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Donnerstag, den 24. Dezember 1891
iS. Jahrgang
Die österreichischen Bischöfe haben jetzt in einem gemeinsamen Hirtenbrief den Gläubigen die Förderung der katholischen Blätter dringend an's Herz gelegt. „Möge es überall" — heißt es in dem Hirtenschreiben — „im katholischen Oesterreich als eine Ehrenpflicht angesehen worden, die katholische Presse zu unterstützen! . v Mögen Geistliche und Laien sich vereinigen, solche Blätter zu erhalten und zu gründen, welche die Aufgabe erfüllen, welche der heilige Vater der Presfe zuweist."
Und was die österreichischen Bischöfe ihren Diözesanen zurufen, das gilt für alle Katholiken der Welt — und allen Katholiken der Welt hat der hl. Vater zugerufen, der katholischen Presse „nach Maßgabe ihrer Kräfte und ihres Vermögens reiche Unterstützung zukommen zu lassen."
Wie aber sollen wir unsere katholische Presse unterstützen? Wir sollen sie unterstützen, dadurch, daß wir nur auf Centrums-Blätter abonniren, daß Jeder, dem es gegeben ist, für solche Blätter schreibt und sie zu verbreiten sucht.
tigen lassen, jetzt aber erinnerte es sich der Wirklichkeit und stolz richtete es den Kopf wieder auf. Ach, armes Aschenbrödel, der Prinz war zu Dir zurückgekehrt — aber er war nicht mehr frei!"
Sie löste mit unstäten Fingern seine Hände und entwand sich seinen Armen. Ein eigenthümlicher Ausdruck in ihrem Gesicht, hinderte ihn an jedem Widerstande. Dann trat sie einige Schritte von ihm zurück und ihre Augen blickten verzweifelt, aber auch entschlossen.
„Vielleicht habe ich diesen Schlag aus Ihren Händen verdient," sagte sie mit leiser Stimme, aber so leise sie auch war, so klang sie doch klar und fest. „Vor einem Jahre gab ich Ihnen das Recht dazu. Jetzt haben Sie Gleiches mit Gleichem vergolten, und ich hoffe, Ihre Rache ist nunmehr gekühlt. Ich kam zu Ihnen als die Verlobte eines Anderen, bot Ihnen Liebe aus einem Herzen, das in konventionellen Banden — aber immerhin in Banden lag — jetzt kommen Sie in gleicher Weise zu mir — das Schicksal verlangte seine Sühne."
Wie von Sinnen starrte er sie an, sein Blick sprach Fassungslosigkeit und Frage zugleich, aber er that keinen Schritt, ihr zu folgen, hob keine Hand, sie zn- rückzuhalten, als sie sich der Thür zuwandte, welche m ihr eigenes Zimmer führte.
„Erinnern Sie sich noch," fuhr sie, sich auf der »schwelle noch einmal zu ihm wendend, fort, „daß Sie
Em modernes Aschenbrödel.
Von Qrnlle Peuue.
Autorisirte Uebersetzung von Louise Koch.
(26. Fortsetzung.)
Sie hatte sich langsam erhoben und trat mit abwehrenden Händen von ihm zurück.
„Was soll das bedeuten?" fragte er noch einmal. „Zürnen Sie mir noch wegen der grausamen Worte, welche ich vor wenigen Tagen zu Ihnen sprach? O, meine süße Magda, vergib mir. Ich war wahnsinnig vor Schmerz und Aufregung; Du begegnetest mir so gleich- gtltig und mein eigenes, heißes Empfinden wollte dies nicht dulden. Du mußtest gleichfalls ?etwas für mich empfinden, und wäre es auch nur Haß, so dachte ich. Aber nicht wahr, Du wirst mich nicht hassen . . . ." rief der junge Mann leidenschaftlich, sie mit semen Armen umschlingend und auf das Mitleid heischende, flehende Gesichtchen niederblickend, „Du wirst mrr verzeihen, weil ich trotz alledem Dich liebte und nur die Tiefe, die Verzweiflung meiner Liebe, mich grausam machte!"
„Ihrer Liebe!" wiederholte sie in erschrecktem Tone, indem sie versuchte, sich seinen Armen zu entwinden. Ihr Herz aber jauchzte in leidenschaftlicher, wilder Freude auf.
„Ja, mein Lieb; Dein Bild hat in meinem Herzen gelebt bis zu dieser Stunde, obgleich ich mir alle
Berlin, 22. Dezember.
* Die Auszeichnung, welche dem Reichskanzler aus Anlaß der Annahme der Handelsverträge vom Kaiser zu Theil geworden ist, wird in den weitesten Kreisen des Volkes als eine wohlverdiente mit Freude begrüßt. Das Verdienst des Kanzlers um das Zu- I standekommen des großen Werkes ist unbestritten. Selbst Blätter, welche sich mit dem „neuen Kurs" noch immer nicht recht abzufinden wissen und sehnsüchtig nach dem Sachsenwalde schauen, müssen wie z. B. die ,Köln. Z^z' zuzestehen, bafi .fvrr i. Cav»-ivl sich mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit in' die schwierige und verwickelte Materie hineingearbeitet habe. Die Zeiten der einseitigen Jnteressenwirthschaft und der von Bismarck geförderten Züchtung von Börsen- und Jndustriemillionären ist vorbei. Alle Versuche, eine künstliche Beunruhigung zu erzeugen und so dem Altreichskanzler den Weg zu ebnen, sind vergebens. Die „neuen Bahnen werden eingehalten, trotz aller Verdächtigungen und Schwierigkeiten, die dem Kanzler und seinen Räthen von verschiedenen Seiten gemacht worden sind.
* Wie die .Kreuzzeitung'hört, hat zwar das Staatsministerium als solches noch nicht zu der umgearbeiteten Bolksschul-Borlage Stellung genommen; indeß sollen die bereits erfolgten kommissarischen Berathungen die Vorlegung des Entwurfs als gesichert erscheinen lassen, lieber den Inhalt des neuen Entwurfs hat die ,Nordd. Allg. Ztg.' einige Andeutungen gebracht. Die ,Kreuzzeitung' bemerkt dazu, daß diese Andeutungen sich in der Richtung bewegen, die sie wiederholt als ihren Wünschen entsprechend bezeichnet habe. Die ,Nat. Ztg.' fordert dagegen schon jetzt alle Liberalen
kW^Dri«ge«-^jNL ersuchen wir, die rückständigen Bestellungen für das erste Vierteljahr 1892
möglichst rasch bei den Uostanstalten noch machen zu wollen,damit das pünttlicheEin- treffen der Zeitung vom 1. Januar ab gesichert ill.
Zum Guartalswechsel.
Das laufende Vierteljahr neigt sich zu Ende und mahnt zur Neubestellung. Ohne Zeitung mag jetzt auch der schlichte Handwerker, der Arbeiter wie der Land- wirth nicht mehr sein. Und wirklich, ohne ein Blatt im Hause gehts nicht mehr in unserer bewegten Zeit.
Doch was sollen wir lesen? — Welche Zeitung soll's sein? — Die Beantwortung dieser Frage darf einem Katholiken nicht schwer werden. Er darf vor Allem kein Blatt im Hause dulden oder irgendwie unterstützen, das feindselig gegen seine Religion ist, und leider ist das Heer dieser Blätter sehr groß. Solche Blätter berichten zwar auch die Tagesereignisse, benutzen aber auch jede Gelegenheit, Religion nnd Kirche anzu- : greifen und zu verhöhnen. Wer nun solche Blätter liest ohne dringende Veranlassung, handelt gewissenlos und ■ thut seiner Religion Schmach an. Es gibt ja jetzt katholische Blätter genug, vortrefflich geschriebene, und es ist darum nicht nöthig, ein kirchenfeindliches zu halten. Dazu haben wir Katholiken sogar die Pflicht, unsere Presse zu unterstützen.
Daß dieses unsere Pflicht ist, ist von maßgebenden Personen schon öfters nnd nachdrücklichst hervorgehoben worden, von Männern wie Windthorst, von den Bischöfen, ja vom hl. Vater, dem Papste sel^t. Erst in diesem Frühjahr hat der hl. Vater ein Schreiben an die österreichischen Bischöfe gerichtet, in welchem er den Werth der katholischen Zeitungen betont und die I Bischöfe bittet, für Verbreitung zu sorgen. Der heilige Vater sagt wörtlich: „Derartige gute Schriften und Zeitungen, welche entweder täglich oder an bestimmten Tagen ausgegeben werden, tragen in der That viel in jedem Volke bei zum Nutzen für Religion und Staat sowohl, weil sie dieselben zunächst schützen und fördern, als auch, weil sie die Schriften der Gegner, welche sich auf's Schädigen derselben verlegen, entkräften und eine Ansteckung verhindern." Der hl. Vater fährt dann fort, es sei „durchaus nothwendig", den kirchenfeindlichen Blättern „andere entgegenzustellen, um so deren Geschosse abzustumpfen, ihren boshaften Trug aufzudecken, das Gift des Jrrthums abwehren und zu rechter pflichtmäßiger Tugendübung anspornen zu können." Zum Schluß wünscht der hl. Vater, „alle wahrhaftig katholischen Männer sollen denselben (den katholischen Blättern) jede Begünstigung und — nach Maßgabe ihrer Kräfte und ihres Vermögens reichliche Unterstützung zukommen lassen."
Mühe gab, es aus demselben zu bannen," antwortete er, während sein schönes Gesicht erglühte. „Es gelang mir; nicht. Während des ganzen Jahres schwandest Du nimmer aus meinem Gedächtnisse, Tag und Nacht standest Du in Deiner Lieblichkeit vor mir — und als Dich hier int Herbste wiedersah, da kehrte die alte Liebe zu Dir mit aller Gewalt in mein Herz zurück."
„Die alte Liebe!" wiederholte sie tonlos. Ihre Augen blickten starr, wie im Entsetzen, als sie sich abermals zu ihm wandten. Plötzlich brach sie in ein gellendes Lachen aus, das schrecklich durch den stillen Raum tönte. Ein Schauer überrieselte ihn.
War sie wahnsinnig geworden? Ethel's Verlobter, beinahe ihr Gemahl, denn der Hochzeitstag war schon festgesetzt, wie ihr Frau Mowbray gesagt, hielt sie in seinen Armen; er versicherte ihr, daß er sie stets geliebt, und seine Blicke senkten sich mit inniger, leidenschaftlicher Zärtlichkeit in die ihrigen. Das Zimmer drehte sich vor ihren Augen im Kreise, ein Klingen und Rauschen tönte ihr in den Ohren, des jungen Mädchens Kopf sank schwer an seine Brust.
„Mazda," _ flüsterte Alick zärtlich, die bebende, kraftlose Gestalt nur fester umschließend, „sprich zu mir, nur ein einziges Wort sprich, meine Magda!"
Der Ton mehr, als die Worte selbst, brachten das junge Mädchen zur Besinnung zurück. Eine kurze Spanne Zeit hatte es sich von dem Glücke überwäl
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auf, sich zu entschiedener Opposition gegen die Absichten des Kultusministers vorzubereiten.
* Der Reichstag wird sich nach Wiederaufnahme seiner Sitzungen znnächst der Erledigung des Etats zuwenden, der bekanntlich erst in erster Lesung erledigt ist. Es wird dabei namentlich zu lebhaften Kämpfen um die Forderungen im Militär- und Marine-Etat kommen. Von bereits eingegangenen Regierungsvorlagen sind außerdem noch zu erledigen: Das Krankenkassengesetz in dritter Lesung, der Schweizer Handels- Vertrag, die Verfassungsänderung wegen der Immunität der Abgeordneten, die Gesetzentwürfe wegen Bestrafung des Sklavenhandels, über die Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete, über das Telegraphenwesen, über die östereichischen Vereinsthaler und über die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften. Ueber das neue Material, das dem Reichstag noch zugehen wird, sind endgiltige Entscheidungen noch nicht getroffen.
* Großes Aufsehen machte vor einiger Zeit eine Entscheidung des Reichsgerichts, wonach neben dem angeklagten Redakteur auch der Korrektor der betr. Zeitung wegen „Beihilfe" zu einem preßgesetzliche« Vergehen zu verurtheilen sei. Allgemeiner Widerspruch erhob sich gegen diese Entscheidung, und mit Recht wurde darauf hingewiesen, daß man in logischer Folge demnächst auch Drucker, Verpacker rc. fassen könne. Jetzt liegt in der That ein solcher Fall vor. Wie früher gemeldet, ist gegen den ,Kladderadatsch' eine Anklage wegen Beschimpfung von Einrichtungen und Gebräuchen der katholischen Kirche erhoben, die durch Aeußerungen und bildliche Darstellungen betreffs der Ausstellung des heiligen Rockes in Trier veranlaßt ist. lieber den betreffenden Artikel des Witzblattes haben wir, schreibt die .Germania', s. Z. das Nöthige gesagt, aber mit her gegen denselben erhobenen Anklage haben wir es hier nicht zu thun, sondern mit den Per so neu, gegen welche nunmehr Untersuchung eingeleitet worden ist. Diese erstreckt sich nicht nur, wie selbstverständlich, gegen den verantwortlichen Redakteur, Herrn Trojan, und den Zeichner des Bildes, Herrn Jüttner, als Verfasser und Hersteller, sondern auch gegen denM a s ch in en- meister der Druckerei, in welcher die Nummer gedruckt wurde. Der ,Nationalztg.' liegt der Beschluß der Strafkammer II des königl. Landgerichts I über die Eröffnung des Hauptverfahrens vor. Es heißt darin wörtlich, dasselbe werde gegen den Maschinenmeister Deter eröffnet, weil er hinreichend verdächtig erscheine, „dem Jüttner und Trojan zur Begehung des Vergehens durch That wissentliche Hilfe geleistet zu haben, indem er die bildliche Darstellung und die Artikel zum Druck brachte." Wie dem Blatte weiter mitgetheilt wird, waren von der Staatsanwaltschaft s. Z. in der Hempel'schen Druckerei Nachforschungen angestellt worden, wer von dem Personal mit dem Druck der incriminirten Nummer zu thun gehabt hat. Als Thäter wurde Deter ermittelt. Mit diesem Vor- gehen der Staatsanwaltschaft scheint uns, sagt mit
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