Zkitinns
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Mittwoch, den 16. Dezember 1891
18. Jahrgang
Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
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Deutsches Keich.
Berlin, 14. Dezember.
* Der Handelsvertrag mit der Schweiz ist heute dem Reichstage zugegangen. Durch denselben sind Deutschland (ebenso wohl wie Oesterreich - Ungarn) Zollermäßigungen und Bindungen bei 293 unter ins- gesammt 2476 Positionen zugestanden. Die Zollermäßigungen, die uns die Schweiz gewährt, betragen durchschnittlich 35 °/0 des neuen allgemeinen Tarirs, der allerdings nahezu prohibitirt ist. Sie beziehen sich in der Hauptsache auf Leinen-, Seide- und Wollwaaren sowie Konsektionsartikel. Die zollermäßigten Artikel stellen, gegenüber einem Gesammtwerth unserer Waaren- aussuhr nach der Schweiz von 180 bis 200 Millionen Mark, einen Werth von 86 M>ll. dar, während für einen Exvortwerth von weiterer 66 Mill, die schweizerischen Zollsätze in dem Vertrage gebunden sind. Die deutscherseits der Schweiz eingeräumten Zollermäßigungen, soweit dieselben nicht schon Oesterreich-Ungarn, Italien und Belgien zugestanden sind, betreffen Banm- wollengarn und Baumwollenwaaren, gewalztes Aluminium und Gold, Golddraht, Telegraphenkabel, Taschenuhren, lederne Treibriemen, Hartkäse sowie Seidenabfälle, Seidenzwirn und Seidenwaaren. lieber den Patent-, Muster- und Markenschutz soll wie mit andern Ländern, so auch mit der Schweiz ein besonderer Vertrag abgeschlossen werden.
* Während die Berathung der Handelsverträge bei uns in einem ziemlich schnellen Tempo vor sich geht und nur im Plenum vorgenommen wird ist dies in Oesterreich-Ungarn nicht der Fall. Im ungarischen Parlament beginnen die Plenarberathungen erst am Freitag und im oesterreichischen Reichsrathe dürften dieselben voraussichtlich nicht vor dem 10. Januar in Angriff -Genommen werden. — Die Verhandlungen zwischen I t a l i e n und der S ch w e l z, deren Einleitung bis in die letzte Zeit verschiedene Schwierigkeiten entgegenstanden, sollen nun, da eine Einigung erzielt ist, so bald als möglich in Rom eröffne: werden. Die Schweiz wird hierbei durch dieselben Delegirten vertreten sein, welche die Verhandlungen mit Oesterreich geführt hatten.
* Der ,Köln. Ztg.' wird geschrieben: „Die an der Aufstellung der Trunksuchtsvorlage betheiligten Kreise sind von der Abschwächung, die der Entwurf im Bundesrath erfahren hat, durchaus nicht erbaut. Man ist nun damit beschäftigt, den Entwurf nach den Bundesraths- beschlüffen umzuarbeiten und auch die Begründung darnach einzurichten. Die Regierung wird mit allem Eifer für die Annahme des Gesetzes eintreten, das der Staatssekretär v. Bötticher und der Unterstaatssekretär Dr. v. Rottenburg im Reichstage vertreten werden.
* Der Reichstag trat heute in die 2. Berathung der Handelsverträge ein. Zunächst wurden die einzelnen Artikel des Vertrages mit Oesterreich-Ungarn berathen. Abg. v. Massow (kons.) erklärte, die mit den Verträgen inaugurirte wirthschaftliche Schwenkung ebenso wenig mitmochen zu wollen, wie Minister v. Lucius,
gilt modernes Aschenbrödel.
Bon Quitte Peuue.
Autorisirte Uebersetzung von Louise Koch.
(19. Fortsetzung.)
Kapitel 8.
Das Vergnügen hatte seinen Höhepunkt erreicht, und das Terrain des Ballspiel-Klubs von Trentham bot in dem sonnigen Septembernachmittage ein buntes, interessantes Bild von vornehmen Gepräge. Die Elite der Nachbarschaft war in großer Zahl vertreten. Frau Miles Mowbray's Gegenwart genügte, um Viele herbeizulocken, welche sonst zu Hause geblieben wären, und nicht wenige Herren kürzten ihre Jagden ab, um ein freundliches Lächeln aus der schönen Dame blauen Augen zu gewinnen. Mazda und ihre Schülerinnen fnhren dicht an das Gitter heran, durch welches der Eingang zum Spielplätze führte.
Mehrere Wagen hielten unter einem Dache, das von herrlichen Birken gewölbt wurde. Einige der Jn- sasfen hatten ihre Equipagen verlassen und sich unter die Zuschauermenge begeben, andere hatten ihre Plätze behalten, um von hier aus besser die Spieler und das Treiben der Menge beobachten zu können. Frau Mowbray's Equipage stand leer, der Groom hatte die Pferde ausgcspannt. Im Hintergründe des Platzes erhob sich ein Kiosk, in welchem eine Musikkapelle konzertirte; da-
der deshalb sein Portefeuille aufgegeben habe. Abg. Leuschner (Rp.) trat der Legende entgegen, daß die Handelsverträge der Industrie erhebliche Vertheile brächten, stimmte aber aus politischen Gründen dafür. Der Landwirthfchast fei wirkungsvoll durch Valutaänderung zu helfen. Staatssekretär Dr. v. Bötticher rechtfertigte den Vertragstarif in seinen wesentlichsten Positionen und zugleich die Aufhebung des Verbots der amerikanischen Schweimfleischeiufuhr. Die trichinös befundenen Stücke seien auf illegalem Wege hereingebracht worden. Abg. v. Schalscha (Cir.) bekämpfte die Verträge, durch die dem Landmann das Absatzgebiet geschmälert und — infolge der durch den Zoll- einnahmeausfall bedingten Erhöhung der Matrikular- beiträge — höhere Steuern auferlegt würden. Prinz Carolath (bei keiner Fraktion) begrüßte die durch die Verträge herbeigeführte Herabsetzung der Getreidezölle freudig, da durch die übermäßigen Zölle ein namenloser Haß gegen den Grundbesitz genährt werde. Abg. v. Kleist-Retzow (kons.) sprach gegen die Verträge, durch welche die Landwirthschast einen schweren Schlag erhalle und die mir unseren politischen Bündnissen nichts zu thun hätten, da diese durch Existenz-, Macht- und Rechtsfragen bedingt seien. Staatssekretär Frhr. v. Marschall erwiderte, daß, wenn durch wirthschaftliche Verträge auch einzelne Interessengruppen verstimmt werden möchten, durch einen Zollkrieg ganze Nationen verstimmt und entfremdet würden. Abg. v. Pfetten (Ctr.) äußerte namentlich Bedenken gegen die Zollermäßigungen für Mühlenfabrikate, stimmte aber den Verträgen zu, während Abg. Lutz (kons.) dieselben vom Standpunkte des kleinen bäuerlichen Besitzes bekämpfte. Staatssekretär v. Maltzahn legte dar, daß die Zollausfälle bei der vorsichtigen Aufstellung des Budgets wahrscheinlich kein erhebliches Zurückbleiben hinter dem Anschläge zur Folge -haben würden. Abg Wisser (wtldlib.) ist bereit, dem Reichskanzler auf der Bahn weiterer Zollherabsetzungen zu folgen. Abg. Möller (ntl.) führte aus, daß hinsichtlich der Jndustriezölle der Vortheil auf Seiten Oesterreichs fei. Er hätte gewünscht, daß die Interessenten gehört worden wären. Staatssekretär v. Bötticher entgegnete, daß Letzteres in ausreichender Weise geschehen sei. Abg. Menzer (kons.) bestritt dies und erklärte, gegen die Verträge, namentlich mit Rücksicht auf die aus denselben zu gewärtigenden Schädigungen des deutschen Weinbaues zu stimmen. Hierauf wurde die Weiterberathung auf morgen vertagt.
* lieber Windihorst und Bismarck wird der ,Germ/ von geschätzter Seite „vom Rhein" geschrieben: Bei einem Besuche, den Excellenz Windthorst selig in vorletzten Sommer von Ems aus uns machte, kam die Rede auf die jetzt vielbesprochene letzte Zusammenkunft Windthorst's mit Bismarck. Excellenz äußerte sich, sowie wir uns genau erinnern, wörtlich wie folgt: „Ich hatte das merkwürdige Schicksal, an sein politisches Sterbebett gerufen zu werden. Wir unterhielten uns über fast alle brennenden Fragen des Tages, und es gehört diese Unterredung zu den interessantesten Stunden meines Lebens."
neben wurde in einem großen, weiß und roth gestreiften Zelte, Thee geschänkt. Zur Seite war ein kleineres Zelt errichtet, das, auf einer Erhöhung liegend, weit und breit sichtbar war; in diesem sollte die Preisver- theilung stattfinden. Von dem dunklen, dichten, sauber geschorenen Rasen in der Mitte hoben sich die Hellen, farbigen Kleider der Damen wie bunte Blumen ab.
„Ist es nicht reizend hier, Fräulein Lockhart?" fragte Magda's jüngste Schülerin, während sie an deren Hand nach jenem Theile des Platzes ging, wo Fran Mowbray sich niedergelassen hatte.
Mazda antwortete, daß auch sie von dem Anblick ergötzt sei, und in der That übte diese Abwechselung, nach der Eintönigkeit des Schulzimmers und der Oede des Schloßgartens von Mowbray-Hall, einen wohl- thätigen Einfluß auf sie aus. Langsam durchwanderte sie die Wege, aber kein Gesicht leuchtete in freudigem Erkennen auf, wenn die zarte, schwarz gekleidet« Gestalt mit den flachshaarigen Kindern in Sammtkleidern, breiten Schärpen und Cromwellschuhen nahte.
Eihel spielte soeben eine Partie mit einem schönen, dunkeläugigen Mädchen, welches in die Klubfarben, kardinalroth und grau, gekleidet war. Beide Damen spielten ausgezeichnet und zogen die Aufmerksamkeit der ganzen Umgebung auf sich. In Ethel,s Nähe war ein Stuhl leer und Mazda ließ sich auf demselben nieder. Die drei kleinen Mädchen ftanben neben ihr.
* Neber den neuen Lehrplan für die höheren Unterrichtsanstalten wird der „Schles.-Ztz." aus Berlin geschrieben: „Daß der Siebener-Ausschuß noch einmal mit der Frage befaßt werden wird, über welche derselbe seiner Zeit bereits befunden hat, ist gänzlich ausgeschlossen. Dem Landtage wird eine die Lehrpläne betreffende Denkschrift zugehen. Eine weitere Inanspruchnahme der Landesvertretung ist nicht in Aussicht genommen, da Geldmittel zur Einführung der neuen Ordnung der Dinge nicht erforderlich sind. Die Lehrpläne fallen von nächsten Ostern an Geltung haben. Das Sekunda-Examen soll zum ersten Male zu O.lern 1893 abgehalten werden.
* In den Monaten Januar bis mit November d. I. wurden im Reiche auf Grund des Alters- und Jnvaliditätsversicherungsgesetzes 128201 Altersrenten- Anspriiche anerkannt.
* Amtlicher Statistik zu Folge fanden im deutschen Reiche i. I. 1890 14 Dampfkessel - Explosionen statt, wobei 18 Personen, davon 7 tödtlich, verunglückten. Während der 14 Jahre 1877—90 betrug die Zahl der Dampfkessel-Explosionen im Reiche 214, wobei 577 Personen verunglückten, von denen 194 gelobtet und 116 schwer verletzt wurden.
Ausland.
* In der italienischen Kammer hat, wie mitge- theilt, in der letzten Woche eine fünftägige Verhandlung stattgefunden, die für die Katholiken ein großes Interesse hat, weil dieselbe sich besonders mit der Kirchenpolitik der italienischen Regierung und mit der römischen Frage beschäftigte. Diese Debatte war ein Nachspiel zu der von uns in der vorigen Rundschau besprochenen Erklärung des österreichischen Ministers Grafen Kalnoky, in welcher schärfer als es bisher irgend ein Minister gethan hat, das Vorhandensein einer römischen Frage anerkannt und die volle und würdige Unabhängigkeit des hl. Stuhles verlangt wurde. Daß es eine römische Frage wirklich gibt, beweist schon die fünftägige Verhandlung darüber in der italienischen Kammer. Trotzdem versicherte der Ministerpräsident di Rudini, daß es eine Frage dieser Art nicht gebe und daß die Frage durch das sogenannte Garantiegesetz enbgUtig und vortrefflich gelöst sei. Aber auch bieg ist durch den Verlauf der Debatte in der italienischen Kammer vollständig widerlegt worden. Wenn Rudini von der „Unerschütterlichkeit" des Garantiegesetzes sprach, so mag er ja persönlich für jetzt und vielleicht auch so lange er italienischer Ministerpräsident bleibt, das Garantiegesetz „unerschüttert" aufrecht erhalten wollen. Aber gleich darauf erklärte sein Amtsvorgänger Crispi, daß er eine Abänderung des Garantiegesetzes, d. h. eine Verschlechterung der Sage des hl. Vaters herbeigeführt haben würbe, wenn nicht ber Ministerwechsel dazwischen gekommen wäre. Wir gönnen es Herrn v. Rudini, daß ihm am Schlüsse ber Debatte für feine innere und Kirchenpolitik mit 248 gegen 92 Stimmen ein Vertrauensvotum ertheilt worden ist, und daß er damit über seinen Gegner Crispi
„Ich hoffe, Tante Ethel wird gewinnen," sagte Margarethe.
„Ich auch," antwortete Mazda, das Spiel aufmerksam verfolgend.
„Dort drüben ist Mama!" rief Lily Mowbray eifrig. „Sieht sie nicht bezaubernd aus, Fräulein Lockhart ?"
Mazda blickte quer über den Platz nach ber Stelle hin, wo Frau Mowbray Hof hielt. Sie war von Kopf bis Fuß in prachtvollen, grünen Sammt getleibet. welcher ihren zarten Teint unb das goldige Haar wunderbar hervorhob. Graziös ruhte sie in einem Schaukelstuhle und, scheinbar gelangweilt, lieh sie ber Konversation von drei bis vier Herren nur widerwillig ihr Ohr.
. „Ist sie nicht reizend?" fragte Lily eifrig weiter, „Ist das Kleid, welches sie trägt, nicht prächtig? Möchten Sie nicht auch ein solches haben, Fräulein? Ich möchte es schon. Aber Sie tragen ja immer Schwarz!" In dieser Weise plauderte das kleine, lebhafte Geschöpfchen weiter, ohne zu bemerken, daß es keine Antwort erhielt. „Tante Ethel hat nie so schöne Kleider, wie Mama," fuhr sie fort, „auch nicht halb so viel. Ich glaube, Mama könnte an jedem Tage des ganzen Jahres ein anderes Kleid anziehen, wenn . . . Fräulein Lockhart" — rief sie plötzlich in verändertem