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„Eine Maske, Vater?" fragte die Comtesse zu­rück, ihren Vater fest anblickend.

„Ja, Gabriele. Ich habe Dich die ganze Zeit über, als Du aus dem Fenster sahst, beobachtet und gefunden, daß Du nicht einen Augenblick die Vorsicht außer Acht läßt, mit der Du Dein Ge- heimniß verbirgst, es sei denn, daß Deine Züge Dich verrathen."

„Theurer Vater," sagte die Comteffe zärtlich. „Ich habe Dir bereits so viel Kummer bereitet."

„Keinen Kummer, Gabriele, obgleich ich zugeben muß, daß Deine unerklärliche Zurückhaltung mich oft tief betrübt hat. Kannst Du nicht offen gegen mich sein, mein Kind?"

Er sprach mit großer Zärtlichkeit und man konnte die väterliche Liebe zu seinem einzigen Kinde in seinem edlen Gesichte lesen.

„Ich kann nur wiederholen, was ich Dir schon oft gesagt habe, Vater," antwortete sie halblaut. „Vertraue mir! Es wird ein Tag kommen, an dem alles mich umgebende Dunkel schwinden und jedes Geheimniß aufgeklärt sein wird. Ja, ich habe ein Geheimniß! Gerade jetzt ist mein Herz schwererfüllt und ich sehne mich nach Ruhe und Frieden wie der vom Seesturm verschlagene Schiffer nach dem rettenden Hafen." Ein Schatten glitt über ihr schönes Antlitz, ein Schatten voller Un­ruhe und Seelenqual.

adjutanten in der Rothen Kammer, sämmtliche Damen der hohen Herrschaften in der Brandenburgischen Kammer und die Gefolge des Kronprinzen und der Prinzen sowie der anwesenden Fürstlichkeiten in der boisirten Galerie. In der Kapelle des königlichen Schlaffes endlich versammeln sich die Botschafter und alle anderen Chefs der hier accre- ditirten Missionen nebst Gemahlinnen, die Abgesandten fremder Fürsten, die nichtpreußischen Bevollmächtigten zum Bundesrath, die vermählten fürstlichen und die Excellenzen- Damen, der Reichskanzler, der Generalfeldmarschall, die hier anwesenden Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Häupter der fürstlichen und der ehemals reichsständischen gräflichen Familien, die aktiven und die zur Disposition stehenden Generäle der Infanterie und der Kavallerie, die Generallieutenants, die Generalmajors, die Obersten, welche Brigadekommandeurs sind, und die Kommandeure der Leibregimenter, die Staatsminister, das Präsidium des Reichstags und die früheren Präsidien beider Häuser bes Landtags, die Wirkt. Geheimen Räthe, di« Räthe erster Klaffe, sowie die Spitzen der städtischen Behörden von Berlin und Potsdam.

* Die katholischen Blätter weisen in der schärf­sten Weise den neuesten Ausfall der .Norddeutschen Allgemeinen Zeitung' gegen das Centrum oder vielmehr gegen den Abg. Dr. Windthorst zurück. Der Ausfall gipfelte bekanntlich in dem verbrauch­ten Satze: das friedensstörerische Centrum und sein Führer seien Schuld daran, daß die versöhnliche preußische Regierung „mit Rom zu einer vollständi­gen Ausgleichung der etwa noch vorhandenen Differenzpunkte" nicht gelangen könne; im Vatikan theile man die versöhnliche Gesinnung, die in Berlin vorhanden sei; „aber seit Jahren drängt sich zwischen den Vatikan und Berlin ein Friedens­störer, der es bisher verstanden hat, jeden An­näherungsversuch zu vereiteln." Eine der treffend­sten Antworten gibt das.Mainz. Jl.' welches schreibt:

„Die Katholiken müßten sämmtlich Bretter vor der Stirne haben, wenn solche Artikel auch nur den geringsten Eindruck auf sie machen würden. Nein, wir kennen unser» Windthorst und kennen die preußische Friedensliebe, und wir werden täglich zu Gott beten, daß er uns Männer wie Windthorst geben möge, so lange die bekannte Friedens­liebe in Berlin anhält. Wenn wir im Kulturkämpfe nicht Männer wie Mallinckrodt, Windthorst und Schorlemer be- . sessen hätten, dann hätte man es mit uns noch viel toller getrieben. Die wiederholten Versuche der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung', den Abg. Windthorst als im Gegen­satz zu Papst und Frieden erscheinen zu lassen, verrathen auch eine sehr geringe politische Kampsesweisheit; denn das Lied von der wahren Sachlage, d. h. von der in Berlin beim Fürsten Bismarck herrschenden „versöhnlichen" Gesinnung pfeifen die Spatzen auch von allen Dächern, und zwar derart, daß^zpan so^ar in Kamerun davo^n hört."

- vtud) oen ,HMuo?Nuchr.''ist'Herr^o. Scholz auch in Dresden gewesen, um mit Sachsen über das Monopol zu verhandeln.

* Aus Anlaß der Vorkommnisse, welche jüngst die Verhaftung vieler Zahlmeister zur Folge hatten, ist von dem preußischen Kriegsminister an sämmtliche Regiments-Kommandeure ein Schreiben gerichtet worden, durch welche die strengste lieber» wachung und Kontrolle der Zahlmeister wie auch der Verwaltungsbeamten der Armee angeordnet wird. Insbesondere wird in dem Schreiben, das auch dem gesammten Offizierskorps durch Vorlesung zur Kenntniß gebracht wurde, die regelmäßige Prüfung der Bücher der Zahlmeister und die sorg­fältigste Ueberwachung der den Zahlmeistern und ein Tuch und ritt dann langsam in die Stadt hinein, seinen Rachegedanken freien Lauf lassend und dabei an jedem Hause hinaufsehend, in der teuflischen Hoffnung, vielleicht an irgend einem Fenster zufällig Giralda's Antlitz zu entdecken und das schütz- und wehrlose Mädchen noch in dieser Stunde ganz in seine Gewalt zu bekommen.

XLIV.

Comteffe Gabriele von Chatrois saß an dem Nachmittag, an welchem die denkwürdige Begeg­nung zwischen dem Grafen von Lamartin und Madame Roger in Vernon stattgefunden, in nach­lässiger Haltung auf einer Chaiselongue im Salon des Palais ihres Vaters in Paris. Sie befand sich in reicher Toilette, geschmückt mit Spitzen und Juwelen. Der Ausdruck ihres Gesichtes war jedoch kalt, stolz und abstoßend. Sie lag mehr als sie saß und ihr Blick war auf die Straße gerichtet. Ihr Vater, Graf Leon von Chatrois, saß ihr gegenüber. Sein Blick war umdüstert und schwere Sorgenfalten lagerten auf seiner hohen Stirn. Sie hatten sich beide wohl eine Stunde oder länger gegenüber geseffen; ihr Gespräch, welches eben jetzt in's Stocken gerathen, hatte sich bisher um All­tägliches gedreht und der Graf hatte während der ganzen Zeit die Gesichtszüge seiner Tochter studirt.

„Gabriele," sagte der Graf plötzlich. „Weshalb trägst Du beständig eine Maske zur Schau, selbst mir gegenüber 2"

Rechnungsbeamten unterstehenden Kaffen und Fonds anbefohlen.

* Frankenstein, 31. Dez. Im Laufe dieses Jahres wurde von der Redaktion des „Arbeiter- freund' in München ein Preisausschreiben veran­staltet. Aufgestellt war zur Bearbeitung das Thema: „Welche Gefahren drohen dem Lehrling in der Werkstatt hinsichtlich seiner sittlichen und gewerb­lichen Ausbildung? Wie können Eltern, Meister und Gesellen ihn davor schützen? — Ausgesetzt waren vier Geldpreise, sowie acht Diplome. Bei der jetzt stattgefundenen Prämiirung der einge­sandten Arbeiten ist, wie die ,Frankenst.-Münst. Zeitung' mittheilt, die vom Schriftsetzer Joseph Geyer Hierselbst verfaßte mit dem II. Preise ge­krönt worden.

Ausland.

* Wien, 31. Dez. In Sachen der Durch­führung der Kongruaregulirung soll demnächst ein entscheidender Schritt der Bischöfe erfolgen. Von sehr kompetenter Seite wird der Vorschlag er­wogen, ob es nicht praktisch wäre, die bestehende sog. Kongruavorlage zurückzuziehen und den Staat anzugehen, den Bischöfen einen bestimmten Beitrag alljährlich aus Mitteln des Budgets zur Ver­fügung zu stellen, woraus diese den schlecht dotirten Pfarrern und Hilssseelsorgern Zuschüsse gewähren auf Grund der Bedürftigkeit nach einem von der Regierung zu bestimmenden Schema. — Den dies­jährigen Fastenhirtenbriefen der Bischöfe sieht man mit Spannung entgegen, da voraus­sichtlich die großen Zeitfragen darin behandelt werden sollen.

• Paris, 31. Dez. Von der .AgenceHavaS' wird bestätigt, daß infolge wiederholter Weigerung Briflon's, im Amte zu bleiben, Grevy Freycinet mit der Neubildung des KabinetS betraut hat. Freycinet verhehlte demselben die Schwierigkeiten nicht, welche der Annahme dieser Mission entgegen« ständen, gleichwohl wolle er, den Wünschen Grevy'S entsprechend, die Lage prüfen und sich mit meh­reren politischen Persönlichkeiten berathen, seine definitiven Entschließungen aber erst in einigen Tagen mittheilen.

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deutsche Kaiser verlieh dem Kardinal-Staatssekretär Jakobini den Schwarzen Adler-Orden, den Mon­signori Galimberti und Mozeni, welche der Unter­zeichnung des Protokolles über die Karolinenfrage beiwohnten, den Rothen Adler-Orden. Der Papst wird dem Fürsten Bismarck den Christus-Orden verleihen." Die Offiziösen werden schwerlich er­mangeln, aus diesem Austausch von Höflichkeiten in ihrer Weise Kapital zu schlagen.

* Madrid, 31. Dez. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer verlas der Minister der Finanzen die angekündigten finanziellen Gesetz- Entwürfe. Von dem Minister des Auswärtigen wurde ein Gesetz-Entwurf vorgelegt, nach welchem sämmtliche im Jahre 1886 ablaufenden Handels­

verträge bis zum Jahre 1892 verlängert werd« sollen.

* Petersburg, 1. Jan. In Betreff der Frage einer neuen Konferenz bemerkt das .Journal de St. Petersbourg', die Erfahrung lehre, daß Konferenzen, welche ohne eine zuvor festgestellte und acceptirte Basis zusammentreten, nicht der Sache de» Friedens und der Beruhigung dienen, sondern dazu beitragen, diese Verhandlungen in Mißkredit zu bringen und Keime der Unzufrieden­heit zurückzulaflen. Aus diesem Grunde habe Rußland in den bulgarischen Angelegenheiten die Initiative für eine Versammlung der Botschafter ergriffen, um Entscheidungen zu beschleunigen, über deren Ziel alle Mächte einig waren, Rußland habe aber keine Konferenz gewollt; später sei die Ver­sammlung allein auf das Verlangen der Pforte in eine Konferenz umgewandelt worden. Das negative Resultat derselben sei bekannt. Diese neue Er­fahrung sei keineswegs geeignet, Rußland zu ver­anlassen, auf einen solchen Weg zurückzukommen.

* London, 31. Dez. Morgen gelangt eine Proklamation des Vizekönigs von Indien zur Publikation, welche besagt: auf Befehl der Königin von England und Kaiserin von Indien wird kundgegeben, daß die früher von König Thibo regierten Gebiete (Birma) fortan nicht mehr unter dessen Herrschaft stehen, sondern einen Theil britischen Reiches bilden werden und so lange es der Königin und Kaiserin erforderlich scheine, durch einen von dem Vizekönig anzustellenden Be­amten verwaltet werden sollen.

Die Todten des Jahres 1885.

I. Fürstliche Persönlichkeiten.

Jan. 8. Franz, regierender Fürst zu Bentheim-Thecklen- burg-Rheda, Rheda, 84 I. — 12. Prinz August von Würtemberg, Zehdenik, 72 I. — März 21. Prinzessin Karl von Hessen, Darmstadt, 70 I. — April 10. Fürst von Fugger-Babenhausen, Augsburg, 78 I. — Mai 1. Prinz Friedrich von und zu Liechtenstein, Wien. — 3. Fürst Alexander Karageorgievic, Temesvar, 80 I. — 30. Prinz Robert von Orleans, Saint-Firmain. — Juni 2. Fürst Karl Anton von Hohenzollern, Sigmaringen, 74 I. — Fürst Maximilian Maria von Thurn und Taxis, Re­gensburg, 23 I. — 15. Prinz Friedrich Karl von Preußen, General-Feldmarschall, Potsdam, 57 I. — 21. Prinzessin Karoline von Hohenzollern, Sigmaringen, 75 I. — Nov. 25. Alfonso XII., Kölfla von Spanien. LustscfiU6_ Parda .

MUörrö, zs 75. —*zT. Herzog Friedrich von Schles­wig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, Kopenhagen, 71 I. — Dez. 15. Ferdinand, Herzog von Sachsen-Coburg, Titularkönig von Portugal, Lissabon, 69. I.

II. Geistliche Würdenträger.

Jan. 20. Borowski, Bischof von Plock, Plock, 84 I. (War von 1868—1883 von der russischen Regierung ver­bannt.) — Febr. 11. Eduard Mac Gabe, Cardinal-Erz­bischof, Dublin, 69 I. — 15. Flavius Chigi, Cardinal, Rom 75 I. — 27. Ignaz Paoli, Erzbischof von Bucharest, Wien, 67 I. — März 27. Fürst Friedrich Schwarzenberg, Cardinal-Erzbischof, Wien, 76 I. — April 4. Dr. theol. Holzer, Domprobst, Trier, 85 I. — 7. Dr. Robert Aston Coffin, Bischof von Southwark, Southwarck, 76 I. — 9. Perris, Bischof von FrejuS, FrejuS 61 I. — Mai 20. Peter Lasagni, Cardinal, Rom, 71 I. — 22. Casimir Wnorowski, Bischof von Lublin, Lublin, 67 I. — Juni 14. Ferdinand Bartscher, Domkapitular und Regens, Paderborn, 71 I. — Juli 27. Lorenz Nina, Cardinal­priester, Rom, 73 I. — Aug. 11. Bienvcnido Monzon,

Es war das erste Mal, daß der Graf von Chatrois einen Blick thun durste in ihr Inneres, das bisher gänzlich von gesellschaftlichen Manieren und eisiger Kälte verdeckt gewesen war, seit vielen Jahren schon. Und er erschrak bei dieser Wahr­nehmung, die ihm alles Blut siedend heiß zum Herzen trieb. „Gabriele!" rief er aus. „Laß'mich Deine Sorgen und Deinen Kummer theilen. Ich sehe jetzt klar und deutlich, daß unter der Eisrinde ein Vulkan brennt. Vertrauemir, Deinem Vater!" Währenddeffen hatte die Comteffe ihre gewohnte Kälte wieder angenommen. Der alte Graf mochte wohl einsehen, daß er jetzt eben so gut zu einer Statue, als zu ihr um Vertrauen bitten könne.

„Gabriele," rief er, wie von einem plötzlichen Gedanken geleitet, aus, „weißt Du, was die Leute sich im Club und in der Gesellschaft erzählen?"

„Nein," versetzte die Comteffe, sich leicht ver­färbend. „Vielleicht über die Entführung der Fürstin Romanoff durch den General Bontemps? Oder über den nächsten Ball der Herzogin von Fleury?" Der Greis zog seine Stirn in finstere Falten. „Sie sagen," sprach er ernst, „daß die stolze, unnahbare Comteffe Gabriele doch endlich sich hat besiegen lassen; mit einem Wort, man spricht da­von, daß sie mit dem Grafen von Lamartin ver­lobt ist und stellt die Hochzeit in nicht allzu weite Ferne." (Forts, folgt.)