Beilage zu Nr. 252 der „Fuldaer Zeitung".
Sonntag, den 1. November 1891.
a Der Geizhals.
Nacherzählt von Cora von Schönburg.
(30. Fortsetzung.)
„Ich muß gestehen, daß ich mehr im Auge hatte, Ihnen dadurch zu gefallen," entgegnete er mit gewohnter Offenheit. „Die besten Gefithle Ihres Herzens haben Sie doch an die kleinen Trabanten gehängt; ob zu Ihrem eigenen und deren Glück, weiß ich nicht. Es ist^immer ein undankbares Geschäft, die Kinder anderer Leute in dieser Weise zu lieben. Das Gute, das man ihnen zuwendet, wird nicht anerkannt, und die Gegenliebe, auf die man ein Recht zu haben glaubt, wird uns nicht gegönnt. Ich rathe Ihnen, machen Sie es so, wie ich. Ich kümmere mich um Niemand und thue einfach, was mir Vergnügen macht."
„Und hat Ihnen dieses System zu großem Glücke verholfen?"
„Glück? Das ist ein großes Wort; jedenfalls hat es mir aber zu recht viel vergnügten Stunden verholfen. Augenblicklich bin ich durch die Aussicht auf einen großen Gewinn in gehobene Stimmung versetzt. Der Preis ist hoch, fast unerreichbar, aber dem Kühnen gehört die Welt — und wer Alles einsetzt, vermag auch Alles zu gewinnen."
Bannstein hatte, während er sprach, in die Ferne geblickt; bei den letzten Worten aber suchten seine Augen mit einem so eigenthümlichen Blick die seiner Nachbarin, daß diese sich verwirrt abwendete und in verweisendem Tone sagte:
„Selbst der festeste Wille, Graf Bannstein, vermag nicht immer den Erfolg zu sichern. Bezwingen können wir nur uns selbst."
Ein glücklicher Zufall ließ soeben Frau Ormann in das auf den Balkon hinausführende Zimmer treten, und die Unterhaltung nahm eine andere Wendung.
„Sie sind mir so, was man sagt, auf den Fersen gefolgt, Graf Bannstein," -begrüßte sie den Neuangekommenen. „Ich hatte kaum Zeit, mich auf das Vergnügen Ihres Besuches vorzubereiten."
„Ich habe auch bereits eine Entschuldigung für mein plötzliches Erscheinen gestammelt," erklärte der Graf. „Mein, wie Sie wissen, sonst sehr wenig zugänglicher Onkel bestellte mich für morgen Mittag zu sich, um Geschäfts-Angelegenheiten' mit mir zu besprechen; da konnte natürlich nicht von Aufschub die Rede sein und ich mußte den nächsten Zug benutzen, um die Tour hierher auszunutzen. Ich habe Ihnen übrigens auch eine leider wenig erfreuliche Nachricht mitzutheilen, gnädige Frau. Denken Sie sich, Danfeld ist total bankerott."
„Bankerott? Unmöglich!" riefen beide Damen zugleich.
„Leider nur zu wahr, ich versichere Sie. Beim Durchgehen der Bücher nach dem Tode seines Vaters entdeckte er Anfangs einige Unordnungen, und als er den Geschäftsführer darüber zur Rede stellen will, ist dieser auf und davon. Bei genauerer Untersuchung stellt sich heraus, daß der ganze Finanz-Etat überhaupt nur eine leere Schaale ist, aus welcher betrügerische Beamte das Kapital herausgesogen haben."
„Und Baronesse Deling?" brachte Elisabeth mühsam hervor.
„O, die Verlobung wird damit natürlich auch ihr Ende erreicht haben. — Jedenfalls, darüber ist gar kein Zweifel, der arme Danfeld ist verkracht, so verkracht, wie man es nur sein kann."
„Es ist zu arg, zu schrecklich!" entrang es sich Frau Ormann's enttäuschtem Gemüth. „Und ich hatte mich schon so auf die angenehme Nachbarschaft gefreut!"
Elisabeth war unfähig, ein Wort zu reden. Der Schmerz über das Schicksal des von ihr selbst beraubten Mannes und die dadurch zu doppelter Gewalt wieder angefachten Vorwürfe ihres Gewissens überwältigten sie in einer Weise, welche es ihr schwer machte, die nöthigste Fassung zu bewahren.
18. Ein schwerer Schritt.
„Danfeld bankerott!"
Immer und immer wieder drangen die Worte mit ihrer ganzen verhängnißvoll-n Bedeutung an Elisabeth's Ohr. Die hohe Gestalt des Betroffenen stand die Nacht über vor ihrem schlaflosen Auge, und wie sie sich auch wendete, überall hin verfolgte sie sein ernster Blick. Was sollte aus ihm, dem verwöhnten Kinde des Glückes werden, das nie die Sorgen des Lebens kennen gelernt? — Wovon sollte er leben, wenn ihm alle Vorkenntnisse zum Erwerbe fehlten? — Schon die ersten Folgen seines Unglückes waren entscheidend für sein Leben gewesen. Er hatte die Verlobung mit seiner Braut ausgeben müssen. Ihm blieb also nicht einmal der Trost, seine Prüfungen theilen zu können! Und sie, sie war an Allem schuld. Mit dem Gelbe, um das sie ihn betrogen, hätte er Alle befriedigen und sich selbst eine glückliche Existenz verschaffen können.
Je mehr sie diese Gedanken quälten, um so tiefere Wurzeln schlug auch der Wunsch, ihr begangenes Un
recht zu sühnen. Vielleicht brauchte seine Verlobung nicht rückgängig gemacht zu werden, wenn er noch rechtzeitig in den Besitz eines ansehnlichen Vermögens gelangte ? Und würde er im Wiederbesitze seines Eigen- thums nicht edel, hochherzig genug sein, um auch den Kindern etwas zu lassen, deren sie sich angenommen?
Mit dieser Gewißheit im Herzen wäre sie glücklich gewesen, Alles zurückgeben zu können, was ihr Gewissen belastete. — Aber, o, der Demüthigung eines Bekenntnisses, wie es in diesem Falle nothweudig war! Und es chm ablegen zu müssen! Ihm, den sie höher als alle Anderen schätzte!
Doch es mußte sein.
Als die ersten Sttahlen der ausgehenden Sonne das Dunkel durchbrachen, war der große Kampf durchgekämpft. Elisabeth erhob sich, trat an das Fenster und stieß entschlossen die Läden zurück, um dem Lichte Eingang zu gewähren. Da lag sie vor ihr, die im ersten Frühroth beleuchtete See. Auch über der dunklen Tiefe ihres Herzens sollte ein neuer Tag anbrechen, und welche Stürme der kampfesmüden Seele auch noch beschieden sein sollten, sie wollte sie mit dem frohen Bewußtsein der erfüllten Pflicht — der gesühnten Schuld über sich ergehen lassen.
Graf Bannstein war bereits am vorhergehenden wieder abgereist. Die anderen im Frühstückszimmer Versammelten erschraken über Elisabeth's Aussehen, als diese später wie gewöhnlich am Kaffeetisch erschien.
„Du siehst aus, als sei Dir heute Nacht ein Geist erschienen," sagte Frau Ormann, nachdem sie ihr gegenüber Platz genommen.
Die Angeredete versuchte zu lächeln. „Ein Geist ist mir nicht erschienen," sagte sie, „aber mancherlei Geschäfte sind mir im Kopfe herum gegangen, derenthalben ich mich auch entschlossen habe, Dich heute Nachmittag nach Berlin zu begleiten."
Frau Ormann behauptet, sich sehr über diese Aussicht zu freuen. Fräulein v. Buchenau aber meinte mit einem besorgten Blick auf ihren Schützling, es sei doch besser, wenn sie einen Tag abwarte, wo sie sich besser fühle. Elisabeth ließ sich jedoch nicht bereden, und die Tour nach Berlin blieb beschlossene Sache.
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(Fortsetzung folgt.)
„Wer hat Md)f du schöner Wald —
Humoreske von H. Ferschke.
Das große Sängerfest in E. hatte die Sangesbrüder von Nah und Fern herbeigeführt und war großartig verlaufen. Zahlreich erschienene Vereine hatten mit einander gewetteifert und um die Palme des Sieges gerungen, einstimmig aber war dieselbe einem aus vier Herren bestehenden Quartett zuerkannt worden; eine Thatsache, welche nm so größeres Aufsehen erregte, als dieselben aus einem kleinen, ganz unbedeutenden und Bielen unbekannten Städtchen stammten. Wer kannte Möpschenfeld? Kein Mensch Und dieses Bethlehem, die kleinste unter den Städten, hatte wider alles Erwarten vier Sänger entsendet, die nunmehr im Siegerkranze einhergingen. Die darüber herrschende allgemeine Aufregung und Ueberraschung wurde nicht am Wenigsten von den vier Sängern selbst getheilt; so etwas hatte ihr bescheidener Sinn kaum erstrebt, viel weniger erwartet, und da bekanntlich der Mensch mit seinen höheren Zwecken wächst, so dürfen wir es ganz natürlich finden, wenn die vier Sangessieger sich ungemein gehoben fühlten und von einem gewissen Siegesräusche zum wirklichen echten und unverfälschten Weinräuschchen ist aber in Deutschland in der Regel nur ein kurzer Schritt, und wenn letzteres auch bald wieder verflog, — die gehobene Stimmung blieb.
Da es nun nicht nur vom künstlerischen Standpunkte aus, sondern auch für den Verlauf unserer kleinen wahren Geschichte nothwendig ist, die Namen und sonstigen Personalien der vier Möpschenfelder Sangeshelden festzustellen und der Nachwelt zu überliefern, so geschehe, was geschehen muß. Die wichtigste Person in einem Quartett ist natürlich der erste Tenor, und uns wird es um so leichter, dieselbe dem geneigten Leser zuerst vorzustellen, als dieselbe zugleich die gewichtigste war. Inhaber dieses Tenors war der Herr Stadtkämmerer Schwanebach, 40 Jahre alt, 240 Pfund schwer, — mehr zu sagen ist nicht nöthig. Wir fragen jeden günstigen Leser, ob er schon einen ersten Tenor von solchem Gewicht gesehen und gehört hat? Ganz gewiß nicht, — so was ist nur in Möpschenfeld zu haben. Und wenn aus; diesem gewichtigen Körper, dem man viel eher des Basses Grundgewalt zutrauen mußte, eine wunderbare Tenorstimme heraustönte, so war diese Wirkung doppelt überraschend und großartig. Der zweite Baß war merkwürdiger Weise gerade das Gegentheil des ersten Tenors in Bezug auf die äußere Erscheinung, geradezu, als hätte die schaffende Natur sich einen Witz gemacht. Der Stadtschreiber Pinkert war lang und hager, und da er voll Humors war, so behauptete er, daß der Kämmerer es gütigst übernommen habe, seinen Bauch in der Welt herumzutragen, eine Gefälligkeit, welche bei der zeitweise herrschenden Hitze doppelt anerkennens- werth sei. Die beiden übrigen Herren, der zweite Tenor und der erste Baß, hatten nichts Bemerkenswerthes an sich und sahen aus wie andere gewöhnliche Exemplare des Menschengeschlechts ; es waren dies der Bäckermeister Ebert und der Klempnermeister Liebhold, zwei angesehene und wohlhabende Patrizier aus Möpschenfeld.
Dieses vierblättrige Kleeblatt hatte, wie gesagt, Großartiges geleistet, und es war daher zu natürlich, daß sie sich unter Leitung des dicken Schwanebach bemühten, auf dem Gebiete der Bier- und Weinvertilgung „Erfolge" zu erringen, die des Sieges würdig waren. Die anfangs gehobene Stimmung ging dabei in eine sehr fidele über, und aus dieser heraus erwuchs in dem für die Natur schwärmenden, langbeinigen Stadtschreiber Pinkert die Idee, eine Berg- und Waldpartie zu machen und damit ihre Sängerfahrt zum würdigen und herrlichen Abschlüsse zu bringen. Der dicke Schwanebach zwar, dessen Körperbeschaffenheit es mit sich brachte, daß er die Berge am liebsten von unten betrachtete,
machte einige schwache Einwendungen, da aber die übrigen Genossen dem Vorschlag Pinkerts freudig zustimmten, so fügte auch er sich der Majorität, und das Quartett wanderte in fröhlichster Stimmung dem nahen herrlichen Waldgebirge zu. Man stieg allmählig empor, aus dem vom schnell dahinrauschenden Flüßchen durchströmten Thale zu den felsigen Bergen, welche mit dem herrlichsten Hochwalde bestanden waren. Sei gegrüßt, du rauschendes Waldmeer, sei tausendmal gegrüßt!
Auch unsern sieges- und trankseligen vier Sangesbrüdern ging dabei das Herz auf, und wie von einem Gedanken getrieben, jubelten sie das schöne, hier so passende Lied:
„Wer hat dich, du schöner Wald, Aufgebaut so hoch da droben?"
Ja, erst im Walde, „wo die Wipfel rauschen", kommt dies schöne Lied zur rechten Geltung, dies wurde auch unsern vier Sängern klar, die dasselbe niemals andächtiger und herrlicher gesungen als heute. Man war einen ziemlich steilen Ausstieg hinaufgeklettert, um von oben eine vielgerühmte Aussicht zu ge- mießen. Es standen da mehrere Klafter Holz, wie es schien, eben erst frisch geschlagen und aufgerichtet. Der langbeinige Stadtschreiber Pinkert, der noch soeben mit ganz besonderer Andacht sein „Schirm' dich Gott, du deutscher Wald!" gesungen, gerieth darüber in eine heftige Aufregung. „Liebe Freunde, Landsleute und Sangesbrüder!" rief er mit empörter Baßstimme aus. „Ist es nicht ein Skandal, daß man diesen Tempel der Natur mit prosaischer Axt schändet? Ist der schöne Wald deshalb aufgebaut, daß man ihn in Klaftern setzt? Ich sage: das ist eine Sünde und Schande! Was wir hoch gelobt im Walde, wollen wir nun auch wacker halten, nicht nur mit Singen, sondern mit Thaten. Auch wir sind berufen, den deutschen Wald zu schirmen; laßt uns daher diese Klafter in den Abgrund werfen und damit den schnöden Waldschändern eine Lehre geben, daß man nicht ungestraft Gottes erhabene Werke zerstört!" Und damit ergriff er ein Holzscheit und warf es in die Schlucht hinunter.
„Es gäbe schöne Holzkohlen für den Löthosen", meinte der Klempner Liebhold.
„Pfui! Wer ist so egoistisch und denkt immer an sich und sein Geschäft!" versetzte Pinkert, und das zweite Scheit flog in die Tiefe.
„Es ist schönes Backholz!" sagte der Bäckermeister Ebert trotzdem fast wehmüthig.
„Dummes Zeug!" versetzte der dicke Tenor Schwanebach. „Pinkert hat Recht, — herunter mit dem Plunder! Wer hat dich, du schöner Wald, abgehau'n so hoch da droben?" Damit begann auch er Scheit auf Scheit hinunter zu werfen.
„Na, denn nur lustig", lachten Ebert und Liebhold und faßten ebenfalls kräftig mit an, so daß in kurzer Zeit die erste Klafter so ziemlich abgeräumt und nach unten spedirt war.
„Halt, in des Fürsten Namen!" donnerte plötzlich eine Stimme hinter ihrem Rücken. „Plagt Sie der Teufel?"
Die vier Waldfteunde blickten sich erschrocken um und sahen einen Forstbeamten hinter sich stehen, der ihnen wüthend zuschaute und schon das Gewehr von der Schulter gerissen hatte.
„Wissen Sie, was Sie hier thun? Nein? Waldfrevel nennt man das!" schrie sie der entrüstete Beamte an. „Sie sind hiermit arretirt —"
„Aber erlauben Sie mal, verehrter Herr —" wollte der dicke Schwanebach entschuldigend einwenden; der Förster jedoch ließ ihn gar nicht zu Wort kommen und rief: „Wie können Sie eine hochfürstliche Holzklafter zerstören? Ich muß Sie dem Herrn Oberförster vorführen."
„Lieber Herr", suchte der Stadtschreiber Pinkert den empörten Förster zu beruhigen, „wir wollen gern zugeben, hier eine Dummheit begangen zu haben, und sind natürlich bereit, die Unkosten der Wiederherstellung der Klafter zu tragen —"
„Geht nicht", entgegnete der Förster, indem er die Gesellschaft, namentlich den dicken Tenor, ironisch lächelnd musterte, „geht durchaus nicht. Die Klafter hier werden in einer Stunde abgefahren, die Gespanne sind schon unterwegs, und Leute zum Heraufholen des Holzes von da unten habe ich nicht bei der Hand. Wenn ich auch von der Arretirung absehen will, das Holz muß wieder 'rauf . . . sofort! Vorwärts also, meine Herren^ die Röcke ans und als Pfand hier gelassen . . . Dort führt ein Steg hinunter, die Scheite, die Sie soeben hinunter geworfen haben, müssen Sie selbst wieder heraufttagen, oder der Teufel schlägt d'rein! Donner und Doria, so'n verrücktes Stadtvolk!"
Da half nun kein Widerstreben, und nachdem die vier Waldfrevler ihre Röcke dem unerbittlichen Forstbeamten übergeben^ stiegen sie kleinlaut in die Schlucht hinab, suchten dort die Holzscheite zusammen und fingen an, sie wieder nach oben zu schleppen.
„Das ist mein Tod!" ächzte der dicke Schwanebach, als man zum dritten Male unten angekommen war, und wischte sich den triefenden Schweiß vom Gesichte.
„Na, nach Marienbad brauchst Du in diesem Jahre nicht", meinte der langbeinige Pinkert, der auch in dieser schauderhaften Situation den Humor nicht verlor. „Vorwärts, Kinder, — wer hat dich, du schöner Wald —?"
„Ja, Du hast gut reden", stöhnte Schwanebach und suchte sich ein möglichst schwaches Scheit aus, mit welchem er wiederum i die Reise nach oben antrat.
Endlich, nach einer Stunde qualvoller Arbeit war das letzte Stück hinaufgebracht und die Klafter standen wieder vollständig zusammengesetzt zur großen Genugthuung des Försters da, der den schwer arbeitenden Männern mit stillem Vergnügen und vollkommener Gemüthsruhe zugeschaut hatte.
„So meine Herren", sagte er lachend, „hier sind Ihre Röcke — Ordnung muß sein, Nichts für ungut — So habe ich mich in meinem Leben noch nicht amüsirt. Die Dummheit haben i Sie höllisch büßen müssen. Leben Sie wohl!" Damit ging er in den Wald hinein und blies aus seiner Jagdpseife lustig wirbelnde blaue Wölkchen in die Luft.
„Sollte mich noch nachträglich der Schlag rühren", hauchte der vollständig gebrochene Tenor, indem er sich aus einen Baum- : stumpf setzte, „so legt mich auf diese Unglücksklafter und verbrennt mich, — Friede meiner Asche!"
Kleinlaut, hundemüde, in Schweiß gebadet und bar allen früheren Uebermuthes zogen die vier so tief aus ihren Himmeln gestürzten Sangesbrüder wieder der Stadt zu, um sich von dort nach Möpschenfeld zurückzubegeben, nachdem sie sich zuvor heilig zugeschworen, niemals Jemanden von ihrem fatalen Abenteuer ein Wort zu verrathen. Diesen Schwur haben sie denn auch redlich gehalten, und wenn der Erzähler diese wahrhafte Geschichte erfuhr, so ist dies auf Rechnung des Försters zu fetzen, welcher dieses sein komisches Waldabenteuer eines Abends in ftöhlicher Gesellschaft zum Besten gab.
Das Möpschenfelder Quartett wurde natürlich in der Hei- math in Folge seines Sänger sieges aus das Ehrenvollste empfangen und seine Rückkehr gab Veranlassung zu einem schönen Feste im „Rothen Ochsen". In dem Becher der Lust jedoch be- sand sich, von Niemanden gesehen zwar, doch von den vier Betheiligten herausgeschmeckt, ein bitterer Wermuthstropseu, — die