jy 231 Donnerstag, den 8. Oktober 1891. 18. Jahrgang
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des hl. Vaters Papst Leo XIII. über den Rosenkranz.
(Fortsetzung.)
Daß ein so theurer Rathschluß Gottes, das Testament Christi, ergangen war. erfüllte die heil. Apostel und die ersten Gläubigen mit hoher Freude. Es freuten sich darüber und es lehrten es die ehrwürdigen Kirchenväter, es stimmten darin überein zu allen Zeiten alle christlichen Völker; es spricht, wenn kein Andenken daran erhalten wäre und alle Schriften schweigen würden, eine Stimme in jedes Christen Brust in beredter Weise davon. Und es ist gewiß auch auf göttlichen Rathschluß zurückzuführen, wenn wir einem mächtigem Antrieb gehorchend, uns zu Maria hingerissen fühlen. Und von Alters her war den Gläubigen nichts angenehmer, als sich in den Schutz und Schirm derjenigen zu empfehlen, der wir unsere Wünsche und Werke, unsere Unschuld und Buße, unsere Leiden und Freuden, unsere Bitten und Gelübde, unser Alles übergeben. Alle haben die freudige Hoffnung und Zuversicht, daß das, was Gott an uns Unwürdigen weniger angenehm ist, ihm höchst angenehm wird, wenn wir es seiner heil. Mutter empfohlen haben. So vielen Trost Unsere Seele aus diesen süßen Wahrheiten schöpft, so sehr schmerzt es Uns, daß die, die des hl. Glaubens ermangeln, Maria nicht begrüßen und nicht zur Mutter haben. Noch mehr aber schmerzt das Elend derer, die wohl des hl. Glaubens theil- haftig sind, aber es wagen, die Verehrung, der hl. Maria als übertrieben darzustellen. Hierdurch verletzen sie unendlich die kindliche Liebe.
Bei dem großen Ansturm aller Nebel, der auf die Kirche eindringt, sehen alle treuen Söhne leicht ein, wie sie durch heilige Pflichten gedrängt sind, Gott inständig anzuflehen und daß sie darauf sinnen müssen, wie ihre Bitten am wirksamsten seien. • Durch das Beispiel der frommen Väter und unserer Vorfahren angetrieben, fliehen wir also zu unserer Herrin, der hl. Maria. Maria, die Mutter Christi und die unsere, rufen wir an und einstimmig bezeugen wir: „Zeige, daß Du unsere Mutter bist, damit der durch Dich unsere Gebete aufnehme, der Dein Sohn fein wollte".')
Da von den verschiedenen Gebeten, durch die wir die Mutter Gottes ehren, die besonders erwünscht sind, von denen wir wissen, daß sie an und für sich kräftiger und ihr angenehmer sind, so verweisen Wir vor Allem aus den Rosenkranz und empfehlen ihn besonders. Diese Gebetsweise trägt in der gewöhnlichen Redeweise den Namen Kranz aus dem Grunde, weil die großen Geheimnisse Jesu und Mariä, ihre Freuden, Leiden und Triumphe, wie in einem schönen Blumengewinde darin vereinigt sind. Wenn die Gläubigen diese hehren Geheimnisse in frommer Betrachtung der Reihe nach durchnehmen, so können sie daraus wunderbar viele Nahrung ziehen, um den Glauben zu stärken, sich vor Un- wiffenheit und dem Verderben der Jrrthümer zu schützen und umgekehrt die Tugend zu beleben und zu kräftigen.
Hierdurch wird der Sinn und das Gedächtniß der Beter unter dem Lichte des Glaubens zu angenehmer Betrachtung dieser Geheimnisse gebracht, in denen sie nicht genug das unendliche Werk der menschlichen Erlösung bewundern können, welches durch einen so reichen Lösepceis und eine Reihe so großer Thaten vollbracht wurde. Dann erglüht der Geist über diese Werke göttlicher Liebe und Gnade, die Hoffnung wird befestigt und vermehrt, man sehnt sich nach jenem himmlischen Lohne, den Christus denen bereitet hat, die sich mit ihm durch Nachahmung seines Beispiels und die Vereinigung mit feinen Seihen verbunden haben.
Dazwischen wird jenes Gebet gesprochen, welches vom Herrn selbst durch den Erzengel Gabriel der Kirche übermittelt ist. Voll von Lobsprüchen und heilsamen Gebeten, in einer bestimmten, wechselnden Ordnung wiederholt, bringt es stets neue und süße Früchte der Frömmigkeit hervor.
Daß aber dieser Gebetsweise die Himmelskönigin selbst eine besondere Kraft verliehen hat, müssen wir deshalb glauben, weil dieselbe auf ihre Anregung und unter ihrem Schutze vom heil. Vater Dominikus eingeführt und verbreitet worden ist in einer zllem Katholischen sehr feindlich gesinnten Zeit, in einer Zeit, die der unserigen sehr ähnlich ist, und zwar gewissermaßen als kräftige Waffe, um die Feinde des Glaubens zurückzuweisen.
*) Aus der Liturgie.
a Der Geizhals.
Nacherzählt von Cora von Schönburg.
(9. Fortsetzung.)
In Herrn Walter's Hause angelangt, wurden sie unverzüglich in das Empfangszimmer des Chefs geführt. Herr Walter trat ihnen mit ausgesuchter Höflichkeit entgegen, und nachdem er Stühle zurechtgerückt und einige Papiere sortirt hatte begann er:
„Ihr Schwager, gnädige Frau, ist ein Mann von eigenthümlichem Charakter, aber nicht ohne Unterscheidungsvermögen. Unglücklicherweise treten bei einem kinderlosen Mann mit der wachsenden Liebe zum (Selbe alle anderen Rücksichten mehr und mehr in den Hintergrund. So fürchte ich auch, daß die Bedingungen kaum Ihren Beifall finden werden, welche Herr von Argast an die Darleihung der von Ihnen gewünschten kleinen Summe geknüpft hat."
„Bitte, nennen Sie dieselben," drängte Frau von Argast.
„Mein Client will in erster Linie eine Pfandverschreibung auf Ihr Besitzthum als Sicherheit annehmen. Den Rückzahlungstermin der ganzen Summe will er auf 18 Monate, vom Tage der Auszahlung an, festgesetzt wissen. Die 6prozentigen Zinsen sollen in halb-
Die Sekte der häretischen Albingenser war heimlich und öffentlich in viele Gegenden eingedrungen; dieser schändliche Sprößling der Manichäer, deren unzählige Jrrthümer er aus's Neue in's Leben rief, erfüllte Alles mit Heuchelei und Mord, mit gewaltigem, tödtlichem Haß gegen die Kirche. Menschlichem Schutz gegen diese verderbliche und unverschämte Schaar war kaum zu vertrauen, da kam uns, von Golt gesandt, der Rosenkranz zu Hilfe.
So wird durch die Macht der Jungfrau, der glorreichen Besiegerin aller Irrlehren, die Macht der Gottlosen erschüttert und gebrochen, der Glaube gerettet und erhalten. Es ist hinreichend bekannt, daß in ähnlicher Weise bei verschiedenen Völkern viele Gefahren abgewehrt, viele Wohlthaten erlangt worden sind, wie das die Geschichte alter und neuer Zeit klärlich zeigt.
Auch das kommt hinzu, daß gleich vom Auskommen des Rosenkranzes an, er sofort bei allen Gesellschaftsklassen Ausnahme fand und eifrig geübt wurde. Denn der Muttergottes, die in fo Hellem Glanze vor Allen hervorleuchtet, gibt die Religion des christlichen Volkes die herrlichsten Bezeichnungen in mancherlei Weise. Dieser Titel des Rosenkranzes aber, diese Art zu beten, in der die ganze ihr gebührende Verehrung enthalten ist, erfreute sich immer einer ganz besondern Beliebtheit, und so wurde er denn in der privaten und der öffentlichen Andacht, int Hause und in der Familie, in Bruderschaften, auf Altären und in Prozessionen mit Vorliebe angewendet, in der Meinung, man könne auf keine bessere Weife ihre Feste feiern und ihr Dank abstatten.
Und auch das darf nicht verschwiegen werden, was eine besondere Fürsorge unserer Herrin beweist. Denn als im Verlaus der Zeit bei einem Volke die Frömmigkeit nachzulaffen schien und diese Gebetsweise etwas abkam, so wurde später, sei es, weil die Stadt in eine furchtbare Gefahr gerieth, sei es ans einer andern drückenden Noth, der Rosenkranz neben andern Religionsübungen durch öffentliche Gelübde wieder zu Ehren ausgenommen und blühte wieder im alten Glanze. Allein Wir brauchen keine Zeugnisse aus vergangener Zeit heranzuholen, da Wir ein herrliches aus unfern Tagen haben. Denn gerade in dieser Zeit, die, wie Wir Anfangs ausgeführt haben, für die Kirche so hart ist, für Uns aber, die wir auf göttlichen Rath- schluß an ihrem Steuerruder sitzen, doppelt hart, kann man sehen und bewundern, mit welchem Eifer bei allen katholischen Völkern der marianische Rosenkranz geübt und geehrt wird. Da diese Erscheinung richtiger Gott, dem Lenker und Führer der Menschen, als der Klugheit und dem Eifer irgend eines Menschen zuzuschreiben ist, so tröstet und stärkt sie Uns in hohem Maße und erfüllt Uns mit hoher Zuversicht für neue Triumphe der Kirche unter der Leitung Maria's.
Es gibt aber auch solche, die, was Wir auseinandergesetzt, zwar für richtig halten, weil sie aber den gehofften Erfolg, vor Allem den Frieden der Kirche, nicht herannahen, ja im Gegen- theil die Zeiten schlimmer werden sehen, in ihrem Gebetseifer ermatten und nachlassen. Solche Leute mögen sich oorsehen und sich bemühen, ihre Gebete, die sie zu Gott emporsenden, nach der Lehre Christi mit den entsprechenden Tugenden zu schmücken. Wenn sie so sind, mögen sie ferner bedenken, daß es unpassend ist, den Zeitpunkt und die Art der Hilfe Gott vorschreiben zu wollen, der uns nichts schuldig ist, so daß er, wenn er die Betenden erhört und „unsere Verdienste krönt, nichts anderes krönt als feine Werke" *), und wenn er nuferen Wünschen nicht willfährt, weise handelt wie ein guter Vater mit seinen Kindern, indem er mit ihrer Thorheit Mitleid hat und für ihre Wohlfahrt sorgt.
Diese Gebete vereint mit dem Flehen der Heiligen im Himmel bringen wir unterthänigst dar, damit Gott seiner Kirche gnädig sei, wie er sie denn auch stets erhört, wenn sie sowohl die höchsten und unsterblichen Güter der Kirche betreffen, als auch, wenn sie die weniger großen und zeitlichen angehen, die jedoch auch auf jene Einfluß haben. Das größte Gewicht und die größte Gnade gibt ihnen jedoch unser Herr Christus durch seine Gebete und Verdienste, der „seine Kirche geliebt hat und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen ... um sich eine ruhmvolle Kirche zu schaffen"?) ihr Hoherpriester, der heilige, schuldlose, „der immer lebt, um für uns zu bitten" und
*) 8. August Ep. CXCIV al 105 ad Sixtum c. v. n. 19. 2) Ephes. v. 25—27.
jährlichen Raten abgetragen werben. Sollten Sie je- doch geneigt sein, auf eine anbere Bedingung meines Clienten einzugehen, so würbe er nur 3pCt. verlangen."
„Das muß eine harte Bedingung sein," meinte Frau von Argast, inbem ein Lächeln um ihre Lippen zuckte.
„Nein, ich halte sie sogar geeignet, eine glückliche Lösung herbeizuführen," bemerkte bet Advokat nicht ohne Zögern. „Um es kurz zu sagen, ich habe Herrn v. Argast dahin zu beeinflussen gesucht, daß er der unwürdigen Wirthschaft, welche jetzt in seinem Hause herrscht, durch das Engagement einer anständigen Haushälterin ein Ende mache."
„Und was sagte er dazu? fragte Elisabeth lachend.
',Er sagte ganz deutlich: „„Ich will das Mädchen, welches meine Nichte sein soll, als Haushälterin und Vorleserin haben. Sie hat mir das beste und billigste Mittagsessen gekocht, welches ich in meinem Leben gegessen habe; ihr Brief an meinen Bankier hat mir Glück gebracht, und wenn ich Alles baar zahle, dann bin ich auch sicher, daß sie mich in keiner Weise anführen kann. Wenn sie kommt, dann will ich mit drei Prozent zufrieden sein, will sie nicht, nun, dann will ich auch nicht!"" Eine sehr wenig sreundliche Aeußerung, gnädige Frau, aber so lautet die Bedingung."
beffen Bitten, wie der göttliche Glaube uns lehrt, stets Erfolg haben.
Was aber die äußeren und irdischen Güter der Kirche angeht, so ist es offenkundig, daß man es da meist mit dem Hebet» wollen und der Macht der heftigsten Feinde zu thun hat. Da hat man nur zu sehr zu beklagen, daß ihr Vermögen ihr ent- riffen, ihre Freiheit vermindert und unterdrückt, ihre Autorität verletzt und verachtet, ihr endlich Schaden und Feindseligkeiten aller Art zugesügt werden. Wenn man fragt, weshalb ihre Ungerechtigkeit nicht bis zu dem Grade vorgeschritten sei, den sie sich vorgesetzt haben, weshalb die Kirche dagegen bei so vielen Widerwärtigkeiten mit sich gleichbleibender Große und Ruhm wenn auch in verschiedenartiger Weise immer hervorglänze und wachse, so wird man mit Recht als Hauptgrund beider Erscheinungen die Tugend der Gott anflehenden Kirche angeben dürfen. Denn es begreift Die menschliche Vernunft nicht, wie die mächtige Nichtswürdigkeit in so engen Grenzen Halt macht, während die in die Enge getriebene Kirche so herrliche Siege erringt. Dasselbe trifft noch mehr zu bei denjenigen Gütern, durch welche die Kirche die Menschen zur Erreichung des höchsten hinansührt. Da sie zu diesem Zwecke gegründet ist, so muß sie mit ihrem Gebete viel vermögen, damit die Ordnung der göttlichen Vorsehung und Barmherzigkeit einen Ausgangspunkt habe und eine Vollendung. Und so erlangen die Menschen, indem sie mit der Kirche und durch die Kirche beten, endlich das, was „der allmächtige Gott von Ewigkeit her zu geben beschlossen hatte"'). Die hohen Rathschlüsse des vorherschauenden Gottes vermag die menschliche Vernunft nicht zu erfassen. Aber dereinst, wenn Gott die Ursachen und die Entwicklung der Dinge, um seine Güte zu zeigen offenbaren wird, werden wir einfehen, welche Kraft das Gebet hat und welche Macht, um etwas zu erhalten. Dann wird man sehen, daß hierdurch so Biele in der Berderbniß der Welt unversehrt erhalten blieben „von aller Unreinheit des Fleisches und des Geistes, indem sie ihre Heiligkeit in Gottesfurcht vollbrachten r) ; daß Andere, als sie, auf dem Punkte standen, dem Laster nachzugeben, sich selbst zügelten und aus der Gefahr selbst und der Versuchung Kraft zur Tugend schöpften; daß Andere, die gefallen waren, sich angetrieben fühlten, sich zu erheben und in die Arme des erbarmenden Gottes sich zu stürzen.
_______________ (Schluß folgt.)
1) 8. Th. II—II, q. LXXXIH, d. 2, ex 8. Greg. M. 2) n. Kor. XII, I._______________________________________________________
König Karl von Württemberg f*
König Karl von Württemberg ist heute früh 6 Uhr 55 Minuten verschieden, wie wir bereits gestern unter .Neueste Post' meldeten. Man mußte darauf gefaßt sein, nachdem in den letzten Tagen die Leiden des Königs sich fortgesetzt verschlimmert und die Kräste stetig abgenommen hatten. Man war bereits gestern auf die Katastrophe gefaßt, gestern Nachmittags 4 Uhr nahm der König das Abendmahl. Wie tief auch die Trauer ist, in welche die Bevölkerung Württembergs durch das Ableben ihres Königs versetzt worden, so wird es immerhin einigen Trost gewähren, daß hier der Tod die Erlösung von schweren Leiden brachte. König Karl ist am 6. März 1823 geboren, er hat also das Ende von 68l/2 Jahren erreicht. Im Alter von 41 Jahren und zwar am 25. Juni 1864 trat er die Regierung an. Im Jahre 1866 stand er mit Bayern, Sachsen u. s. w. auf der Seite Oesterreichs. Nachdem die württembergischen Truppen bei Tauberbischofsheim am 24. Juni 1866 unterlegen waren, schloß er mit Preußen am 13. Aug. Frieden. Am deutschfranzösischen Kriege 1870/71 nahm König Karl mit seinen Württembergern ruhmvollen Antheil, und er hat seitdem treu an den Verträgen festgehalten, auf denen sich das neue deutsche Reich aufgebaut hat. Vermählt war König Karl seit dem 13. Juli 1846 mit der Großfürstin Olga,
„Sie wollen damit doch nicht sagen, daß mein Schwager seine Hülfe nur von dem Kommen meiner Tochter abhängig machen will?"
„Ja, das will ich."
„Aber Sie fügten doch zuerst, er wolle sechs Prozent ohne dieses Opfer nehmen?"
„Das sagte er auch, aber sobald der letztere Gedanke einmal bei ihm Wurzel gefaßt hatte, schien er alles Uebrige zu vergessen."
„Es ist so ein furchtbarer Gedanke, zu ihm zu gehen," kam es unwillkürlich über Elisabeths Lippen.
„Eine unglaubliche Zumuthung!" rief Frau von Argast.
„Und doch möchte ich Ihnen rathen, den Vorschlag nicht zu verwerfen," erklärte Herr Walter mit Nachdruck. „Ihr Schritt kann für Sie, Ihre Tochter und Ihre Enkel von den allerwichtigsten Folgen sein. Sie müssen wohl bedenken, daß Sie sich durch eine Weigerung jetzt nicht nur der augenblicklichen Hilfe berauben, sondern daß Sie dadurch auch für immer jede Aussicht auf ein Wiederanknüpfen verwandtschaftlicher Beziehungen verlieren. Der tägliche Umgang, meine Gnädigste, der tägliche Umgang vermag Wunder zu wirken. Ich möchte keine falschen Hoffnungen in Ihnen erwecken, aber hier thut sich Ihnen eine Aussicht auf Verbefserung