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Dienstag, den 5. Januar
1886.
Fuldaer
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Jahresrundschau, v.
In Oesterreich.Ungarn, der großen Doppel« Monarchie, der bisher nicht mit Unrecht der Vor- rourf gemacht worden, daß sie in politischer und religiöser Beziehung weder Fisch noch Fleisch war, haben die Katholiken und Konservativen sich im Jahre 1885 energisch aufgerafft und dem kirchen« feindlichen, vom Judaismus durchtränkten Liberalismus gegenüber eine solche Entschlossenheit an den Tag gelegt, daß sie, wenn die Willens- und Thal- kraft nicht erlahmt, mit den besten Hoffnungen in die Zukunft blicken können. Schon die beabsichtigte Gründung einer frei-katholischen Universität in Salzburg lieferte den Beweis, daß die Stagnation des religiösen Lebens einem frischen Wellenschläge zu weichen begonnen habe. Es hat sich mehr und mehr der Gedanke Bahn gebrochen, daß die Gefahren für Staat und Gesellschaft in Oesterreich, welche der alles beherrschende Liberalismus und der überhandnehmende Chauvinismus der Nationalitäten herbeizuführen im Stande ist, nur mit Hilfe de» KatholicismuS beschworen werden können. Von diesem Gedanken gingen die angesehenen katholischen Männer au«, welche die Bildung des „Katholischen Centrumsklubs" für das österreichische Parlament beschloffen, und man darf sagen, daß ihre Arbeiten nicht vergebens gewesen sind. Die letzte Session de» Reichsrathes hatte zur Abwehr gegen die Ge
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Sprengstoffgesetz zu Stande gebracht, welche den in Deutschland bestehenden bezüglichen Gesetzen ziemlich verwandt find. Am 23. April wurde durch kaiserliches Patent da« Abgeordnetenhaus de« Reichsrathes aufgelöst, und sofort begann ein Wahlkampf, der an Erbitterung und Wildheit auf liberaler ©rite seines Gleichen suchte. Aber die Katholiken und Konservativen standen fest, und alle Hetzereien und Anstrengungen konnten dem wurmstichigen und durch und durch faulen Liberalismus nicht auf die Beine helfen. Das Volk hatte da» Treiben dieser Phrasenhelden und Wortschaumschläger, die mit der größten Selbstsucht und der empörendsten Jntereffenwirthschaft die brutalste Rückstchtslofigkeit und Intoleranz verbinden, gründ- lich satt, und so kam e», daß am Tage der Wahlen der anrüchige und bankerotte Liberalismus, bet' sich prahlerisch auch die „Verfassungspartei" oder „deutsch-
•H- Auf geheirnrrißvollen Wegen.
Roman von Hnftl K
Arm in Arm traten sie ein in den Salon. Die Comtesse erhob sich bei ihrem Eintritt und machte dem Marquis eine ehrfurchtsvolle Verbeugung. Der alte Herr sah bei Weitem nicht so wohl aus, als dies in der letzten Zeit der Fall gewesen war. Es schien, als ob eine große Sorge auf ihm lastete. Sein stolzes, königliches Antlitz trug die Spuren eines tiefen Kummers und sein ganzes Wesen schien verstört und niedergedrückt.
„Sie sehen so schön und so blühend aus, wie immer, Comtesse!" sagte er mit der Courtoisie eines Offiziers der Kaisergarde, mit welchem er große Aehnlichkeit hatte. „Sie scheinen gar nicht von der Zeit berührt zu werden, oder höchstens nur, um immer schöner zu werden. Anders ist e« mit uns, nicht wahr, alter Freund?" fügte er, sich an den Grafen von Chatrois wendend, hinzu.
„Ja, uns spielt die Zeit anders mit," erwiderte der Graf, dann sagte er mit Bitterkeit: „Doch wie Du ganz richtig bemerktest, an Gabriele ist die Zeit spurlos vorübergegangen."
patriotisch" und „deutsch-national" gesinnt nannte, derart aus'« Haupt geschlagen wurde, daß Israel, mit Allem, was drum und dran hängt, darob in lautes Wehklagen ausbrach. Es ist zwar noch lange nicht Alles in Oesterreich, wie es sein soll, aber der Weg zum Bessern ist doch bestritten, und vor Allem hat die Volksvertretung jetzt die Wiederherstellung der konfessionellen Volksschulen, anzustreben. Ob der neue Kultusminister v. Gautsch, der an Stelle des liberalen Unterrichts- Ministers Conrad trat, in dieser Beziehung den Forderungen der Katholiken gerecht werden wird, muß die Zukunft lehren. Am 11. Juni trat die wichtige Gewerbenovelle in Kraft, und Oesterreich hätte alle Ursache, auf das verflossene Jahr mit Befriedigung zurückzublicken, wenn der häßliche Nationalitätenstreit und die orientalische Frage nicht den sozialen und politischen Himmel vielfach getrübt hätten. — Am 6. März fand im Johannschachte in Karmin durch Entzündung von Grubengas eine furchtbare Katastrophe statt, welche 122 Bergleuten das Leben kostete.
In der Schweiz wurden am 9. März die Sessionen des National- und Slände-Räthes eröffnet, welche den vom Bundesrath beschlossenen Maßregeln gegen die anarchistischen Mordbrenner durchaus billigten. Das verbrecherische Gesindel wurde theils verhaftet, theils ausgewiesen. Hätte die Schweiz vor zehn Jahren nicht die Jesuiten und die übrigen Ordensleute aus dem Lande ge- «utz. Priester nicht verfolgt und drangfalirt und die Kirche, die Hüterin der sozialen und sittlichen Ordnung, nicht geknebett, so würde höchst wahrscheinlich der Anarchismus nicht die Breite und Tiefe gefunden haben, die er thatfächlich in der Schweiz gewonnen hat. — Jetzt ist der kirchliche Friede dort so ziemlich wieder hergestellt. Der hl. Vater hat die vom Bischof Lachat angebotene Verzichtleistung auf das Bis- thum Bafel im Interesse des religiösen Frieden» angenommen und denselben zum Administrator des von der Diözese Mailand losgelösten Kantons Tessin ernannt. Im Juni hielt der neue Bischof von Basel, Msgr. Fiala, jubelnd begrüßt vcm Volke, seinen Einzug in die Diözese.
Eine der traurigsten und erbärmlichsten aller Staaten Europa'« ist'/Jtalien. Leere'Staatskassen, kolossale Schulden, politische Lotterwirih- schäft, Großmannssucht, soziales Elend, revolutio«
„Und doch hatte sie schwere Sorge zu tragen vor langen Jahren," sprach der alte Marquis mit Herzlichkeit. „Es hat mir sehr leid gethan, Comtesse, bei meinem letzten Hiersein Sie nicht besuchen zu könne», aber ich bekam wieder meine Gicht und mußte eilen, auf mein altes Schloß zurückzukommen. Jetzt bin ich, Gottlob, wieder ganz gesund."
Er ließ sich in einem Schaukelstuhl nieder, welcher neben dem Kamin stand. „Ich bin nach Pari» gekommen", hob er an, „um Erkundigungen einzuziehen über eine Opernsängerin ober Schauspielerin, welche sich Gräfin von Alvarez nennt."
Gabriele preßte die Hanb auf ihr stürmisch klopfende» H-rz und wandte ihr Antlitz dem Fenster zu. Sie fühlte sich einer Ohnmacht nahe. So war es gekommen, das drohende Unheil! Ohne Zweifel! Graf Eugen halte aus Rachsucht dem Marquis Alles enthüllt und dieser war jetzt gekommen, um sie bloszustellen vor ihrem Vater und der ganzen Welt. Wie ein zweischneidiges Schwert fiel dieser Schlag auf sie nieder und sie saß da wie eine gerichtete, die ihr Todesurtheil erwartet.
„Eine Gräfin von Alvarez, die Schauspielerin
näre Umtriebe, permanente Ministerkrisen und großartige Spitzbübereien zeichnen das unglückliche Land aus. Die Banditen stehlen im Kleinen und die Regierung stiehlt im Großen; und vergebens erhob der Papst im Januar Einspruch gegen die Beraubung der Propaganda, — die Regierung steckte die Gelder dieses großen internationalen Kulturinstitutes ein, und keine Macht Europa'» rührte einen Finger; gewisse Banquieris hatten ja dabei nichts zu verlieren! So groß nun auch die Mißwirtschaft im Innern des Landes ist, und so viel Unrath sich auch im italienischen Augiasstall gehäuft hat. — für zwei Dinge hatte die Regierung Zeit und Interesse; erstens für die Verfolgung der katholischen Kirche, die soweit ging, daß nicht blos die Prozessionen verboten wurden, sondern daß es auch den Priestern untersagt wurde, die letzte Wegzehrung den Sterbenden offen ins Haus zu tragen. Die 800jährige Gedächtnisfeier des großen Papstes Gregor's VII. am 25. Mai bot den Kirchenfeinden neuen Anlaß, ihrem Hqsse gegen die Kirche ungezügelten Lauf zu lassen. Zw-iten» spielte der Großmannskitzel eine Rolle, welche Italien zum Gespötte von ganz Europa machte. Das Ministerium, welche», so lange der englische Premierminister Gladstone das Ruder führte, im Schlepptau Englands segelte und dadurch zu Deutschland und Oesterreich in eine schiefe Stellung kam, wollte die kolonialpvlitische Strömung und die ägyptischen Wirren nicht vor- übergehen lassen, ohne auch ein Schäfchen im TroanetsM-yckoen.- 'Da
wegen der französischen Nachbarschaft zu heiß waren, schickte e» für schweres Geld seine Truppen in'« Rothe Meer, und diese setzten sich, nach verschie« deutlichen Kämpfen mit den Aufständischen und den Soldaten de« Königs von Abessynien, in der Hafenstadt Maffauah fest, wo sie nun auch gründlich festsitzen. Wären dem Sultan nicht durch die Wirren auf der Balkanhalbinsel die.Hände gebunden, so würde er die italienischen Großhäirse längst auf die Finger geHopft und zum Kuckuck gejagt haben; aber was nicht ist, kann noch werben.
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Januar.
* ♦ Zum RegienulgrjuMäum * Ist. eine so grirße Anzahl von Ab ressen eingegangen, daß der Raum des großen Ministerzimmers im Palais
ist?" sprach der Graf von Chatrois nachdenklich und ihres Vaters Worte gaben Gabriele einen Thell der verlorenen Fassung zurück. '„Ich habe noch niemals diesen Namen gehört !"
„Der Name ist außergewöhnlich,", zwang Gabriele sich, zu erklären. „Er klingt spanisch. Gleich meinem Vater kann auch ich Ihnen keine Auskunft geben, Herr Marquis!"
Der alte Herr wurde nachdenklich. „Ich wollte die Gräfin sprechen wegen ihrer Tochter, einem liebreizenden jungen Mädchen, welches ich al« Nichte adoptirt habe," sagte er. mit bewegter Stimme. „Die junge Dame hat mein Hau» verlassen. Ich vermuthe, daß sie zu ihrer Mutter zurückgekehrt ist."
„Hat die junge Dame sich unwürdig gezeigt?" fragte Gabriele mit leicht bebender Stimme.
„Nein und tausend Mal nein! Ich hatte etwas entdeckt, was mit ihrer Familie zusammenhängt und habe sie vom Schlosse vertrieben wie eine Ehrlose. Wahnsinniger, der ich war! Ich will sie wieder holen! Ich muß sie wieder haben! Ich würde sterben ohne sie!" rief der alte Herr stürmisch aus. „Ich werde sie finden und wenn ich die ganze Welt durchsuchen sollte!"