Einzelbild herunterladen
 

JM 237

Donnerstag, den 15. Oktober 1891,

18,Iahrgaug

ulhcr

;.i •;.??Ai

i j

Zeitung

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' und der alle 14 Tage erscheinenden Gratisbeilage ,Rathgeber für Landwirthschaft, Gartenbau und Hauswesen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

* Der Untergang der Expedition ZelewsKi's.

Bereits in Nr. 234 unsrer Zeitung haben wir einen kurzen Bericht über den Zusammenstoß der Expedition Zelewski's mit den Wahehes gebracht, da jedoch der unglückliche Ausgang des Unternehmens für unsere Kolonialpolitik von größter Bedeutung ist, glauben wir unseren Lesern eine ausführliche Schilderung wie wir sie in der ,K. Bkztg.' lesen, nicht vorenthalten zu sollen, zumal die begleitenden Erörterungen dieses Blattes über den Fall ganz unfern Standpunkt wiedergeben.

Der Bericht des Lieutenants v. Tettenborn über die Nieder­lage int Wahehe-Lande dürfte die Annahme des Berliner Tage­blatt-Korrespondenten, daß der Kommandeur der deutschen Schutz­truppe den Untergang derselben selbst verschuldet hat, bestätigen. Ununterbrochene Rauchsäulen bezeichneten den Weg, den die Expedition nahm, mindestens 80 Gehöfte wurden den Flammen preisgegeben, zum Theil in einer sehr zahlreich bevölkerten Ge­gend, ohne daß die Nothwendigkeit eines so barbarischen Vor­gehens auch nur mit einer Zeile im Bericht berührt, geschweige denn erwiesen würde. Es heißt einfach: Dann und wann wur­den so und so viele Temben niedergebrannt. Im Gegentheil enthält der Bericht einige Umstände, welche den unmittelbaren Eindruck Hervorrufen, daß es um planlose, willkürliche Einäsche­rungen sich gehandelt hat. So wird im Eingang gesagt, daß die Häuptlinge, zu deren Gebiet die Expedition zuerst kam, ge­flohen seien und bis auf wenige Stück, welche in die Hände der Schutztruppe fielen, ihre Rinder und ihr Kleinvieh abgetrieben hätten. Was soll es nun heißen, in einer verlassenen Gegend 25 Temben in Brand zu stecken? Als Stützpunkte für feindliche Bewegungen können diese Hütten überhaupt kaum in Betracht kommen, und in diesem Falle konnten sie es erst recht nicht, da der Feind weggezogen war. Wollte man sich dafür rächen, daß so wenig Vieh vorgefunden wurde? Das ist nicht anzunehmen, da die Expedition 10 Tage später, als es zu dem unglücklichen Zusammenstoß kam, noch 20 Stück Rindvieh und 60 Schafe hatte, abgesehen von den Mundvorräthen, also an einen Mangel an Lebensmitteln vorläufig gar nicht zu denken war. Anstatt Furcht und Schrecken um sich zu verbreiten, hätte es dem Führer der Expedition rathsamer erscheinen müssen, den Weg einer friedlichen Verständigung zu versuchen, denn die Häuptlinge hatten schon Furcht genug, sonst wären sie nicht geflüchtet, und ein größerer Trupp von Wahehe-Kri-gern, weicher der Expedition drei Tage vor dem entscheidenden Schlag begegnete, hatte nicht den Muth, dieselbe schon damals anzugreifen. Auch der fast vollständige Mangel an Schießgewehren konnte für die Wahehes keineswegs ermuthigend wirken. In jedem Falle bezeichneten die aufsteigen­den Rauchsäulen den Wahehes von Weitem schon die Richtung, in welcher sie den Hinterhalt zu wählen hatten, um von da aus den Ueberfall, gestützt auf ihre ziffermäßige Ueberlegenheit, zu wagen. Noch unbegreiflicher muß es erscheinen, daß die Expe­dition ohne voraufgegangenen Aufklärungsdienst in die Nähe eines dichten Busches zog, welcher dem Kommandeur von vorn herein nicht ganz geheuer vorkam, da er auf einem Hügel davor den Zusammenhang der Marsch-Kolonnen wieder herzustellen versuchte. Noch ehe das Letztere bewirkt war, begann der Vormarsch nach dem Gestrüpp, so daß der Führer der Nachhut, Lieutenant v. Tettenborn, erst auf den Hügel kam, als das Gros des Korps von dem Feinde schon niedergemacht war. Ueber eine solche Sorglosigkeit wird man in militärischen Kreisen einfach die Hände über dem Kopfe zusammenschlagen. An den Ort des Ueberfalls scheint übrigens der Lieutenant v. Tettenborn auch nachher nicht gekommen zu sein, obwohl die Wiedererlangung der drei Ge­schütze ihm für den Rückzug nicht gleichgiltig sein konnte. Immer­hin mag man der Schwierigkeit seiner Lage Rechnung tragen. Den Rückzug hat er, wie aus seinen Mittheilungen hervorgeht, in vorsichtiger und geordneter Weise angetreten und durch fort­gesetztes Signalblasen und eintägiges Lagern in der Nähe des Gefechtsfeldes den versprengten Europäern die Möglichkeit der Rettung offen gehalten. Wie vermuthet, hat er nicht den alten Weg eingeschlagen, welcher ihm durch die in Folge der Ein­äscherungen ergrimmte Bevölkerung abgeschnitten war, sondern eine neue Richtung, ist aber bis jetzt an der Küste noch nicht an­gelangt. Die Gegner unserer Kolonial-Politik werden sich diesen Mißerfolg zu Nutze machen, und auch die Regierung wird sich

a Der Geizhals.

Nacherzählt von Cora von Schönburg.

(15. Fortsetzung.)

Er setzte die Brille auf und richtete sich, nachdem sie ihm die Kissen zurecht geschoben, etwas im Bette empor. Eine Zeit lang las er schweigend, dann sagte er mit Nachdruck:

„Nein, so soll es nicht bleiben! Ich habe mich in ihm geirrt. Der Hang zum (Selbe muß angeboren sein, er läßt sich nicht einflößen. Nein, ich kann etwas Vernünftigeres thun." lind dann, sich mit einem for­schenden Blick an sie wendend, fuhr er fort: „Glaubst Du, daß Du im Stande wärest, Geld zu hüten?"

„Ich würde es versuchen", antwortete sie ruhig.

Eine Pause entstand. Der alte Mann lag und dachte. Seine gelbe, knöcherige Hand ruhte auf dem offenen Papier. Endlich sagte er kurz und scharf:

„Schreibe! Hole Papier und schreibe an Walter."

Elisabeth holte das Nöthige und setzte sich an einen kleinen Tisch vor seinem Seit.

„Lieber Herr Walter", dictirte er, „seien Sie so freundlich, sobald als möglich zu mir zu kommen. Ich wünsche mein Testament in Uebereinstimmung mit

dem Reichstage gegenüber in großer Verlegenheit befinden, ins­besondere wenn Mehrforderungen gestellt werden sollten. Jndcß 'Sft noch nicht viel verloren, wenn man es nur versteht, aus den

Übeln Erfahrungen die entsprechenden Lehren zu ziehen. ♦ * *

Der amtliche Bericht an den kaiserlichen Gouverneur Frei­herrn v. Soden lautet:

Lager am Myombo, den 30. August 1891. Am 30. Juli brach die Expedition über Marore zu den Wahehe-Häuptlingen Makusza und Manamtua am Kititibach im Rubeho-Gebirge auf. Die Häuptlinge flüchteten und hatten bis auf wenige Stück, welche uns in die Hände fielen, ihre Rinder und Kleinvieh abgetrieben. Vom 5. bis 6. August wurden etwa 25 Temben den Flammen preisgegeben und 3 Feinde getödtet. Darauf marschirte die Karawane über Marore, den Ruaha bei Masombi überschreitend, auf Mgowero nach Mage. Am 14. August traf die Expedition dort ein und bezog Lager. Zum ersten Male hatten sich dort Wahehe-Krieger in größerer Menge gezeigt; bewaffnet waren sie mit Schild und Speer, selten mit Flinten. Einzelne Schüsse ver­scheuchten die Feinde in westlicher Richtung. Nachdem am 14. in der Nähe unseres Lagers mehrere Temben verbrannt worden waren, durchzog die Truppe am 15. und 16. August die Hoch­ebene von Mage und überlieferte in der sehr zahlreich bevölker­ten Gegend etwa 50 Temben den Flammen. Am 16. August erreichten wir etwa den Ort, wo auf der Karte Lula steht. Am 17. August, 6 Uhr Vormittags, brach die Karawane in der Rich­tung auf Mdawaro (Mdairo?) auf. Die Marsch-Ordnung war folgende: Mehrere schwarze Führer unter Bedeckung von 10 Zulu, Kommandeur v. Zelewski, Arzt Dr. Buschow, Lieutenant v. Pirch, 7. Kompagnie, Unteroffizier Schmidt, Büchsenmacher Hengelhaupt. Darauf folgte die Artillerie: Unteroffizier Thiede­mann, Herrich und Mutzer, dann Lieutenant «.Heydebreck. Hieran schloß sich Lieutenant v. Zitzewitz, Unteroffizier v. Tiedewitz, Lazarethgehilfe Hemprich. Zwischen die Träger vertheilt waren 40 Sudanesen der 6. Kompagnie. Feldwebel Kay, Lieutenant v. Tettenborn mit 20 Sudanesen der 6. Kompagnie, hinter welchen 20 Stück Rindvieh, 60 Schafe und Ziegen unter Bedeckung von 12 Sudanesen der 6. Kompagnie. Gegen 7 Uhr Vormittags ließ der Kommandeur auf einem kleinen Hügel halten, um den Zu­sammenhang der Marsch-Kolonne wieder herzustellen. Jenseits dieser Erhebung begann ein dichter Busch, in welchem vielfach große Felsstücke zerstreut lagen. Kaum hatte die Kolonne bis einschließlich Artillerie dieses Gestrüpp erreicht, als ein Signal­schuß ertönte und gleich darauf die Wahehe in großer Ueberzahl höchstens 30 Schritt von der Kolonne seitlich auf­tauchten und mit wildem Geschrei und Ungestüm auf diese cindrangen. Die Soldaten konnten nur 2—3 mal feuern, so schnell war der Feind in ihren Reihen. Die Ver­wirrung wurde vermehrt durch die wilde Flucht der Artillerie- Esel, welche in die 5. Kompagnie eindrangen. Die Askaris wandten sich nun unaufhaltsam zur Flucht, von den Feinden energisch verfolgt. Lieutenant v. Heydebreck, Murgan Effendi und etwa 20 Askaris gelang es, eine nahe gelegene Tembe zu erreichen und hier mehrere Stürme der Wahehe mit Erfolg ab­zuschlagen. Auf das heftige Feuern begab ich mich mit meinen 20 Soldaten im Marsch an der Träger-Kolonne vorbei auf die obengenannte Höhe, welche ich noch nicht erreicht hatte. Hier waren im wüsten Durcheinander Träger, welche ihre Lasten weg­geworfen hatten, Wahehe, welche dieselben durchsuchten, sterbende Krieger und zurückkehrende, vielfach verwundete Soldaten. Nach­dem ich die Wahehe durch Schüsse verjagt hatte, besetzte ich die Höhe in einer kreisrunden Stellung, in deren Mitte Träger, Verwundete und unsere Biehheerde. Ich nahm an, daß rechts­seitig von mir das Gefecht zum Stehen gekommen sei, und wollte mit meiner Stellung dem Gros als Stützpunkt dienen. Die deutsche Flagge wurde an einem hohen Baum gehißt und meine Hornisten gaben in kurzen Unterbrechungen unsere üblichen Signale ab. Das Feuergefecht verstummte nach etwa zehn Mi­nuten bis auf einzelne Salven, welche, wie ich nachher erfuhr, aus der Tembe des Lieutenants v. Heydebreck kamen. Auf die Meldung, daß in meiner Nähe ein Europäer mit einem Geschütz sei, sandte ich diesem durch eine Patrouille den Befehl, sich an mich heranzuziehen. Dieser Befehl erreichte Lieutenant v. Heyde­breck, welcher um 8 Uhr 30 Min. Vormittags, selbst durch zwei Speerstiche hinter dem rechten Ohr verwundet, blutüberströmt bei mir eintraf. In seiner Begleitung waren Unteroffizier Wutzer, Murgan Effendi und zwölf Mann. Von diesen hörte ich, daß

meinen neugewonnenen Anschauungen zu bringen. Er­gebens! u. s. w."

Elisabeth reichte ihm den Brief hin, und er unter­zeichnete in deutlichen Buchstaben seinen Namen.

„So, schicke es nun zur Post, oder was noch besser ist, bringe es persönlich hin, es kommt Dir selbst zu Gute."

Elisabeth bat Frau Knapp, ihre Stelle am Kranken­lager einzunehmen, und eilte, von den verschiedensten Empfindungen der Aufregung, Erwartung und Hoffnung getrieben, fort. Sollte sich wirklich jetzt eine. Wand­lung zum Befferen für sie vollziehen? — Würde der mürrische alte Mann ihr wirklich etwas hinterlassen, womit sie die Noth ihrer Mutter lindern, ihr eine sorgenfreie Existenz verschaffen könnte? — Würde er vielleicht auch ihre armen, kleinen Neffen bedenken? — Wen er zum eigentlichen Erben einsetzte, war ja einerlei, wenn nur ein kleiner Theil für sie abfiele, um die grausame Noth des Lebens zu lindern. —

Der Rest des Tages, den sie wieder an dem Bett des Onkels zubrachte, verlief in der gewohnten Weise. Nur die Spannung, mit der man Herrn Walter's An­kunft erwartete, wich von der sonstigen Einförmig­keit ab.

unsere drei Geschütze vom Feinde genommen seien und daß unsere Verluste, namentlich bei der Artillerie und der fünften Kom­pagnie, sehr beträchtlich seien. Ich beschloß hierauf, meine Stel­lung auf der Höhe zu halten, in der Hoffnung, daß sich Ver­sprengte unserer Expedition, die, wie ich jetzt annehmen mußte, vollständig aufgerieben war, bei mir einfinden würden. Aus allen Seiten in dem mich umgebenden Gestrüpp waren Wahehegruppen sichtbar, welche durch unsere Kugeln verscheucht wurden. Die Wahehe hatten rings das dichte aber nicht hohe Gras in Brand gesteckt. Die Flammen wurden uns durch hef­tigen Wind näher gebracht und gestalteten unsere Lage zu einer recht bedenklichen. Unsere Verwundeten waren dem Flammentod preisgegeben. Um 9 Uhr Vormittags wurde Sergeant Thiede­mann, mit einem schweren Speerstiche im Unterleib und durch Brandwunden verletzt, herbeigeschafft. Wir legten ihm einen Nothverband an und betteten ihn in einem Zelt, auch wurden nach Möglichkeit unsere schwarzen Verwundeten verbunden. Auf mein fortgesetztes Signalblasen hatten sich bis 4 Uhr Nachmittags etwa 60 Soldaten und 70 Träger eingefunden. Da mein Rück­zug immer gefährdeter werden mußte, je mehr die von der Ver­folgung zurückkehrenden Feinde sich zu sammeln begannen, mar­schirte ich in eine über unser am Tage vorher ausgeschlagenes Lager hinausliegende Tembe, am Wasser, und befestigte mich hier. Noch immer war ich der Ansicht, hier in der Nähe (eine Stunde) des Gefechtsfeldes auf der einzigen Rückzugslinie mit meinem endgiltigen Abmarsch warten zu sollen, obgleich mir meine beiden schwarzen Offiziere Murgan und Gaber Effendi riethen, so weit als möglich abzumarschiren. Es gab doch noch eine Möglichkeit, daß sich kleine Abtheilungen und vereinzelte Europäer im Busche versteckt hielten, denen nur mit meiner Hilfe ein Entkommen möglich gewesen wäre. Ich beschloß demgemäß, den nächsten Tag, den 18. August, hier noch auszuhalten. Die Wahehe griffen mich webet in der Nacht noch am folgenden Tage an, sondern zogen sich in größeren Massen seitlich in der Richtung auf Mage vorbei. Es erschien mir nunmehr bedenklich, auf dem alten Wege über Mage abzumarschiren, und ich beschloß, über das steile Gebirge im Südosten von Lula auf den Ukose und längs dieses den Ruaha erreichend abzuziehen. Auf diesem Wege durste ich nach Aussage eines angeblich ortskundigen Führers hoffen, aus keine feindliche Bevölkerung zu stoßen. Nach diesem Plane brach ich am 18. August um 9 Uhr des Abends aus, marschirte vielfach des Nachts und ohne Weg durch die Wildniß, überschritt am 27. August, 4 Uhr 30 Min. Vormittags den Ruaha ungefähr hart nördlich der Mwega-Mündung, nachdem ich muthmaßlich Jkula und Mdene passirt hatte. Da der Marsch meiner Kara­wane ziemlich wenig bekannt wurde und ich fast stets wegen meiner Nachtmärsche und Geschwindigkeit überraschend austrat, wurde ich von der uns wenig freundlich gesinnten Bevölkerung wenig gestört und erreichte am 29. August, Nachmittags um 3 Uhr, den Myombo-Fluß, wo ich von der Bevölkerung freundlich em­pfangen wurde. Nach Aussage von Einwohnern sind gestern hier 13 Soldaten von uns durchgekommen und nach Kondoa weiter­gegangen. Ich marschire morgen nach Kondoa, verbleibe dort so lange, bis ich die in Mpwapwa liegenden, für die Karawane bestimmten Lasten herangeholt habe und breche dann nach Dar- es-Salaam auf. Ueber den Verbleib der Europäer vermag ich Folgendes zu berichten: Unteroffizier Thiedemann erlag seinen schweren Verletzungen in der Nacht vom 17. zum 18. und wurde in der Tembe, der Sicht der uns stets umspähenden Wahehe entzogen, begraben. Nach Aussage einiger Schwarzen, die sich bei Beginn des Ueberfalls in der Nähe des Kommandeurs befanden, soll derselbe,, sowie Dr. Buschow und Lieutenant v. Pirch, noch auf den Eseln sitzend, durch viele Speerstiche niedergemacht wor­den sein. Bon den übrigen Europäern ist mit absoluter Bestimmt­heit nichts zu sagen, doch kommen die Aussagen der wenigen, aus dem vorderen Gefecht Entkommenen dahin überein, daß sie sämmtlich den Tod gefunden haben. Bei mir befinden sich: Lieutenant v. Heydebreck, dessen Wunden fast geheilt, Feldwebel Kay und Unteroffizier Wutzer, Murgan Effendi, Gaber Effendi und 62 Soldaten, von denen 11 verwundet; 74 Träger, von denen 7 verwundet; außerdem 4 Esel, einige Lasten. Unser Verlust beläuft sich auf 10 Europäer (4 Offiziere, 6 Unteroffiziere), etwa 250 Soldaten, eben so viel Gewehre und 3 Geschütze, 23 Esel und 96 Träger und den Haupttheil unseres Gepäcks. Die An­zahl unserer Angreifer dürfte mit 3000 nicht zu hoch geschätzt sein, wovon vielleicht 700 getödet worden sind. Ihr Häuptling Kuawa und Führer Marawatu sind gefallen. Nur dem Umstande

Aber der sonst zuverlässige Freund täuschte diesmal alle in ihn gesetzten Erwartungen. Es wurde Abend, und noch immer war keine Nachricht von ihm angelangt.

Endlich am andern Morgen kam ein Brief, aber er enthielt nur die beunruhigende Meldung, daß Herr Walter seit zwei Tagen in Geschäften verreist sei und nicht vor Abend zurückerwartet werde. So mußte man sich denn noch einen Tag länger gedulden. Der Mit­tags erscheinende Arzt verordnete Champagner, um die bedenklich gesunkenen Kräfte wieder etwas anzuregen. Die folgende Nacht war grenzenlos aufregend, da der Kranke bald von wilden Fieberphantasien erfaßt, bald von gänzlicher Ermattung überwältigt wurde. Trotz­dem wollte er es sich nicht nehmen lassen, gegen 10 Uhr aufzustehen, ja es war sogar, als ob ihn nach dieser Krisis eine neue Kraft belebe. Er hatte sich soeben in seinem Sessel niedergelassen und Elisabeth bereitete sich vor, ihm die Zeitungen vorzulesen, als Herr Walter eintrat.

„Haben Sie die gute Nachricht schon gehört, Herr v. Argast?" fragte der Advokat, nachdem er Onkel und Nichte begrüßt.

„Welche gute Nachricht?"

„Nun, daß Ihr letzter Theilhaber, Herr Federsen,