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v. Bötticher entgegnet, daß die Bauausführung nicht vom Reich, sondern von Preußen übernommen werde. Abg. Dr. Windthorst gibt den wirth« schaftlichen Nutzen zu, verlangt aber bezüglich der militairischen Seite eingehende Auskunft Moltke's in der Kommission; auch die finanzielle Frage muffe gründlich geprüft werden. „Woher soll das Geld genommen werden, etwa aus dem Spiritus- Monopol?" — Schließlich wird die Vorlage an eine 28gliedrige Kommission verwiesen. — Nächste Sitzung: Dienstag. (Zuckersteuer.)

* Der Entwurf eines Gesetzes, betreffend das Branntweinmonopol, ist nunmehr dem Bundesrathe zugegangen. Die ,®erm.' veröffentlicht den sehr umfangreichen Wortlaut desselben und bemerkt dazu, was folgt:

Dieser Entwurf übertrifft auch die schlimmsten bisherigen Erwartungen und Ankündigungen. Der Entwurf ist ganz und gar nach dem Motto abgefaßt: Nur nicht zu be­scheiden! Mit einziger Ausnahme der Herstellung des Rohspiritus, welche „der privaten Herstellung überlassen bleibt", wird Alles verstaatlicht: das Geschäft der Spiritusfabrikanten nicht nur, sondern auch der Destilla­teure und Liqueurfabrikanten, und endlich soll sogar der gesammte Vertrieb des Branntweins, Großhandel wie Klein­handel, durch staatliche Agenten und Verschleißer geschehen. Gerade in Bezug auf den Verschleiß war bisher, wie un­sere Leser sich erinnern werden, am wenigsten Klarheit zu bekommen. Vor einigen Tagen hatten dann zwar endlich die ,Berl. Pol. Nachr.' erklärt, auch der gesammte Vertrieb solle verstaatlicht werden. Aber in Erwartung der doch nun bald in Aussicht stehenden sicheren Nachrichten gingen nur einige wenige Zeitungen auf eine eingehende Erörte­rung auch dieser Seite der Frage ein. Jetzt wissen wir's: es soll mehr verstaatlicht werden, als bisher irgendwo an einer Stelle gleichzeitig und zusammen angekündigt und angenommen worden, das ganze Geschäft in allen seinen Stadien wird verstaatlicht, nur — die Rohspiritus-Pro­duktion nicht! Warum, bei solcher Unverfrorenheit im Verstaatlichen diese Ausnahme? Um einem Stande, ins­besondere den 3—4000 großen Kartoffelbrennern des Nord­ostens eine Staatsunterstützung zu gewähren, sie zu Reichs­pensionäre», Reichskostgängern, oder wie man sonst sagen will, zu machen? — da der Vorgang einer solchen Unterstützung eines einzelnen Gewerbes neu ist in Deutsch­land, muß man eben nach einem Namen für diese Art Subvention erst suchen. Den jetzigen Brennern wird nicht nur etwaige weitere Konkurrenz vom Leibe gehalten, indem das Gewerbe geschlossen wird, sondern es soll ihnen auch „bis auf Weiteres" indem am 1. August 1888 in Kraft tretenden Gesetze ein steuerfreier Preis zwischen 30 und 40 Mark garantirt werden. — Daß auch diese Herren Spiritusbrenner trotz dieser finanziellen Lockung nicht auf Rosen gebettet werden, haben wir bereits näher ausgeführt. Die Hauptsache aber in dem Entwurf ist: in die Existenz von Hunderttausenden wird mit rauher Hand eingegriffen, sie werden direkt oder indirekt abhängig vom Staate, und so weit sie aus dem Erwerb herausgeworfen werden, erhalten sie theils gar keine und theils eine Entschädigung, die den meisten von ihnen den Erwerb nicht ersetzen kann, obgleich trotzdem die Entschä­digungssummen Hunderte von Millionen werden betragen muffen!

• Der in unserer vorigen Nummer mitgetheilte Brief des Papstes an den Fürsten Bismarck wird selbstverständlich von der liberalen RegierungSpreffe in ihrem Sinne ausgebeutet. Ungemischt ist dir Freude allerdings nicht, da der Hinweis auf das hohe Vermittlungsamt des päpstlichen Stuhles nicht

in seine Gewalt bekäme! Vernon liegt nicht weit von Sanssouci, unserem Landsitze, entfernt. Ich werde bereits morgen früh dorthin abreisen, um meinen Kindern so nahe zu sein, wie möglich."

„Es scheint mir, Gabriele, daß sich das Netz immer enger um uns zusammenzieht," versetzte Armand, schwer athmend. „Wie wird dieser Kampf mit unseren Feinden enden?"

„Laß' uns auf Gott vertrauen und ihm Alles anheimstellen," versetzte Gabriele innig. „Wir dürfen keine Vorsicht außer Acht lassen und müssen uns wie bisher sorgfältig verborgen hal­ten. Du mußt einen neuen, sicheren Aufenthalt finden."

„So werde ich mit Rupert zum Herzog von Beaufort nach dem Adlershorst gehen. Dort werden wir geschützt sein. Gabriele stimmte ihm bei.

„Was aber soll aus Giralda und Alfred wer­den?" fragte Armand.

„Ich weiß es noch nicht. Ich werde darüber nachdenken und schon ein sicheres Versteck für sie ausfindig machen. In diesem Augenblick beschäf­tigen mich ganz andere Gedanken. Ich bin voller Angst und Furcht. Armand, was glaubst Du, wer im Salon ist?"

„Dein Vater, der Graf?"

„O, mein Gemahl, Du hast keine Ahnung von der Gefahr, in welcher Du Dich in diesem Augen­blick befindest! Ja, mein Vater ist im Salon! Aber auch der Polizeispion Jean Frossard, der

nach ihrem Geschmack ist, und die Wendung be­züglich der Freiheit der Kirche noch weniger.

* Ein wohlwollenderes, aber energisch bureau- kratisches Regiment an Stelle der Herrschaft der Notabeln unter dem Feldmarscha'l v. Manteuffel, soll im Elsaß, nach einem Artikel der .Preußischen Jahrbücher', Fürst Hohenlohe beabsichtigen.

• lieber die Tracht der protestantischen Prediger bringt die ,Allg. ev.-luth. Kirchen-Ztg.' nachstehende Ausführungen:

Von dem priesterlichen Ornat, wie ihn noch die preu­ßische Agende nennt, wollen wir schweigen; denn dieser ist nun einmal bei uns gesetzliche Ordnung. Aber es sollte doch wenigstens Jeder suchen, innerhalb der gezogenen Grenzen den eigenen Ornat so würdig und priesterlich als irgend möglich zu gestalten. Und dahin gehört denn neben dem früher Gesagten vor allem als erstes Ersorderniß, daß der Chorrock die vorgeschriebene Länge habe. Er heißt restis talaris, d. h. ein Gewand, das bis zum Knöchel ober bis zur Ferse reicht. Aber wie oft steht man Chor­röcke, die den barbarischen Namen einer restis suralis oder wohl gar genualis, zu deutsch „Kittel" verdienen! Wenn ober schon über Mangel an Uniformität in der Amtstracht geklagt werden muß, so gilt dies erst recht von der nicht amtlichen Kleidung. Im östlichen Deutschland ist der sog. Lutherrock etwas allgemeiner in Bi auch gekommen. Aber im westlichen Deutschland ist man, namentlich in Gegenden, die stark kalvinistisch angehaucht sind, stets geneigt, hinter einem Lutherrock romanisirende Tendenzen zu wittern. Das ist zwar ein Zeichen großer Beschränktheit, aber diese Be­schränktheit ist leider einmal da. Mit demselben Worte möchte man fast die unter den Pastoren selbst weit ver­breitete Vorstellung bezeichnen, daß ein möglichst bäuer­licher Anstrich in dem Ensemble der Kleidung eigentlich die rechte pastorale Würde verleihe, daß hingegen z B. ein mit Geschmack und Geschick gearbeiteter Rock einen Pastor leicht in den Geruch eines Gecken und Mode­narren bringen könne. Solche Geistliche, die den Luther- rock acceptiren, sind übrigens aller Modekalamitäten ent­hoben. Für die Haartracht gelte wieder die einfache Regel: man trage die Haare wie jeder andere Gebildete, d. h. also ordentlich kurz geschnitten, gescheitelt, gekämmt und gebürstet! Bei Vielen gilt langes Haar als ein Charak­teristikum für einen gewissen geistlichen Habitus. Manche halten eine solche ungeordnete Mähne für etwas Geniales, Andere wiederum treiben damit eine Art von Aszese. Und nun der Bart! Man möchte fast meinen, manche Pastoren hätten es sich zur Pflicht gemacht, die Richtigkeit der bekannten Darwinschen und Bogt'schen Theorie an ihrer eigenen Person dem Publikum vorzudemonstriren, indem sie den leider so beliebten Cotelette - Bärten, Be- dienten-Bärten und solchen Bärten, die in einem einzigen schmalen Streifen das Gesicht umrahmen und es möglichst rund und darum nicht gerade besonders intelligent er­scheinen lassen, sich dem Geschlecht der Bogt'schen Urahnen des Menschen möglichst zu nähern suchen. Unseres Er­achtens sollte man entweder gar keinen Bart oder den Vollbart tragen. Alle andern Arten von Bärten, mögen sie heißen, wie sie wollen, mögen sie Mode sein oder nicht, gereichen mehr oder weniger zur llnzier und werden zum kirchlichen Jndekorum.

* Hannover, 9. Jan. Für das Denkmal des h. Bischofs Bernard in Hildesheim hat der Herzog von Cumberland 1000 M. und der Fürst­bischof von Breslau 300 M. gespendet.

• Au» München, 7. Jan., schreibt man dem ,Nürnb. Anz.': Der .Figaro' wird hier polizeilich verfolgt. Diese französische Zeitung soll in ihrer Nummer 1 in einem Artikel mit der Ueberschrift „DerKönig von Bayern" einer Majestätrbeleidigung

Mann, welcher mir nach der Villa Larose gefolgt ist, und Dein Onkel, der Marquis de Vigny, sind bei ihm!"

Armand'» Gesicht erblich unter der künstlich aufgelegten Schminke. „Mein Onkel ist hier?" rief er erregt.

Gabriele erzählte ihm in aller Kürze die Ur­sache de» Besuchs de» Marqui«, sowie Alle», war gesprochen worden war. „So hartherzig und stolz wie er ist, so liebt Giralda ihn dennoch!" sprach Gabriele.

In Armands Augen leuchtete es auf. „Ga­briele, er ist trotz seiner Fehler doch ein edler Charakter! auch ich liebe ihn noch jetzt. E» ist, um ein altes Sprichwort zu gebrauchen, mehr an ihm gesündigt worden, al» er gesündigt hat."

Es entstand eine kleine Pause. Gabriele, in ihrem Charakter al» liebendes Weib, lehnte sich fest an das treue Herz ihres Mannes, wo sie süßen Frieden fand nach dem Sturm, und Hoff­nung auf zukünftiges Glück malte sich auf ihrem Antlitz. Und auch Armand vergaß allen Kummer und alle Sorge an der Seite der geliebten Gattin. Das Feuer brannte düster im Kamin, nur, die Aprilsonne schien matt durch die Vorhänge in das Zimmer hinein; die beiden Liebenden — und sie waren treue Liebende, um so treuer, als sie so lange Jahre ihren Bund hatten verborgen halten müffen — erzählten sich von ihren Kindern, von ihren Sorgen und Freuden und sprachen sich gegenteilig Muth und Stärke zu.

sich schuldig gemacht haben. Die Polizeibeamteu suchten in den öffentlichen Lokalen am 5. ds. nach der beleidigenden Nummer, jedoch ohne Erfolg.

— Das bairische Gesammt-Ministerium richtete, rote man der ,Frkf. Ztg.' aus München meldet, dieser Tage an den König eine Vorstellung über die Verhältnisse der Ho f-und Kabinetskasse von dem GesichtSpunÜe der königlichen und der Interessen des Lande» au».

* Au» Baden, 8. Jan. Das Ministerium des Innern hat gelegentlich eines speziellen Falles angeordnet, daß an den Sonn- und Feiertagen nicht nur die Abhaltung sämmtlicher Treibjagden verboten, fonbern auch jede Veranstaltung einer Jagd, welche zu einer öffentlichen Zusammenkunft einer Anzahl daran theilnehmender Personen führt, untersagt sei.

Ausland.

"Belgrad, 9. Jan. Eine Verordnung des Königs stiftet eine goldene und eine silberne Tapfer­keits-Medaille. — Aus Zaicar werden abermals Ueberfchreitungen der Demarkationslinie seitens bulgarischer Truppen bei Rekopica und Kirijeoo gemeldet.

♦ Philippopel, 9. Jan. Auf Befehl des Kriegsministeriums wird nahezu die Hälfte der Reservisten beurlaubt.

♦ Konstantinopel, 9. Jan. Die griechische Regierung legt neuerdings der Pforte gegenüber ein entgegenkommende» Verhalten an den Tag. Die Mobilisirung der zweiten Klaffe der türkischen Reserve in Syrien, 20,000 Mann umfassend, ist abbestellt. Die erste Klaffe bleibt zwar mobil, der Befehl zum Abmarsch Salonichi ist aber zu­rückgenommen worden.

* Madrid, 9. Jan. Der ,Judep. beige' wird telegraphirt, daß gestern zwischen Spanien und England ein Protokoll unterzeichnet worden ist, durch welche» England die Souveränetät Spanien» über die Karolinen anerkennt. Den englischen Untertanen werden dieselben Privilegien ertheilt wie den deutschen; nur wird England nicht das Recht haben, Schiffs-und Kohlenstationen anzulegen.

"London, 9. Jan. Die Königin eröffnet das Parlament persönlich.

• Washington, 9. Jan. Die Bill Edmunds gegen die Vielweiberei ist vom Senate angenommen worden. Die Bill stellt die mormonische Sekte unter Kuratoren, welche vom Präsidenten ernannt werden.

Aus Stabt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 11. Januar.

• Am gestrigen prächtigen Wintersonntage bot unsere Stavt ein recht belebtes Bild. Die großen und kleinen Schlittenfahrer machten sich die feste Schneedecke recht zu Nutzen und das Schlittschuh­laufen gestaltete sich bei dem angenehm temperirten

Plötzlich schlug die große Uhr in der Halle und Gabriele fuhr zusammen. „Du mußt jetzt gehen, mein Gemahl," sprach sie mit einem Seufzer. „Es ist nicht rathsam, daß Du noch länger hier ver­weilst, während zu gleicher Zeit auch der Marqui» und jener Jean Frossard in diesem Hause sind. Wie eigentümlich daß wir Beide in dieser Stunde der Gefahr hier im Musikzimmer beisammen sind, wo wir vor so langen Jahren uns unsere Liebe ertlärten. Ich habe nie daran gedacht, noch jemals wieder mit Dir hier zusammen sein zu dürfen. Doch jetzt heißt es geschieden! Reisest Du noch in dieser Nacht nach dem Adlerhorste ab? Ich fürchte, daß Du hier in Pari» nichts weniger als sicher bist!" Armand erwiderte, daß er noch heute Abend abreifen wolle.

„Und trage Sorge, daß Du Deine Spur ver­wischest. Dieser Polizeispion, Monsieur Frossard, hat Dich durch die Thürspalte gesehen, al» Du über den Korridor gingest. Er hat von mir eine Bestechung angenommen, aber es ist möglich, daß der Marquis mich überbietet. Du mußt auf Deiner Hut sein und Paris in einer anderen Ver­kleidung, als diese, die Du trägst, verlassen. Ich bin nicht eher ruhig, als bis ich Dich in völliger Sicherheit weiß!"

Armand versprach Gabriele, Alles zu thun, was in seinen Kräften stand und dann kam der bittere Moment de» letzten Abschieds, eines Abschieds, als gälte es eine Trennung für's Leben.---

(Fortsetzung folgt.)