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Sonntag, den 11. Oktober 1891.

18. Jahrgang

Fuldaer W Zeitung

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3WF Hierzu eine Beilage.

Vi * An die Gegner der Konfessionellen Lehrervereine!

Eine sich stets wiederholende und auch von katho­lischen Lehrern nachgesprochene Anklage gegen die kon­fessionellen Lehrervereine, namentlich den „Katholischen Lehrerverband", geht dahin, schreibt die ,D. R. 3 ', daß durch eine Trennung der Lehrer nach Konfessionen es unmöglich sei, einerseits die Lehrerinteressen zu ver­treten, andererseits auch das Einvernehmen zwischen katholischen und protestantischen Lehrern zu erhalten. Gegen diese Anklage wendet sich ein Artikel in der so­eben erschienenen Nummer der Katholischen Schulzei­tung für Norddeutschland', der folgenden Wortlaut hat:

In der letzten Zeit ist es nicht selten vorgekommen, daß sich Gegner der unter den katholischen Lehrern jung aufkeimenden Bestrebungen als besondere Förderer der Lehrerinteressen und des guten Einvernehmens zwi­schen katholischen und evangelischen Lehrern aufgespielt haben. In einem solchen Auftreten liegt für diejenigen katholischen Lehrer, die den oben bezeichneten Bestre­bungen huldigen, der Vorwurf, als wollten oder könn­ten sie die Standesinteressen nicht vertreten, und als seien sie einem guten Einvernehmen zwischen katholischen und evangelischen Lehrern abhold. Wir können solchem Gebühren nicht länger zusehen, sondern müssen die in demselben liegende Verdächtigung katholischer Lehrer mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen; wir fühlen uns dazu in um so höherem Grade verpflichtet, als bei einem unzeitgemäßen Schweigen unsererseits leicht nicht nur eine nachtheilige Beurtheilung der katholischen Lehrer Platz greifen, sondern auch eine mit großen materiellen Nachtheilen verbundene Zurücksetzung der­selben erfolgen könnte. Die „guten, braven friedlichen und versöhnlichen" Kinderchen müßten doch endlich ihren Lohn ernten, selbst wenn es nur auf Kosten der anderen geschehen könnte. . Am Ende läge die Zurückdrängung der anderen „bösen Menschen" gar im Standesinteresse!

Was zunächst die Vertretung der Standesin­teressen anbetrifft, so ist es eitel Flunkerei, wenn diese Art von Tribunen das allein seligmachende Stan- desinteressen-Vertretungsrecept gefunden zu haben vor­geben. Die katholischen Lehrer sind alle insgesammt gerade so wie jene Pseudotribunen, für tiefere Durch­bildung des Lehrerstandes, für eine bessere Besoldung, sowie für eine bessere gesellschaftliche und amtliche Stellung, nur halten sie es nicht für im Standesin­teresse nothwendig, daß bei jeder Gelegenheit gegen Kirche, kirchliche Einrichtungenu.s.w. losgezogen werden müsse; gerade darin aber scheint für manche unserer Gegner das Alpha und Omega der Standesinter­essen zu liegen.

Hinsichtlich des konfessionellen Friedens bemerken wir, daß Niemand den konfessionellen Frieden aufrichtiger wünschen kann, als der katholische Lehrer. Es ist nicht wahr, wenn nichtkatholische und selbst einige katholische Lehrer behaupten, die katholischen Lehrer störten den Frieden. Im Gegentheil haben wir gerade auf Seiten der Friedensapostel oft genug eine persönliche Gehässigkeit gefunden, wie sie unter Kollegen nicht vorkommen sollte; eine Gehässigkeit, die sich nicht nur in schmähsüchtigen Zeitungsartikeln gewöhnlichster Sorte breit macht, sondern selbst bisweilen im Privat­verkehr durch eine Unhöflichkeit sich kund gibt, wie sie sonst selten anzutreffen ist. Die ruhmredige Phrase vom „Ueberbrücken konfessioneller Gegensätze" kann nur auf Gimpelfang berechnet sein. Konfessionelle Gegen­sätze überbrückt man nicht, sofern sie freireligiöse Prin­zipien betreffen. Wenn die einen sagen, die Priester­weihe ist ein Sakrament, und die andern behaupten, es sei keins; wenn die einen eine kirchliche Lehrau­torität anerkennen, und die andern freie Forschung predigen; wenn die einen mit Dittes in dem Papst den Feind der Menschheit erblicken, während die an­dern in ihm den heiligen Vater verehren: wie sollten da die Gegensätze „überbrückt" werden? — Eitel Flunkerei: gewisse Gegensätze bestehen und werden be­stehen bleiben zwischen den Konfessionen, so lange die Konfessionen überhaupt noch einige Selbstschätzung haben.

Die einzig mögliche „Ueberbrückung" liegt in den Worten: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Und in Beachtung dieses Wortes lassen sich die katholischen Lehrer von Niemanden übertreffen.

Und dieses Wort soll und muß bei Beurtheilung unserer Friedensapostel die Richtschnur bilden. Wer selbst von Haß gegen seine Kollegen getränkt ist, der wird nicht geeignet sein, zur „Ueberbrückung" der kon­fessionellen Gegensätze beizutragen, und wenn er seiner Friedensschalmei noch so liebliche Melodien entlocken sollte.

Die katholischen Lehrer können darum nicht dringend genng aufgefordert werden, zwar selbst, was an ihnen ist, Frieden zu halten; aber denjenigen Friedensengeln, die immer behaupten, die katholischen Lehrer seien die Störenfriede, doch ernstlich ins Auge zu schauen, um ihnen gegebenen Falls die Antwort nicht schuldig zu bleiben. Es steckt ein gut Stück Egoismus in diesem ewigen Hervorkehren des Standes- interessenvertretungs- und Versöhnlich­keitsmantels. Wollen die katholischen Lehrer nicht geschädigt werden, so mögen sie auf ihrer Hut sein!

Es braucht diesen durchaus wahren Worten unserer­seits nichts hinzugefügt zu werden. Die ,D. Reichs;.' hat wiederholt darauf hingewiesen, daß es im Inter­esse der katholischen Lehrer selbst läge, sich zu Ver­einen zusammenzuthun. Haben einmal die katholischen Lehrer den liberalen ihre Vereinskassen gründen helfen, dann wird es ein Leichtes sein, sie vor die Thüre zu befördern. Und daß dies geschieht, wird die Zeit lehren. Also kath. Lehrer, seid auf der Hut!

Deutsches Keich.

Berlin, 9. Oktober.

* Ein erfreuliches Gegenstück zur Versammlung des „Evangelischen Bundes" in Kassel und seinen Be­schlüssen und Erörterungen bietet der polnische Katho­likentag. Da war nichts zu hören von Ausfällen gegen Andersgläubige oder gar Beschlüssen, die ganz interne Angelegenheiten der anderen Konfession berühren, wie dieses in Kassel der Fall war bez. Rückberufung der Re­demptoristen. Von den Beschlüssen, die in Thorn ge­faßt wurden, führen wir folgende an: Der Katholiken­tag sprach sich für die Territorial-Souverainetät des hl. Vaters aus, er dankte dem hl. Vater für die Ency- klika über die Lage der Arbeiter, für die Verurtheilung des Zweikampfes, forderte die Rückkehr der Orden, auch der Mitglieder der Gesellschaft Jesu und empfahl die Pflege der Bruderschaften und katholischen Vereine. Ferner wurde die moralische und die materielle Unter­stützung derjenigen polnischen Presse anempfohlen, welche die Rechte und Interessen der Kirche vertritt. Außer­dem wurden folgende Resolutionen angenommen: 1. Nur konfessionelle Schulen gewährleisten eine gute Er­ziehung ; 2. die Kreis- wie Lokalinspektion über katho­lische Schulen ist Katholiken, und namentlich Geist­lichen, zu übertragen; 3. der Religions-Unterricht und der Kirchengesang sind in allen Abtheilungen der Volks­schule den Kindern in der Muttersprache zu ertheilen; 4. deshalb muß die Muttersprache Lehrgegenstand in den Volksschulen sein; 5. bis dies erfolgt, sind Lehrer und Geistliche verpflichtet, Schritte zu thun, daß die Kinder polnischen Privat-Unterricht erhalten, wie dies jetzt im Pofenschen geschieht; 6. in den Lehrer-Semi­naren und Präparanden-Anstalten müssen alle Zöglinge obligatorifch in der polnischen Sprache unterrichtet werden. Es ist unter diesen Beschlüssen wohl keiner, dem nicht fämmtliche Katholiken Deutschlands bei- stimmen könnten. Sie bewegen sich auch im Wesent­lichen im Rahmen der vom Danziger Katholikentage angenommenen Resolutionen. Die ,Schl. Vztg.' schreibt zum polnischen Katholikentage: „Wir dürfen mit zu­friedenem Stolze auf die Haltung und den Erfolg des polnischen Katholikentages in Thorn blicken. Er hat eine überaus kritische Aufgabe überaus geschickt gelöst. Nicht nur diente er im vollem Umfange dem religiösen Zwecke, der ihn zusammenführte, sondern er vermied auch über Erwarten gut die ihm drohende politische Klippe, indem er es verstand, die polnische Nationalität mit der deutfchen Reichstreue zu vereinen. Wenn irgend­wo, so hat auf ihm das katholische Polenthum sein politisches Reifezeugniß errungen." Der ruhige Ton der Beratungen, die Gründlichkeit, mit welcher die auf die Tagesordnung gesetzten Gegenstände behandelt wurden, der für die Jnterefsen der Kirche von allen Rednern bekundete Eifer, das vollständige Zurücktreten der nationalen Streitfragen verdienen in der That lobende Anerkennung. Der glänzende Verlauf der gegen­wärtigen Versammlung bietet eine Gewähr dafür, daß die jetzt beschlossenen jährlichen polnischen Katholiken-

Versammlungen als Segen für die katholische Sache sich ergeben werden. Für die nächste Versammlung wird Posen von einem Korrespondenten des ,Dziennik' in Vorschlag gebracht.

* Der Kaiser und die Kaiserin begeben sich nächste Woche nach Jagdschloß Hubertsstock.

* Der Lieutnant in der ostafrikanischenl Schutztruppe, v. Tettenborn, hat dem Gonverneur Frhr. von Soden über den Zusammenstoß der Expedition Zelewski mit den Wahehes am 17. August einen eingehenden Bericht erstattet, der beim auswärtigen Amte eingegangen ist. Er sagt über den Ueberfall, daß die Wahehe so plötz­lich in großer Ueberzahl höchstens 30 Schritt von der Kolonne auftauchten und mit solchem Ungestüm auf diese eindrangen, daß die Soldaten nur 1- bis 2mal feuern konnten. Die Verwirrung wurde vermehrt durch die Artillerie-Esel, welche in die 5. Kompagnie eindrangen. Lieutenant von Tettenborn besetzte eine Höhe, hielt diese und sammelte die Reste der ver­sprengten Truppe. Hier hielt er auch den nächsten Tag aus, in der Hoffnung, noch einzelne etwa im Gebüsch versteckte Abtheilungen oder einzelne Europäer retten zu können. Dann trat er den Rückmarsch über ein steiles Gebirge an. Ueber den Verbleib der Euro­päer kann er Folgendes berichten: Unteroffizier Thiedemann erlag in der Nacht zum 18. seinen schweren Verletzungen. Der Kommandeur Zelewski soll nach Aussage einiger Schwarzer, die sich beim Ueberfall in seiner Nahe befanden, durch viele Speer- stiche niedergemacht fein, ebenso Dr. Buschow und Lieutenant von Pirch. Von den übrigen Europäern ist mit absoluter Bestimmtheit nichts zu sagen, doch kommen die Aussagen der wenigen aus dem vorderen Gefecht Entkommenen dahin überein, daß sie sämmtlich den Tod gefunden haben. Bei Lieutenant v. Tetten- 6om befanden sich Lieutenant v. Heydebreck, dessen Wunden säst geheilt, Feldwebel Kay und Unteroffizier Wutzer, Murgan Effendi, Gaber Essend, und 62 Sol­daten, von denen 11 verwundet, und 74 Träger, von denen 7 verwundet. Der Deutschen-Berlust beläuft sich auf 10 Europäer (4 Offiziere und 6 Unteroffiziere), etwa 250 Soldaten, 3 Geschütze, 96 Träger, 23 Esel und der Haupttheil des Gepäcks. Die Zahl der An­greifer schätzt v. Tettenborn auf 3000, wovon viel­leicht 700 getöbtet worden sind, darunter ihr Häupt­ling Knawa und ihr Führer Marawatu. Nur dem Umstande der Führerlosigkeit der Feinde schreibt Lieut­nant v. Tettenborn sein und seiner Begleiter glückliches Entkommen zu.

* Hildesheim, 6. Okt. Die Begrüßungsfeier der auswärtigen Mitglieder des Görres-Bereins fand gestern Abend 8 Uhr in dem Saale des Vereinshauses, welches mit frischem Grün herrlich geschmückt und mit Fahnen und Guirlanden recht schön dekorirt war, statt. Eine große Anzahl Fremder wie Einheimischer, Geist­liche wie Laien, war erschienen. Die Begrüßungsrede hielt der Herr Generalvikar und Domkapitular Hugo von Hildesheim. Er dankte dem Vorstände, daß er die schöne Bischofsstadt Hildesheim zum Versammlungs­orte gewählt habe, namentlich auch, weil ben Hildes­heimern dadurch Gelegenheit geboten würde, berühmte und um die Wissenschaft hochverdiente Männer kennen zu lernen, Männer, welche geleitet würden von dem Grundsätze, daß zwischen der von der Kirche gelehrten Offenbarung und den Ergebnissen echter, wahrer Wissen­schaft nie und nimmer ein Widerspruch entstehen könne, daß vielmehr Glaube und Wissenschaft einander ergän­zen und fördern müssen. Doppelt machten sich diese Herren gerade in der Jetztzeit der modernen, falschen Wissenschaft gegenüber verdient, die ben Abfall vom wahren Glauben prebige unb gerabe jetzt überall ihre Jünger suche unb nicht selten finde. Die Hildesheimer würden Alles thun, um den Gästen den Aufenthalt fo1 angenehm als möglich zu machen, damit sie am Ende sagen: „Es xeut uns nicht, in das alte Hildesheim gekommen zu sein." Auf diese sehr herzliche, mit vielen Beifallsrufen begleitete Ansprache ertoieberte in äußerst humoristischer Weise Herr Dr. Cardauns, Chefredakteur der Köln. Volksztg.'. In launiger Weise redete er von einigen alten Straßen und Häusern der Stadt und schloß mit einem begeisterten Hoch auf die Stadt Hil­desheim. Der Präsenz-Liste, welche darauf angefertigt wurde, entnehmen wir nachfolgende bekannte Namen: Freiherr v. Hertling aus München, Kanonikus Dr. Franz aus Breslau, Pater T. Pefch aus Exaeten, Dr. Hülskamp aus Münster, Freiherr v. Heereman aus Münster, Dr. Markour, Cheftedakteur der ,Ger-