18. Jabrlian
Donnerstag, den 10. Dezember 1891.
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Die Handelsverträge, i.
Dem Reichstage sind, wie bereits gestern erwähnt tuuibe, die mit Oesterreich-Ungarn, Italien und Belgien abgeschlossenen Handels- und Zollverträge, sowie das gleichzeitig mit Oesterreich abgeschlossene Viehseuchen- Uebereivkommen zugegangen. Den Verträgen ist eine Denkschrift beigegeben.
Dieselbe konstatirt, daß, während bisher Deutschland für seine eigene Zollpolitik im Wesentlichen freie Hand behalten hatte, es doch in Folge des Meistbegünstigungsrechts in vollem Maße an den Vergünstig- ungen der europäischen Konventionaltarife theilnahm, daß dieser Zustand aber am 1. Februar 1892, dem Termin, bis zu welchem die französischen und die meisten übrigen europäischen Tarifverträge abgeschlossen bezw. kündbar waren, zu Ende geht. In Frankreich hat eine starke schutzzöllnerische Strömung die Oberhand, wozu die fortschreitende Entwickelung der protektionistischen Zollgesetzgebung in Rußland und Amerika kam. Die deutsche Reichsgesetzgebung entschloß sich dazu, der Weiterentwickelung der Absperrungstendenzen vorzubeugen und sich einen bestimmten Einfluß auf die demnächstige Nengestaltung des europäischen Zolltarifsystems im Sinne internationaler Verständigungen zu sichern. Eine solche wurde zunächst mit Oesterreich- Ungarn angebahnt, welches nächst Großbritannien unter den europäischen Staaten den ersten Platz in der Statistik unseres Außenhandels einnimmt. Ein Vertrag zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn berechtigte zu der Erwartung, daß derselbe zum Crystallisationspunkt für weitere Tarifverträge mit anderen Staaten werden würde. Diese Erwartung hat sich auch als zutreffend erwiesen: mit Italien, Belgien und der Schweiz sind Verträge vereinbart worden.
Die Denkschrift gibt zu, daß die deutscherseits gemachten Zugeständnisse, namentlich auch hinsichtlich der landwirthschaftlichen Zölle nicht unerheblich sind. Ohne ein Engagement auf dem Gebiete der deutschen Agrarzölle wäre aber die Einigung mit Oesterreich-Ungarn nicht zu Stande gekommen; auch überschreiten die bewilligten Reduktionen nicht dasjenige Maß, dessen Einhaltung zur Sicherung des für das Gedeihen der deutfchen Landwirthschaft erforderlichen Schutzes nach Lage der Verhältnisse unumgänglich schien. Auch die deutschen Jndustriezölle mußten mehrfache Ermäßigungen erfahren, doch bieten nach Ueberzeugung der verbündeten Regierungen die zugestandenen Gegenbewilligungen ein volles Aequivalent. Es steht zu erwarten, daß die gemachten Koncessionen auch noch anderen Staaten gegenüber geeignete Verwerthung finden werden. Durch die für einen Zeitraum von 12 Jahren vereinbarte Gültigkeit der Verträge ist die von der Geschäftswelt so dringend gewünschte Stabilität auf lange Zeit hinaus nach Thunlichkeit gesichert. Dem Vertrage mit Oesterreich-Ungarn ist der noch in Kraft stehende Vertrag von 1887 zu Grunde gelegt, welcher, abgesehen von den neuen Zolltarifbestimmungen nur wenige Aende-
Eiu modernes Aschenbrödel.
Bon Qnille Penne.
Autorisirte Uebersetzung von Louise Koch.
(14. Fortsetzung.)
„Du mußt Dich nicht so mit Selbstvorwürfen quälen," sprach Frank freundlich, indem er sich an Magda's Seite setzte und eine ihrer kleinen, kalten, kraftlos herabhängenden Hände in die {einigen nahm. „Er wollte ja nicht einmal, daß ich Dich von seiner Krankheit wissen ließ; er fürchtete, Du könntest Dich anstecken, und er war ja so oft besinnungslos, daß er Dich kaum vermißte. Er fühlte sich so glücklich in dem Gedanken, daß Du dort froh feist und Dich Deines Lebens freutest, daß . . ."
„Oh, schweig' davon!" rief sie plötzlich mit namenlosem Schmerz in Blick und Stimme. „Erinnere mich nicht daran, wie gütig er, wie selbstsüchtig ich gewesen 1 Wie konnte ich dort nur lachen, während er hier litt? Weshalb wußte ich nicht, daß er meiner bedurfte? Konnte mir's denn Niemand sagen, konnte denn nicht einmal eine Ahnung zu mir sprechen? War denn nichts — nichts —"
„Aber Mazda, ich schrieb Dir's ja", unterbrach er sie, während er zärtlich ihre Hand streichelte.
„Ja", antwortete Mazda bitter. „Aber ich las Deine Briefe erst, als es bereits zu spät war."
nmgen erfahren hat. Der gegenseitige Verkehr soll mit einigen Ausnahmen durch keinerlei Ein-, Aus- u. Durchfuhrverbote gehemmt werden. Die Ausnahmen sind dahin erweitert, daß die Zulässigkeit solcher Verbote auch auf alle die Gegenstände erstreckt ist, die in einem der betheiligten Staaten Gegenstand eines Staatsmonopols sind. Artikel 2 enthält die gegenseitige Meistbegünstigung hinsichtlich der Eingangsund Ausgangsabgaben und Durchfuhr, sowie die hiervon zulässigen Ausnahmen wie im bestehenden Vertrage.
Zur Begründung des mit O esterrei ch-Ungarn abgeschlossenen Biehseuchen-Uebereinkommens wird angeführt, daß die von Oesterreich - Ungam gewünschte vertragsmäßige Erleichterung des Viehverkehrs auch vom Standpunkte der deutschen Industrie aus wohl als zulässig erschien, daß es aber doch ein Gebot der Vorsicht blieb, den Vertrag so zu gestalten, daß beiden Theilen für Anordnungen zur Verhütung von Seuchenverschleppungen möglichst weiter Spielraum gelassen wurde. Von dem Vorbehalte eines Einfuhrverbots konnte deshalb nicht ganz abgesehen werden. Uebrigens soll der gesummte Inhalt der neuen Vereinbarungen nur auf eigene Provenienzen eines der vertragsschließenden Länder Anwendung finden.
Von den deutscherseits an Oesterreich-Ungarn und Italien zugestandenen Zollermäßigungen bezw. Beftei- ungen nennen wir Folgende: Weizen und Roggen erfahren eine Zollermäßigung von 5 auf 3,50 M., Hafer von 4 auf 2,80 M., Hülsenfrüchten von 2 auf 1,50 M., Gerste von 2,25 auf 2 M., Mais von 2 auf 1,60 M., Malz von 4 auf 3,60 M., Tafeltrauben von 15 auf 4 M., mit der Post eingehende Sendungen von Tafeltrauben von 5 Kilogr. Bruttogewicht und weniger von 15 auf 0M., Trauben der Weinlefe von 15 auf 10 M., andere frische Weinbeeren in Fässern oder Kesselwagen eingestampft u. s. w. von 15 auf 4 M-, Graphit in Tafeln oder Blöcken von 20 auf 2 M-, 100 Doppelctr. Bau- und Nutzholz von 2,40 auf 1,80 M., Bau- und Nutzholz gesägt von 6 auf 4,80 M. pro Festmeter; musikalische Instrumente, ausgenommen Klaviere, Harmoniums und dergl. von 30 auf 20 M., Korallen und Perlen von 600 auf 60 M., feine Galanterie- und Quincailleriewaarm von 200 auf 175 M.; Wein und Most in Fässern von 24 auf 20 Mk., rother Naturwein und Wein zur Cognacbereitung von 24 auf 10 M.; Butter, auch künstliche von 20 auf 16 M., Schweinefleisch von 20 auf 17 M.; anderes Fleisch von 20 auf 15 Mk., Wild von 30 auf 20 M., Geflügel von 30 auf 12 M., frifche Apfelsinen u. s. w. von 11 auf 4 M., getrocknete Feigen und Rosinen von 24 auf 8 M., Speiseöl in Flaschen oder Krügen von 20 auf 10 M., in Fässern von 10 auf 3 M., Marmor und Alabaster von 3 auf 2,50 M. pro Doppelcentner. Pferde bis zu 2 Jahren von 20 auf 10 M., Ochsen von 30 auf 25,50 M., Jungvieh und Schweine von 6 auf 5 M. pro Stück.
Oesterreich und Italien sind bei der Ermäßigung
„Woran lag daS, Mazda? Hattest Du keine Zeit?"
„Nein", erwiderte sie, in derselben, bitteren Weise, „ich hatte keine Zeit."
Ein kurzes Schweigen herrschte im Raume, während dessen man den Regen schwer gegen die Scheiben fallen hörte — ein schauriger melancholischer Ton. Mazda entzog Frank ihre Hand mit trotziger Geberde.
„Ich wünschte, es hörte endlich auf zu regnen", sprach sie erregt. Ich habe Gefühl, als schlüge jeder Tropfen einzeln gegen meinen Kopf — jeder Laut schmerzt mich."
„Armes, kleines Wesen!" sagte Frank bekümmert. „Wenn ich nur wüßte, wie ich Dir helfen könnte?"
„Mir kann Niemand helfen! Oh, mein Gott!" schrie sie, die Hände leidenschaftlich ringend, auf. „Weshalb nahmst Du mir meinen Bruder und ließest mich hier allein auf der kalten, trostlosen Erde zurück ?"
„Nicht allein, Mazda!" sprach der junge Mann zärtlich, indem er wieder eine ihrer Hände umfaßte und sie mitleidig anblickte. „Meine Mutter kommt Dich morgen besuchen", fuhr er nach kurzer Pause fort, als ob er ihre Worte, die ihn tief verletzten, nicht gehört habe. „Sie bedauert unendlich, daß eine Erkältung sie an das Haus fesselte und Du nun glauben könntest, sie vernachlässige Dich, meine Mazda."
„Sie ist fehr gütig, indeß," hierbei sprang das
unserer Einfuhrtarife gleichmäßig behandelt. D Ermäßigung unserer Einfuhrzölle auf fast alle Lebensmittel, sowohl der pflanzlichen wie die thierischen, ist eine ganz erhebliche. Es war längst bekannt, daß eine folche Ermäßigung eintreten werde. Dieselbe bildet nur die eine Seite des Abkommens, nämlich diejenige Seite, wo wir Oesterreich und Italien entgegenkommen, deren Landwirthschaft von diesem Theile' Handelsverträge eine ganz erhebliche Steigerung ihrer Einfuhr nach Deutschland oder einen Gewinn oder beides zu erwarten hat.
Deutsches Keich.
Berlin, 8. Dezember.
* Die Vorlegung der Handelsverträge in den verschiedenen Parlamenten und die daran sich knüpfenden Diskussionen nehmen augenblicklich das größte Interesse in Anspruch. In Oesterreich-Ungarn, sowie in Italien sind die betreffenden Gesetzesvorlagen zur Genehmigung der Handelsverträge eingebracht und die Vorlegung mit entsprechenden Ministerreden begleitet; der deutsche Reichstag wird stch voraussichtlich am Donnerstag damit beschäftigen.
* Die Börsen-Anträge werden, soweit bis jetzt feststeht, erst nach Beendigung der Weihnachtsferien im Reichstage zur Berathung gelangen.
* Der ,Reichsanzeiger' schreibt im nichtamtlichen Theile: Durch die Vorgänge der letzten Wochen auf dem Gebiet der Effrkten-Borse sind gerade die solidesten Kapitalisten lebhaft beunruhigt worden. Wir halten uns für verpflichtet, darauf aufmerksam zu machen, daß außer der Reichsbank auch die kgl. preu- ßifche Seehandlung, die als Staatsinstitut auch dem vorfichtigsten Deponenten genügende Sicherheit bieten wird, Effekten in Verwahrung nimmt, und zwar, wie wir hören, unter billigen Bedingungen.
• Von dem Minister der öffentlichen Arbeiten ist der ,Bresl. Ztg.' zufolge die Erstellung ermäßigter Ausnahmetarife für Mais aus Rumänien und Ungarn nach den Eisenbahn-Direktions-Bezirken Breslau, Berlin und Bromberg angeordnet worden. Die ermäßigten Sätze werden voraussichtlich noch im Laufe dieses Monats, spätestens aber wohl zum 1. Januar 1892 zur Einführung kommm und sollen bis 1. April 1892 gelten.
* Bon der untergegangenen Expedition Zelewski soll, tote die ,Oberfränk. Ztg.' aus Saadani erfährt, ein Europäer noch am Leben sein. Die Mittheilung foll von einem englischen Misstonar aus Mpwapwa nach der Küste gebracht sein.
* Neber die Frage der zweijährigen Dieustzeit geht durch verschiedene Blätter folgende offiziöse Notiz, die der Annahme entgegentreten soll, als beabsichtige die Regierung in nächster Zeit schon derselben gegenüber zustimmende Stellung zu nehmen: „In den Blättern wird man nicht müde, Meldungen bezüglich der zweijährigen Dienstzeit zu machen. Wir können wickerholt nur dringend anrathen, in dieser Beziehung keine allzu junge Mädchen Plötzlich auf und mit erregten Schritten das Zimmer durchmesfend, fuhr es fort: „Sie darf nicht kommen. Hörst Du, Frank? Deine Mutter darf nicht zu mir kommen!“
„Weshalb nicht?" fragte er, sich zu einem schwachen Lächeln zwingend. „Sie und mein Vater sind in gleicher Weise besorgt um Dich, und ich würde mich glücklich schätzen, Dich in ihrer Obhut zu wissen, bis es mir einst selbst gestattet ist, Dich zu lieben, wie bisher noch keine Frau behütet und geliebt wurde."
„Still! o still!" rief sie heiser, athemlos. „Sprich nicht weiter, Frank! Deine Worte thun mir weh — o, wie sie mich verwunden!" fügte sie hinzu, indem sie beide Hände an die keuchende Brust preßte.
„Wie ist das möglich, mein Herz? Du weißt, daß ich Dich liebe; Du weißt es, und ich sagte Dir auch, wie glücklich Philipp war, daß er Dich meiner Fürsorge überlassen konnte und Dich in ihr geborgen wußte."
„Ich weiß es!" antwortete sie in leisem, verzweifeltem Tone — „ich weiß, daß ihn dies glücklich machte, er felbst hat mir’« oft genug gesagt. Das aber ist es eben, was meine Reue, meine Herzenspein nur noch vergrößert."
„Deine Reue?" rief er, indem er wiederum versuchte, ihre Hand zu ergreifen. „Das ist ein sonderbares Wort!"