JV 247
Dienstag, den 27. Oktober 1891.
18. Jahrgang
uldaer M Zeitung
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W An die Katholiken Deutschlands!
Am 10. Dezember 1894 wird das 600jährige Fest der Übertragung des hl. Hauses von Nazareth nach Loreto feierlich begangen werden, und bei dieser Jubelfeier soll die herrliche Kathedrale, welche das hl. Haus umschließt, in würdigem Schmuck erglänzen. Die baulichen Herstellungen an der Kathedrale besorgt die italienische Regierung; die innere Ausschmückung jedoch überläßt sie dem hochwürdigsten Bischof von Loreto und der Bruderschaft des hl. Hauses.
Da die hierfür zur Verfügung stehenden Mittel bei der Größe der Kathedrale und bei dem Umfang der nothwendigen Restaurirungs - Arbeiten zur Erreichung dieses erhabenen Zieles nicht genügen, so hat sich der Bischof mit der Bitte um Beihilfe an alle christlichen Nationen gewandt.
Der hl. Vater hat diesen weltumfassenden Plan gebilligt und belobt, und auch die Mehrzahl der deutschen Bischöfe hat in warm empfehlender Weise über das fromme Vorhaben sich ausgesprochen.
Die der deutschen Nation vom Bischof von Loreto zur Restaurirung und als nationale Andachtsstätte überwiesene Chorkapelle ist die mittelste und schönste der neun, das hl. Haus umgebenden Kapellen und wird der Ehre theilhaftig sein, den päpstlichen Altar aufzunehmen.
Die General-Versammlung der Katholiken Deutschlands zu Koblenz im Jahre 1890 hat die Ausführung der Restaurations-Arbeiten in dieser der deutschen Nation überwiesenen Kapelle beschlossen, und die im Jahre 1891 zu Danzig abgehaltene General-Versammlung hat die zur Ausführung dieses frommen Werkes bereits gethanen Schritte auf's Freudigste begrüßt.
Zur Erreichung des angestrebten Zieles sind aber sehr bedeutende Mittel erforderlich. Große Wandflächen sind in künstlerisch vollendeter Weise zu bemalen, ein mit bildlichen Darstellungen reich verziertes Fenster ist herzustellen, der päpstliche Altar, die Chorstühle rc. sind würdig und reich auszuführen.
Wir sind überzeugt, daß die deutschen Katholiken sich diese schöne Gelegenheit nicht entgehen lassen werden, dem göttlichen Kinde und seiner hochgebenedeiten Mutter als Zeichen huldigender Liebe ein Opfer darzubringen, und hierdurch von Neuem die so oft erprobte Frömmigkeit und Opferwilligkeit der deutschen Katholiken zu bewähren zur Ehre Deutschlands und deutscher Kunst, zur frommen Erbauung aller deutschen Pilger, welche nach Loreto wallen, vor Allem aber zur Ehre Christi und seiner heiligsten Mutter, und somit zum Segen Aller, die zu dem Werke beitragen.
Jeder katholische Pfarrer wird gewiß freudigst bereit sein, eingehende Spenden ihrer Bestimmung zuzuführen.
Mainz, 25. September 1891.
Das Komitee:
P. Stephan Beissel S. J.; Graf Ferdinand Bissingen-Nippenburg; Dr. Adam Bock, Reichstags-Abgeordneter; Baron Buol-Beren- berg, Reichstags-Abgeordneter; Baron Dael von
a Der Geizhals.
Nacherzählt von Cora von Schönburg.
(25. Fortsetzung.)
Danfeld, dessen väterliche Besitzungen an das Or- mann'sche Gut grenzten, war stets ein gern gesehener Gast in Gravenhof, wenn er zu den bei der Kräfteabnahme seines Vaters immer nothwendiger werdenden Jnspizirungen aus der Stadt herüberkam. Meistens aber waren seine Besuche nur sehr flüchtiger Natur, und auch heute hätte er lieber sein einsames Diner mit nachfolgender Cigarre und eingehender Zeitungslektüre im Schlosse zu Lieberg eingenommen, wäre es nicht Pflicht gewesen, die Liebenswürdigkeit anzuerkennen, mit der seine Braut einer Einladung in seine Nachbarschaft gefolgt war.
„Sind Sie zum ersten Male in unserer Gegend?" fragte er, nachdem man sich gesetzt und er seine Nachbarin eine Weile schweigend beobachtet hatte.
„Ja", begnügte sich diese zu sagen, indem sie die Augen voll zu ihm aufschlug, um sie dann schnell und unter lebhaftem Erröthen wieder herabzusenken.
Danfeld begann nachzugrübeln, ob er der jungen Dame schon früher einmal begegnet sei: Sollte ich sie vielleicht unwissentlich beleidigt haben oder ihr in irgend ein« Meise zu nahe getreten sein? sann er. Ich glaube
Köth-Wanscheid;P.DesideriusLenzO. 8.L.; Graf Ferdinand Galen; Dr. Gratzfeld, Sekretär des Herrn Kardinal Melchers; Baron Clemens svon Heereman, Reichstags-Abgeordneter ; FriedrichvonKehler, Reichstags-Abgeordneter; Dr. Joseph Lingens, Reichstags-Abgeordneter; Fürst Karl zu Löwenstein; Nikolaus Racks; BaronRochus vonRochow; F. Prinz Salm-Salm; Dr. Schmitt, Rechtsanwalt; Dr. von Steinle; Graf Anton zu Stolberg-
Wernigerode; Baron Stotzingen.
Deutsches Keich.
Berlin, 25. Oktober.
* Der Kolonialrath beendete gestern die Berathung der Etats der Schutzgebiete und berieth heute über die Ausschußanträge zur Zollordnung für Ostafrika und zu ben den Missionen zu gewährenden Zollermäßigungen. Zu beiden Vorlagen hat der Ausschuß zahlreiche Abänderungsanträge gestellt. Ferner empfiehlt er die Annahme einer Resolution, wonach es sich zur Belebung des Handelsverkehrs der Schutzgebiete mit dem Mutterlande empfehle, die Einfuhr von Erzeugnissen aus den deutschen Kolonien nach Deutschland durch Befreiung dieser Erzeugnisse vom Eingangszoll oder durch Zollermäßigung zu erleichtern.
* Es soll nunmehr feststehen, daß ein Gesetz über anderweitige Verwendung der Einkünfte aus dem Wel- fenfonds dem nächsten Landtage zugehen wird, wie ja auch schon im neuen Reichstagsetat der Dispositionsfonds für das Auswärtige Amt erhöht werden soll. Die Einnahmen aus dem Welfenfonds sollen hauptsächlich der Provinz Hannover zu Gute kommen. Fertig ausgearbeitet liegt das Welfengesetz freilich noch nicht vor.
* Die Tarif-Verhandlungen zwischen Italien und Deutschland sind einer Mittheilung des italienischen Unterstaatssekretärs Salandra zufolge am 22. b;" zu einem befinitiven günstigen Abschluß gelangt. Die Nachricht, baß der diesbezügliche Vertrag schon unterzeichnet sei, scheint sich somit zu bestätigen.
* Der Wirkt. Geh. Legationsrath Humbert, der sich zur Zeit auf einer Urlaubsreife in Italien befindet, wird seine Anwesenheit in Rom im dienstlichen Auftrage dazu benutzen, sich über verschiedene Fragen eingehend zu informiren, welche theils sür die dortige deutsche Kolonie von Bedeutung sind, theils auch für weitere Kreise Interesse bieten. Es handelt sich hierbei u. a. auch um die Frage der Errichtung eines Künstler- Hauses auf dem dem Reiche gehörigen Terrain. Ebenso wird das Verhältniß des Kaiserlichen Archäologischen Instituts zum Preußischen Historischen Institut einen Gegenstand seiner Beobachtung bilden.
* Zur Buchdruckerbewegung liegen bis jetzt folgende Nachrichten vor: Von dem Personal der Frankfurter Societäts-Druckerei (.Frankfurter Zeitung' und ,Kleine Presse') haben heute Abend 54 Setzer und zwei Stereotypeure das „Arbeitsverhältniß auf Grundlage des seither bestandenen Tarifs" mit 14tägiger Frist gekündigt, mit dem Ersuchen, der Verlag wolle sich behufs weiterer Verhandlungen an den Vorsitzenden des
es nicht, und doch ist mir ihr Gesicht auch nicht ganz fremd. Jedenfalls schien ihm die sonderbare Befangenheit, welche seine Gesellschaft ihr auferlegte, nicht ganz grundlos zu fein.
Sobald die erste Bestürzung überwunden war, welche Elisabeth bei Nennung seines Namens überwältigt hatte, gelang es ihr auch, die Unterhaltung in unauffälliger Weise in Gang zu bringen; Danfeld aber vermochte sich immer weniger des Jntereffes zu erwehren, welche die Erscheinung des eigenthümlichm Mädchens, von Anbeginn an in ihm hervyrgerufen hatte.
Als man «ach Tische wieder in den Salon zurückgekehrt war, setzte man sich alsbald zu einer Partie Whist zusammen. Nur die beiden jungen Damen, Elisabeth und Baronesse Deling, welche sich mit ihrer Uukenntniß des Spiels entschuldigten, setzten sich mit einer Handarbeit an den Kamin.
Man konnte nicht behaupten, daß die Unterhaltung mit der Baronesse sehr anregend gewesen wäre. Ihr Gemüth war ruhig, ihr Interesse beschränkt uud lediglich den praktischen Seiten des Lebens zugewandt. Nichtsdestoweniger fand Elisabeth einen Trost und eine Freude darin, sich mit der Braut von Baron Danfeld zu unterhalten, nur um ihm selbst und seinem Blick ausweichen zu können. Der junge Mann flößte ihr, neben der schmachvollen Angst, welche sie bei Nennung seines 1
Deutschen Buchdruckervereins wenden. In den übrigen hiesigen Offizinen sollen ebenfalls Kündigungen erfolgt sein. — Aus Mainz wird geschrieben, daß in der Reuter'schen Druckerei, .Neuester Anzeiger', und in der Druckerei der .Mainzer Volkszeitung' die Forderungen der Gehilfen wegen Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden und Erhöhung der Grundpositionen um 10 pCt. bewilligt wurde. Ferner wurde noch eine Theuerungszulage bei Reuter 1 M. freiwillig zugelegt. Die übrigen Druckereien verhalten sich noch zuwartend. — In Ludwigshafen haben die Buchdrucker in ihrer Tarifangelegenheit vollständig gesiegt. Drei große Druckereien nahmen sämmtliche Forderungen an; die vierte, die den bisherigen Tarif nicht bezahlte, hat allein abgelehnt. In Kaiserslautern wurde bis jetzt kein gemeinsames Vorgehen erreicht. In Landau, Speyer und Neustadt sind die Aussichten der Buchdrucker bis jetzt günstig. In Frankenthal wird bei einer Lohnaufbesserung weiter gearbeitet. — Dem Setzer- strike in Berlin werden die Prinzipale entgegentreten. Heute Abend werden alle Prinzipale, ausgenommen Rudolf Moste, Herrmann und ,Lokalanzeiger', den Ver- bandsmitgliedern kündigen. Die Firma Grunert kündigte bereits gestern Abend. — Neun Druckereien in Leipzig bewilligten die Forderungen der Gehilfen, darunter der .Wähler', der .Generalanzeiger', und der .Dorfanzeiger'. In 67 Druckereien kündigten: 900 Setzer, 300 Drucker, 440 Arbeiterinnen. Nicht gekündigt haben 307 Setzer, 108 Drucker, 281 Arbeiterinnen. — In Stuttgart gaben bisher den Setzern nach das ,Tagblatt' und die.Tagwacht'. Der,Staatsanzeiger' schloß einen Kompromiß. Die Werkdrucker scheinen zum Widerstande entschlossen zu sein. — In München haben von etwa 700 Buchdruckergehilfen etwa 150 nicht gekündigt. — In Würzburg haben von 128 Gehilfen 85, davon 70 Verbandsmitglieder, gekündigt. Aus zahlreichen anderen Orten Deutschlands liegen Melbungen vor, daß die angezeigte Kündigung der Buchdrucker heute erfolgt ist.
* Kaum glaublich. Eine Böttchergesellenfrau in Breslau, die in den dürftigsten Verhältnissen lebt — ihr Mann hat vom 19. August bis vor kurzem im Allerheiligen-Hospital krank gelegen und ist als theil- weiser Krüppel entlassen worden — hatte sich bittweise an den dortigen St. Vincenz-Verein um Unterstützung gewendet. Dies kam auf irgend eine Weise zur Kenntniß der königl. Staatsanwaltschaft, welche, wie die .Schles. Volksztg,' mittheilt, einen Strafbefehl des Amtsgerichts gegen die Bittstellerin veranlaßte, weil sie „bei dem St. Vincenz-Verein schriftlich gebettelt habe". Der Einspruch wird nun unzweifelhaft erhoben und die Sache dem Schöffengericht zur Entscheidung unterbreitet werden. Wenn alle Gesuche an Unterstützungs-Vereine u. s. w. — vielleicht wären auch Stipendiengesuche dazu zu rechnen — als straffällige Betteleien im Sinne des Strafgesetzbuches auf- gefaßt werden sollten, bemerkt dazu die ,Köln. Volks- Ztg.', wie viel Strafbefehle dieser Art müßten dann täglich ausgefertigt werden? Und wie stände es bann mit ber christlichen Barmherzigkeit unb Wohlthätigkeit?
Namens empfnnben, ein ihr unerklärliches, beunruhigendes Interesse ein. Als sie zum ersten Male vor ihm stand, da war es ihr gewesen, als müsse der Boden sie verschlingen, so sehr hatte das Gefühl ihrer Schuld sie überwältigt. O, warum war sie nicht bewußtlos zusammengebrochen, um dem fragenden Blicke seiner ernsten Augen auszuweichen! Sie wußte, wer er war.
Er war der rechtmäßige Eigenthümer ihres Reich- thums. Er war derjenige, den Johann von Argast zum Erben seines Besitzthums bestimmt hatte. Sie selbst aber — ein Räuber, — stand sie vor dem Beraubten! Ahnte, fühlte er ihre Schuld? Warum waren seina Augen sonst so ernst, so fragend auf sie gerichtet? Ja, warum sah er sie, wo sich auch ihre Blicke begegneten, so sonderbar an? Doch nein, er wußte nichts. Wie hätte er seine Verachtung sonst be- meistern, wie hätte er seiner Braut den Umgang mit der Verächtlichen erlauben können!
Er sah groß- und edeldenkend aus. Wie unwerth hatte sie sich seiner Gesellschaft gemacht.
Gottlob, er war reich, er konnte das Geld entbehren, daS ihre und der Ihrigen Existenz gesichert hatte. — Aber das änderte nichts an dem ewig gleichen Gesetze von Recht und Unrecht, welches sie verletzt hatte. O. könnte sie die Thal ungeschehen machen! Hätte sie