Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

232 Freitag, den 9. Oktober 1891. 18. Jahrgang

MdakrWZtitllllg

Erscheint täglich. Sonn« und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen' und der alle 14 Tage erscheinenden Gratisbeilage .Rathgeber für Landwirthschaft, Gartenbau und Hauswesen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

EncyKliKa

des hl. Vaters Papst Leo XIII. über den Rosenkranz.

(Schluß)

Alle, die das bei sich erwägen, bitten wir flehentlich, daß sie vor den Fallstricken des alten Feindes sich hüten und aus keinem Grunde vom Gebetseifer ablassen, sondern beständig darin ver­harren, „ohne Unterlaß" verharren. Ihre erste Sorge sei, vom höchsten Gute, dem ewigen Heile Aller die Erhaltung der Kirche zu erbitten. Dann mögen sie um die übrigen Güter zum Ge­brauch und zum Behagen des Lebens beten, indem sie nur seinem Willen sich unterwerfen und ihm, mag er das Gewünschte geben oder verweigern, in gleicher Weise danken, ihm dem mildesten Vater. Endlich mögen sie mit solcher frommen Gesinnung mit Gott verkehren, wie "sie sich ziemt und wie die Heiligen es thaten -und unser heiligster Erlöser und Lehrer selbst, „mit lautem Rufen And Thronen" .r)

Unser Amt und unsere väterliche Liebe verlangt, daß Wir für alle Söhne der Kirche nicht nur den Geist des Gebetes, son­dern auch der Buße vom Geber alles Guten erbitten. Indem Wir das mit ganzer Seele thun, ermuntern Wir mit gleichem Eifer Alle und Jeden zu der mit jener verbundenen Tugend. Freilich erhebt das Gebet den Geist, stärkt zu Thaten, erhebt zum Göttlichen. Die Buße macht, daß wir uns selbst beherrschen, besonders unsern Körper, den in Folge der alten Schuld schlimm­sten Feind der Vernunft und des evangelischen Gesetzes. Diese Tugenden hängen, wie es klar ist, enge zusammen, heben sich gegenseitig, gehen auf dasselbe hinaus, daß sie nämlich den Menschen, der für den Himmel geschaffen ist, vom Irdischen ab­lenken, fast zum himmlischen Umgang mit Gott erheben. Um­gekehrt hat Derjenige, dessen Seele von Leidenschaften hin- und hergeworfen wird und der von Vergnügungen verweichlicht ist, ein vertrocknetes Herz und keinen Geschmack für die himmlischen Süßigkeiten; sein Gebet ist kalt oder lau und natürlich nicht würdig, von Gott entgegen genommen zu werden.

Vor Augen stehen die Beispiele der Buße der Heiligen, deren Gebete, wie hl. Bücher uns lehren, gerade deshalb Gott wohl­gefällig und selbst Wunder zu wirken im Stande waren. Ihren Geist und ihre Begierden bekämpften und zähmten sie fortwäh­rend; den Vorschriften der Lehre Christi und seiner Kirche hingen sie mit größter Unterwerfung an; ihr Wollen und Nicht­wollen richteten sie ganz nach dem Willen Gottes und erstrebten in ihrem Handeln nichts Anderes, als die Vermehrung seiner Ehre; ihre Begierden zügelten sie streng, gegen ihren Körper waren sie hart und unduldsam, selbst von erlaubten Vergnügungen ent­hielten sie sich aus Liebe zur Tugend. Deshalb konnten sie, was her Apostel Paulus von sich sagt, mit Recht auf sich anwenden: Unsere Unterhaltung aber ist im Himmel. Dies war der Grund, weshalb ihre Gebete bei Gott so wirksani waren.

Es ist klar, daß nicht Alle Alles können oder sollen; allein Jeder möge durch eine angemessene Buße sein Leben und seine Sinne abtödten; das verlangen die Gesetze der göttlichen Gerech­tigkeit, der für mannigfache Vergehen Genugthuung zu leisten ist. Möge man aber, so lange man noch lebt, durch freiwillige Bußen den Lohn der Tugend sich erwerben.

Hierzu kommt, daß, da wir in dem mystischen Leibe Christi den seine Kirche bildet, alle wie Glieder zusammen erstarken und leben, daraus, wie Paulus lehrt, folgt, daß, wenn ein Glied über etwas sich freut, die übrigen sich mitfreuen rnd ebenso, wenn eins leidet, die anderen mitleiden. Und so sollen, wenn christliche Mitbrüder an Seele oder Leib kranken, ihre Brüder ihnen von selbst zu Hilfe kommen und so viel sie können, für sie sorgen. „Gleichzeitig sollen die Glieder für einander sorgen. Und wenn ein Glied leidet, so sollen alle leiden, oder wenn eines frohlockt, sollen die anderen sich mitfreuen. Ihr aber seid der Leib Christi und Glieder desselben Leibes." In diesem Beispiel der Liebe aber, daß der, welcher dem Vorbilde Christt nachfolgt, der sein Leben, um unser Aller Sünden zu tilgen, in unendlicher Liebe dahingegeben, so die Schulden Anderer zu sühnen auf sich nimmt, in eben dem besteht das große Band der Vollkommen­heit, durch welches die Gläubigen unter einander und mit den Bewohnern des Himmels und mit Gott verbunden sind.

') Hebr. B. 7.

Der heilige Bußeifer endlich ist immer so findig, daß Jeder, den frommer Eifer beseelt, ihn stets leicht bethätigen kann.

Wir versprechen Uns schließlich, Ehrwürdige Brüder, bei eurer großen und hervorragenden Verehrung der Muttergottes, und bei eurer Liebe und Sorge für das christliche Volk unter eurer Beihilfe den besten Erfolg von Unseren Ermahnungen. Wir wünschen bald die erfreulichen, reichen Früchte zu pflücken, welche so ost die glänzende Verehrung der heiligen Jungftau hervorgebracht hat. Auf enern Ruf, eure Mahnungen und euer Beispiel mögen die Gläubigen zumal in diesem nächsten Monate zu den Festaltären der hehren Königin und liebevollsten Mutter zusammenströmen und die geheimnißvollen Gewinde des will­kommenen Rosenkranzes wie gute Kinder flechten und darbringen, da Wir die von Uns schon früher hierfür gewährten Gnaden­gaben weit r bestehen lassen und bestätigen.

Wie herrlich und wie wirkungsvoll wird es sein, wenn in den Städten und auf den Fluren, zu Wasser und zu Lande, auf dem ganzen katholischen Erdkreise viele hunderttausend fromme Seelen ihre vereinten Lobgesänge und Bitten in derselben Ge­sinnung und einstimmig zu allen Stunden Maria grüßen, Maria anflehen, durch Maria Alles erhoffen. Mögen alle Gläubigen sie bitten, daß sie von ihrem Sohne erlange, daß die abgeirrten Völker zu den christlichen Grundsätzen und Lehren zurückkehren, in denen die Grundlagen des öffentlichen Wohles bestehen und aus denen die Fülle des ersehnten Friedens und wahrer Glück­seligkeit erblüht. Mögen sie von ihr erbitten, daß, was das er­wünschteste Gut sein muß, ihre Mutter, die Kirche, die Freiheit erlange und sie in Ruhe genießen könne. Sie braucht sie ja nur dazu, um den Menschen die höchsten Güter zu verschaffen, da sowohl die Einzelnen, als auch die ganzen Staaten von ihr nie­mals Uebeles erfahren haben, sondern vielmehr unzählige und große Wohlthaten. .

j Möge auch euch, Ehrwürdige Brüder, aus Bitten der Köm- I gin des heiligen Rosenkranzes Gott die Geschenke himmlischer Güter verleihen, damit ihr daraus auf fernere Tage Hilfe und Kraft schöpfet, die Pflichten des Hirtenamtes heilig zu erfüllen. Zum Unterpfande dessen ertheilen Wir euch selbst und dem Klerus und dem eurer Sorge übergebenen Volke von Herzen den Aposto­lischen Segen. , <nn.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 22. September 1891, im 14. Jahre Unseres Pontifikates. Leo P. P XIII.

Deutsches Keich.

Berlin, 7. Oktober.

* Die Vorgänge in Nom werden, schreibt die ,K. - Vztg.', von unserer liberalen Presse mit seltener Un- i ehrlichkeit gegen die Kirche und den Papst ausgebeutet. ! Was drei unbesonnene junge Leute gethan haben, wird ' kurzer Hand den Pilgern zur Last gelegt. Daß die ! Masse dec Pilger sich an dem großen Gedenktage des „Plebiscits" sogar von den Straßen fernhielt, um die hergelaufenen „Römer" in ihrer gehobenen Stimmung nicht zu reizen, wird eben so wenig beachtet, wie das Verhalten der Führer des Pilgerzuges nach dem ; dummen Streich der drei Leute gewürdigt wird. Die unzweideutige Lossage von den jungen Thoren hilft den Pilgern nichts. Die,Nat -Ztg.' betrachtet es sogar als eine ungeheuere Großmuth Italiens, daß es diese Pilgerzüge und die Reden des hl. Vaters an duselben überhaupt noch duldet. Man hat auf gegnerischer Seite eben immer noch das Gefühl, daß die römische Frage keineswegs gelöst, und ist daher sehr nervös, wenn man an diese Frage erinnert wird. Fühlten die Ita­liener sich in ihrem Besitz sicher,, so würden sie um : das vive le Pape dreier halbwüchsiger Leute nicht so mächtigen Skandal machen. Fühlte man nicht, daß die Hauptstadt der Christenheit noch immer Eigenthum des Papstes sei, so würde man sich an harmlosen Pilger-

j«, Der Geizhals.

Nacherzählt von Cora von Schönburg.

(10. Fortsetzung.)

Man besprach noch einige Nebensachen, Herr Walter ersuchte Frau v Argast. sich um eine tüchtige Köchin -für ihren Schwager zu bemühen, damit Elisabeth in dieser Beziehung wenigstens ohne Sorgen sein könne. Die nächste Zusammenkunft bei dem Onkel wurde auf den zweitfolgenden Tag festgefitzt, dann unterschrieb Frau v. Argast ihren Schuldschein und erhielt dafür sechs neue Hundertmarkscheine eingehändigt. Ach, wie magisch belebend wirkte die Berührung mit dem un« scheinbaren Papier!

Elisabeth schob ihren Arm in den der Mutter und drückte ihn zärtlich an sich, als sie aus dem Hause traten.

„Wie gut, daß Du jetzt wieder etwas freier auf- athmen kannst, liebste Mama!" sagte sie.

„Eine rheuer erkaufte Erleichterung, mein Liebling! Ich kann mich noch immer nicht in Dein Schicksal finden."

Der Rückweg wurde im Allgemeinen ziemlich schweigend zurückgelegt; Mutter und Tochter waren Beide gleichmäßig durch den Gedanken an das von der

Letzteren auf sich genommene Opfer bedrückt. Aber Elisabeth ließ die trüben Gedanken keinen Raum in ihrem Innern gewinnen. „Ich will thun, was recht ist, und der Vorsehung das Uebrige überlassen," dachte sie; „Gott, der die Reinheit meiner Absichten kennt, wird mich beschützen und mir auch die Kraft geben, in Demuth zu überwinden, was meinem Stolze jetzt un­überwindlich scheint." Dann beschäftigte sie wieder das moralische Ziel der ihr gestellten Ausgabe.

„Ob es mir gelingen wird, das Herz des alten Mannes zu schmelzen, eswieier besseren Empfindungen zugänglich zu machen? Wie traurig ist trotz seines Reichthums sein Leben gewesen — wie wenig Glück vermag das Geld zu erkaufen!"---

„Nein, wie spät Ihr nach Hause kommt," rief ihnen Ada bei ihrer Heimkehr gereizt entgegen. „Ich konnte die Kinder natürlich nicht so lange warten lassen und so haben wir allein gegessen. Marie wollte den Braten aber für Euch warm halten — er war so wie so nur aufgewärmt. Hoffentlich geht diese Kalbskeule jetzt endlich zu Ende!"

„Du Arme! Ja. ich werde dafür sorgen, daß Du morgen etwas Befferes bekommst," erwiderte ihre Schwiegermutter mit gewohntem, liebenswürdigem Gleichmuth.

zögen nicht stoßen. Und besorgte man nicht, die römische Frage könnte doch ein Mal anders als bisher gelöst werden, so würde der gesammte Liberalismus der Welt nicht aufschreien, wenn irgendwo ein Einzelner, eine Versammlung oder eine Zeitung diese Meinung kund­gibt. Wir dürfen diese Nervosität als gutes Zeichen auslegen." — Was bei der Skandalmacherei bezweckt wurde, beweisen die in den politischen Vereinen Rom's durch Menotti Garibaldi beantragte und angenommene Resolution, welche den ersten Artikel der Verfassung, welcher den Katholizismus als Staatsreli­gion einsetzt, als den Nationalrcchten zuwiderlaufend bezeichnet und dazu auffordert, die Aufhebung des Artikels und die Beseitigung des Garantie­gesetzes mit allen gesetzlichen Mitteln anzustreben. Der .Osservatore Romano' schreibt: So tadelnswerth auch das Vorgehen der drei Pilger war, so ist doch die blutige Jagd, welcher auch Unschuldige zum Opfer fielen, durch nichts anderes, als den im Volke seit,Jahren genährten Haß gegen das Papstthum zu erklären. Die Theilnehmer haben das Vaterland entehrt; aber die moralische Verant­wortung trägt die Regierung, welche die Volksvergister ungestraft gewähren läßt.

* Eine tolle sozialdemokratische Versammlung hat am Montag Abend im 5. Berliner Reichstagswahl­kreise stattgefunden. Es sollten die Delegirten zum Erfurter Parteitag gewählt werden, was bekanntlich neulich wegen Auflösung der Versammlung in Folge des Gebührens der „Jungen" nicht hatte geschehen können. Diesmal geberdeten die „Jungen" sich noch viel unbotmäßiger und schließlich ging alles drunter und drüber. Die Abgeordneten Auer und Stadthagen waren anwesend und mußten sich übel mitspielen lassen. Insbesondere Stadthagen, der schon neulich ein „Erz­lump" geschimpft wurde, kam schlecht weg. Seine Aus­führungen wurden durch tobmden Lärm und Zwischen­rufe wie „Advokatenkniffe", „Mühlendamm" (Stadt­hagen ist Jude, auf dem Mühlendamm wohnten früher die jüdischen Trödler), „Runter von der Bühne!" und ähnlich unterbrochen. Die Worte „Lump", „Quatsch­kopf" rc. fielen in dem Zank hageldicht. Die gleich Schluß riefen, sind keine Sozialdemokraten, sondern „Lumpen", versicherte ein „Genosse" Müller. Ein Anderer meinte: „Die Sozialdemokratie, wie sie heute hier auftritt, ist zum großen Theil durch eine Hurrah- kanaille zu Stande gekommen." „Genosse" Bagruski behauptete, was in dem bekannten Flugblatt der „Jungen" stehe, reiche noch gar nicht an die Gemein­heiten von der andern Seite heran. Die Zahl der ein­gebrachten Anträge war Legion. Ueber das Ergebniß der Abstimmung konnte man sich nicht immer einigen. U. a. wurde beantragt, den „Staat für rechtlos zu er« ! klären." Das wurde abgelehnt; ebenso ein Antrag, den I ,Vorwärts' als Centralorgan abzuschaffen; desgleichen ein Antrag, eS für eine Hauptbedingung eines sozial­demokratischen Abgeordneten zu erklären, keiner Religion anzugehören. Angenommen wurde eine Resolution, wo­nach die Delegirten in Erfurt dafür eintreten sollen, daß den Mängeln in der Parteileitung, welche von zahlreichen Genossen gefunden werden, ein Ende bereitet werde, um die

Die kleine Frau blickte etwas beschämt zur Seite, dann sagte sie, auf ein anderes Thema übergehend:

„Und was habt Ihr bei Eurer Expedition ausge­richtet, Mama? Ist Dein Besuch angenommen worden, oder hat der schreckliche, alte Onkel Elisabeth zu seiner Erbin ernannt?"

Die Antwort, daß Elisabeth aufgefvrdert sei, den Haushalt des Onkels zu übernehmen, rief natürlich die verschiedensten Empfindungen in ihr hervor: Eifersucht, Hoffnung und nebenher auch ein klein wenig befriedigte Eitelkeit über die Anerkennung, welche dec Familie von Seiten des einzigen reichen Verwandten zu Theil geworden.

„Ist es möglich!" rief sie lebhaft aufspringend. „Nein, eine solche Auszeichnung! Aber Du wirst Dich zu Tode langweilen, Elisabeth, oder er bringt Dich mit seinem Geiz um. Weißt Du, wenn es einmal be­kannt geworden ist, daß Dich ein Millionär adoptirt hat, dann wirst Du Dich gar nicht vor Deinen Ver­ehrern retten können. Ich würde mich nicht wundern, wenn Major Ormann Dir jetzt gleich einen Antrag machte. — Ein solches Leben hälft Du überhaupt gar nicht lange aus! — Wenn ich Dich vielleicht alle 14 Tage ablöste? Du mußt mir doch auch etwas znkommen lassen. Alte Herren haben mich immer gern, ich amü-