringen. Er zog die Klingel. Der Wirth erschien diensteifrig.

Auf seine Anfrage erhielt der Graf den Be­scheid, daß wenn er den Expreßzug benützen wolle, welcher in einer Stunde abging, er noch heute Abend wieder nach Vernon zurückkehren könne.

Graf Eugen traf ungesäumt seine Vorberei-

sam erachtet. Die Rübenzucker-Industrie sei zu einer unserer bedeutendsten Export-Industrien ent­wickelt, man dürfe deshalb dieses System, welches sich bewährt hat, nicht verlassen. Zudem stellten sich der georderten Fabrikatsteuer große technische Schwierigkeiten entgegen; eine Melassenbesteuerung aber sei technisch unausführbar. Abg. v. Benda erklärte, daß die Nationalliberalen, obgleich viele von denselben Freunde der Fabrikatsteuer seien, für die Vorlage stimmen werden, welche eine Be­steuerung gegenüber den jetzigen Verhältnissen be­deute. In ähnlicher Weise äußert sich Dr. Rei­chensperger, welcher der Regierung den Vorwurf macht, eine rechtzeitige Regelung des Verhältnisses der Materialsteuer zur Materialausbeute verab­säumt und damit die Krisis verschuldet zu haben. Abgeordneter v. Helldorf (kons.) erklärte sich für die Vorlage, wünschte aber Herabsetzung des Maß­stabes der Zuckerausbeute aus den Rüben. Abg. Robbe (Reichsp,) vermochte in der Vorlage keine endgültige Regelung der Zuckersteuerfrage zu erblicken und vermißte namentlich eine Zusatzsteuer für Melassenentzuckerung. Die Berathung wurde hier­auf auf morgen vertagt. Außerdem wurden Wahl­prüfungen auf die Tagesordnung gesetzt. Abg. Dr. von Jadzewski wünschte, daß am Freitag die De- batte über die polnische Interpellation stattfinde. Abg. Rickert unterstützte diesen Wunsch, während es der Präsident für zweckmäßig erklärte, die De­batte bis zur Verhandlung über die bezüglich der die polnischen Ausweisungen betreffenden Anträge zu vertagen.

* Nach einer römischen Korrespondenz' des ,Hamb. Korr/ ist Fürst Bismarck der erste Pro­testant, dem der päpstliche Christusorden verliehen wurde. Der äußere Werth der dem Reichskanzler übersandten Dekoration wird auf 15,000 Fr. an­gegeben.

• In diesem Jahre wird kein Capitel und keine feierliche Einkleidung für Ritter des schwarzen Adlerordens stattfinden. Gelegentlich der Verleihung dieses höchsten Ordens an den päpstlichen Cardinal- Staatssekretär Jacobini wird bemerkt, daß einer seiner bekannten Vorgänger, Cardinal Antonelli, und auch der Cardinal-Erzbischof v. Geissel in Köln denselben erhalten hat. Von protestantischen hohen Geistlichen hat ihn vor 55 Jahren der evangelische tungen zur Reise. Er schrieb einen Brief an Bertram, in welchem er ihm seine Abwesenheit, sowie die Gründe dafür mittheilte und machte sich dann auf den Weg nach der Station. Unter­wegs sah er sich fleißig um, aber er konnte weder ihr Gesicht an einem Fenster, noch ihre Gestalt auf der Straße erblicken. Doch es traf sich, daß er Bertram sah, gerade als derselbe aus einer Barbierstube heraustrat. Derselbe war durch Ab­nahme des Bartes und Stutzen des Haupthaares so verändert, daß der Graf vollkommen davon überzeugt war, daß Giralda den gewesenen Diener des alten Marquis nicht wieder erkennen würde. Graf Eugen trat an ihn heran und erklärte ihm in einigen Worten, was zu thun nöthig sei und ritt dann eiligst weiter, feinen Helfershelfer als Spion zurücklassend. In dem Nachbarstädtchen angelangt, begab sich Graf Eugen zu dem Agenten, welcher das Haus zu vermiethen hatte. Beide wurden leicht handelseinig. Graf Eugen zahlte einen Vierteljahresbetrag der Miethe im Voraus, nahm Schlüssel und Miethequittung in Empfang und kehrte frohlockend nach Vernon zurück. Es war sechs Uhr und es dämmerte stark, al» er in die Straße einbog, wo der Gasthof „Zur goldnen Harfe" lag. Die kleinen Läden des Städtchens waren bereits fämmtlich erleuchtet. Der Apriltag, welcher so schön begonnen, endete mit einem feinen