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Freitag, den 30. Oktober 1891.
18. Jahrgang
Fuldaer
Zcituiiß
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* Gin Katholischer Deutscher ein Unding.
Die Leser werden bisher sehr wenig von der Thätig- keit des „Evangelischen Bundes" im Weimarischen Lande gehört und diese Gegend für eine Oase in der Wüste gehalten haben. Leider irren sie sich in letzterer Annahme. Fest steht und treu der Bund auch an den Ufern der Ilm und hält Wache, daß lieb' Vaterland ruhig sein kann vor den bösen Römlingen. Ruhig? Wer kann ruhig sein vor dem „römischen Fanatismus" ? Lesen Sie folgenden Bericht der Weimar. Zeitung »Deutschland', und Sie werden anders urtheilen: „Am vorigen Sonntag fand zu Mellingen auf Veranlassung des Herrn Kirchenraths Förtsch eine Wander-Versammlung des „Evangelischen Bundes" statt. Als erster Redner sprach Herr Kirchenrath Förtsch selbst über „Jesuitengefahr und Evangelischer Bund". Anknüpfend an die Jesuiten-Petition, die bekannte Massen-Petition gegen die Wiederzulassung des Jesuiten - Ordens in Deutschland, die auch in unserer Gegend mit einer großen Menge von Unterschriften sich bedeckt hatte, legte er an der Hand der Gründungs - Geschichte und einer Charakteristik des Wesens des Jesuiten - Ordens in außerordentlich klarer und anschaulicher Weise dar, daß es allerdings ein Unglück für uns sein würde, wenn die schwarzen Väter wieder in's Land hereinkämen. Ist ja doch der Zweck des Ordens von jeher gewesen und ist es noch heute, alle Ketzerei, vor Allem aber den verhaßten Protestantismus, auszurotten und weiter dem Papste die unbedingte Weltherrschaft zu erobern. Es ist eine Art militärischen Geistes, der den Jesuiten- Orden durchdringt, und militärisch ist die Organisation desselben mit den vier Klassen von Brüdern, den Rektoren und Provinzialen und dem mit höchster Machtvollkommenheit ausgestatteten General in Rom, welchem sich alle Angehörige des Ordens in Kadavergehorsam beugen. So entsteht eine große Maschine mit lauter willenlosen Gliedern und einem einzigen zielbewußt wirkenden Kopfe. Und diese Maschine hat im Laufe der Zeiten furchtbare Erfolge gehabt und sie hat solche noch heute, denn von jesuitischem Geiste durchdrungen ist jetzt die ganze römische Kirche, die eifriger als je an der Ausrottung der evangelischen Kirche arbeitet. Zur Abwehr dieser Jesuitengefahr ist nun der „Evangelische Bund" entstanden, der trotz seiner erst fünfjährigen Geschichte doch schon Mancherlei in Verfolgung seines Zweckes geleistet hat, und der auch fernerhin bei unverrückbarem Festhalten an seinem Ziele zugleich das evangelische Bewußtsein innerhalb des Protestantismus selbst stärkend und die Gegensätze in diesem überbrückend, zuversichtlich noch so Manches zu leisten hofft. — Als i zweiter Redner ergriff Pfarrer Kohlschmidt - Denstedt das Wort. Erinnernd an die hohe Bedeutung des 18. Oktober und an die Zeit von 1813, wo vaterländische und religiöse Begeisterung im deutschen Volke Hand in Hand gegangen seien, versuchte er dann nacbzuweisen (— Bezeichnender Weise sieht sich hier die Redaktion des genannten nichtkatholifchen Blattes veranlaßt, hinzuzusetzen: Wir bemerken im Voraus, daß es lediglich
a Der Geizhals.
Nacherzählt von Cora von Schönburg.
(28. Fortsetzung.)
An einem der folgenden Nachmittage wurde eine Ausfahrt nach Schloß Lieberg unternommen. Baronesse Deling sollte einige Veränderungen besichtigen, welche in dem Parke dort vorgenommen wurden. Ihr Bräutigam saß Frau Ormann und ihr selbst in dem leichten Jagdwagen gegenüber, während Elisabeth neben dem die Zügel führenden Grafen Bannstein Platz genommen hatte. Das Paar auf dem Bock schien sich gut zu unterhalten.
„Sonderbarer Kerl, dieser Danfeld," bemerkte Bannstein, als nach längerer Fahrt die Thürme von Schloß Lieberg hinter dem Waldessaume aufzutauchen begannen. „Er ist darin ein Unikum, daß ihm der Reich- thum gar nicht geschadet hat. Im Grunde zwar ist ein Mensch, der niemals eine Thorheit begangen, eigentlich uninteressant; finden Sie das nicht auch?"
„Sollte er wirklich nie gefehlt haben?" fragte das junge Mädchen an seiner Seite, indem sie ernst zu ihm aufblickte. „Das scheint beinahe unglaublich."
„Jedenfalls hat er mit seinen Streichen sehr hinter den: Berge zu halten gewußt. Aber Sie haben Recht, vollkommene Tugend ist immer unwahrscheinlich."
Elisabeth schwieg. Die Umgebung nahm ihr Jn-
bei dem Versuch verblieb. Die Redattion. —), daß letzteres eigentlich nur bei uns evangelischen Christen in Deutschland in ganzem und vollem Maße der Fall sein könne. Der katholische Deutsche sei in seinem Gewissen gespalten zwischen der Liebe zu Rom und seinem Vaterlande. Wenn er wirklich ein gehorsamer Sohn seiner Kirche sein wolle, dann müsse sein Vaterland in Rom, „über den Bergen" sein. Rom aber habe stets Krieg geführt mit unserem deutschen Volke seit den Tagen des letzten edlen Hohenstaufensprosses bis zum dreißigjährigen Kriege, bis auf den heutigen Tag, denn der Westfälische Friede sei von Rom bis heute nicht anerkannt. Ein katholischer Deutscher sei also ein Unding. Essei uns aus alledem auch begreiflich, daß in rein katholischen Gegenden unser Sedanfest nur in geringem Maße gefeiert, daß die Germania auf dem Niederwald als „preußische Muttergottes" von den Römischen verhöhnt werde, daß der römische Geistliche es nicht wie der evangelische als eine Ehre betrachte, den deutschen Waffenrock getragen zu haben. So gehe ein tiefer Riß durch Deutschland, den der römische Fanatismus immer mehr zu vertiefen suche. Sei man ja doch bestrebt, auf römischer Seite nicht bloß unfern Luther auf alle Weise in den Koth zu ziehen, sondern auch unsere sämmtlichen Geistesheroen, auf die wir stolz sind, zu verunglimpfen. Eine Rettung sei da nur möglich, wenn die Katholiken sich lossagen vom jesuitischen Geiste, der freilich gar tief sich eingefressen habe. Wir Evangelischen aber könnten uns freuen, daß unser evangelischer Glaube nicht mit unserm Vaterlandsgefühl im Widerstreit liege. Habe doch vielmehr im Grunde genommen erst die große Geistesthat der Reformation unser Vaterland zu dem gemacht, was es ist. Das Festhalten an den Gütern der Reformation, an unserem evangelischen Glquben, das der „Evangelische Bund" in unseren Tagen wieder so eindringlich gepredigt, sei daher, genau betrachtet, nicht allein eine religiöse, sondern auch eine politische Pflicht. — Beiden Rednern wurde reicher Beifall zu theil." Gut gebrüllt, Löwe! Nun werden ja wohl „die Katholiken sich lossagen vom jesuitischen Geiste", wenn solche Riesen des Geistes dazu auffordern mit so gewichtigen Gründen. Vielleicht spricht Herr Kohlschmidt in der nächsten Versammlung über Toleranz, oder Herr Kirchenrath Förtsch läßt Herrn Thümmel dazu kommen, der ihm gern die Bruderhand reichen wird. Am Ende bringen die Herren dann auch noch eine Petition an den Reichstag und Bundesrath zu Stande, alle Katholiken aus dem Deutschen Reiche auszuweisen, da ein „katholischer Deutscher ein Unding" sei.________
Deutsches Keich.
SB erlitt, 28. Oktober. |
* Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute Nachmittag mit dem Könige von Rumänien in Berlin ein, woselbst Abends Galaoper stattfand. Der König von Rumänien besuchte gestern die Grabstätte Kaiser Friedrich's in der Friedenskirche zu Potsdam und heute das Mausoleum zu Charlottenburg.
teresse mehr und mehr gefangen, je näher man dem Danfeld'schen Besitze kam. Die Gegend war an und für sich nicht schön, aber die Kunst hatte Alles gethan, um diesen Mangel nicht fühlbar zu machen. Ja, sie hatte es im Verein mit enormen Geldmitteln sogar fertig gebracht, Lieberg in malerischer Hinsicht zu einem der beneidenswerthesten Aufenthalte umzuschaffen.
„Die Unterhaltung so ausgedehnter Anlagen muß große Ausgaben erfordern," unterbrach Elisabeth endlich in bei einer junger] Tarne befremdlichen Weise das Stillschweigen.
„Allerdings," stimmte ihr Graf Bannstein zu, indem er den Blick über die jetzt zu feiner Rechten sichtbar werdenden Treibhäuser schweifen ließ. „Ich möchte die Instandhaltung eines solchen Etablissements nicht mit weniger als 30—40,000 Thalern Revenue übernehmen."
„30 -40,000 Thaler! Glauben Sie wirklich, daß Baron Danfeld so viel hat?"
„Sein Vater verfügt über eine noch weit größere Einnahme, uni) er steht schon mit einem Fuße im Grabe, wie man sagt," erklärte der Gefragte.
Elisabeth seufzte beinahe erleichtert auf. „Ich hatte ihn nicht für so reich gehalten!" sagte sie.
„Reich? Pah! Ich wollte schnell genug damit fertig werden."
„Ja, Sie sind an Reichthum gewöhnt," unterbrach
* Die ,Nat.-Ztg.' und andere Blätter bedauern die Veröffentlichung des kaiserlichen Erlaffrs ohne ministerielle Gegenzeichnung, sprechen sich gegen den Ausschluß der Oeffentlichkeit bei derartigen Gerichtsverhandlungen (wie Prozeß Heinze) aus und verlangen die Beseitigung der frei umherwandelnden Prostitution, welche Maßregel der kaiserliche Erlaß unberührt lasse.
* Freiherr v. Schorlemer-Alst ist aus Allerhöchstem Vertrauen auf Lebenszeit in's Herrenhaus berufen worden.
* Der Kaiserl. Gouverneur für Deutsch - Ostafrika hat telegraphisch eine Meldung der Station Tabora an das Auswärtige Amt übermittelt, wonach die Expeditionen Stairs und Jaques Anfang September dort wohlbehalten eingetroffen sind. Von Emin Pascha meldet die genannte Station, daß er und Dr. Sttchl- mann mit seiner Expedition Anfangs Juli vom Albert Eduard - See nach dem Albert - See aufgebrochen sei. Andere Nachrichten liegen nicht vor. Bei dem Verlassen der deutschen Interessensphäre hat Emin Pascha gegen den ihm amtlich ertheilten Auftrag gehandelt; er allein wird die Verantwortung für sein Vorgehen tragen müssen.
* Ueber den Ausgang der Zelewski'schen Expedition ist Seitens des Kaiserl. Gouverneurs eine Untersuchung vor dem Auditeur der Kaiserl. Schutztruppe veranlaßt worden. Das Vernehmungsprotokoll wird heute vom ,Reichsanz.' veröffentlicht. Lieutenant v. Tettenborn und Lieutenant v. Heydebreck erklären über das Schicksal der vermißten Europäer Folgendes: Es ist ausgeschlossen, daß noch irgend ein Europäer von der Expedition an die Küste zurückkehrt. Unsere Stellung auf dem Hügel war von 3 Seiten von Bergen eingefaßt, sodaß Jeder, der nach dieser Richtung entkam, unsere Stellung und Fahne hätte sehen müssen. Nur nach vorn hin blieb das Gelände ohne Steigung durch Busch bedeckt. Jedoch ist es nicht anzunehmen, daß hierhin Jemand entkommen sei, da von hier der Hauptüberfall geschah und das Feuergefecht dort sehr bald verstummt war.
* Die 3. ordentliche Generalsynode der evangelischen Landeskirche in den älteren Provinzen der preußischen Monarchie ist durch kaiserl. Erlaß zum 10. November nach Berlin berufen worden.
* Was macht der Bischof von Trier mit dem „vielen" Gelde, das ihm die Ausstellung des heiligen Rockes eingebracht hat? Bischof Korum, sagt Prediger Hülle 5U' Berlin dem ,Evangel. Kirchlichen Anzeiger', ist ein gefährlicher Mann auf seinem Posten, durch die Ausstellung des heiligen Rockes hat er dem Staate und der evangelischen Kirche den Krieg erklärt. Fragt man, wozu er das Geld verwenden wird, das ihm die Pilger geopfert haben, so liegt darnach die Antwort nahe: „Zur Bekämpfung des preußischen Staates und bar evangelischen Kirche". Das scheint der Prediger Hülle zu fürchten und darum kann er es der gegenwärtigen preußischen Regierung nicht vergeben, daß sie die Ausstellung des heiligen Rockes nicht blos nicht verhindert, sondern durch ihre Beamten fogar unterstützt oder möglich gemacht hat. Jndeß, Herr Hülle möge sich beruhigen. Ueber das Geld zu verfugen ist nicht Sache des Bischofs allein, sondern des Bischofs
ihn das junge Mädchen, fast erschrocken über seine leichtsinnige Äeußerung.
Graf Bannstein lachte.
„AnReichthum!" wiederholte er; „sagenSie lieber an Schulden. „Ich habe überhaupt nie gewußt, was es heißt, genug Geld zu besitzen."
„Aber das hat Sie doch nie verhindert, Alles mit» zumachen."
„Ja, indem ich in unverantwortlicher Weise auf meine Zukunft spekulirte," erklärte er mit einem Frei- muth, welcher seine Zuhörerin für ihn einnahm. „So etwas können Sie natürlich nicht begreifen."
„O, doch; ich weiß, rote unangenehm es ist, kein Geld zu haben."
„Wirklich? Aber für eine Frau kann es nie so unangenehm werden, als für einen Mann."
„Wie so?"
„Weil wir so viel mehr brauchen."
„Aber Sie haben auch so viel mehr Möglichkeiten, sich etwas zu verdienen," erklärte sie.
„Verdienen? Allerdings, das ist eine neue Auffassung der Sache."
„Ich würde mich, bei einiger Aussicht auf Erfolg, keinen Moment davor scheuen."
Graf Bannstein blickte sie einen Augenblick von der Seite an, wie um in ihren Augen zu lesen, wie weit ihre Äeußerung ernst gemeint fei, dann hob er