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V 288 Sonntag den 13. Dezember 1891. i8. Jahrgang

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SSW Zweites Blatt.

Die Weinsrage und die Handelsverträge.

* lieber die Weinfrage äußert sich die Denk­schrift zu den Handelsverträgen in einer Anmerkung folgendermaßen:

. „Der Schwerpunkt der deutschen Konzessionen bei dem Han­delsverträge mit Italien liegt auf dem Gebiete unserer Finanz- Zölle. Im Jahre 1883 beschränkten sich die bezüglichen Zuge­ständnisse im Wesentlichen aus beträchtliche Zollermäßigungen für frische und getrocknete Südfrüchte. Diesmal war ein Vertrag mit Italien unter Aufrechthaltung unseres Weinzolls (für Faßwein) nicht mehr zu erreichen. Es gelang zwar, die allgemeine Er­mäßigung des Zolls für Faßwein auf ein verhältnißmäßig geringes Maß — von 24 Mk. aus 20 Mk. für 100 Kgr. — «inzuschränken und dadurch einer für unfern Weinbau besonders unerwünschten erheblichen Erleichterung der Einfuhr von fertigen Trink- und Tafelweinen zu begegnen. Weiter war aber eine Herabsetzung des Zolls für eingestampfte frische Wein­beeren von 15 Mk. auf 4 Mk., sowie für rothen Natur­wein und Most zu rothem Wein — von einem bestimm­ten Mindestgehalt an Alkohol bezw. (im Most) an Traubenzucker, sowie an trockenem Extrakt — zum Verschneiden unter Kontrolle auf einen Zollsatz von 10 Mk. nicht zu vermeiden. Die Verein­barung einesSatzes von lOMk. für Wein zur Co gnac-Be- reitung liegt auch im Interesse der deutschen Cognac-Brenne­reien, welchen geeignetes inländisches Material zu entsprechenden Preisen in ausreichender Menge nicht zur Verfügung steht und die Verarbeitung ausländischer Weine in größerem Umfange des hohen Zolles halber nicht möglich ist. Bei dem jetzigen Zollsatz für Faßwein stellt sich wegen der außerdem zu entrichtenden Branntwein-Materialsteuer und Verbrauchs-Abgabe die steuerliche Belastung des int Inlands aus ausländischem Wein hergestellten Cognacs in der Thal beträchtlich höher als der Zoll, zu dem das ausländische Fabrikat eingeführt werden tonn. Die Erleich­terung der Einfuhr von eingestampften Trauben und von rothem Berschnittwein und Most wird, wie man hoffen darf, die Folge haben, daß dadurch der Kunstwein-Fabrikation in Deutschland einigermaßen der Boden entzogen und der im gewissen Umfang bereits vorhandene, auf der Vermischung geeigneter in- und aus­ländischer Weine beruhende Weinhandel der wünschenswerthen weiteren Entwickelung zugeführt wird. Deutschland ist wegen der geringen eigenen Produktion an Rothwein auf ausländisches Er- zeugniß angewiesen. Biefach sind auch die deutschen Rothweine von blasser Farbe und arm an Alkohol und Extrakt-Gehalt, mit­unter auch zu säurereich. Um eine den Anforderungen der deutschen Konsumenten entsprechende Maare herzustellen, bedarf es der Vermischung dieser Weine mit entsprechenden Mengen geeigneter ausländischer Rothweine von großer Farbendichte. Eine derartige Vermischung findet in Deutschland schon jetzt statt, jedoch nur in einem verhältnißmäßig geringen Umfange, da der jetzige Zollsatz für ausländischen Wein das Berschnittgeschäst in Deutschland weniger lohnend macht als in andern Ländern. Der französische Weinhandel verdankt die Erhaltung seiner Welt­stellung während der größten, durch die Phyllorera angerichteten Verheerungen nicht zum geringsten der nur einem Zoll von 2 Franken für das Hektoliter unterliegenden Einfuhr ausländischer Weine und der Zollfreiheit der Keltertrauben. Im Jahre 1889 wurden mehr als 14 Millionen Hektoliter Wein und Most und außerdem noch sehr beträchtliche Mengen von Keltertrauben nach Frankreich eingeführt. Es wäre für Deutschland von großer wirthschaftlicher Bedeutung, wenn es gelänge, an Stelle des Bezuges fertiger, größtentheils vermischter und fabrizirter ausländischer Weine mehr den Bezug von Roh- und Verschnitt-Material zu setzen. Zu der allgemeinen Ermäßigung unseres Faßweinzolls auf 20 M. ist zu bemerken, daß der geltende Zollsatz von 24 M. für die meisten zur Verzollung gelangenden Faßweine einem hohen Prozentsatz des Werthes entspricht. In den Generalüber­sichten des deutschen Waareuverkehrs mit dem Auslande in den Jahren 1888, 1889 und 1890 ist der Wertb des verzollten Weines und Mostes aus beziehungsweise 48 M, 60 M. und 53 M. 40 Pf. für 100 Kilogr. geschätzt. Die berechtigten Interessen des deutschen Weinbaues erscheinen hiernach auch durch einen Zoll von 20 M. der vom Gewichte der Flüssigkeit einschließlich des Fasses erhoben wird, aus­reichend geschützt. EinSchutzbedürfniß gegenüber der aus­ländischen Weineinfuhr kann übrigens nur für den durch Lage und Bodenbefchaffenheit wenig begünstigten Theil des deutschen Weinbaues anerkannt werden; auf die Preisgestaltung der bessern deutschen Weine übt die Konkurrenz der ausländischen Weine kaum einen Einfluß. Unser Weinzoll ist auch in erster Linie stets als Finanzzoll angesehen worden. Derselbe hat schon zwei­mal den Gegenstand von Transaktionen beim Abschluß von Handelsverträgen gebildet. Wein in Fässern unterlag im Zoll­vereinsgebiet bis zum 1. Juli 1853 einem Satz von 48 Mark für 100 Kilogr., später einem solchen von 36 M. Durch den deutsch-französischen Handelsvertrag vom Jahre 1862 wurde letzterer Satz mit Wirkung vom 1. Juni 1868 an auf 16 Mk. herabgesetzt Der Zolltarif vom 15. Juli 1879 brachte eine Erhöhung des letzteren Satzes von 24 M."

Nach dem Schlußprotokoll zum deutsch-österreichischen Handelsverträge sind als Verschnitt weine nur zu­zulassen, „solche rothe Naturweine und Moste, welche mindestens 12 Voluminalprozente Alkohol, beziehungs­weise in Most ein entsprechendes Aequivalent von Fruchtzucker, sowie im Liter bei 100 Grad Celsius mindestens 28 Gramm trockenen Extrakt enthalten, so­fern sie unter den vom Bundesrath festzusetzenden Kontrollen zum Verschneiden wirklich verwendet werden. Als Verschnitt wird erachtet, wenn der zu verschneidende weiße Wein mit Wein oder Most vor­stehend bezeichneter Beschaffenheit in der Menge nicht

über 60 Prozent, der zu verschneidende Rothwein mit dergleichen nicht über 33 Vs Prozent des ganzen Ge­misches versetzt wird."

Vermischtes.

* lieber die Influenza-Epidemie verhandelte der Berliner Verein für innere Medizin in seiner letzten Sitzung am Mon­tag. Den einleitenden Vortrag hielt Professor Reuvers, der über die Beobachtungen auf der Leydenffchen Klinik in der Charitee Nachricht gab. Leyden kann im Verfolg seiner bis­herigen Beobachtungen feststellen, daß die Exentisität der Epi­demie keineswegs die in den Jahren 1890—91 in Berlin beo­bachtete erreiche, während die gegenwärtige Epidemie sich durch schwere Fälle auszeichue. Sodann erstattete Geheimrath S. Gutt- mann Bericht über den Fortgang und Stand der Sammel­forschung über die Influenza-Pandemie der Jahre 1889—90. Derselbe wies darauf hin, daß — worauf Leyden und Bartels im März dieses Jahres bereits hingewiesen haben, die Influenza überhaupt noch nicht erloschen, sondern fort und fort sporadisch in Berlin gewesen sei — an vielen Orten, wie in Kopenhagen, die Epidemie überhaupt nicht aufgehört habe, in vielen Gegen­den Europas meilenweise wieder aufgetaucht sei, ihre Rundreise um die Welt aber fortgesetzt habe, um, nachdem sie im Osten, wo sie ihren Ausgang genommen habe, wieder angelangt sei, eine neue Rundreise zu unternehmen, wie die in Berlin und Paris und au anderen Orten gegenwärtig herrschende Epidemie zeige. Der Bericht über die Sammelforschung in den Jahren 1889—90, welcher bei I. F. Bergmann in Wiesbaden erscheint, wird demnächst herausgegeben. Demselben sind eine Reihe von Uebersichtskarteu beigegeben. Das Werk, welches der Initiative Leydeu's seine Förderung dankt, ist durch das zuverlässige Ma­terial (es lagen demselben 6000 Karten der Deutschen Aerzte zu Grunde), durch die sorgfältige Bearbeitung von Seiten unserer berufensten Fachmänner ausgezeichnet und bringt so manchen Aufschluß über den unheimlichen Gast, daß es den Aerzten und Behörden für ihre Maßnahmen, die zur Behandlung der Kranken und zur Verhütung der Erkrankung am geeignetsten sind, die Wege ebnen und öffnen wird.

* Die Regenschirme der Familie Balmaceda. Aus Paris berichtet man der ,91. Fr. Prck Zur Zeit als Balmaceda's Ge­stirn am hellsten leuchtete, bestellten einige Herren seines Hof­staates für ihn in Paris ent Geschenk, das dem General heuer zu Weihnachten überreicht werden sollte. Dasselbe bestand in drei Regenschirmen, die dem General und seiner Familie ange­sichts ihres Werthes sicher eine angenehme Ueberraschnng be­reitet hätten. Jeder dieser Schirme, der aus dem kostbarsten Seidengewebe, mit echtem, schwerem Goldgriffe, hergestellt ist, kostet nämlich fünfzehnhundert Francs, macht die artige Summe von viertausendfünfhundert Francs für drei dieser, sonst einfacher gehaltenen nützlichen Gegenstände. Nun kamen die Ereignisse, die Jedermann kennt, allein die Regenschirme befanden sich be­reits auf boher See, und so konnte dem Telegramme „Nicht abfeuden," keine Folge gegeben werden. Uebrigens weigert sich der Pariser Fabrikant auch energisch, die Waare, die jetzt mit Zoll- und Frachtspesen nahezu 6000 Francs kostet, zurückzu- nehmen, für die er auch, das glaubt man ihm ohne Betheuerung, nicht fo leicht Käufer findet. So dürfte die Sache int Prozeß­wege ausgefochten werden, was bei der Entfernung der klage­führenden Parteien den endgiltigen Preis der Regenschirme nicht vermindern dürfte.

* Wer kann's Jedem recht machen?

Lebst Du still der Welt entzogen, Sagt die Welt: es ist nicht recht! Wirfst Du Dich in ihre Wogen, Sagt die Welt: es ist nicht recht! Trinkst Du viel, so ift'S nicht recht! Trinkst Du nicht, so ist's nicht recht! Lügest Du, so ist's nicht recht!

Sprichst Du wahr, ist's gar nicht recht! Kurz: Du magst Dich hier aus Erden Wie Du immer willst geberden, Was Du thust, sei's gut, sei's schlecht, Alles ist der Welt nicht recht!

Literarisches.

Professor Tr. Paul Tschackert und die authentische« Gesetze deö Jesuitenordens. Ein offenes Wort. Von Paul von Hoeusbroech S. J. Berlin. Verlag der Germania, gr. 8«. Preis 1 Mark.

Zur Begründung der vielen Verläumdungen, welche über den Jesuitenorden verbreitet sind, glaubte der Universttäts-Pro- 'essor Tschackert auch einen Beitrag liefern zu müssen in einer Schrift: „Die Unvereinbarkeit des Jesuitenordens mit dem beut» chen Reiche an authentischen Gesetzen des Ordens nachgewiesen." Da diese Schrift Anspruch aus Wiffenschäftlichkeit macht und den abscheulichen Anschuldigungen gegen die Jesuiten eine festere Basis zu geben versucht, hat sich P. Hoeusbroech S. J. den Dank aller aufrichtigen Freunde der Wahrheit und Gerechtigkeit da­durch erworben, daß er die Ergebnisse der „Untersuchungen" des protestantischen Theologie-Prosessors einer eingehenderen Prü- üng unterzieht. Diese Prüfung ergibt nämlich, daß der akade­mische Lehrer einen bedenklichen Mangel an Geschichtskenntniß und eine auffallende Unkenntnis; der lateinischen Sprache besitzt, die Satzungen des Ordens entweder nicht verstanden hat oder falsch ausgelegt und daß die gesammten von ihm erhobenen An­schuldigungen hinfällig und daher die aus denselben gezogenen Folgerungen unrichtig, wohl aber geeignet sind, das Gift reli­giöser Verhetzung in einem paritätischen Staate auszustreuen. Besonders widerlegt werden hierbei die bekannten Anschuldigungen von dem unbedingten Gehorsam, dem Opfer des Gewissens, dem Lehrzwange, der Ausgabe der Liebe zu den Eltern und Ver­wandten, der Vaterlandslosigkeit und was alles damit zufammen- häugt. Wir empfehlen diese Schrift des hochw. P. Hoeusbroech S. J. der weitesten Verbreitung; sie bietet ein reiches Material, um den Verläumdungen gegen den Orden mit Erfolg entgegen» treten zu können.

Die katholischen Missionen. Jllustririe Mouatschrift. Jahr­gang 1891. 12 Nummern. Mk. 4 — fl. 2,40 ö. W. B. — Freiburg im Breisgau. Herder'sche Verlagshandlung. Durch die Post und den Buchhandel.

Inhalt von Nr. 12: Das Apostolat des hl. Aloysius von Gonzaga. — Die „St. Josephs - Missious - Gesellschaft des heiligsten Herzens", von Mill-Hill und ihr Werk. — Jakob Müllers Erlebnisse und Leiden in der Mission von Goa und in den Kerkern Lissabons. (Schluß.) — Na ch ri chteu aus den Missionen: Palästina (die barmherzigen Schwestern [Schluß)). Japan (Erdbeben); China (die Verfolgung in West-Hupe; der Islam in Mnnau); Britisch-Nordamerika (Mission am Atha- basca-Mackeuzie). — Miscelleu. — Für Missionszwecke. — Danksagung und Bitte. — Titel und Jnhaltsverzeichuiß zum Jahrgang 1891.

Illustrationen: Der hl. Aloysius von Gonzaga (Titel­bild. — Der Thurm von Belem. — Munauseu, Hauptstadt von Nüuuau. — Msgr. Fenouil, Apostol. Vikar von Munan. — Chinesische Marabuts. — Wiuterlaudschaft am Athabasea- Mackenzie. — Ein Schwerttänzer bei den katholischen Moxos- Judianeru. _____________

* Die Aschendorffsche Buchhandlung in Münster (Wests.) kündigt für die heutige Weihnachtszeit einige Novitäten an, die hervorragend zu Gefcheukwerken innerhalb des Fami­lienkreises geeignet sind. — Bon ihren im vergangenen Jahre mit Campe's und Robinson und Cooper's Der letzte Mohikaner begonnen „Prachtausgaben werthvoller Jugend­schriften" erschienen soeben drei weitere Bände (Baud 3 Her- der's Palmblätter, Baud 4 Cooper, Die Ansiedler, Band 5 DeutscheMärchen nach Bechsteiu). Die „Prachtausgaben" bringen dem Inhalte nach die werthvollsteu, gediegensten Jugend­schriften und zwar in der sorgfältigsten Bearbeitung, sodaß sie ohne Bedenken der Jugend in die Hände gegeben werden kön­nen. Hinsichtlich ihrer Ausstattung in Bezug auf Druck, Papier, Illustrationen, Einband sind es eben wahre „Prachtausgaben", welche durch kein ähnliches Unternehmen übertroffen werden. — Dazu zeichnen sie sich mit Rücksicht auf die Ausstattung durch ungewöhnlich billigen Preis aus.

Was, dieser kleine Hasten soll 3 Mark kosten? in dem Ba­zar gegenüber bekomme ich für denselben Betratz einen viel größeren Steiubaukasteu! Das glaube ich schon, erwiderte der Verkäufer, das sind Nachahmungen, bei mir dagegen bekommen Sie nur echte Anker-Steinbaukasten, nehmen Sie diesen Kasten nur ruhig mit, wenn er auch kleiner ist, Sie werden trotzdem viel mehr Freude damit bereiten, als mit den größeren Nachahmungen. Der Käufer nahm den Kasten, schien aber doch nicht recht befriedigt zu fein.

An dieses Vorkommnis wurde ich erinnert, als ich bei meinem diesjährigen ersten Weihuachtsrundgang vorwiegend nach Anker-Steinbaukasten fragen hörte. Ich suchte deshalb den mir zufällig bekannten vorjährigen Käufer auf und fragte ihn, wie er mit dem kleinen Kasten zufrieden gewesen sei. „O, sehr gut, man sieht es dem Dinge nicht an, welche Fülle von Unterhaltung darin steckt, ich kaufe diese Weihnachten einen Ergäuzuugskasteu! So oft ich mit meinem Jungen zusammen Baue, freue ich mich darüber, daß ich mich seiner Zeit nicht durch die Größe der Nachahmung verleiten ließ, diese zu kaufen, denn ich habe bei einem Bekannten einen solchen Kasten gesehen, das ist gar nichts gegen meinen Kasten." Einige Tage später hatte ich Gelegen­heit, ein gleich günstiges Urtheil über die Anker-Steiubaukasteu zu hören. Eltern und Kinder sind ganz entzückt von den Pracht­bauten und erfreut über die Einrichtung, vermittelst Ergäuzungs- kasteu den Stein- und Büchervvrrath jedes Jahr vergrößern zu können. Ich glaube deshalb allen Eltern diesen gediegenen Ge­schenk-Artikel in erster Linie mit dem Bemerken empfehlen zu sollen, daß dieRichtersche Anker-Steiubaukasteu-Fabrik in Rudolstadt auf Wunsch gern jedermann eine Preisliste zuseudet. [2747

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