Juli 19. Hermann Stöveken, Geh. Regierungs- und Schulrath, Aachen, 74 I. — Sept. 22. Dr. Franz Schwennin- ger, Ober-Arzt in München, München. — Okt. 4. Reichsgraf Clemens von Westfalen, Schloß Laer, 8Ö I. — 24. Baron Hofmann, Intendant des Hoftheaters, Wien. 63 I. — Dez. 6. Dr. Straßmann, Berlin. — 9. Dr. Herrn. Becker, Oberbürgermeister, Köln, 65 I.
XI. Frauen.
Jan. 20. Lady Georgina Fullerton, Romanschriftstellerin, Ayrfield bei Boroemouth, 73 I.— August 4. Gräfin Anna von Meran (Anna Plochel), Wittwe des Erzherzogs Johann, Auffee, 82 I. — Dez Gräfin Rosa Mirafiori, Wittwe des Königs Viktor Emmanuel.
Aus Stadt, Provinz und . Nachbargebiet.
Fulda, 4. Januar.
* Der 2. Januar d. I. war der Tag, an welchem vor 25 Jahren König Wilhelm nach fei» IP nes Bruders Friedrich Wilhelm IV. Ableben das Ruder der preußischen Regierung übernahm. Das Jubiläumsfest feierte das Land aus Anlaß des Sterbetages des vorigen Königs am gestrigen Tage. Die öffentlichen Gebäude waren beflaggt und zahlreiche Böllerschüffe wurden abgefeuert. In der Dom- und Pfarrkirche wurde nach Schluß des Hochamtes das Te Deum gesungen. Der Eingang zum Kurfürsten-Hotel war des Abends bei Beginn des Festessens illuminirt. Man zählte ca. 100 Theilnehmer. Herr Oberstlieutenant v. Pentz brachte auf Se. Majestät den Trinkspruch aus, in den die Anwesenden begeistert einstimmten.
A Heute Morgen S1^ Uhr wurde aus Anlaß der Ueberweisung der neuen stadtpfarrlichen Schulen, welche um 10 Uhr stattfand, em feierliches Hochamt in der Stadtpfarrkirche abgehalten, zu welchem der Stadtmagistrat und die Mitglieder des König!. Stadtschul-Vorstandes eingeladen waren. Nach dem Hochamte begaben sich die sämmtlichen Eingeladenen in das neue Schullokal, woselbst eine kurze Feierlichkeit stattfand. Ansprachen hielten Herr Oberbürgermeister Rang, Herr Stadtpfarrverweser Rhiel und Herr Jubilarlehrer Gerlach, welch' letzterer unter Hinweis auf die gestrige Feier des 25jäh- rigen Regierungs-Jubiläums unseres Königs ein Hoch auf Se. Majestät ausbrachte. Rach Absin- >1 gung einiger Schullieder wurde die kleine Festlich, feit mit dem Liede „Großer Gott wir loben Dich" beendigt.
* Das am nächsten Mittwoch, den 6. d., aus /' Anlaß des 20. Stiftungsfestes des kathol. Kasino's am Frauenberg abzuhaltende Hochamt findet nicht um 10 Uhr, sondern um 9 Vs Uhr statt, was wir hiermit berichtigend mittheilen wollen.
D Der Dirigent des Königlichen Hauptsteuer« amN zu Hanau, Herr Ober-Steuer-Inspektor Meyer, ist am 29. v. Mts. von Sr. Majestät dem Kaiser und König zum Steuer-Rath ernannt worden. Bei der Beliebtheit, deren der vorgenannte Herr sich sowohl bei den Nachgeordneten Beamten seines ausgedehnten Dienstbezirks, wozu auch Fulda und Hersfeld gehört, wie im Publikum wegen seines liebenswürdigen, humanen Wesens erfreut, wird diese Auszeichnung, welche uns soeben bekannt geworden, sicher mit Interesse vernommen werden.
*Zur gestrigen Abendunterhaltung des Carneval- Vereins hatte sich die städtische Turnhalle mit Be- h , suchern bis auf den letzten Platz gefüllt. Das bereits hinlänglich bekannte Programm wurde in allen Theilen flott durchgeführt. Besonderes Auf- sehen erregte der von Herrn I. Kramer angefertigte neue Bühnenvorhang. Während des Abends spielte die städtische Kapelle.
* Mit dem 1. Januar 1886 ist die von König!. Regierung, Abtheilung des Innern, zu > Casse! herausgegebene und im Amtsblatts der Regierung zu Cassel Nr. 38 de 1885 abgedruckte Baupolizeiordnung vom 15. Juli v. I. für die Stadt Fulda, sowie für die Landgemeinden des V Regierungsbezirks Cassel in Kraft getreten, worauf von Seiten des Kgl. Landrathsamtes aufmerksam gemacht wird.
* Aus der Strafkammersitzung des Landgerichts Hanau vom 31. v. Mts. theilen wir nach der ,H- Big-' Folgendes mit: Ein in Dörnigheim geborener, jetzt in Fulda wohnhafter Kandidat der Medizin ist beschuldigt, mit mehreren Studenten in der Nacht vom 30. zum 31. Dezember 1884 in einigen Straßen Fulda's beim Nachhausegehen \ aus der Restauration zum „Ballhaus" ruhestören-
I den Lärm gemacht und in der Nähe des Paulus-
thores mit einem Stock eine Straßenlaterne zer
trümmert zu haben. Vom Schöffengericht Fulda war der Angeklagte auf Grund der beeidigten Aussagen dreier Nachtwächter zu 30 Mark Geldstrafe und in die Kosten verurtheilt worden. Gegen dieses Urtheil legte der Angeklagte Berufung ein und behauptete, nicht er, sondern ein Freund von ihm, ein Stud. Juris von Fulda, habe die Laterne eingeschlagen. Außerdem bekunden zwei anfänglich mitbeschuldigte Zeugen eidlich, daß der Angeklagte auf einer ganz andern Seite der Straße während des Vorfalles gegangen fei und den wirklichen Thä- ter durch Zurufe von feinem Vorhaben abzuhalten suchte. Der mitanwesende Stud jur. gesteht dann auch ein, daß er die Laterne eingeschlagen und sich rasch durch eine Seitenstraße entfernt habe, während die Nachtwächter seinen unschuldigen Freund arretirt und zur Wache gebracht hätten. Der Ge- richtshof nimmt deshalb an, daß die Nachtwächter sich täufchten und spricht den Angeklagten kostenlos frei. Die nicht unbedeutenden Kosten fallen der Staatskasse zur Last, jedoch behält sich der Herr Staatsanwalt die weiteren Schritte gegen den sich als Thäter bekennenden Stud. Juris vor.
* Im Monat Januar haben Schonzeit: Elchwild, weibliches Rehwild, Rehkälber, der Dachs und Rebhühner; das übrige Wild ist jagbar.
* Im Publikum, und selbst in den Kreisen der beteiligten Gewerbetreibenden, herrscht noch vielfach die irrige Ansicht, daß Gast- und Schenk- wirthschafts-Konzessionen auf dem Grundstück ruhen, auf welchem das Gewerbe betrieben wird, und daß bei dem Ankäufe eines solchen Grundstücks die Berechtigung zu fernerer Ausübung der Wirtschaft dem neuen Eigentümer ohne weiteres zustehe. Die Ertheilnng der Konzession hängt aber sowohl von den persönlichen Verhältnissen, als von den Local-Einrichtungen und vor allem von dem Vorhandensein eines öffentlichen Bedürfnisses für den Geschäftsbetrieb ab. Es ist daher anznrathen, beim Ankäufe von Gastwirthschaften rc. vorsichtig zu fein und sich vor dem Abschlüsse des Kaufvertrages erst der Konzession zu versichern.
* Aus amtlicher Quelle kann das ,Cass. Jl? mittheilen, daß die Kgl. Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M. bei dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten beantragt hatte, die demnächst in die Nordrhön zu bauende Sekundärbahn mit Rücksicht auf den späteren Anschluß an die Felda- bahn! es handelte sich um die Haun-Ulsterbahn! schmalspurig herzustellen. Der Hr. Minister hat dies aber abgelehnt und sich definitiv für die Normalspur erklärt.
* Der Presbyterial- und Synodal-Ordnung für die evangelischen Kirchengemeinden (die refor- mirte, lutherische und die unirte) im Bezirke des Konsistoriums zu Cassel ist die landesherrliche Sanktion erteilt worden.
* Hanau hat, laut dem ,H. A.', im Jahre 1886 zwei denkwürdige Tage für seine Lokalgeschichte zu verzeichnen, und zwar am 24. Februar den 100jährigen Geburtstag Wilhelm Grimm's, sowie am 13. Juni den 250jährigen Gedenktag der Entstehung des Lamboifestes.
* Dem Kgl. Rentmeister Hirschfeld zu Fritzlar ist der Charakter als Rechnungs-Rath verliehen.
Vermischtes.
* Wien, 2. Jan. Heute Abend 5'/, Uhr wurde ein freches Raubattentat in einer der frequentesten Straßen ausgeubt. Im Geschäfte des Juweliers Bella! im Hotelgebäude „Goldenes Lamm" (Praterstraße) führte ein unbekannter, elegant gekleideter Mann, welcher Ohrgehänge kaufen wollte, gegen den Juwelier beim Geldwechseln einen Schlag in die Magengegend, wodurch derselbe ohnmächtig wurde, raubte dann aus der Lade 200 fl. und entfloh.
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* DaS Caf.i Bauer in Berlin hat bei dem immer steigenden Umfang des von ihm gehaltenen Zeitunqs- materials Auskunsts- und Adreßbücher über dasselbe anlegen müssen, um seine Besucher in genügender Weise zu orientiren. Jm Caf« Bauer liegen 700 politische, bellet- rifissche, humoristische Zeitungen aus, ferner eine große Reihe illustrirter und Fachblätter. 55 der Zeitungen werden in mehreren Exemplaren — bis zu 7 — gehalten. Die Zeitungen repräsentiren alle Welttheile und werden aus 25 Staaten, beziehungsweise 115 Städten bezogen. Da finden wir deutsche, czechische, dänische, englische, französische, griechische, holländische, italienisch-, japanische, polnische, portugiesische, rumänisch-, russische, schwedisch-, erbische, spanische, türkische und ungarische Zeitungen. Drei Personen sind ständig mit dem Ordnen und Umher- r-lchen der Zeitungen beschäftigt. Daneben stehen dem Publikum noch die Adreßbücher von Berlin, London, Paris und Wien, der gothaische Kalender und die gotha- ischen Taschenbücher und viele andere wichtige Sammel- !
werke und Nachschlagebücher zur Verfügung. Di- g-sammt-n Zeitungs-Regiekosten erreichen nach dem Voranschlag für 1866 die Höhe von rund 27,500 Mark.
* Das originellste Bierlokal Berlins dürfte ganz entschieden die kürzlich in der Friedrichstadt, Jägerstraße 69, eröffnete „Bauernschenke" sein. Nach den originellen Ideen des bekannten Restaurateurs Fritz Kretschmer ist von dem Baumeister Tietz jun. und dem Maler Wende- f-ier eine Bierquell- geschaffen worden, die sicher ihres gleichen in Berlin suchen kann. Originell aber nicht geschmackvoll ist schon die gereimte Einladung über dem Eingang: „Ein vull Glas — mit kräft'chem Raff — knegt man hier drin — drum man rin." Betritt man über d>e wenigen nach unten führenden Stiegen das Innere des Lokals, so glaubt man sich vollkommen in eine jener Bauernschenken versetzt, die in Räuberhistorien eine so hervorragende Rolle spielen. Entgegen dem verschwenderischen Luxus, mit welchem neuerdings die Bier-Restaurants ausgestattet werden, ist alles hier von einer verblüffenden Primitivität. Einfache dunkle Holzmöbel, darunter sogar Schusterschemel als Sitzgelegenheiten, an den Wänden aber Senien, Harken, Schaufeln, alte Jagdgewehre, verrostete Pistolen bilden die Hauptausstattung des ersten Raumes der gegen Abend von altmodischen Oellampen spärlich erleuchtet wird. An dem alten kaminartigen Ofen trocknen, n-ben Holzschuhen und Stiefelknecht, ungenirt Wäsche und Strümpfe, während als Pendant in der anderen Ecke eine «roße Kreuzspinne, unbekümmert um das Getriebe der Weltstadt, ihr- Kreise zieht. An der eigentlichen Schänke waltet beim Schein einer rostigen Stalllaterne die „Stienel", erne Bayerin von echtem Schrot und Korn in altbayerischer Tracht. Reben ihr versorgen die K-llnerjungen, die hrer dem Kartenspiel entsprechend als Kreuz-, Pique- und Herzjungen bezeichnet sind, die Gäste mit Bauernbräu.
* Bon Berliner Blättern wird das Folgende — kaum glaublich- — berichtet. Der Maurer Griese und der Arbeiter Schlink befanden sich am Abend des 25. Sept, auf einer Bierreise und beehrten um Mitternacht in sehr anrmirter Stimmung das Wiener Lass in der Potsdamerstraße mit ihrem Besuche. Hier vertilgten sie erst noch einige Gläser Bier und gingen dann zum Champagner über. Das prickelnde Getränk scheint ihre Sinne ganz umnebelt zu haben, denn Griese machte sich nach dem einstimmigen Zeugniß der Augenzeugen das seltsame Ver- gnügen, die Champagnergläser mit Stumpf und Stiel aufzuessen. Dieser eigenartige Appetit erregte natürlich die lärmende Aufmerksamkeit der übrigen Gäste; als jedoch der GlaSfresser das zw ite Champagnerglas zerkaut und verschluckt hatte, erschien der Besitzer mit einem energischen Veto auf dem Platze. Es kam darüber zu Differenzen, die damit endeten, daß die beiden unbequemen Genossen an die frische Luft befördert wurden. Sie waren aber bald wieder im Lokale; sie zerschlugen einfach die große Spiegelscheibe, krochen durch das Loch und richteten nun. im Lokal eine arge Verwüstung an, indem sie Marmorplatten von den Tischen rissen, Liqueur- flaschen zertrümmerten und andern Unfug ausführten. Trotzdem wurden die beiden Unholde von der Anklage der Sachbeschädigung freigesprochen, da dieselben nach der Meinung der Augenzeugen stark angetrunken waren, und der Gerichtshof die Ansicht hatte, daß derjenige, der im Stande ist, Champagnergläser zu essen, mehr als sinnlos betrunken sein müße.
S Prinzipal: „Herr Müller, Sie sind schon wieder zu spät ins Comptoir gekommen." — Müller: „Es schlug gerade Acht, als ich an der Hausthür war. — Prinzipal: „Und das nennen Sie Pünktlichkeit? Ich fasse diese erste Tugend des Geschäftsmannes anders auf. Beim ersten Glockenschlage haben Sie den ersten Fuß ins Comptoir zu setzen, beim zweiten den zweiten, beim dritten den dritten u. s. w. Verstehen Sie mich?"
§ „34 weiß gar nicht, was das wieder ist! Das ist nun schon der sechste Hase, den ich fehle." — Förster: „Wissen Sie was, schießen Sie einmal mit Absicht daneben — vielleicht treffen Sie dann einen!"
§ „Nun, Frau Geheimoberappellationsgerichtssekretairin warum heute so einsilbig?"
Auszug
aus den Registern des Standesamts Fulda,
vom 25. bis 31. Dezember.
Aufgebote. Den 28. Dez. Schlosser am Bahnhof Fnedrich Philipp Christian Weil von Weilmünster und Margrethe Oßmann von Zwingenberg. Den 28. De,.: Lokomotiv-Hilfsführer Heinrich Helfrich und Marie Therese Trapp.
Eheschließungen. Den 27. Dez.: Klempner Max Haase gen. Oßner, von Langensalza und Bertha Karoline Charlotte Resske von Stolp i. P.
Geburten. Den 25. Dez.: Martin Stephan, S. des Taglöhners Johann Chrysaatus Wehner zu Riesig. Den 26. Dez.: Franz Aloys, S. des Hüttners Johann Georg Joseph Engel zu Neuenberg. Den 26. Dez.: Johann Paul, unehel. S. einer Einheimischen. Den 27. De,.: Abraham, S. des Kaufmanns Juda Salomon Trepp. Den 27. Dez.: Maria Aloysia, T. des Schlossers an der Bahn Johann Adam Liebig. Den 27. Dez.: Jakob Karl, S. des Kupferschmieds am Bahnhof Christian Heinrich Wilhelm Eckhardt. Den 28. Dez.: Klara Josephine, T. des Sattlers am Bahnhof Ferdinand Euler. Den 28. Dez.: Friedrich Johann, S. des Bierbrauers Konrad Becker zu Lehnerz. Den 29. Dez.: August Ferdinand Felix Heinrich, S. des ordentlichen Lehrers am Realprogymnasium Viktor Friedrich Felix Fleck. Den 29. Dez.: Margretha Franziska, T. des Schriftsetzers Balthasar Joseph Stieb. Den 29. Dez.: Eduard, S. des Bahnarbeiters Wilhelm Hartung. Den 29. Dez.: Philipp Joseph, unehel. S. einer Einheimischen. Den 29. Dez.: Heinrich Nikolaus Wilhelm, S. des Lagerarbeiters Johann Wendelin Salzmann.
Sterbefälle. Den 27. Dez.: Anna, Zwillingstochter des Pumpenmachers Adam Schwär,, 22 Tage. Den 28. Dez.: Adam Joseph, S. des Taglöhners Michael Spock, 11 M.