Beilage zu Nr. 246 der „Fuldaer Zeitung".
± Aus Fulda s Vergangenheit.
Ein königlicher Wohlthäter Fulda's.
In unserer Zeit, wo fast jede Stadt sich beeifert, das Andenken an ihre großen Männer durch die Errichtung mehr oder minder künstlerisch ausgeführter Erinnerungszeichen aus Stein oder Metall festzuhalten, da ist auch in der nassauischen Stadt Weilburg der Gedanke an ein solches Monument erwacht.
Dieses Denkmal wird gewiß ein hervorragendes Kunstwerk werden, da einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer der Gegenwart, Prof. Robert Sauer in Berlin, mit dem Entwürfe des Modells beauftragt worden fein soll.
Aber es ist auch kein Geringer, den die Stadt am Lahnstrom ehren will und zu dem in naher Beziehung zu stehen sie mit berechtigtem Stolz erfüllt. Es ist ein Mann, der einst durch Gottes Gnade an der Spitze der deutschen Nation stand und nicht nur mit fester Kraft über das Wohl des Reiches gewacht hat, sondern den ihm von der Vorsehung angewiesenen Kaiserthron, nach dem einstimmigen Zeugnisse seiner Zeitgenossen, auch mit den edelsten Herrschertugenden geziert hat: Konrad L, der Franke.
Bekanntlich war der erst e deutsche Wahlkönig der Sprosse eines im altchattischen Gebiete ansässigen fränkischen Grafenhauses. Im Hessengau, im Ober- und Niederlahngau und in der Wetterau herrschte dieses kraftvolle Geschlecht, genannt die „Konradiner", weil der älteste Sohn immer den Namen Konrad führte. Jedesmal auch erhielt der Erstgeborene die Grafschaft int Hessengau, wo er seinen Wohnsitz in Fritzlar nahm und dem Gaugerichte auf der Mader Haide Vorstand.
Nach dem Tode von König Ludwig dem Kinde, (911), der keine Nachkommen hinterlassen hatte, war der Mannsstamm der Karolinger erloschen. Zwei besonders angesehene und mächtige Männer waren es, welche nun die nächsten Ansprüche auf die Krone hatten: der Sachse Otto und der Franke Konrad, die beide von mütterlicher Seite her noch Glieder der karolingischen Familie waren. Konrad, der Urenkel der Gerburg, einer Tochter Ludwig's des Deutschen, war der Jüngere und Kräftigere von Beiden, und auf ihn, den edlen Herzog der Franken, fiel die Wahl der zu F o r ch- heim versammelten Fürsten. Der Erzbischof Hatto von Mainz gab ihm die feierliche Salbung und setzte ihm die Krone des Frankenreiches auf, die er nur sieben Jahre lang, von 911 bis 918, unter den schwierigsten Verhältnissen, immer aber mit Ruhm getragen hat.
Konrad I. hat sich während dieser kurzen und ver- hängnißvollen Zeit immer als ein ganz besonderer Gönner und Wohlthäter des Klosters Fulda erwiesen. Als er den Kaiserthron bestieg, stand unserem Kloster Abt Huoggi oder Hugo vor, der von 891 bis915 regierte und den Ruf eines klugen und billig denkenden Herrn genoß. Unter ihm war das Buchenland von den Raubzügen der Hunnen oder Ungarn arg bedroht, welche in jener Zeit in Deutschland wiederholt furchtbare Verheerungen anrichteten. Zur Abwehr gegen diese Einfälle soll Abt Hugo die Kirche auf dem Florenberg erbaut haben, die, von festen Mauern umgeben, den Bewohnern der Umgebung als sicherer Zufluchtsort dienen sollte. Um aber diese hochgelegene Stätte ganz besonders dem Schutze des hohen Himmelsherrn zu empfehlen, ließ er die Gebeine der hl. Flora int Jahre 913 dorthin überführen, woselbst sie noch heute unter dem Kreuze des Hochaltares ruhen; der Berg aber erhielt davon seinen Namen. Der Fürbitte und den Verdiensten dieser Heiligen wurde es auch zugeschrieben, daß ein großer Haufen jener wilden Raubgesellen, der raubend und mordend im Jahre 915 bis nach Fulda vordrang, von dem Abte mit geringer Heeresmacht siegreich Über die Landesgrenze zurück geschlagen wurde.
Wie der fromme Abt Hugo bereits bei Kaiser Arnulf in großer Gunst gestanden —hatte ihm dieser doch auch das von dem Friesendolch durchhauene Ev angelienbuch des hl. Bonifatius, das noch heute in hiesiger Landesbibliothek als kostbarstes Kleinod aufbewahrt wird, zum Geschenk gemacht — so erzeigte ihm auch Konrad I. gleich nach seiner Thronbesteigung seine königliche Huld durch Schenkung mehrerer Güter.
Auf Hugo, der auch durch die Vertauschung auswärtiger Besitzungen gegen näher gelegene (wie z. B. das von Ludwig dem Frommen geschenkte Dorf Massenheim für den Ort Salmünster) dem Kloster großen Nutzen verschafft hatte, folgte als zehnter Ful- daischer Abt Helmsried. Dieser starb schon im folgenden Jahre, nachdem er vorher für die Kirche ein goldenes Kreuz hatte anfertigen lassen, das so reich mit Edelsteinen besetzt gewesen sein soll, daß es für das herrlichste im Reich angesehen wurde.
Die Abtswürde kam nun anHaicho, der bis923 regierte, und den der Papst Johann X. einen gelehrten und wohlberedten Mann nannte. Auch König Konrad schätzte diesen Abt sehr, wie er noch
Sonntag, den 25. Oktober 1891.
kurz vor seinem Tode im Jahre 918 bewies, wo er dem Fuldaischen Kloster H a g e n (H a y n e an der N e s- sel) und Sumerd e (Groß-Sommern an der Un- struth) schenkte, bannt sich die Mönche Nahrung und Kleider davon anschaffen sollten.
Daß Konrad I. das Kloster Fulda auch mit seinem Besuche beehrt hat, ist uns überliefert worden; denn wir wissen, daß er einige Höfe dem Altäre des hl. Bonifatius bei seiner Anwesenheit in Fulda im Jahre 912 schenkte. Und wie leutselig und liebenswürdig der gütige König bei solchem Anlaß die von ihm so hochgeschätzten Söhne des hl. Benedikt behandelte, davon hat uns die geschichtlich so werthvolle Klosterchronik von St. Gallen eine sehr lebendige und fesselnde Schilderung bewahrt. Wir können uns nicht versagen, die bezüglichen Aufzeichnungen des Mönches Ekkehard IV.1 2 *), ausführlich hier wiederzugeben:
„Nicht viele Zeit nachher feierte Chuonrad, damals König, zu Constanz des Herren Geburtsfest?) Am selben Tage nach Tisch, als ihm der Bischof s) die abendlichen Prozessionen jener drei Tage beim hl. Gallus lobte, sagte der König: „O, daß wir doch dort wären! Und weshalb werden wir, mein Herz, nicht morgen früh dorthin gehen?"
Alsbald wurden die Schiffe bereitet, und nachdem der König dieselben früh mit den Bischöfen und dem übrigen Gefolge bestiegen, erreichte er um Mittag unser Ufer, und indem er dem hl. Gallus mit Frohlocken sich näherte, wurde er unter Verkündigung lauter Lobgesänge ruhmvoll an der Stätte empfangen. Und nachdem er drei Nächte in aller Fröhlichkeit an dem Orte verbracht, kam er endlich am vierten Tage bei Nacht nach Strbon4) Es wäre lange zu sagen, mit welchen Ergötzlich ketten er diese Tage verlebt hat, vorzüglich bei dem feierlichen Aufzuge der Kinder; diesen ließ er Aepfel mitten auf den Estrichboden der Kirche vorstreuen, und da er auch nicht eines der kleinsten sich bewegen, noch nach den Früchten seine Aufmerksamkeit richten sah, bewunderte er deren Zucht. Als er am Tage der Kindlein (unschuldige Kinder) mit zwei Bischöfen zur Tischstunde auch in den Speisesaal der Brüder eingetreten war und mehrere fröhliche Worte zu den vor ihm sich erhebenden gesprochen hatte, sagte er: „Mit uns werdet Ihr, Ihr möget wollen oder nicht, zu theilen haben." Den Dekan aber, welch^ seinetwegen vom Tische des Abtes zu gehen sich anschickte, umarmend und zurückhaltend, setzte er sich nieder, und das ihm Vorgesetzte zu sich nehmend, sagte er, Alle ringsum sich betrachtend und anlachend: „Laßt uns inzwischen hieran theilnehmen!" Er schickte aber auf das Geschwindeste zu Salomon, derselbe möchte nicht dazu kommen, sondern ein jeder für den andern Tafel halten. Als er bann dem Propste befahl, baß ihm nichts als bas, was ben Brübern bereitet werbe, vorgesetzt werbe, sagte bieser: „O König, unser Unglück, baß bu nicht ben folgenden Tag ab« wartest, denn morgen werden wir vielleicht Brod und enthülste Bohnen haben, aber heute nicht also."
„Fürwahr", sprach jener, „auch morgen wird sich Gott über Euch erbarmen können."
Indem hernach die Kinder der Reihe nach lasen, und vom Lesepulte herabstiegen, hob sie der König zu sich auf und legte ihnen goldne Münzen in den Mund, und als einer der sehr kleineren unter ihnen das Geld heftig schreiend wieder spie, sagte er: „Der wird, wenn er das Leben behält, einmal ein guter Mönch sein."
Als er sich endlich vom Tische erhob, sprach er freudig vieles zu den Brüdern und ermahnte sie, bester Hoffnung zu sein, weil, wenn er am Leden bleibe, er solche Tischgenossen fröhlich machen wollte. Er ging also zu den ©einigen zurück, nachdem er vor Salomon und Allen sich gerühmt, daß er niemals fröhlicher ein Gastmahl gehalten habe."
„Als aber der König einen Abend und eine Nacht fröhlich verbracht hatte, wird er, indem er um Tagesanbruch eine Versammlung der Brüder sich erbittet, weil aller Stimmen günstig fallen, ein verzeichneter Bruder. Er theilte einem jeden der Brüder ein Pfund Silbers zu, damit er es für die Kleidung behalte. Den Snaben5) verordnete er drei Tage zum Spielen, sowohl für jene Zeit gerade, als für die Zukunft, und nachdem er in die Kirche des hl. Gallus hineingegangen war, bekleidete er die Altäre mit Decken. Auch die Immunität des Ortes, die von Grimald begonnen worden war, aber noch nicht fest stand, stellte er felbft unter Erlaubniß des Bischofs mit eigener Hand und mit dem Siegel als sicher und ununterbrochen bestehend, fest.
*) Die Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit: Ekkehard's I V. Casus d. Palli, übers, v G. Meyer von Knonau.
2) Das Weihnachtsfest 911.
») Salomon, Bischof von Constanz und zugleich Abt, ein geistig sehr begabter Mann, war König Konrad's vertrautester Freund.
<) Städtchen am Bodensee.
s) Zöglinge der hochberühmten Klosterschule von St. Gallen.
(Schluß folgt.)
Herbst.
Welkes Laub zu meinen Füßen Keine Lerchen in der Luft, Herbstzeitlosen auf den Wiesen; In dem Garten Georginen, Farbenprächtig, ohne Duft.
Nebel, Dunst und Regenwetter! Raben krächzen um den Thurm; Rothe, gelbe, falbe Blätter Drehen sich im tollen Kreise, Aufgejagt vom wilden Sturm.
Oede, leere Stoppelfelder!
Trauer liegt auf Feld und Flur; Ohne Blätterschmuck die Wälder Und vom frohen Sommerleben Findest Du jetzt keine Spur.
Ach, des wilden Weines Ranken Schmückt jetzt schon ein sterbend Roth, Melancholische Gedanken Ziehen ein in unsre Herzen. Und wir denken an den Tod.
Doch das Herz kann viel ertragen, Bis es in dem Tode bricht, Anders ist es mit dem Magen, Der kein Freund von Redensarten, Und vom Winde lebt er nicht.
Drum schafft Borrath in die Kammer, In den Keller leget Wein, Daß des Winters Noth und Jammer Und des Daseins graue Sorgen Ziehen nicht ins Haus hinein,
Doch gedenket auch der Armen, Denen fehlt das liebe Brod; Uebet Wohlthun, habt Erbarmen Und vergeßt bei eignen Sorgen Nicht der fremden, größern Noth. (Oberh. Ztg.)
Vermischtes.
* Bei der Klostersuppe. Nirgends kann man, schreibt das Münchener Fremdenbl/, das menschliche Elend genauer kennen lernen und mehr Jammergestalten zugleich sehen, als an jenen Plätzen öffentlichen Wohlthuns, wo die Armen und Hungrigen zu gewissen Stunden des Tages mit einer nahrhaften Suppe und einem Stück Brod beschenkt und so vor den Qualen des Hungers nach Kräften geschützt werden. Unglückliche und Bejammerus- werthe jeden Alters und Geschlechts, silberhaarige Greise mit schlotternden Beinen, noch rüstige aber zur Zeit wegen Beschäftigungslosigkeit zum Betteln gezwungene, oft robuste Gestalten, Kinder mit bleichen Wangen, auf denen schon frühzeitig der Kummer und die Noth ihre Furchen gezogen: Frauen, deren Antlitz den inneren Gram schon auf den ersten Blick erkennen läßt, in Lumpen gekleidet, zwei oder drei Kinder mit sich führend, Männer im besten Alter, aber durch Unglücksfälle, Verdienst- losigkeit oder sonstige Schicksalsschläge niedergedrückt, in sauberen, aber stark strapazirten Kleidern, das sind im Großen und Ganzen die Elemente, aus denen sich jene bemitleidenswerthe Gesellschaft rekrutirt. Mit dem Schlag 12, wenn mit der Glocke das Betzeichen gegeben wird, ertönt die Stimme des Vorbeters, dem schließlich alle Anwesenden im Chore beistimmen, dann erfolgt, nachdem zwei Klosterfratres einen großen Tops mit rauchender Suppe gefüllt, hereingeschleppt, die Vertheilung derselben an die Anwesenden, die nun, nachdem jedes einen Löffel gegen Verpfändung einer Mütze, eines Hutes oder Korbes eingetauscht, mit sichtlichem Appetit verzehrt oder wohl gar verschlungen wird. Andere haben Geschirre mitgebracht, die sie mit Suppe gefüllt Heimbringen, um vielleicht kranken Eltern und Geschwistern die nothdürftigste Nahrung zu bringen. Eine halbe Stunde später sind die kleinen Schüsseln geleert, die Mützen u. s. w. gegen die Löffel ausgewechselt und bald ist in der großen, klösterlichen Speisehalle mit ihren bloßen Mauern die frühere lautlose Stille wieder eingckehrt.
* Bon einem Hirsch getödtet. Auf Einladung des Gutsbesitzers Herrn Pletschinschnigg zu Ursulaberg begaben sich die bei demselben als Gäste befindlichen Herren Maximilian Straßberger und Adolf Hochegger, Sekretär der Landwirthschaftlichen Gesellschaft, Beide aus Wien, in Begleitung des Forstwartes Ehrich, Forstverwalters Franz Godetz und des Försters Stroinig nach dem am Hange des Urfulaberges hinziehenden Thiergarten, welcher derzeit einen Hirsch, sechs Stück Hirschthiere und drei Hirschkälber enthält. Man hatte bei dem Umstande, daß schon häufig Damen ohne Gefahr den Park passirten, keinerlei Waffen mitgenommen. Ueberdies galten sämmtliche Thiere als zahm, die schon häufig den Besuchern Futter aus der Hand gefressen hatten. Bei Eintritt in den Thiergarten zogen sich die Thiere und Kälber sofort in das Gebüsch zurück, und nur der Hirsch, ein Achtender, blieb auf der Lichtung stehen. Der Hirsch zog bann an den Besuchern vorüber. Bei dem letzten derselben, Herrn Straßberger, blieb der Hirsch zuerst stehen, machie aber dann gegen denselben rasch eine Wendung, senkte sein Geweih, faßte im nächsten Momente Herrn Straßberger an den Beinen und warf ihn zu Boden. Die Begleiter Straßberger's drangen nun mit den Stöcken auf den wüthenden Hirsch ein. Doch vergebens. Herrn Straßberger's letzte Worte waren: „Helft mir, mein Fuß ist schon weg!" Der Hirsch stieß mit seinem Geweihe in die Weichtheile seines Opfers und verletzte hierbei edlere innere Organe. Ein Müller, der von der Ferne den ganzen Vorfall mit angesehen hatte, eilte mit zwei Knechten zur Hilfe herbei, und den vereinigten Bemühungen gelang es, den Hirsch von seinem Opfer zu vertreiben. Straßberger war bereits tobt. Die Knochen seines Körpdrs waren zum Theil bloßgelegt, außerdem zeigte der Körper die tödtlichen Verwundungen der zwei Stöße in die Weichtheile, sowie acht Rippenbrüche.
* Eine blödsinnige Weite hat in Iserlohn wieder ein Mal der Kneip-Uebermuth gezeitigt. Ein junger Mann hatte sich anheischig gemacht, fünf Minuten lang direkt vom Krahnen Bier zu trinken. Sofort war die Wette gemacht, nnd schon hielt der Held seinen Mund unter den Bierkrahnen. Er schluckte gut; aber nach zwei Minuten war er todtenblaß und sank bewußtlos zusammen. Nun liegt er an einer UnterleA>s-Entzündung schwer krank darnieder.
* (Durchschaut.) Rekrut: „Ich bitte um Urlaub für heute; meine beiden Schwestern kommen mich besuchen!" — Feldwebel: „Wie, Sie dienen erst sechs Wochen und haben schon zwei Schwestern?