Einzelbild herunterladen
 

18. Jahrgang

Freitag, den 25. Dezember 1891.

JV 298

uldaerWZtitlliift

können. t .

Man hat sich deshalb bemüht, dem Christfeste seinen christlichen Charakter zu rauben und es zu einem bloßen Familienfeste oder zu einem Naturfeste wegen der Sonnen­wende und des jetzt wieder wachsenden Tages zu stempeln, ja man wollte sogar dasselbe zu einem Rest altheidnischer Gebräuche herabdrücken. — Vergebliches Bemühen! Das Weihnachtsfest ist ein ganz speziell christliches Fest und hat seinen Ursprung, seinen Sinn und seine Be­deutung nur allein im Christenthume, im gläubigen Be­kenntnisse, daß in dieser Nacht das Christkind, der Er­löser der Welt, der wahre Sohn Gottes auf bte Welt gekommen ist. Mag sein, daß die alten Naturvölker das Fest der Sonnenwende seierlich begingen, aber tm Sommer, am längsten Tage, an welchem die Sonne im hohen Norden selbst um Mitternacht noch scheint. Da freuten sich die Menschen dieser Erscheinung, sie begingen das Fest der Mitternachtsonne, das pulsest mit großem Jubel, obgleich von da an der Tag wieder abzunehmen begann. Aber mitten im Winter feierte kein Volk Naturfeste, und wenn im bohen Norden pgar die Sonne drei Tage lang gar nicht mehr aufgmg, so war diese Sonnenwende, obgleich der Tag zu wachsen beginnt, doch keine Veranlassung zur Feier eines Festes. Nein, die Sonne, die am Weihnachtsfeste der Mensch­heit aufging, war eine andere, höhere, eine geistige Sonne, welche nur mit gläubigem Auge erblickt werden kann in wahrem, christlichem Glauben.

fungiren. , , .x

* Um 1. Januar 1892 gelangt mit Gütigkeit bis 31. März 1892 für die Beförderung von Mais ungari- schrn Ursprungs in Ladungen von mindestens 10,000 Kilogrammen von sämmtlichen schlesisch-österreichischen Grenzübergangsstationen der Eisenbahn-Direktionsbezrrke Breslau und Berlin nach sämmtlichen für den Güter­verkehr eröffneten Stationen der Eifenbahndirektions­bezirke Breslau, Berlin und Bromberg, den Stationen Grajewo, Lyck und Prostken der Ostpreußischen Süd­bahn und der Station Berlin, Anhalt-Dresdener-Bah- hof, ein besonders ermäßigter Ausnahme-Tarif zur Ein­führung, durch welchen gegenüber den bisherigen nor­malen Sätzen des Spezialtarifs I (bei Entfernungen unter 200 Kilom.) und den Sätzen des am 1. Sept, d. I in Geltung getretenen Getreide-Staffeltarifs wesentliche Ermäßigungen herbeigeführt werden.

* Ein Wiesbadener Blatt hat die Nachricht gebracht,

* Das hochhl. Weihnachtsfch, das Fest des Friedens und der Freude, der Tugend und der Liebe verbreitet einen solchen Glanz und solche Wärme über alle civilisirten Länder, daß sich fast Niemand demselben ganz entziehen kann, daß selbst die ungläubigsten Geister doch von einigen Strahlen dieses Festes er­leuchtet, selbst die kältesten Herzen von dessen lebens­warmer Liebesgluth erwärmt werden. O wie viel Glanz und Glück, wie viel Friede und Freude, wie titel Heil und Segen verbreitet dieses ein Fest in tausend, in Millionen Häusern und Familien, vom Paläste der Reichen bis zu den Dachstuben der Armen; allüberall herrscht heute Glück und Freude, Liebe und Zufrieden­heit. Kein König, kein Kaiser ist reich und mächtig genug, um an Einem Tage so viele Millionen glücklich zu machen, wie es heute geschieht.

Es ist eine geheimnißvolle, übernatürliche, «ne göttliche Kraft, die in dieser Nacht durch die christlichen Länder zieht und die Herzen der Menschen rührt, tröstet, erquickt und beglückt. Nicht nur die Kinder sind es, die da beglückt werden, sondern auch die Erwachsenen jeden Alters und jeden Standes fühlen sich beguckt, theils im Empfangen von Geschenken, theils auch nn Geben, welches seliger macht, als das Nehmen. Mehr noch als die Geschenke beglückt das Herz der Menschen der Gedanke, das Gefühl der allgemeinen, gegenseitigen Liebe und des Friedens und das Bewußtsein des all­gemeinen Glückes, das Alle erfüllt, und in dem. Gluck der Andern mehrt sich das eigene Glück, bte höchste, reinste Freude dieses Tages aber ist die Fr e ud e ü b e r die Geburt des Weltheilandes und den An­fang der Erlösung. Das Christkindlem ist nicht nur für die Kinder die Quelle und Ursache aller Freuden dieses Tages, sondern auch für die erwachsenen Gläubigen der wahre Segenspender und Friedensbringer der Welt.

Doch an dieser höchsten und edelsten Wethnachts- freude nehmen leider nicht alle Theil, die das Fest mit» feiern, sondern nur die Christen, die auch wahr­haft an den menschgewordenen Gottessohn a tauben. So viele Unglückliche, bte bett kostbaren Schatz des Glaubens verloren Haben, aber dennoch bas Weihnachtsfest mitfeiern im Schoße ihrer Familien und sich wärmen in dem Sonnenstrahl der christlichen Liebe, der diesen Tag erleuchtet, sie gleichen dem Bünden, der von den lebenspendenden Strahlen der Sonne nur die Wärme empfindet, nicht aber auch das Licht der Schön­heit, seinen Glanz und seine Farbenpracht So ge­nießen diese geistig Blinden von dem Strahl der Weih- nachtssreude nur den einen, den mehr irdischen, ver­gänglichen Theil, während sie den besseren, höheren Theil derselben, die wahre Glaubensfreude tm Bewußt­sein der Geburt des Sohnes Gottes und in der dernüthtgen Verehrung und Anbetung des Jefukindes nicht genießen

Ausland.

* Die französische Deputirtenkarnmer hat jetzt end­lich die Akte der Brüsseler Aittftklaverei-Aonfermz ge­nehmigt, nachdem sie dieselbe im Sommer abgelehnt hatte.

* Bischof Freppel von Angers ist, wie schon mit- qetheilt, am Dienstag gestorben- Derselbe ist eine in der ganzen katholischen Welt bekannte Persönlichkeit; sein Tod wird daher überall das schmerzlichste Be- dauern Hervorrusen. Ein Sohn des Elsaß Karl Emil Freppel war am 1827 in Oberehnheim geboren — und auf dem bischöflichen Seminar in Straßburg zum Priester geweiht, war er mit 27 Jahren als Professor an die katholische Fakultät der Universität Paris berufen. Im Jahre 1870 zum Bischof von AngerS ernannt, nahm er am vatikanischen Somit Theil, auf welchem er mit Entscheidenheit für dar Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit eintrat. Seitdem Jahre 1880 zu Brest in die Kammer gewählt, ver- theidigte er die Rechte der Kirche mit wahrem Feuer- eifev gegen die Uebergriffe der Republikaner. Erst jüngst bei der kirchenpolitischen Debatte ist er in der Kammer in den Vordergrund getreten. Bischof Freppel war auch ein bedeutender Schriftsteller. Seine erste int Jahre 1866 erschienene, gegen den Gottesleugner Renan gerichtete Schrift hat 15 Auflagen erlebt. Außerdem hat Freppel acht Bände religiöse und acht Bände polemische Werke geschrieben. R. I- P-

* Rom, 23. Dez. Der heil. Vater ist andauernd wohl. Er empfing das Kardinals-Kollegium, nahm die Weihnachtswüusche desselben entgegen und beantwortete die verlesene Adresse, indem er die Arbeiterftage und die letzten Pilgerzüge erwähnte.

* Jetzt hat sich endlich die chilenische Regierung bequemt, an Deutschland für die tm März d. I. er­folgte Zurückhaltung des deutschen Dampfers „Romn-

Deutsches Keich.

Berlin, 23. Dezember.

* Der ,Staatsanzeiger' veröffentlicht amtlich die Erhebung des Reichskanzlers, General d. Caprivi, m den Grafenstand.

• Heber die bevorstehend-n Arbeiten beb preußischen Landtages giebt die ,Kreuz.-Ztg.' folgende Ueberstcht: Neben dem Staatshaushaltsetat für 1892/93 steht an erster Stelle der Bedeutung nach ein Volksschulgesetz, welches im vorigen Jahre nicht zur Verabschiedung gelangte. Ferner ist die Ausdehnung der Landge- meindeordnung auf die westlichen Provinzen tn Aus- sicht genommen nnd es sind wohl die betreffenden Ent­würfe für die Provinzen Schleswig-Holstein und Hessen-Nassau zu erwarten. Der schon aus früheren Sessionen bekannte Gesetzentwurf über eine andere Verkeilung der Kosten Königlicher Polizei-Verwaltungen in den Städten wird mit einigen Aenderungen wieder- kornrnen; namentlich soll einem Beschlüsse des Abge­ordnetenhauses gemäß eine Vermehrung der Land- Gendarmerie vorgeschlagen werden. Eine Vorlage über den Welfenfond ist bestimmt zu erwarten, wofür em recht umfassender Stoff vorhanden sein soll. Auch soll ein Entwurf über die Steuerbefreiung der ehemals Reichsunmittelbaren eingebracht werden. Ebenso sind vom Arbeitsministerium eine Reihe von Vorlagen ttt Aussicht gestellt worden; u. A. sind ein Tertlärbahn- gesetz; ein Entwurf über Wasserrecht, Vorschläge über Kanalbauten und eine Wegeordnung für bte Rhem- provinz angekündigt worden. Die Frage wegen Auf­hebung der Stolgebühren und Verlegung des Buß­tages soll auch noch zur Erörterung gelangen. x$m Laufe dieses Sornfer» .ist noch cht E»tW< ausge­arbeitet worden, welcher die Gewährung von Alters- zulaqen für Kanzlei- und Kassenbeamten bezweckt; schließlich ist wohl noch die Novelle zur Bergordnung von 1865 zu erwarten. , „ ,

* Der Bundrsrath beschloß gestern auf Antrag des Reichskanzlers, daß den kaiserlichen Beamten, welche in den deutschen Schutzgebieten eine längere, als einiahrtge Verwendung gefunden haben, die daselbst zugebrachte Dienstzeit der Pensionirung doppelt in Anrechnung zu bringen ist. Genehmigt wurde ferner, daß in Duis­burg gemifchte Privat-Transit-Lager ohne amtlichen Mitverschluß für Getreide u. f. w. zugelassen werden. Mit dem nachträglichen Beitritt Bulgariens zu den Vereinbarungen der Berner Eifenbahn-Konferenz vom 15 Mai 1886 erklärte sich der Bundesrath einver­standen, ebenfo mit der Verleihung von Korporations­rechten an die Asttolabe-Compagnie in Berlin. Wetter wurde die Vorlage betteffend Aenderung der Vor­schriften wegen Entwerthung der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsrnarken erledigt und endlich dem Anträge des allgemeinen Knappschaftsvereins zu Bochum auf Zulaffung zur selbstständigen Durchführung der Jnvaliditäts- und Altersversicherung entfprochen.

* Die nächste Plenarversammlung des deutschen Sandelstages wird am 15. und 16. Januar in Berlin stattfinden. Einen Hauptgegenstand der Tagesordnung wird die Veranstaltung einer Weltausstellung m Berlin bilden. Der Ausschuß des Handelstages hat sich mit überwiegender Mehrheit für das Projett er­klärt und es ist wohl zu erwarten, daß die Plenar­versammlung diesem Beschlüsse zustimmen wird. Der Generalsekretär des Handelstages, Konsul Annecke, der bereits in der Ausschußsitzung über das Thema refertrte, wird auch in der Plenarversammlung als Referent

daß im Abgeordnetenhaufe ein Gesetzentwurf zu erwarten sei, durch welchen die Erbschastsauflegung in allen Fällen, auch wenn überlebende Gatten und Kinder erben, ver­fügt wird. Dadurch sollen Steuerhinterziehungen anS Licht gebracht werden. Demgegenüber ist daraufhmzu- weisen, daß die Mehrheit der Kommission des Abge­ordnetenhauses, welche das Einkommensteuergesetz vor- berathen hat, eine entsprechende Bestimmung in den Entwurf ausgenommen hatte, nachoem selbst Finanzmi- minister Miquel dieNoth Wendigkeit einer solch en Bestimmung bezweifelt hatte. Bor der ersten Selbsteinfchätzung eine derartige Vorlage anzukündigen, kann nur den an sich zu billigenden Zweck haben, un­zuverlässigen Steuerpflichtigen das Gewissen zu schärfen.

* München, 21. Dez. In den Ministerien toerben zur Zeit Zusammenstellungen ber Neujahrs-Orden gefertigt; die Ordens-Verleihung wird eine fehr um­fangreiche fein. — Zur Frage der Beamt en-Ge- halsaufbesserung fchreibt die ,Pfälzer Zeitung: Immer und immer wieder bringen sogenannte „gut» unterrichtete" Blätter in der brennend gewordenen Ge­haltsaufbesserungs-Frage Notizen, die leider nicht aller­seits nach ihrem wirklichem Werthe gewürdigt roerben und daher bei Bielen große Aufregungen und Bestür­zungen Hervorrufen. Wir sind in der angenehmen Lage, den leicht erregten Gemüthern zur Beruhigung die Ver­sicherung geben zu können, daß die CentrumS- Fraktion des Landtages von ihrer prinzipiellen Hal­tung in der erwähnten Frage, wie solche jüngst ganz besonders von einem hochgeschätzten Mitgliede präzisirt wurde, keineswegs abgeht, und demzufolge jede Regie­rungs-Vorlage, welche den Charakter der Einseitigkeit trägt, d. h. nur die pragmatifchen Beamten mit einer Aufbesserung bedacht wiften will, entschieden zurückweisen Hrh Mo der Hebel — au5 sozialen Gründen — an­zusetzen ist, das weitz Sie Senirumspu^i a'ä Volks- Partei sehr wohl. Darum abwarten!

* Leipzig, 22. Dez. Die am 21. Dezember tm hiesigen Deutschen Buchhändlerhaus zu Leipzig anwesen­den Vertreter der vereinigten Lokalausschusse beschlossen: Der allgemeine deutsche Buchdrucker­tarif vom 1. Januar 1890 hat auch über den 1. Januar 1892 hinaus bis auf Weiteres Gültigkeit. Ferner erklärten dieselben, daß sie aus die von dm ausständigen Gehilfen immer noch aufrecht erhaltenen Forderungen nicht eingehen und in dem ihnen aufge­drungenen Kampfe unentwegt ausharren werden. Zur Ausarbeitung eines Planes für die Errichtung von Unterstützungskaffen wurde eine Kommifsiou von vier Mitgliedern gewählt.