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hatte Frau Mowbray sich besonnen und sie jetzt rufen lassen, um ihr die ersehnte Freiheit zu- schenken.

Nach der Dunkelheit des Schulzimmers und der Dämmerung der Halle blendete das grelle Licht der Bibliothek Magda's schmerzende Augen, und unwillkürlich bedeckte sie dieselben mit der Hand. Als sie diese nach einem kurzen Momente wieder sinken ließ, bemerkte sie, daß Frau Mowbray sich nicht allein im Zimmer be­fand. Mehrere Damen und auch einige Herren standen und saßen in verschiedenen Gruppen umher. Ethel, in einem schleppenden, weißen Sergekleide, stand am Thee- tische und hantierte mit chren zarten, weißen Fingern so eilig in dem alten Porzellan, daß es klirrte und ihr Diamantring nach allen Seiten Funken sprühte. Mazda blieb erschreckt auf halbem Wege stehen.

Die Bibliothek in Mowbray-Hall war ein verhältniß- mäßig langes und schmales Zimmer, dessen Glasthüren sich nach dem im Sommer grünenden, üppigen Rasen­platze öffneten. Die Wände wurden von Büchern in dunkelgrünen Einbänden bedeckt, und so machte dieser Raum für gewöhnlich einen düsteren, unheimlichen Ein­druck, welchen die wenigen Bronzebüsten, die hier und dort auf dunklen Postamenten standen, nicht abzuschwächen vermochten. Heute, indem, den unzähligen Gaslampen entströmenden Lichtmeere, bildete er indessen gerade wegen dieser Düsterheit einen wirkungsvollen Hinter­grund für die Damen in ihren hellen, mit SpitzenHbe- fetzten, duftigen Toiletten, und die schönen Herren, welche sich hier zusammengefunden hatten.

„Fräulein Lockhart," rief Frau Mowbray in heiterster Stimmung, „wir befinden uns in einem Dilemma! Wir bedürfen Ihrer Hilfe, um uns aus demselben zu be­freien."

Sämmtliche Herren hatten sich bei Magda's Ein­treten von ihren Sitzen erhoben, nur Sir Alick schenkte der jungen Gouvernante keine Beachtung. Einer von ihnen eilte sogar, nachdem er einen Blick auf Magda's bleiches Gesicht geworfen, herbei und bot ihr mit höf­licher Verbeugung einen Stuhl an. Ethel trat herzu und nahm des verwirrten jungen Mädchens Hand in die ihrigx.

„Es ist nichts Besonderes," sprach sie. „Wir wollen eine kleine, französische Komödie aufführen und da be­dürfen wir Ihrer unbedingt zum Besetzen einer Rolle, Frö-'lein Lockhart!"

„Dazu bin ich nicht fähig!" erklärte Mazda, mit einer pathetischen Geberde die freie Hand ausstreck. , als wolle sie einem gegen sie geführten Streiche wehren.

„Das haben wir Alle, zuerst auch gesagt, fiel eine junge Dame ein, welche sich in einen der weichgepol­sterten Lederstühle graziös zurücklehnte, „und ich fürchte fast, Einige von uns haben die Wahrheit dieser Be­hauptung schon vollauf bewiesen; dennoch verlieren wir den Muth nicht, wie Sie sehen."

„Und wir sind außer Stande, uns ohne Sie zu behelfen", fügte Frau Mowbray mit der Würde einer Herrscherin hinzu. „Meine Schwester spielt ebenfalls mit — ich hoffe, daß Sie sich nicht weigern werden."

Em modernes Aschenbrödel.

Bon Qnille Penne.

Autorisirte Uebersetzung von Louise Koch.

(24. Fortsetzung.)

Kapitel 11.

„Fräulein Lockhart, Mama wünscht Sie zu sprechen. Sie ist in der Bibliothek."

Die winterliche Abenddämmerung war bereits her­eingebrochen, und Margaret's klare Augen vermochten kaum die in der Fensternische zusammengekauerte, dunkle Gestalt zu erkennen, denn das Kaminfeuer war aus Vernachlässigung dem Verlöschen nahe und die Lampe noch nicht angezündet.

„Wo ist Deine Mama, Meg?" fragte Mazda.

„In der Bibliothek, ich sagte es Ihnen schon. Oh, Fräulein, wir spielen so hübsch Blinde-Kuh unten in der Halle."

Das Kind eilte von dannen und Mazda folgte ihm angsam. Als sie die große, dämmerige Halle durch- chritt, klang fröhliches Lachen an ihr Ohr; die Kinder, hübsche junge Mädchen und mehrere Herren bewegten sich lebhaft durcheinander, doch Niemand nahm die Notiz von der kleinen, schwarzen, schmächtigen Gestalt, welche im Hintergründe vorübereilte, um das Bibliothek­zimmer zu gewinnen.

Ein kurzes „Herein!" beantwortete der Gouvernante Klopfen; schnell öffnete sie die schwere, eichene Thür, ihr Herz schlug vor freudiger Hoffnung. Vielleicht

295 Dienstag, den 22. Dezember 1891. l8. Jahrgang

iildaer

der Haushaltung) gegen Feuer, sowie gegen Hagel und anderen Schaden;

4) die gesetz- oder vertragsmäßig zu leistenden Bei­träge des Besitzers zur Kranken- und anderen Versiche­rung seines Wirthschaftspersonals;

5) endlich die Ausgaben für den Ankauf von Sämereien, Futter, Dungmitteln, Rohstoffen rc. für alle Theile des Wirthschaftsbetriebes, für Gehälter und Löhne, und Grund- und Betriebssteuern aller Art. — Außerdem kann für Abnutzung der Gebäude und des Inventars ein angemessener Betrag des Nutzungswerthes in Abrechnung gebracht werden. Selbstverständlich sind auch auf dem Betriebe ruhende Lasten anderer Art, sowie die Zinsen von Schulden, die letzteren in ge­wisser Beschränkung, in Abzug zu bringen.

Der Ertrag von Nebenbetrieben, sowie von gewerb­lichen Unternehmungen, die in unmittelbarem Zusammen­hänge mit einem Landwirthschaftsbetriebe stehen, können mit dem Ertrage des letzten als Ganzes behandelt werden. Nicht damit zusammenhängende gewerbliche Unternehmungen sind unter Handel und Gewerbe ein­zuschätzen.

Bei zur Selbstbewohnung oder -Benutzung anderer Art dienenden Gebäuden ist der Ertrag nach dem orts- und zeitüblichen Miethswerthe und bei vermietheten Gebäuden und Wohnungen rc. nach dem wirklichen Miethvertrage zu berechnen. In Abzug sind zu bringen die Ausgaben für Instandhaltung und Reparatur (nicht aber für Umbau, Ausbau, bessere Ausstattung), für Versicherungen, für Staatsgebäudesteuer, für auf dem Grundstück ruhende Lasten, sowie ein angemessener Prozentsatz für Abnutzung.

Gottes, dieser Grund-Elemente, die für den Landwirth, wie er hier hauptsächlich vertreten ist, nothwendig sind. Ich möchte glauben, daß der Geber von Luft und Licht Diejenigen, die be­rufen sind, unter ihnen zu verweilen, in ihnen zu arbeiten und sich ihr Lebtag darin zu bewegen, die gerne Luft und Licht als ihr Eigen betrachten wollen, auch mit einem weiteren Blick und einem weiteren Horizont geschaffen hat. Ich habe das Gefühl und Ich hege keinen Zweifel, daß nicht nur die Landwirthe speziell dieser Provinz, sondern Meines gesammten Reiches die Empfin­dung haben werden, daß nach wie vor Wir zusammengehören. Wir mit einander^rrbeiten und mit einander fühlen und daß stets das alte Hohenzollern'sche Wort „Suum cuique“ auch int höch­sten Maße auf die Landwirthschaft in Anwendung zu bringen ist. Ich hege die Ueberzeugung, daß dieses Wort bei Ihnen fest im Herzen sitzt trotz aller Versuche, wie sie von verschiedenen Seiten her zur Erzielung des Gegentheils bei Ihnen gemacht werden."

Später erhob sich der Kaiser noch einmal, um fol- I gende Worte an die Versammlung zu richten:

„Meine Herren! Ich habe Ihnen eine Mittheilung zu machen, die vom Reichskanzler kommt: „Seiner Kaiser!, und Königl. Majestät melde ich unterthänigst, daß der Reichstag soeben die Handelsverträge mit Oesterreich-Ungarn, Italien und Belgien in dritter Lesung bei namentlicher Abstimmung mit 243 gegen 48 Stimmen angenommen hat." — Meine Herren! Wir verdanken dieses Ergebniß der Arbeit des Reichskanzlers v. Ca­privi. Dieser schlichte preußische General hat es verstanden, in zwei Jahren sich in Themata einzuarbeiten, die zu beherrschen selbst für den Eingeweihten außerordentlich schwer ist. Mit weitem politischen Blick hat er es verstanden, im richtigen Augenblick unser Vaterland vor schweren Gefahren zu behüten. Es ist selbst- verständlicb, daß einzelne Interessen Opfer bringen müssen, damit das Wohl des Ganzen vorwärts gebracht werde. Ich glaube aber, daß die That, die durch Einleitung und Abschluß der Handels­verträge für alle Mit- und Nachwelt als eines der bedeutendsten geschichtlichen Ereignisse dastehen wird, geradezu eine rettende zu nennen ist. Der Reichstag in seiner größten Mehrheit hat ge­zeigt, daß er den weiten politischen Blick dieses Mannes erkennt und sich ihm anschließt, und es wird dieser Reichstag sich einen Mark- und Denkstein in der Geschichte des deutschen Reiches da­mit gesetzt haben. Trotz Verdächtigungen und Schwierigkeiten, die dem Reichskanzler und Meinen Räthen von den verschieden­sten Seiten gemacht worden sind, ist es Uns gelungen, das Vater­land in diese neuen Bahnen einzulenken. Ich bin überzeugt, nicht nur Unser Vaterland, sondern Millionen der Unterthanen der anderen Länder, die mit Uns in dem großen Zollverband stehen, werden dereinst diesen Tag segnen. Ich fordere Sie auf, mit Mir das Glas zu leeren auf das Wohl des Herrn Reichs­kanzlers: Seine Excellenz, der General der Infanterie, General Graf Caprivi, er lebe hoch! und nochmals hoch! und zum dritten Male hoch:"

* An Stelle der für das sächsische Prinzenpaar gestern beim Kaiser im Neuen Palais geplanten Fest­lichkeit fand eine solche parlamentarischen Cha­rakters statt, zu welcher die Einladungen noch im Laufe der Reichstagssitzung ergangen waren. Bei dieser Ge­legenheit hatte auch der Reichskanzler, Graf Caprivi, Gelegenheit, dem Kaiser für die ihm zu Theil gewordene Standeserhöhung zu danken. Bei der Tafel brachte der Kaiser einen kurzen Trink­spruch auf den Reichskanzler aus, in welchem er die soeben angenommenen Handelsverträge als den Aus­gangspunkt einer neuen wirthschaftlichen Epoche feierte. Der Werthschätzung des Reichskanzlers gab der Kaiser auch nach Aufhebung der Tafel in der Unterhaltung Ausdruck, zu welcher sämmtliche geladene Abgeordnete ausnahmslos herangezogen wurden.

* Die Kandwtrthschast und das Einkommen­steuergesetz.

Das Einkommen als Grundvermögen ist nur insoweit steuerpflichtig, als die das Einkommen er­gebenden Grundstücke im Staate Preußen belegen sind. Grundvermögen in einem anderen deutschen Bun­desstaate, in den deutschen Kolonieen oder im Auslande bleibt der Besteuerung entzogen, auch wenn der Besitzer ein preußischer Staatsangehöriger ist und in Preußen wohnt.

Zum Einkommen aus Grundvermögen gehören selbstverständlich auch die Erträge von Grundstücken, die dem Steuerpflichtigen nicht eigenthümlich gehören, die er aber in Folge von Berechtigungen irgendwelcher Art erwerblich ausnutzt, also aus landwirthschaftlichen Pachtungen rc.

Bei Ermittelung des Einkommens aus landwirth- schastlichen Besitzungen ist der Reinertrag nach dem dreijährigen — für das Jahr 1892—93 ausnahms­weise nach dem zweijährigen — Durchschnitt zu Grunde zu legen.

Bei dem Einkommen des Verpächters aus ver­pachteten Grundstücken und Gütern ist sowohl der jährlich in Geld zu entrichtende Pachtzins, als auch der Geldwerth der in dem Pachtverträge für den Ver­pächter ausbedungenen Naturalleistungen des Pächters, sowie von Nutzungen, die sich der Verpächter etwa vorbehalten hat, zu verzeichnen. Die dem Verpächter verbliebenen Lasten des Grundstückes, soweit dieselben überhaupt abzugsfähig sind, sind hiervon in Abzug zu bringen.

Als Reinertrag landwirthschaftlichen Grundvermögens gilt die gesammte Roheinnahme nach Abzug bet Vewirihschasiungökosten Und unter Be­rücksichtigung des bei Beginn und Schluß des Wirth- j schastsjahres vorhandenen Bestandes an Vorräthen.

Der Einnahme sind zuzuzählen der Geldwerth aller Erzeugnisse, die zur Bestreitung des Haushaltes des Besitzers, zum Unterhalte seiner Angehörigen, sowie sür persönliche Bedienung, die Unterhaltung von Luxus­pferden rc. verwandt werden; ferner der Miethswerth der zur Bewohnung von dem Besitzer und seinen An­gehörigen, sowie zur Führung des Haushaltes benutzten Gebäude und der Geldwerth der Nutzungen von etwaigen Gerechtsamen gegen andere Grundstücke und gegen an­dere Zubehörungen.

Als Bewirthschaftungskosten gelten

1) die Ausgaben für Unterhaltung, aber nicht für die Erweiterung, den Neubau der dem Wirthschafts- betriebe dienenden Gebäude (einschließlich Taglöhner- wohnungen) ohne Anlagen; £ -a MH

2) jene für die Erhaltung und Ergänzung (dagegen nicht für Verbesserung und Vermehrung) des lebenden und tobten Wirthschafts-Jnventars;

3) für die Versicherung der Wirthschaft (nicht auch

Deutsches Keich.

Berlin, 19. Dezember.

* Die Annahme der Handelsverträge hat den Kaiser veranlaßt, dem Reichskanzler von Caprivi, den Grafentitel zu verleihen. Die Auszeichnung findet ihre nächste Parallele in der Verleihung des Grafen­titels an Herrn v. Bismarck - Schönhausen nach dem Kriege von 1866, sowie an die Generale v. Roon und v. Moltke nach dem deutsch-französischen Kriege.

* Der Kaiser hat gestern bei der Einweihung des neuen Teltower Kreishauses zwei bedeutsame An­sprachen gehalten. In Erwiederung einer Ansprache des Landraths Stubenrauch sagte der Kaiser:

„Wir feiern heute eins von den wenigen Festen, um die uns sämmtliche andere Nationen der Welt beneiden. Es sind dieses Feste, in denen der einfache Mann des Volkes mtt seinem Herr­scher zusammenkommt und sich nicht als Unterthan zum Herr­scher, sondern als Familienmitglied zum Familienvater fühlt, und das ist ein Band, welches nur in Deutschland und besonders bei uns in Preußen und Brandenburg möglich ist; es ist ein altge­schichtliches Baud und ist um so schöner, je enger und fester es sich schließen kann. Daß es Mir vergönnt ist, mit Ihnen zu­sammen dieses herrliche Haus einzuweihen, von dem es Mich freut, daß es diesem hohen Kreise zum Aufenthalt dient, gereicht Mir zur hohen Befriedigung. Sie erwähnten der beiden Haupt- Elemente, der Luft und des Lichtes, der Gaben unseres allgütigen

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