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18. Jahrgang

Sonntag, den 8. November 1881.

Fuldaer M Zeitung

prechen wir davonD nämlich von Elsaß-Lothrin- len, hat die Unverfrorenheit, die Italiener aufzufor- >ern, auf der Konferenz das „praktische Problem", d. h. die elfaß-lothringifche Frage, zur Sprache zu bringen. Wird es dem Dutzend Deutfchfreisinniger und >en paar nationalliberalen Abgeordneten aus Deutsch­land gelingen, das zu verhindern?

So ist — nicht zum wenigsten durch die Wahl des ewigen Rom" als Ort für die Abhaltung des dies- ährigen Friedens-Kongresses — in Befürchtungen um- zewandelt, was zu Hoffnungen berechtigte. Es wäre eine traurige Ironie, wenn dieser Friedens-Kongreß die Kriegs-Gefahr noch verschärfen follte.

* Der Friedens-Kongreß in Kom.

Am Dienstag trat in Rom der internationale Frie­dens-Kongreß zusammen. Eigentlich werden es drei Kongresse sein: ein interparlamentarischer, an dem nur Abgeordnete und gewesene Abgeordnete theilnehmen, ein Kongreß der verschiedenen Friedens-Gesellschaften, und endlich wollen auch die italienischen Radikalen sich wich­tig thun und ihr besonderes Wort zu den Friedens- Bestrebungen der Gegenwart sagen. Das ist des Guten so viel, daß man meinen sollte, nun müsse doch der Friede gesichert sein und der Krieg gänzlich aus der Welt gefchafft werden. Aber das wagen selbst die be­geistertsten Lobredner des Friedens-Kongresses nicht zu behaupten.

Was der Friedens-Kongreß erstrebt, ist unendlich schön, aber unendlich schwer zu erreichen. Wer möchte nicht gern den schönen Traum träumen, daß einmal eine Zeit kommen könnte, in welcher der Krieg zu den Sagen der Vergangenheit gehört und alle Völker in Eintracht und Brüderlichkeit neben einander wohnen? Ganz Europa leidet jetzt am Kriegsfieber, das Milliarden über Milliarden verschlingt und die Kräfte der Nationen aufzehrt. Da ist es natürlich, daß man dagegen anzu­kämpfen sucht, daß dem Militarismus die Friedens- Kongrefse entgegentreten, daß Angehörige der verschie­densten Völker zu gemeinsamer Berathung über die Frage sich vereinen, wie man der Kriegslust und den kriegerischen Rüstungen Halt gebieten könne.

Dem Grundgedanken und dem Zweck der Friedens- Kongresse stehen wir durchaus sympathisch gegenüber. Auch unser unvergeßlicher Führer Dr. Windthorst hat noch im vorigen Jahre in einer Reichstags - Rede seiner Sympathie für die Friedens-Kongresse Ausdruck gegeben. Wenn gleichwohl Centrums-Abgeordnete an der Friedens - Konferenz in Rom sich nicht betheiligen werden, so liegen die Gründe dafür sehr nahe. Ein­mal ist es der Ort der Friedens-Konferenz, der den treuen Katholiken die Theilnahme verbietet. Die Ab­haltung der Konferenz in Rom foll die Anerkennung Rom's als „Hauptstadt Italiens" in sich schließen. Es sind die erbittertsten Gegner des heil. Vaters und der katholischen Kirche, welche an der Spitze dieses Frie­dens-Kongresses in Rom stehen. Aber nicht allein als den treuen Söhnen der katholischen Kirche ist uns die Theilnahme an dem Friedens - Kongresse in Rom ver- -wehrt, sondern auch als den treuen Söhnen unseres deutschen Vaterlandes. Der ursprünglich zum Präsi- deuten des Friedens - Kongresses in Rom in Aussicht genommene frühere Minister Bonghi hat zwar wegen seiner deutschfeindlichen Aeußerungeu über die „elfaß- lothringifche Frage" nach langem Sträuben die An­wartschaft auf diesen Ehrenposten ablehnen müssen, aber es ist doch keineswegs ausgeschlossen, daß der Friedens- Kongreß eine Demonstration gegen Deutsch­land und gegen den Dreibund zeitigen wird. Eine von französischer Seite in Rom verbreitete Schrift „Pensons y et parlons en“ (Denken wir daran und

Befchämung mir derselbe auferlegen muß. Ich möchte nicht undankbar erfcheinen, aber. .

Ich werde Ihnen meine Gegenwart nie auf- drängen sondern in Ergebenheit meine Verbannung zu ertragen suchen", fiel er ihr im Tone demüthiger Unter­werfung ins Wort.

Sie haben mich verstanden", fagte Elifabeth nach einer kleinen Pause, und blickte dankbar zu ihm auf.

Während ihrer letzten Worte war Graf Bannstein die Treppe herunter gekommen und blieb jetzt mit einem Ausdrucke nicht angenehmer Ueberraschung vor den Bei­den sieben. . ,

„Sie hier, Fräulein von Argast! Ich suche Sie seit einer halben Stunde und glaubte Sie schon dem Redeflüsse der dicken Generalin erlegen. Guten Abend, Danseid. wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Frau Ormann wünscht nach Hause zu sahren, gnädiges Fräulein." „ _ . „

„Die musikalischen Vorträge sind also zu Ende , bemerkte Danfeld gelassen. „Dann werde ich das gnädige Fräulein hinauf begleiten. Ich habe Frau Or­mann ohnedies noch nicht begrüßt."

21. Eine unerwartete Rückkehr.

Je mehr Trost Elisabeth aus der Versicherung von Danfeld's Freundschaft schöpfte, um so grausamer

' mußte ihr auch die Nvthwendigkeit der Zurückw eis rn

x Der Geffhalr.

Nacherzählt von Cora von Schönburg.

(36. Fortsetzung.)

„Bitte, verbannen Sie diesen Umstand endlich aus Ihrer Erinnerung", sagte er, sich neben ihr nieder­lassend. „Ich selbst habe die Erbfolgefrage geordnet, Niemand wird je etwas darüber erfahren, und Sie werden, dessen bin ich sicher, den vorzüglichsten Gebrauch von Ihrem Eigenthum machen. Vergessen Sie das Ver­gangene, und erlauben Sie mir, ihr Freund zu sem .

„Ich denke so viel an Sie", sagte sie kaum hör­bar, „und doch empfinde ich es jedes Mal wie einen Schmerz, wenn ich Sie sehe. Ich wollte, ich könnte es vermeiden. Sagen Sie mir jetzt", suhr sie mit ängstlicher Theilnahme fort, „wie es Ihnen gebt, wie Sie den fchrecklichen Wechsel Ihres Schicksals über­standen haben?"

„Es geht mir gut", erwiderte er lächelnd. „Der „.schreckliche Wechsel", wie sie es bezeichnen, hat mich wenig affizirt. Ich finde in der Arbeit eine ange­nehme Beschäftigung, und Freude in meinen kleinen Erfolgen. Das Leben hat verfchiedene Seiten; man muß es nur von der rechten zu nehmen wissen. Das Mnziqe was ich entbehre, sind meine Pferde."

„Wie leid mir das thut! Aber Sie haben, wie

deutscher Schneider-Innungen die Rechte der juristischen

Die Gründung einer Centralstelle für Arbeiter- Wohlsahrts-Einrichtungen ist gestern hier erfolgt. Die­selbe hat nach den beschlossenen Satzungen folgende Auf­gaben : 1) Sammlung, Sichtung, Ordnung und Kata- logisirung von Beschreibungen, Statuten und Berichten über Einrichtungen, welche zum Besten der unbemittelten Volksklassen getroffen find; 2) Auskunfts - Ertheilung zunächst an die betheiligten Vereine und, soweit es Zeit und Mittel gestatten, auch an Nichtbetheiligte; 3) Mit­theilungen über bemerkenswerthe Erscheinungen auf dem Gebiete der Arbeiter-Wohlfahrts-Einrichtungen an die Preffe Zum Vorsitzenden des Vorstandes wurde Staats­sekretär a. D. Herzog gewählt. Die Centralstelle be­ginnt spätestens mit Neujahr ihre Thätigkeit.

* Wie bereits die ,Post', das ,Volk' und die Neuesten Nachrichten' erscheint in Folge der Ausstands- Bewegung unter den Buchdrucker -Gehilfen seit heme Morgen auch die,Germania' in vermindertem Um­fange und bittet für einige Tage um die Nachsicht ihrer 2cfci.

* Der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika entsendet eine größere Karawane nach Tabora, welche vor Allem die Stationen des Innern verproviantiren und Ablösung ^^'"^Die^bayerischen Altkatholiken wollen sich noch immer nicht in die neue Situation finden. Es fällt ihnen außerordentlich schwer, stets daran erinnert, zu werden, daß sie nicht mehr das Schoßkind des Mini­steriums sind, das man selbst da schützen werde, wo es offenbar im Unrecht ist. Das Kultusministerium hat auf die Eingabe des bayerifchen altkatholifchen Landesvereins vom 25. v. M , in welcher darum gebeten war, den altkatholischen Geistlichen ber dem Gottesdienste das Tragen der Kleidung der römisch- katholischen Geistlichen zu erlauben, unternt 30. v. M. folgende Entfchließung erlassen:

Me Eingabe vom 25. d. M. gibt zu einer Erwiderung nur insofern Anlaß, als im Schlußsätze derselben von einem gegen Störung zu schützenden Besitzstände die Rede ist. Dem gegenüber muß bemerkt werden, daß die Schranke aus deren Eiichaltung in der Ministerialentschlretzung vom 11. l. M. neuerlich gedrungen wurde, den Altkatholiken für ihre Religions- ausübunq vom ersten Augenblicke ihrer Zulassung als Privat- kirchengeseltschaft an durch die 2. Beilage der Bersassungsurkmche gezogen war und daß deshalb, wenn dieselbe seither nicht beachtet wurde, hierin nur eine Gesetzes Übertretung erblickt werden kann, deren etwa beabsichtigte Fortsetzung zu dulden das Staats­ministerium nicht berechtigt und daher auch außer Stands ist,

Herr „Pfarrer" Gatzenmeier machte der Gemeinde von dieser "Entschließung Mittheilung und zog auch das Facit aus derselben, daß die altkatholischen Geistlichen gezwungen seien, sich bei ihren Religionshandlungen anderer Kleidung zu bedienen, als der katholische Klerus. Wie verlautet, wollen die Altkatholiken jetzt, nachdem auch diese Hoffnung sich nicht verwirklicht hat, versuchen, in der Kammer neuerdings eine Altkatholiken­debatte hervorzurufen dadurch, daß sie sich wegen Verletzung konstitutioneller Rechte" mit einer Be­schwerde an den Landtag wenden. Natürlich wird der Landtag sich beeilen, der Beschwerde der Altkatholiken

Deutsches Keich.

Berlin, 6. November.

* Von offiziöser russischer Seite wird erklärt, über die Einführung eines Ausfuhrzolls auf Weizen und etn bevorstehendes Pferd eausfuhrverbot sei in Peters­burg nichts bekannt.

* Der Reichstag tritt am 17. d. M- wieder zu­sammen. Es handelt sich nicht um den Beginn einer neuen Session; das Parlament war nur vertagt. Die laufende Sitzungs-Periode ist die längste, welche der deutsche Reichstag bisher gehabt. Die Session wird voraussichtlich mehr als 200 Sitzungen umfassen. Zu­nächst werden die Berathung der Novelle zum Kranken­versicherungs-Gesetz und die des Telegraphen-Gesetzes fortgesetzt werden. Eine Unterbrechung werden diese Berathungen durch die erste Lesung des Reichshaus- Halts-Etats erfahren, der bald nach dem Wiederzusam­mentritt des Reichstages diesem zugehen soll. Die Vor­legung der Handelsverträge ist vorerst noch nicht. zu erwarten. Die Handelsvertrags-Verhandlungen mit Italien sind wohl deutscherseits, aber nicht von Seiten Oesterreich-Ungarns abgeschlossen; der Abschluß auch mit Oesterreich-Ungarn steht indeß nahe bevor. Danach werden die Verhandlungen mit der Schweiz wieder aus­genommen. Es heißt, daß die Schweiz zunächst mit Italien abschließen wolle. Ob es möglich sein wird, die neue Militärstrafprozeß - Ordnung noch in dieser Session an den Reichstag zu bringen, erscheint fraglich, da die Meinungen über grundlegende Bestimmungen innerhalb der verbündeten Regierungen noch auseiuander- qehen. Die bayerische Regierung hält an der Oeffeut- lichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens fest, worüber nach den vom Kriegsminister v. Safferling m der bayerischen Abgeordnetenkammer abgegebenen Erklärun­gen kein Zweifel bestehen kann. Sollte sich in den leitenden militärischen Kreisen Preußens ein Meinungs­wechsel über die erwähnten Punkte vollzogen haben? Thatsache ist ja allerdings, daß man in Bezug auf verfchiedene Dinge in den leitenden Kreisen heute anders denkt als früher. .

* Der Bundesrath genehmigte gestern den Gesetz­entwurf wegen Einziehung der Reichsthaler österreichi­schen Gepräges, sowie die probeweise Einsührung eines neuen Papiers für die Quittungskarten der Alters­und Jnvaliditätsversichernng und gewährte dem Bunde ich höre, die ehrenvollsten Erfolge auf literarischem Gebiete?"

„Ich versuche mich auf diefem Gebiete. Und Sie, welches sind Ihre Pläne?"

„Ich habe die Absicht, mich künftiges Frühjahr mit meinen beiden Neffen in einem eigenen Hause zu etab- liren. Frau Ormann ist mit dem Vorhaben einver­standen, und somit wird es meinem Leben nicht an Interesse fehlen. Ihren Wunfch, „zu vergessen", werde ich nach Möglichkeit anstreben, aber glücklich konnte ich nur sein, wenn ..."

„Nun?" . _

Wenn Sie mir“, fuhr sie mit unsicherer Stimme fort," „versprechen wollten, sich im Falle der Noch immer an mich zu wenden. Alles Alles soll >chuen zu Gebote stehen, wenn Sie sich würdigen, es anzu­nehmen."

„Ich verspreche es Ihnen," gab Danfeld freundlich

„Er hält mich für ein thörichtes, launenhaftes Kind, dem man in Kleinigkeiten nachgeben muß", sagte sie zu sich selbst."

„Und wollen Sie mir nach diesen Präliminarien die Ehre Ihres Umganges gestatten?"

„O, Baron Danseld, vergessen Sie doch nicht, welche

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die «nspaüige Zelle oder d«enRamn 15 Pft bei u ^ag^’^etetben GratiSbeiÄ^

Nennig. ___________