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1886.

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— mit der

Montag, den 4. Januar

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. V-^t-ljährlicher ®b°nnera^"%.?$n* 1 3Ät °° $f8*'

belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' ,n Fulda 1 Mk. 70 Psg.-'auswärts 1 Mk 75 Pfg

Inserate: Die einspaltige Zeil« oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Ra att.

❖ Jahresrundschau,

iv.

Die deutsche Kolonialpolitik hat im verflossenen Jahre viel von ihrer ersten Jugendhitze eingevüßt, und dem Kolonialfieber ist eine merkliche Ernüch­terung gefolgt. Die Matrosen der deutschen Kriegs­schiffe „Bismarck" und „Olga" haben am 20. Dez. v. I. in Kamerun die Bluttaufe erhalten, und die stolzen Hoffnungen find, je genauer das Kolonialgebiet bekannt wurde, um so mehr zu- sammengeschrumpft. Für die Massenauswanderung eignen sich Kamerun und Angra Pequena nicht; der Boden ist steinig, die Fieber sind mörderisch, und statt der erwarteten Schätze schickte Afrika uns Leichen; auch der berühmte Afrikaforscher und Generalkonsul Dr. Nachtigall, der die erste deutsche Flagge in Westafrika aufgehißt hatte, wurde am 20. April ein Opfer der Fieber. Der Kanzler kann übrigens zufrieden sein, denn alle seine For­derungen wurden von der Volksvertretung bewilligt: erstens 180,000 M. für ein Gouverneursgebäude und sonstige Einrichtungen; zweitens 248,000 M. für die neuen Behörden in Kamerun und Togo und drittens auf 15 Jahre hinaus 4 Millionen 500,000 M. für die neuen Dampferlinien. Und wie hat der Kanzler dieses Entgegenkommen, das ohne das Centrum nicht möglich gewesen wäre, beantwortet? Er will nicht einmal dulden, daß kathol. Ordens-Missionare in den deutschen Kolonien den armen Schwarzen das Evangelium verkünden!

1 Wir erinnern nur an die Namen Pater Weik und Pater Stoffel und an die Jesuitenrede Bismarck's im Reichstag vom 28. November, die noch in unseren Herzen nachzittert, — hoffentlich wird das Centrum aber auch keinen Pfennig mehr für die Kolonialpolitik bewilligen. Bis jetzt hat uns diese Politik nur viel Geld gekostet und Konflikte einge­bracht; zuerst gab es eine scharfe Reiberei mit England und dann folgte im August der bitter­böse Streit mit Spanien wegen der Karolineninseln, der einen sehr bedrohlichen Charakter annahm und uns das spanische Volk, mit welchem wir bis da­hin auf freundschaftlichem Fuße gestanden, ent­fremdete. Alle Welt war im höchsten Grade überrascht und erstaunt, daß Fürst Bismarck auf Veranlaffung des Kronprinzen, den Papst als Schiedsrichter anrief, dessen Vermittlung es denn auch gelang, den Streit dahin zu schlichten, daß

4r Auf geheimrrihvollen Wegen.

Roman von ?. Mtifttt. gl

„Es ist eigenthümlich, wie gern die Leute un­nützes Geschwätz in Umlauf bringen," versetzte Gabriele philosophirend. „In diesem Falle glaube ich übrigens, daß nicht die klatschsüchtige Welt allein schuld daran ist. Graf von Lamartin wird diese Neuigkeit selbst in's Gerede gesetzt haben."

„Aber Du hast ihm Veranlaffung dazu gegeben, Gabriele. Bist Du mit ihm verlobt?"

„Nein, mein Vater. Ich habe ihm wiederholt gesagt, daß ich seinen Antrag ablehnen muß, aber er wollte Nichts davon wissen. Schließlich, um seiner ledig zu werden, habe ich ihm erklärt, ich wolle mir die Sache überlegen und ihm Antwort geben, sobald er dieselbe verlangt. Was aber die Heirath anbetrifft, so habe ich auch nicht den ent­ferntesten Gedanken daran."

„Gabriele, ich muß wiederholen, was ich bereits vorhin sagte — Deine Zurückhaltung ist mir voll­kommen unerklärlich!"

Die Comteffe schwieg.

„Es scheint mir demnach," fuhr der alte Graf fort, „daß Du heute noch ebenso wert davon

Spanien die Oberhoheitsrechte über die Karolinen­inseln zuerkannt und Deutschland einige derselben nebst Hafenplatz zugesprochen wurden. Dieser Konflikt hat ebensowenig wie der Kulturkampf, die Polenausweisungen und die Diätenprozesse da­zu beigetragen, den Ruhm des deutschen Reichs­kanzlers zu erhöhen. — Die Kongokonferenz, welche in Berlin vom 15. Nov. v. I. bis zum 26. Feb. tagte, hatte bei ihren Berathungen drei Ziele in's Auge gefaßt: die Einführung der Handelsfreiheit im Becken und an den Mündungen des Kongo; die Uebertragung der vom Wiener Kongreß mit Bezug auf die Freiheit der Schifffahrt auf mehreren internationalen Flüssen angewandten Grundsätze auf den Kongo und den Niger; endlich die Fest- setzung der von den Mächten bei neuen Besitzer­greifungen an den Küsten Afrikas zu beobachten­den Förmlichkeiten. Es ist ein großes Gebiet dem internationalen Handel ohne Beschränkungen und Hinderniffe geöffnet worden. Die Konferenz hat dafür gesorgt, oaß der neu erschloffene Theil der Erde nicht im einseitigen Interesse eines einzelnen Volkes ausgebeutet werde, sondern daß Alle unter denselben Bedingungen ringen müssen und derjenige Sieger bleibt, der die größere Intelligenz und den größeren Unternehmungsgeist entwickelt. Indem die Konferenz Handels- und Schifffahrtsfreiheit für den Kongo proklamirt hat, hat sie der Kultur einen wichtigen Dienst geleistet. Wie für den Kongo, ist auch für den Niger Handels- und Schiff­fahrtsfreiheit proklamirt worden, mit der Bestim­mung, daß di« Ausführung, dieser Grundsätze England und Frankreich anvertraut wurde, weil diese beiden Mächte an dem Flusse eine thatsäch- liche Herrschaft üben. Viel Zeit und Mühe er- forderte die Abgrenzung des Gebietes, auf welchem im Kongo der internationale Akt Geltung haben soll. Ohne Zweifel ist hierin nicht alle Genauig­keit erreicht worden, und bleibt künftigen diploma­tischen Konferenzen und Kommissionen noch genug zu thun, um, was in Berlin in groben Zügen angedeutet wurde, sorgfältiger auszuführen. Für Deutschland bedeutet der Erfolg der Konferenz einen friedlichen Triumph.

Elsaß-Lothringen verlor am 17. Juni seinen Statthalter, Generalfeldmarschall v. Man­teuffel, welchem zwei Tage früher der schneidige Haudegen, Generalfeldmarschall Prinz Friedrich Karl von Preußen, 57 Jahre alt, im Tode voraus­entfernt bist, zu heirathen, wie Du e» immer warst."

„Noch ebenso weit, wie ich es die letzten sieb­zehn oder achtzehn Jahre gewesen bin,"Derwiderte die Comteffe.

„Ah! Ich verstehe Dich. Du bleibst frei, weil Du noch immer.an diesem verhaßten Armand de Vigny hängst!" rief der Graf zornig aus, indem er aufsprang und aufgeregt das Zimmer durch­schritt. „Er hat Dein Leben vernichtet, Gabriele, er hat Dein Glück untergraben, durch ihn ist aus Dir, einer warmherzigen, liebevollen Tochter, ein kaltes, stolzes Mädchen geworden. O, ich hasse ihn ebenso sehr, wie sein Onkel ihn haßt!"

Der Graf hatte während dieser heftigen Worte seine Wanderung durch das Zimmer fortgesetzt. Jetzt hielt er plötzlich seine Schritte überrascht an. In einem großen Trumeau, der ihm gegenüber hing, gewahrte er am Eingang de» Saales die Gestalt einer Frau, welche sich jedoch im Schatten hielt; schärfer hinüberblickend, machte er die Ent­deckung, daß es Jeanette, die Kammerzofe Ga­brielen» sei.

Jeanette, nicht ahnend, daß der alte Graf sie beobachtete, machte ihrer Herrin fortwährend Zeichen, daß sie sie sprechen müsse und zeigte, um

gegangen war. Mit Recht beklagten die Reichs­lande den Tod Manteuffel's, der sich bestrebt hatte, durch eine möglichst gerechte Regierung die Gegen­sätze auszugleichen, die Härten seines Vorgängers zu mildern und die wiedergewonnenen Reichsbrüder zu versöhnen. Denselben Grundsätzen scheint sein Nachfolger, Fürst Hohenlohe-Schillingsfürst, der frühere bayerische Minister und nachherige Bot­schafter in Paris, nachkommen zu wollen; wenigstens läßt die Rede, die er bei dem Antritt seiner Statt­halterschaft an den Bischof und das Domkapitel von Straßburg gerichtet hat, darauf schließen, daß er etwas gelernt und mit seiner kultur­kämpferischen Vergangenheit gebrochen hat. Preu­ßischer Bureaukratismus und Kulturkämpferei wären auch am wenigsten geeignet, die Herzen der Elsaß- Lothringer zu gewinnen.

In Baden haben die Kammerwahlen dem Nationalliberalismus, der nach kurzer Pause seit 1883 wieder die Majorität hatte, vollends das Uebergewicht über die anderen Parteien, ^nament­lich die katholische Volkspartei, verschafft. Die Nationalliberalen verfügen über eine ^/g-Mehrheit, während das Cmtrum nur 14 Sitze hat und die Konservativen und Demokraten fast ganz bedeu­tungslos sind, lieber die Ursachen der badischen Wahlniederlage ist viel geschrieben worden, auch erhob sich im katholischen Lager Badens selbst ein arger Streit darüber, ob das stramme Eintreten für die kirchlichen Forderungen nach Art der preu­ßischen Katholiken, oder aber die Oportunitäts- Politik, das bescheidene Zuwarten auf etwaige wohlwollende Regungen der Negierung die richtige Taktik sein würde. Der Streit ist nun wieder beigelegt, und die Gemäßigten werden den Ent­schiedenen nachgeben müssen, wenn die nächsten Wahlen nicht noch schlechter ausfallen sollen. Der Landtag mußte wegen Stoffmangel schon bald nach seinem Zusammentritt vertagt werden. Nachdem die Kaisermanöoer glücklich vorübergegangen waren, feierte das badische Volk Ende September in groß­artigster Weise die Vermählung seines Erbgroß« Herzog» mit der Prinzessin Hilda von Nassau; der Empfang, welcher dem Brautpaar allenthalben, besonders in der Hauptstadt Karlsruhe und in Freiburg bereitet wurde, legte redend Zeugniß für die Liebe und Treue ab, welche das badische Volk seinem Herrscherhaus entgegenbringt.

Bayerns König Ludwig war da» ganze Jahr ihr anzudeuten, daß es Eile habe, einen Brief in der hoch erhobenen Hand.

Gabriele, welche den Gang ihres Vaters mit den Augen verfolgte, bemerkte schließlich seinen Blick in den Spiegel und entdeckte auf diese Weise ihre Vertraute. Sie erschrack heftig und wurde noch blasser, al» sie bereits ohnehin war. „Komme herein, Jeanette," rief sie so ruhig al» möglich. „Du hast einen Brief für mich?"

Das Mädchen trat näher; sie überreichte der Comtesse den Brief, war aber vollständig ver­stört.

„Da» nächste Mal, wenn Du wieder einen Brief für mich hast, Jeanette, so bringe ihn auf einem Präsentirteller," sagte die Comtesse gelang- weilt und entließ das Mädchen mit einem Kopf­nicken. Die Augen der Beiden — Herrin und Dienerin — begegneten sich in einem Blicke, welcher dem alten Grafen von Chatrois, der ja ohnehin bereits argwöhnisch im höchsten Maße war, mehr sagte als die Worte. Nachdem Jea­nette sich entfernt hatte, besah die Comtesse die Aufschrift de» Briefes. Doch kaum hatte sie nur einen Blick auf die Adresse geworfen, als ihr alle» Blut siedend heiß in'» Gesicht stieg. Sie hatte die Adresse, welche sie Giralda gegeben,