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JM 275_

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18. Jahrgang

citung

Samstag, den 28. November 1891.

Erscheint ttglich, Son» und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohs und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen' und der alle 14 Tage erscheinenden BratiSbeLnDr ,Rathgeber für Landwirthschast, Gartenbau und Hauswesen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

* Das gemeinsame Hirtenschreiben der österreichischen Kischöfe

liegt nunmehr im ,Wiener Vaterland' im Wortlaut vor. Mit Recht nennt das Blatt das Hirtenschreiben ein ernstes Wort in ernster Zeit. In Ausdrücken voll heiligen Ernstes, voll schwerwiegenden Gehaltes, voll übernatürlicher Kraft stellen die hochwürdigsten Theil- nehmer an der letzten bischöflichen Zusammenkunft die die höchsten Interessen der Menschheit bedrohenden Schäden der Zeit vor Augen, schildern in ergreifenden Worten die verheerenden Wirkungen der antichristlichen Propaganda und fordern in eindringlicher Weise zur Anwendung der einzig richtigen Heilmittel auf.

, Ein Kampf auf Leben und Tod ist auszufechten zwischen der christlichen und unchristlichen Weltan­schauung, und „in diesem Kampfe werden alle Grund­lagen in Frage gestellt, auf denen die Wohlfahrt der menschlichen Gesellschaft ruht": die staatlichen, gesell­schaftlichen, religiösen und sittlichen. Eine neue Bar­barei droht hereinzubrechen. Es gilt die Vertheidigung der höchsten Güter der Menschheit gegen die Angriffe einer unchristlichen Welt. Aber wer ist tauglich zu einem solchen Kampfe? „Nicht laue und träge Seelen" — so sagt uns das Hirtenwort — „sondern nur glaubens­eifrige Katholiken, die es im Leben und in derThat sind. Solche erzieht aber nur der enge Anschluß an die Heilswahrheiten und Heilsmittel der Kirche." Ganze Katholiken brauchen wir, jede Halbheit, jede Zwiespältigkeit, jede Theilung des eigenen Selbst zwischen Welt und Kirche ist von Uebel. Wer ist aber berufen, an dem großen Werke der christlichen Wieder­geburt mitzuarbeiten? Nicht Jeder, der da so oft als möglich die Worte „Christenthum" und „christlich" im Munde führt, sondern „nur dann ist man geeignet, das Reich Gottes ausbauen zu helfen, wenn man be­strebt ist, dasselbe zuerst im eigenenJnnern aus­zubauen."

Das Hirtenschreiben verbreitet sich sodann des Näheren über die Bedeutung und das Wirken des kirchlichen Vereinswesens. Als kirchliche Ver­eine sind solche zu betrachten, die unter der Leitung der Kirche stehen, und „nur dann werden die Vereine heilsam wirken können, wenn ihre Mitglieder wahre Katholiken sind." Es ist der Wunsch der Bischöfe, daß solche Vereine in keiner Pfarrei fehlen sollen, wo immer die Verhältnisse deren Bildung gestatten; aber es sollen „auch alle Mitglieder der kirchlichen Vereine eifrige katholische Christen sein, damit sie durch dieselben Segen empfangen, aber auch Segen verbreiten." Auf die vom hl. Vater empfohlenen größeren periodischen Katholiken-Versammlungen wird gleichfalls hingewiesen.

Ausgehend von der Familie, als der „Vorschule für das Werk des ewigen Heils," handelt das Hirten­schreiben von der christlichen Erziehung und Schule. Eine Erziehung, die auf die Frage nach Ziel und Zweck des menschlichen Daseins keine oder eine verkehrte Antwort gibt, kann nicht die rechte sein, am allerwenigsten für den katholischen Christen. Aber mit der häuslichen Erziehung muß die öffentliche, muß

Em modernes Aschenbrödel.

Von Quille Peuse.

Autorisirte Ueb ersetzung von Louise Koch.

(4. Fortsetzung.)

Mazda zögerte einen Augenblick. Sie wäre gar zu gern mit dem schon zu lange aufgeschobenen Briefe an Frank zur Post gegangen. Sir Alick nahm noch immer seine halb sitzende, halb lehnende Stellung am Tische ein und hielt seine grauen Augen fest auf Magda's Antlitz geheftet.

„Sind Sie sehr müde?" fragte das junge Mädchen schmollend.

„Sehr müde!"

„Und wenn ich ginge, würden Sie darauf bestehen, mich zu begleiten?"

„Ganz bestimmt."

„Dann bleibe ich," sprach sie, sichtbar übel gelaunt.

Sir Alick verbarg ein zufriedenes Lächeln.

„Wenn Sie das Schreiben in den Postkasten wer­fen, so erhält Ihr Bruder es deshalb nicht um eine Minute später," versicherte er ihr.

Sie antwortete nicht, unentschlossen blickte sie vor sich hin.

„Wollen Sie mir gestatten?" fragte Alick höflich, während er sich aufrichtete und die Hand ausstreckte.

die Schule in der Heranbildung zu christlichem Denken und Handeln zusammenwirken. Leider haben in dieser Beziehung die Bischöfe bisher ohne Erfolg ihre Klagen „an zuständiger Stelle ausgesprochen." Es ist dies be­kanntlich die Kapital- und Prinzipalfrage für Oester­reichs Katholiken. Der Hirtenbrief verfehlt auch nicht, die Angelegenheiten der katholischen Universitäten zu empfehlen.

Ein weiterer Hauptpunkt, den der Episkopat den Gläubigen angelegentlichst ans Herz legt, ist die För­derung der katholischen Presse. Hier lautet die oberhirtliche Mahnung: „Möge es überall im katho­lischen Oesterreich als eine Ehrenpflicht angesehen werden, die katholische Presse mit allen Kräften zu unterstützen! .... Mögen Klerus und Laien sich vereinigen, solche Blätter zu erhalten und zu gründen, welche die Aufgabe erfüllen, die der hl. Vater der katholischen Presse zuweist."

Es folgt hierauf die Darstellung der kirchlichen Wirksamkeit auf sozialem Gebiete. Hauptaufgabe derselben ist, „der Seele des arbeitenden Volkes christ­liche Gesinnung, christlichen Glauben und christliche Hoffnung wiederzugeben, der Seele des Arbeitgebers aber zu seinem irdischen Kapital das viel werthvollere Kapital der christlichen Nächstenliebe hinzuzufügen."

Die fortdauernde bedrängte und unsichere Lage des Oberhauptes der Kirche kann nicht umhin, die Besorg- niffe der Katholiken wachzuhalten und sie immer und imitier wieder die Forderung erneuern zu lassen: „Frei­heit des obersten Hirten der Kirche in der Ausübung seines hl. Amtes und folglich die volle und wahre Unabhängigkeit desselben von jeder anderen weltlichen Macht." Indem die Bischöfe die Aufmerksamkeit der Gläubigen auf diese unverjährbare katholische Forde­rung hinlenken, unterlassen sie es nicht, jener schmach­vollen Vorgänge zu gedenken, die, angestiftet von einer „Rotte ungläubiger Unruhestifter," den hl. Vater selbst des Trostes beraubt haben, „die Verehrung seiner Kin­der an den Stufen seines Thrones entgegenzunehmen."

Dies sind die hauptsächlichsten, im gemeinsamen Hirtenschreibcn des Episkopats zur Geltung gebrachten Gesichtspunkte. Mögen, bemerkt dazu das Vaterland, sie allenthalben Verständniß und bereitwillige Aufnahme finden, möge man Ernst machen mit der Pflege eines lebendigen, auf tiefinnerster Ueberzeugung beruhenden Christenthurns, mögen alle Organe der Kirche, von aller Berührung des Weltgeistes sich fernhaltend, ganz und voll den Geist der Kirche in sich aufnehmen, mögen alle Kinder der Kirche diese ihrer Mutter in Gehorsam und Liebe sich anschließen.

Deutsches Keich.

Berlin, 26. November.

* Beim Reichskanzler v. Caprivi findet am 3. Dez. ein parlamentarisches Diner statt.

* Der nächste deutsche Jnnnngs- und Handwerker­tag soll Ende Januar oder Anfang Februar in Berlin abgehalten werden. Auf demselben soll neben der er­neuten Besprechung des Befähigungsnachweises und

„Ich danke Ihnen, ich kann es selbst thun," er- wiederte sie äußerlich ruhig; doch ihre Hand zitterte, und während sie sich von dem jungen Manne abwandte, entglitt der Brief ihren Fingern und fiel, die Adresse nach oben, auf den Fußboden nieder.

Sir Alick hob ihn auf überreichte ihn Mazda mit einer leichten, artigen Verbeugung.

„Ich danke Ihnen," sagte sie mit unsicherer Stimme, dann durchschritt sie die Halle, um den Brief in den Postkasten zu werfen. „Ich will nur hinaufgehen und meinen Hut ablegen," fügte sie, ihn über die Schulter anblickend, hinzu. „Wenn sie inzwischen den Thee nach dem Wohnzimmer beordern, werde ich sofort zu Ihnen kommen und Ihnen Gesellschaft leisten."

„Gut," antwortete er, ohne sie anzusehen. Als sie jedoch die Treppe wieder herunter kam, stand er noch an derselben Stelle, ernst und bleich.

„Ist das die Art, wie sie meine Befehle befolgen?" fragte Mazda in leichtem, scherzendem Tone, und er schreckte zusammen, als die süße, melodische Stimme sein Ohr traf.

„Ich bitte um Verzeihung", antwortete er schnell. Dann befahl er einem Diener, welcher soeben eintrat, den Thee zu serviren, und folgte ihr in das große, geräumige Wohnzimmer, Lady Wolfe's Lieblings­aufenthalt.

sonstiger Handwerkerfragen als Gegenstand die Inter­pellation des Reichstagsabgeordneten Hitze und die Antwort des Staatsministers v. Bötticher über die vom 15. bis 17. Juli stattgehabte Handwerkerkonferenz auf die Tagesordnung gestellt werden.

* Der Bankier Hugo Löwy ist gestern unter dem Verdacht betrügerischen Bankerotts und Unterschlagung fremder Depots verhaftet worden. Derselbe betrieb früher ein Bankgeschäft in Paris, wo er gleichfalls mit dem Strafgesetz in Konflikt kam.

* Der Reichstag setzte die 2. Berathung der Kran­kenkassen - Novelle fort. Ein von der Kommission neu aufgenommener § 55 a bestimmt, daß auf Antrag von mindestens 30 Versicherten die höhere Verwaltungs-Be­hörde die Gewährung der vorgeschriebenen Leistungen durch weitere als die von der Kasse bestimmten Aerzte, Apotheken und Krankenhäuser verfügen kann, wenn durch die von der Kaffe getroffenen Anordnungen eine dem Bedürfniß der Versicherten entsprechende Gewährung jener Leistungen nichs gesichert ist. Abg. Hitze (Centr.) beantragte, daß die höhere Verwaltungs - Behörde die Erweiterung unter den angegebenen Voraussetzungen nicht bloß solle beschließen könne, sondern beschließen müsse. Ein Antrag des Abg. v. Dziembowski (Pole) bezweckte dasselbe, wollte aber die fragliche Verpflich­tung der Behörde bereits dann eintreten lassen, wenn 20 Kassenmitglieder dies beantragen. Die Debatte drehte sich insbesondere um das Für und Wider der freien Aerztewahl. Schließlich wurde § 55 a unter Streichung der Bestimmung über den Bedürfniß-Nach- weis angenommen. Damit ist der Abschnitt über die Ortskrankenkassen erledigt. — Morgen: 1. Berathung des Reichshaushalts-Etats.

* Der preußische Eisrnbahnrath tritt am 4. Dez. zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung derselben stehen u. A.: Entwurf eines umgearbeiteten Betriebsreglements für die Eifenbahnen Deutschlands, Oesterreichs und Ungarns, Ausdehnung der auf den östlichen Staatseisenbahnen für lebende Thiere in Wagenladungen bestehenden Frachtsätze auf den Ge- sammtbereich der Staatseisenbahnen, Ausnahmetarife für den Getreideversandt von den deutschen Nordsee- Häfen nach Rheinland, Westfalen rc.

* Seitens des Ministers für Landwirthschaft, Do­mänen und Forsten ist die Einfuhr von lebenden Schwei­nen aus Steinbruch, Bielitz-Biala und. Wiener-Neu­stadt über Oderberg, Dzieditz und Bodenbach in das Schlachthaus zu Iserlohn widerruflich gestattet worden.

* Ueber das Befinden des Herrn Prälaten Janssen geht der .Germania' von zuverlässiger Seite folgende Nachricht zu: „Unser lieber Prälat Janssen ist recht schwer krank; er Hal in Folge Sprengung eines Blut­gefäßes in der Nase einen sehr schweren Blutverlust erlitten und liegt recht schwach darnieder. Die Aerzte erklären, daß in dem Zustand selbst eine Gefahr n i ch t zu erblicken sei; es wird aber eine langwierige Recon- valescenz geben, und die Gefahr eines Rückfalles ist in dem jetzigen Alter erhöht vorhanden. Hoffentlich treten keine anderen Komplikationen hinzu."

* Leipzig, 25. Nov. Das Reichsgericht hat den

Eine Anzahl niedriger Lampen standen hier und dort auf kleinen Tischen und verbreiteten ein sanftes Licht, welches die alten blau und weißen Porzellan- Vasen vortheilhaft von dem dunklen Getäfel der Wand abhoben, und zarter Duft von Heliotrop entströmte den Blumennischen, die in verschiedenen Zwischenräumen das Zimmer schmückten.

Sir Alick ließ sich müde in einen Armstuhl fallen, stützte den, Ellbogen auf die Lehne desselben, den Kopf in die Hand, und starrte in's Feuer, während Mazda scheu zu ihm hinüberblickte; sie bemerkte, daß er sehr blaß aussah und daß ein seltsam schmerzlicher Zug auf seinem Antlitz lag.

„Sie sind wirklich sehr abgespannt", warf sie hin. Die Worte waren eine Bestätigung und keine Frage, erheischten daher keine Antwort.

Unmittelbar darauf brachte ein Diener den Thee und fetzte ihn auf ein kleines mit Gold und Perl­mutter ausgelegtes Tischchen neben Magda. Als der Diener sich wieder entfernt hatte, hob Sir Alick seinen Kopf empor und beobachtete die kleine, zarte Gestalt, wie sie mit den weißen Händen zierlich die alten chinesischen Tassen füllte.

„Wie schön sie ist," dachte er, „und wie er sie liebte. Und dennoch, wenn . . ."

Magda reichte ihm die Tasse.