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JM 253

Dienstag, den 3. November 1891.

18. Jahrgang

Zeitung

uldaer

der Beschwerden der Eltern, deren Kinder wegen ihrer deutschklingenden Namen als Deutsche angesehen und vom polnischen Unterrichte ausgeschlossen worden sind.

* München, 31. Okt. Der Prinz-Regent verlieh dem Bischof Rampf von Passau den Verdienst-Orden des hl. Michael 2. Klasse.

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zelle oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen/n^reche^« Rabatt.____

vierteljährlicher AbouuementSpr«iS ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonnta^bellage -Sterne und Blumen und der alle 14 Lage erscheinenden Gratisbe««- ,Rathgeber für Landwirthschaft, Gartenbau und Hauswesen nt Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Deutsches Keich.

Berlin, 1. November.

* Anläßlich der Berufung des Freiherrn v. Schor- temer-Alst in das Herrenhaus weist der,Wests. Merk.' darauf hin, daß die Katholiken in dieser hohen Körper­schaft sowohl in absoluter, wie relativer Zahl nur man­gelhaft vertreten sind. Außer dem Fürsten von Hohen- zollern sind von den zum Herrenhause gehörigen Stan- desherren und übrigen Mitgliedern des hohen Adels mit erblicher Berechtigung 49 Protestanten gegen 21 Katholiken.

* Der Bundesrath hat in der Sitzung vom 22. w. M. beschlossen: „daß landwirthsckaftliche Brennereien, die im Betriebs-Jahre 1891/92 an Stelle von Kar­toffeln ausnahmsweise Mais oder Dari verarbeiteten, aus diesem Grunde nicht den Charakter von Getreide- Brennereien im Sinne des § 2 des Branntweinsteuer- Gesetzes vom 24. Juni 1887 annehmen und bei der nächsten Kontingentirung deshalb eine Kürzung ihres Kontingents nicht erfahren sollen." — Wie der Finanz­minister in einer Verfügung an die Steuer-Behörden hervorhebt, sind sämmtliche sonst Kartoffeln verarbei­tende landwirthschaftliche Brennereien während des Be­triebs-Jahres 1891/92 befugt, ohne besondere Geneh­migung der Steuer-Behörden die Verarbeitung von Mais oder Dari in beliebigem Umfange vorzunehmen, ohne daß bei der nächsten Neukontingentirung der Bren­nereien ihnen hierfür ein um ein Achtel vermindertes Kontingent in Rechnung gestellt werden darf. Die vor­stehende Vergünstigung findet jedoch nur insoweit An­wendung, als die Brennereien nicht zum Betriebe mit .Hefenbereitung übergehen.

* Am 3. November ist der Jahrestag der Schlacht ton Mentana. Im Jahre 1867 drang Garibaldi mit seinen Freischaaren, welche sich auf 12,000 Mann beliefen, in das päpstliche Gebiet ein, um es dem Papste zu entreißen. Am Morgen jenes Tages traten ihm 3000 päpstliche Zuaven bei Mentana entgegen, welche Nachmittags durch 3000 Mann französischer Truppen verstärkt wurden. Die Freischaaren Gari- baldi's wurden nach blutigem Kampfe geschlagen und theils gefangen, theils zersprengt; Garibaldi selbst brachte seine Haut zur rechten Zeit in Sicherheit. Viele Zuaven erlagen im Kampfe gegen die Uebermacht. In der Gegenwart, wo man durch die Abschaffung des sogen. Garantie-Gesetzes dem Papste auch den letzten Rest seiner Herrschaft zu nehmen gedenkt, dürfte es besonders an der Zeit sein, jener Männer zu gedenken, welche mit so hingebendem Muthe für die Mechte des Papstes stritten. Der Kirchenstaat gehört nicht dem Papste persönlich, sondern dem Papste als Oberhaupt der Kirche; er ist Eigenthum der ganzen Kirche und jeder Katholik hat das Recht und die Pflicht, für das Fortbestehen des Kirchenstaates einzutreten.

* Der Zar wäre also glücklich wieder innerhalb der Grenzen seines Reiches angelangt, nachdem 24 Stunden vorher bezüglich der Reisedispofitionen Ordre und Desordre ergangen waren. Am Freitag Vormit­tag hieß er, es werde, entgegen den früheren Be-

a Der Geizhals.

Nacherzählt von Cora von Schönburg.

(31. Fortsetzung.)

Es war unleugbar, daß der Schlag, welcher Danfeld getroffen, fchwer von ihm empfunden wurde. Seine erste und größte Sorge war die, daß der stets so makel- 'lose Ruf seines Hauses durch die unglücklichen Ver­hältnisse Schaden leiden könnte. Diesem Gefühle war auch die Eile zuzuschreiben, mit der er sofort allm ge­schäftlichen Verpflichtungen gegen die Gläubiger nach­kam, um selber schließlich als der einzig leidende Theil der Katastrophe übrig zu bleiben.

Das Bewußtsein der Armuth schreckte ihn an und für sich nicht; war er doch von Natur einfach und be- dürfnißlos. Was ihn schwerer bedrückte, war der Ver­lust einer freien, unabhängigen Lebensstellung und die Verzichtleistung auf seine Braut.

Diese Verzichtleistung war geboten. Sie kränkte sein Selbstgesühl, und doch mußte er sich beschämt ge­stehen, daß sie seinem Herzen nicht so nahe ging, als er erwartet hatte. Er empfand, ohne eingebildet zu sein die Trennung schmerzlicher für seine Braut als für sich selbst. Sie war arm, und er wußte, daß sie glücklich gewesen war, an seiner Seite dem glänzenden

stimmungen, von Kopenhagen nach Stettin zu Wasser fahren und von dort die Eisenbahnreife fortfetzen und demgemäß fuhr der „Hofzug" von Neufahrwasser nach Stettin. Und genau 24 Stunden später tras der „Selbstherrscher" dennoch in Neufahrwasser ein, und der „Hofzug" mußte demnach wieder von Stettin die Spazierfahrt nach Danzig machen. Wohl waren der russische Botschafter und einige Consuln zur Begrüß­ung erschienen, dagegen von deutschen hohen Persön­lichkeiten — Niemand. Gegen 11 Uhr bestiegen der Zar und seine Familie mit Begleitung den „Hofzug" und fetzten die Reise nach Rußland fort. Daß die üblichen Vorsichtsmaßregeln ergriffen, die Bahnhöfe^rc. abgesperrt waren, versteht sich von selbst. Sogar die Weichselbrücke bei Dirschan und der dortige Bahnhof waren militärisch besetzt und abgesperrt — von wegen etwa auflauernder Nihilisten. Es lief aber alles glück­lich ab, und auch das Kapitel der Zarenreise ist end­lich und glücklich abgelaufen.

* Fürst Bismarck will, wie es scheint, sein Reichs­tagsmandat ausüben. Er soll wenigstens einem Besuche in Varzin gegenüber die Absicht ausgesprochen haben, „bald" nach Berlin zu kommen. Es gibt jedenfalls Leute, denen die Verwirklichung dieser Absicht große Freude bereiten würde. Ob das Bismarcks Freunde und Anhänger sind, mag der Leser selbst ergründen.

* Der ordentliche Etat der^fortdauernden Ausgaben des Reichsamt deS Innern weist eine Steigerung von 3>/z Millionen auf, davon drei für Erhöhung des Reichs­zuschusses für die Jnvaliditäts- und Altersversorgung, unter den einmaligen ordentlichen Ausgaben wird der Rest von 900,000 Mark für die Weltausstellung in Chicago verlangt. Der Marine-Etat fordert außer der zweiten Rate für die Befestigung Helgolands auch die Errichtung einer Signalstation erster Klasse, außerdem eine Gehaltszulage für die dort stationirten Beamten wegen der auf der Insel herrschenden Theuerung.

* Es wird jetzt von verschiedenen Seiten bestätigt, daß der Propst Stablewski zum Erzbischof von Posen bestimmt designirt ist. Ueber Stablewski's Lebenslauf enthält der Parlaments-Almanach folgende Notizen: „Florian v. Stablewski, Dr. theol. Propst und päpst­licher Geheimkämmerer, geboren 16. Oktober 1841. Gewählt seit 1876 für den 7. Posener Wahlbezirk (Schrimm-Schroda-Wreschen). Widmete sich nach be­standener Reifeprüfung der Theologie im geistlichen Seminar zu Posen, darauf auf der Universität zu München, wo er zum Dr. theol. promovirte. Im Jahre 1866 wurde er Vikar zu Schrimm und gleichzeitig Religionslehrer und Lehrer der hebräischen Spache am Gymnasium daselbst. 1873 übernahm er die Propstei in Wreschen, ließ in Druck erscheinen in deutscher Sprache eine Monographie des Kirchenvaters Petrus Chrysologus, in polnischer Sprache mehrere Predigten."

* Den Rektoren der Volks-Mittelschulen in Posen ist ein Erlaß des Kultusministers mitgetheilt worden, wonach sämmtliche Kinder, falls dies von ihren Eltern gewünscht wird, am polnischen Sprachunter­richt theilnehmen dürfen. Der Erlaß bezieht sich auf alle Schulen mit polnischen Kindern und ist eine Folge

Elende ihres Hauses zu entkommen. Vielleicht ermög­lichten es ihr ihre hohen Familienverbindungen, mit der Zeit einem anderen, reicheren Manne die Hand zu reichen, aber würde dieser Reiche sie mit derselben vorsorglichen Liebe und Rücksicht behandeln, die er für sie gehabt hätte? Danfeld zweifelte daran, und deshalb that es ihm weh, sie einem ungewisfen Schicksal über« lassen zu müssen.

Nach der ersten Ueberraschung über die unerwartete Wendung seines Geschicks machte er sich daran, das Wrack seines BesitzthumS einer näheren Besichtigung zu unterziehen. Dann wurde Alles, was er hatte: feine Güter, Pferde, Möbel und Bilder zum Verkaufe aus­geschrieben.

Die Auflösung der Verlobung machte die wenigsten Schwierigkeiten, da sein Schwiegervater sofort die Noth- wendigkeit einsah, und auch Baronesse Deling sich mit überraschend schnellem Verständniß in die Anforderungen der veränderten Verhältnisse fand. Danfeld mußte wehmüthig lächeln, als er am Ende der Woche ihren Abschiedsbrief empfing und dabei die Erfahrung machte, wie viel schneller oft Herzensangelegenheiten abzuwickeln sind, als die prosaischen Geschäfte, welche unsere mate­riellen Beziehungen im Gang halten.

Er stand noch an dem Schreibtische, auf den er ebm den letzten Gruß seiner Braut niedergelegt hatte,

Ausland.

* Wie«, 30. Okt. Ein interessantes Ge­st ändn iß. Es war in der letzten der vom Fürsten Alois Liechtenstein in den Wiener Vororten einbe­rufenen Wählerversammlungen, wo einer der liberalen Haupthähne, der frühere Gemeinderath und gegenwärtige Bezirksausschuß Seidl, es offen eingestand, daß er mit 4000 Gulden Silberrente bestochen worden sei, Um der judenliberalen Partei den Sieg bei den letzten Gemeindewahlen in Ottakring zu verschaffen. Wohl be­hauptete er, diese Summe einem wohlthätigen Zwecke zugewendet zu haben, die erfolgte Bestechung aber gab er rückhaltlos zu. Dieser Vorfall ist überaus bezeichnend für das ganze Vorgehen der judenliberalen Partei und die Korruption anläßlich der letzten Wahlen für den Landtag, Reichsrath und Gemeinderath. Wenn bei der Wahl eines einzigen Wahlkörpers in nur einem der 19 Bezirke Wiens an einen einzigen Mann 4000 Gulden Bestechungsgelder ausgegeben wurden, so kann man sich wohl einen Begriff von den ungeheuren Summen machen, welche auf Wahlbestechungen in ganz Wien seitens der Liberalen verwendet wurden. — Endlich hat sich der Herr Justizminister aufgerafft und die Staats­anwaltschaften beauftragt, energifch gegen die unsitt­lichen Bilder und Inserate einzuschreiten. In­folge desfen sind die gewissen Demimondeblätter in ihren schamlosen Illustrationen wieder für einige Wochen vorsichtiger geworden und maskiren die Verherrlichung der Unzucht. Angesichts des großen moralischen Schadens, den derlei Preßerzeugnisse anzurichten in der Lage sind durch systematische Untergrabung der Volksmoral, wäre es wohl am Platze, wenn der Justizminister auch einen Erlaß gegen den Import solcher zweideutiger Waare hinausgeben und energisch auf die Durchführung sehen möchte.

* Zur Lage des Papstes. Nach einem vatika­nischen Berichte der Pol. Korr.' wird die Ansprache, welche der Papst in dem für die erste Novemberwoche anberaumten Konsistorium halten wird, betonen, aus dem Verlaufe der Ruhestörungen am 2. Oktober gehe überzeugend hervor, daß die gegenwärtige Lage des Vatikans, namentlich im Hinblick auf gewisse Even­tualitäten, die vollständige materielle Sicherheit des h. Stuhles nicht gewährleiste. Der Papst wird sodann Andeutungen über gewisfe äußerste Entschlüsse machen, die er möglicher Weise zum wirksamen Schutze seiner Freiheit und Würde fassen werde. — Ein hoher Wür­denträger aus der Umgebung des Papstes bezeichnete die Lage des h. Stuhles als erschreckend. Dieser Ausdruck entspreche den Empfindungen des Papstes, welcher besorge, daß unter Umständen erregte Volks­mengen in den Vatikan dringen und seine Person bedroh/.' Im Falle eines Krieges und des

als ihm ein verschlossenes Billet überreicht wurde. Er öffnete und las:

„Gestatten Sie mir, Sie für eine Viertelstunde allein zu sprechen. Elisabeth v. Argast."

„Wer brachte den Brief?" fragte er, bemüht, sein Erstaunen zu unterdrücken.

„Eine Dame, Herr Baron," entgegnete der kleine Laufbursche. „Sie ist schwarz gekleidet und so dicht verschleiert, daß man ihr Gesicht nicht erkennen kann."

„Führe sie herein, Heinrich. Im Uebrigen bin ich für Niemand zu sprechen."

Danfeld trat an die Thür, um feinen Besuch zu empfangen. Im nächsten Augenblick stand Elisabeth vor ihm. Er verbeugte sich tief, während die junge Dame, ohne ihm die Hand zu reichen, daS Haupt neigte. Beide schienen gleichmäßig befangen.

„Wollen Sie nicht Platz nehmen?" fragte Danfeld, welcher zuerst die Fassung Wiedergewann, indem er einen Stuhl hinschod.

Elisabeth setzte sich, nahm den Schleier von ihrem verhärmten Gesicht und sagte dann ohne weitere Ein­leitung: „Sie werden mein Hierherkommen für eine Verrücktheit halten."

„Es überrascht mich," entgegnete Danfeld ruhig. „Aber ich vermuthe, Sie haben einen wichtigen Grund. Wenn ich Ihnen von Nutzen sein kann..."