>8. Jahrgang
Freitag den 11. Dezember 1891.
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Ein modernes Aschenbrödel.
Von Qmlle Penne.
Autorifirte Ueberfetzung von Louise Koch.
(15. Fortsetzung.)
„Mein Glück war nur von kurzes Dauer/ fuhr sie fort. „Nur wenige Minuten hatte es für mich Zelt. Ich ließ einen an Dich adrefsirten Brief fallen, und er fragte mich, wer Du mir fer'st."
„Und Du sagtest ..." t .
„Ein alter Freund von uns, von Philipp und mir, weiter nichts."
„Unb er glaubte Dir?" fragte Frank zweifelnd.
„Ja; doch meine Lüge war nutzlos. An demselben Abend noch, es war an jenem Abend, ehe Dein Telegramm kam, besuchten wir einen Ball in der Nachbarschaft. Auf diesem war auch Julia, Deine Schwester, zugegen. Ich wußte nicht, daß sie dort sei, sonst hätte ich ein Begegnen der Beiden verhindert. „Aber," fuhr sie mit matter Stimme, fein spöttisches Lächeln nicht beachtend, fort, „sie trafen zusammen, und Julia sagte ihm, daß wir verlobt sind. Als er mich später fragte, ob cs wahr sei, da wußte ich, daß es nutzlos wäre, abermals zu lügen!"
Jetzt erstarb ihre Stimme vollends. Die Erinnerung an die Scene auf der Terraffe beim Mondenschein war ihr so schrecklich, wie die Berührung einer frischen
Die Handelsverträge, n.
Die wichtigsten Zugeständnisse, welche deutscherseits bei den Handelsvertrags-Verhandlungen gemacht worden sind, wurden bereits mitgetheilt. Das Hauptgewicht fällt dabei auf die landwirthschaftlichen Zölle (Getreide, Vieh u.s.w.). Eine der dringlichsten Forderungen O e st e r- reich-Ungarns war daneben noch die Zollermäßigung für Glas und Glaswaaren, wofür mechanische Reciprozität und anderweite Vortheile gewährt wurden. Der deutsche Zoll auf Behänge zu Kronleuchtern von Glas, Glasknöpfe, nicht besonders benanntes massives weißes Glas, gepreßtes geschliffenes, polirtes, abgeriebenes, geschnitztes, geätztes und gemustertes Glas ist von 24 auf 12 Mark, der für Glasplättchen, Glasperlen, Glasschmelz und Glastropfen von 4 auf 2 M., der für farbiges Glas, Glasplättchen u. s. w. von 30 auf 15, der für anderes bemaltes oder vergoldetes (versilbertes) Glas und Glasflüsse (unechte rohe Steine) ohne Fassung von 30 auf 20, der für Glas- und Emaillewaaren in Verbindung mit anderen Materialien von 30 auf 24 Mark herabgesetzt worden. Die deutsche Gesammtausfuhr von diesen Maaren beträgt zum Th-il mehr als das Vierfache, zum Theil mehr als das Doppelte der Gesammteinfuhr, indesfen ist der Absatz nach Oesterreich-Ungarn wegen der dortigen leistungsfähigen Industrie nicht von Bedeutung. Einige Entschädigung gewähren die von Oesterreich-Ungarn zugestandenen Zollermäßigungen für gemeines, d. h. ungeschliffenes Hohlglas.
Der Schwerpunkt der deutschen Konzessionen bei dem Handelsvertrag? mit Italien liegt auf dem Gebiete unserer Finanzzölle. Im Jahre 1883 beschränkten sich die bezüglichen Zugeständnisse im Wesentlichen auf beträchtliche Zollermäßigungen für frische und getrocknete Südfrüchte. Diesmal war ein Vertrag mit Italien unter Aufrechterhaltung unseres Weinzolls (für Faßwein) nicht mehr zu erreichen. Es gelang zwar, die allgemeine Ermäßigung des Zolls für Faßweine auf ein verhältnißmäßig geringes Maß (von 24 auf 20 M. für 100 Kilogramm einzuschränken und dadurch einer für unseren Weinbau besonders unerwünschten erheblichen Erleichterung der Einfuhr von fertigen Trmk- und Tafelweinen zu begegnen. Weiter war aber eine Herabsetzung des Zolls für eingestampfte frische Weinbeeren von 10 auf 4 Mark, sowie für rochen Naturwein und Most zu rothem Wein — von einem bestimmten Mindestgehalt an Alkohol bezw. (in Most) Traubenzucker, sowie an trockenem Extrakt — zum Verschneiden unter Kontrole auf einen Zollsatz von 10 Mark nicht zu vermeiden. Die Vereinbarung eines Satzes von 10 Mark für Wein zur Cognacbereitung liegt auch im Interesse der deutschen Cogracbrennereien, welchen geeignetes inländisches Material zu entsprechenden Preisen in ausreichender Menge nicht zur Verfügung steht, und die Verarbeitung ausländischer Weine in größerem Umfange des hohen Zolls halber nicht möglich ist. Bei dem jetzigen Zollsatz für Faßwein stellt
sich wegen der außerdem zu entrichtenden Branntweinmaterialsteuer und -Berbrauchsabgabe die steuerliche Belastung des im Inland aus ausländischem Wein hergestellten Cognacs in der That beträchtlich höher, als der Zoll, zu dem das ausländische Fabrikat ein- gcführt werden kann. Die Regierung hofft, daß die Erleichterung der Einfuhr von eingestampflen Trauben und von rothem Verfchnittwein und Most die Folge haben wird, daß dadurch der Kunstweinfabrikation in Deutschland einigermaßen der Boden entzogen und der in gewissem Umfange bereits vorhandene, auf der Ver- mifchung geeigneter in- und ausländischer Weine beruhende Weinhandel der wünfchenswerthen weiteren Entwickelung zugeführt wird. Deutschland ist wegen der geringen eigenen Produktion an Rothwein auf ausländisches Erzeugniß angewiesen. Es wäre für uns von großer wirthschaftlicher Bedeutung, wenn es gelänge, an Stelle des Bezugs fertiger, großentheüs vermischter und sabrizirter ausländischer Weine mehr den Bezug von Roh- und Verschnittmaterial zu fetzen. ,
DiedeutscherseitsanB elgie ngemachtenZugeständniffe sind folgende: „Es wurden herabgesetzt der Zoll für rohe baumwollene Bettdecken von 80 auf 60, Tür bergt, gebleichte von 100 auf 80 unb für bergt gefärbte von 120 auf 90, für ganz grobe Gewebe von Baumwollenabfällen zu Preßtüchern, Putzlappen u. s. w. von 10 auf 7,50 Mk., für Eisenbahnaxen, -Radreifen und- Räder von 3 auf 2,50 M., für eisernes Kochgeschirr von 10 auf 7,50 M., für grobe eiserne Gewehrfedern- Hähne und -Läufe, nicht abgeschliffen von 60 auf 6, abgefchliffen von 60 auf 10, bergt feine, sowie polirte, lackirte u. s. w. von 60 auf 24, für Gewehrschlösser von 60 auf 24, für getrocknete Cichorien von 1 M. auf 80 Ps., für Kratzen, im Gewichte von minbestens 200 Kilogr. netto, von 36 auf 18, für Sohlleber, sowie Brüsseler- unb dänisches Handsckmhleder von 36 auf 30, für ungebleichtes einfaches unb gezwirntes Jutegarn, bis zu Rr. 8 englisch von 5 auf 4, über Nr. 8 bis 20 englisch von 6 ans 5, für accomodirten Nähzwirn aus Flachs u. s. w. (ausgenommen Baumwolle) von 70 auf 60, für Packleinwand aus Jute- ober Manilla-Hanf von 12 auf 10, für denaturirtes Erbnußöl in Fässern von 10 auf 6, für Oelsäure von 4 auf 3, für Papier zu Rechnungen, Etiquetten u. f. w. Frachtbriefen u. f. w vorgerichtet von 10 auf 6, für gewöhnliche Papiertapeten von 24 auf 18, für ungeschliffene Steinplatten unb bergt Steinmetzarbeiten von 3 auf 2,50 M., für glasirte Dachziegel unb Mauersteine und einfarbige unb glasirte Tonfließen von 1 M. auf 75 Pf. unb für Schmelztiegel, Muffeln, Kapseln, Retorten, feuerfeste Röhren unb Platten von 2 auf 1,50 M. pro Doppelcentner.
Ueber Einzelheiten schon jetzt etwas zu sagen, ist sehr schwer. Auch bürfte ein weitläufiges Eingehen auf Einzelheiten zur Gesammtwürbigung nur wenig beitragen. ’ Bei Beurtheilung bet Handelsverträge wird es gut sein, die großen Interessen im Auge zu behalten. Die Hauptfrage ist die, ob die unserer Landwirt h schäft aufgelegten Opfer nicht gegenüber den Wunde. Konvulsivisch zuckte es in ihrem Antlitz, ihre Augen wurden feucht und trübe und das matte Haupt fank nieder auf die Brust. Frank hatte sein Gesicht mit den Händen bedeckt, stumm und bewegungslos lehnte er am Kamin.
Einige Minuten lang unterbrach kein Laut das tiefe Schweigen. Magda versuchte zwei Mal zu sprechen, die unheimliche Stille beängstigte sie und sie fühlte, daß sowohl ihre Kräfte, als ihre Sinne allmählich schwanden. Sie fühlte sich erdrückt von ihrer Schmach, deshalb fürchtete sie, Frank's Blicken zu begegnen und seine Stimme zu hören — und dennoch sehnte sie sich nach derselben.
„Frank," flüsterte sie endlich — „oh, Frank, sprich zu mir! Willst Du, kannst Du mir nicht verzeihen?"
Frank erhob den Kopf und wandte sich ihr zu. Seine freundlichen, etwas gewöhnlichen Züge erschienen durch das Leid veredelt, durchgeistigt.
„Wenn ich Dir überhaupt etwas zu verzeihen habe, Magda, so ist dies voll und gern geschehen. Nur ich bin zu tadeln, ich mußte wissen, daß Liebe sich nicht erzwingen läßt. Du warst noch zu jung, um die Tragweite Deiner Handlung zu ermessen, um Dein eigenes Herz zu fennen. Sei glücklich, Magda," sprach er leise, stockend und voll tiefer Wehrnuth, „mit dem Erwählten Deines Herzens." Mit diesen Worten reichte er ihr freundlich seine bebende Hand.
unserer Industrie gebotenen Vortheile allzu drückend sind.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Dezember.
* Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig, hat sich im Auftrage S. M. des Kaisers heute zu dm Beifetzungsfeierlichkeite« des Kaisers Dom Pedro nach Lissabon begeben.
* Fürst Bismarck hat, wie die ,Post' hört, noch am vergangenen Freitag erklärt, er werde zur 1. Lesung der Handelsverträge nicht im Reichstag erscheinen.
* Der Srniorenkonvent des Reichstages (Vorstand und Vertrauensmänner der verschiedenen Parteien), trat heute Vormittag zusammen, um sich über die geschäftliche Behandlung der Handelsverträge schlüssig zu machen. Wie verlautet, ist man übereingekommen, von einer Ueberweisung an eine Kommission Abstand zu nehmen, damit die Verträge jedenfalls noch vor Weihnachten zur Erledigung kommen. Die Handelsverträge sind bereits morgen zur 1. Lesung auf die Tagesordnung gesetzt worden. Die Fraktionen haben heute särnrntlich Sitzungen anberaumt, um die Redner für die erste Berathung zu befigniren.
* Der Reichstag berieth heute über Anträge aus dem Haufe. Abg. Goldschmidt (dfr.) beantragte Aufnahme einer Bestimmung in das Handelsgesetzbuch, wonach Handlungsdiener berechtigt sein sollen, bei ihrem Abgänge ein Zengniß über Art und Dauer ihrer Beschäftigung zu fordern und wonach das Zeug- niß auf Verlangen auch auf Führung und Leistungen ausgedehnt werden soll. Abg. Dr. Hartmann (kons.) konstatirte, daß nur ein einziger Fall von Zeugniß- verweigerung zur gerichtlichen Entscheidung gelangt sei und erklärt es für fraglich, ob eines einzigen Falles willen der Erlaß einer Gesetzesnovelle angezeigt sei. — Abg. Singer (Soz.) befürwortete eine gesetzlich festzulegende vierwöchige Kündigungsfrist für Handlungsgehilfen. — Der Antrag Goldschmidt soll seiner Zeit im Plenum ohne vorherige kommissarifche Vorberathunz zur 2. Lesung gelangen. Abg. Bebel (Soz.) begründete dann einen Antrag der Sozialdemokraten auf Einsetzung von Reichstagskommissionen zur Untersuchung strittiger Thatsachen (Enquetekommissionen). Gegen den Antrag sprachen Abgg. Schrader (dfr.), Dr. Bachem (Ctr.) und Frhr. v. Manteuffel (kons.). Auch bezüglich dieses Antrages wurde von einer Kommisstonsberathung abgesehen, die 2. Lesung findet demnach ohne Weiteres im Plenum statt. Die weiteren Gegenstände wurden von der Tagesordnung abgesetzt. Der Präsident fetzte die 1. Berathung der Handelsverträge auf die morgige Tagesordnung, wogegen Frhr. v. Massow (kons.) unter Hinweis darauf, daß die Zeit zum sorgfältigen Studium der Vorlage zu kurz fei, Einspruch erhob. Abgg Graf Ballestrem (Crr.), Rickert (dfr.) und Dr. v. Marquardfen (ntl.) traten für den Vorschlag des Präsidenten ein. Voraussichtlich werde die
Ein gellendes, ohrzerreißendes Lachen tonte durch den stillen Raum.
„Mit dem Erwählten meines Herzens!" riefen Magda's bleiche Lippen, „mit dem Manne, dessen einziger Wunsch es ist, mich nie wiederzusehen, welcher kein Wort der Verzeihung, keinen Laut des Erbarmens für mich hatte und welcher, stürbe ich zu seinen Füßen, nicht die Hand ausstrecken würde, um mir in der Todespein beizustehen? Oh, Frank, Du hast mir gezeigt in Deiner grenzenlosen Güte, daß er mich nie geliebt," fuhr sie weich und reuig fort. „Was war das Unrecht, das ich ihm gethan, gegen mein Verbrechen an Dir? Und Du hast Verzeihung für mich. Frank, wenn Du willst, bin ich bereit, mein Dir gegebenes Wort einzulösen!"
Sie sprach in vollem Ernste und aus innerster Ueberzeugung. In jedem ihrer Worte lag Wahrhaftigkeit, und zitternd harrte sie feiner Entscheidung. Sie wußte selbst kaum, was diese Worte sie einst kosten könnten, welch einer schrecklichen Zukunft sie entgegen ging, wenn Frank ihr Anerbieten annahm. Einen Mann zu heirathen, während das ganze Herz mit seiner unendlichen Liebe einem Andern gehört! Leichter würde es sein, zu sterben — und dennoch war sie dazu bereit.
„Glaubst Du, ich würde ein solches Opfer von
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‘ ™ ,Rathgeber für Landwirthschaft, Gartenbau und Hauswesen in (yulba und auswärts 1 Mark oO Püning.