Dienstag, den 6. Oktober 1891
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EncyKliKa
des hl. Vaters Papst Leo XIII. über den Rosenkranz.
Ehrwürdige Brüder! Gruß und apostolischen Segen!
Beim Herannahen des Monats Oktober, der der heiligen 'Jungfrau vom Rosenkränze geweiht ist, kam Uns die höchst angenehme Erinnerung, wie sehr wir euch, Ehrwürdige Brüder, in vergangenen Jahren ans Herz gelegt haben, daß ihr allenthalben die Schaaren der Gläubigen durch eueren Einfluß und euere Sorge antreiben möchtet, ihre Verehrung gegen die große Gottesmutter, die mächtige Schätzerin des christlichen Volkes zu -entzünden und zu vermehren, sie den ganzen Monat anzuflehen, und sie anzurufen mit dem hl. Rosenkränze, den die Kirche zumal in zweifelhaften Lagen und schwierigen Zeiten und immer mit dem gewünschten Erfolg gebraucht hat.
Diesen Unseren Willen sorgen wir auch in diesem Jahre kund zu thun und ebenso und verdoppelt euch zu ermahnen; dazu bewegt uns die Liebe zur Kirche, deren Leiden, statt daß sie Erleichterung fänden, an Zahl und Bitterkeit eher zunehmen.
Wir beklagen allbekannte Uebel: die hl. Lehren, die die Kirche bewahrt und überliefert, werden bekämpft und angegriffen; die Reinheit, mit der sie die christlichen Tugenden bewahrt, wird verspottet, der hl. Stand der Hirten, besonders aber -er römische Papst, wird auf vielerlei Art verläumdet und verfolgt; ja unser Herr und Gott Christus selbst wird in unverschämter Kühnheit und nichtswürdigem Frevel angegriffen, als wenn man es wagen wollte, sein göttliches Erlösungswerk, welches keine Macht je aufheben und zerstören kann, von Grund auf aufzuheben und zu zerstören.
Dies geschieht der Kirche als nichts Neues, da sie, wie Jesus den Aposteln voraussagte, um den Menschen die Wahrheit zu lehren und sie zum ewigen Heile zu führen, täglich in dieSchlachtreihe des Kampfes treten muß, und die auch wirklich im Verlaufe der Zeit muthig im Martyrium kämpfte und sich über nichts mehr freute, als wenn sie ihr Blut mit dem ihres Urhebers opfern konnte, worin die sicherste Hoffnung des ihr versprochenen Sieges enthalten ist. Dabei kann man aber nicht in Abrede stellen, mit welcher Trauer die Besten dieser fortwährende Kampf erfüllt. Eine große Ursache zur Trauer ist es, daß es so Viele gibt, die ihre verderbten Jrrthümer und Gottlosigkeit auf Abwege und in den Abgrund führt, so Viele, die sich gegen jede Form der Religion gleichgültig verhalten, ja den göttlichen Glauben ganz verlieren; und daß es nicht wenige Katholiken gibt, die die Religion nur dem Namen nach beibehalten, sie aber nicht in der That und mit den pflichtmäßigen Handlungen ausüben. Das aber ängstigt und peinigt den Geist noch viel mehr, zu erwägen, daß ein so trauriges Verderben dadurch am meisten entstanden ist, daß bei bcr Organisation der Staaten wohl nirgendwo die Kirche nach Werth geschätzt wird, ja ihrem heilsamen Einfluß geflissentlich widerstrebt wird. Darin gibt sich eine große und gerechte Strafe des rächenden Gottes kund, der die von ihm sich abwendenden Völker in die elendeste Blindheit versinken läßt.
Deshalb ruft die Sache selbst mit Macht, daß alle katholischen Männer im Gebete zu ©ott1) verharren, ohne Unterlaß und nicht allein zu Hause, sondern noch mehr öffentlich in den Kirchen inständigst bittend, daß die Vorsehung Gottes die Kirche von „nachtheiligen und schlechten Menschen""2) befreien möge und die irregeleiteten Menschen, durch die Erleuchtnng und Liebe Christi, zur Gesundheit und dem Verstände zurückführen möge; — eine Sache, die wunderbarer ist, wie die Menschen glauben. Die Welt bleibt auf ihrem Wege der vollen Arbeit, ist vertrauend auf Güte, Macht, Waffen und Geist. Die Kirche schreitet mit sicherm und festem Schritte durch die Zeiten, einzig auf Gott vertrauend, zu welchem sie Tags und Nachts im Gebete Augen und Hände erhebt. Sie selbst legt ihre Haupthoffnung mehr auf Beten und Bitten zu Gott, obgleich sie auch klugerweise menschlichen Schutz nicht vernachlässigt, welchen durch die Fürsorge Gottes die Zeit mit sich bringt. Daher hat sie,
*) I. Thes. V 17.
-) II. Thes. III. 2.
jC Der Geizhals.
Nacherzählt von Cora von Schönburg.
(7. Fortsetzung.)
Frau v. Argast legte das Billet, nachdem sie es gelesen, wieder zusammen und steckte es sinnend in das Kouvert zurück. Wie grausam schien es doch, diesem Schmetterling das letzte bischen Sonnenschein zu rauben! Konnte man von ihrem leichten, allem Aeußerlichen zugewandten Sinn überhaupt ein ernstes Erfassen der durch die Armuth bedingten Pflichten erwarten?
Frau v. Argast erhob sich, um eine Arbeit zu holen, aber die Unsicherheit und die quälenden Sorgen, welche ihre Loge mit sich brachte, wollten keine ruhige Thätig- keit zulassen. Immer wieder entsank die Arbeit den zitternden Händen und die Gedanken verloren sich in Grübeleien.
Ihre schwermüthiger Gedankengang wurde durch ihre in einer reizenden Diner-Toilette hereinflatternde Schwiegertochter unterbrochen.
„Johanna ist um eine Droschke fortgelaufen," rief sie. „Bitte, gib mir schnell eine Mark, Du kannst sie ja wieder von dem Gelde abziehen, was Du mir noch schuldest."
„Da, nimm lieber zwei Mark, im Falle ..." „Ja, Du hast Recht —und, wie gefalle ich Dir?"
wodurch sie den Lebensgeist nährt und kräftigt, weil sie durch Eifer im Beten glücklich erlangt, sodaß sie unberührt vorn Wechsel der menschlichen Dinge und in fortwährender Verbindung mit Gott aus dem Leben Christi unseres Herrn schöpft und ruhig anwendet, und fast zur Aehnlichkeit mit Christus selbst, dessen grausame Marter, welche er für das allgemeine Wohl erlitten hat, nichts von seiner glückseligen Liebe und Freude vermindert noch wegnimmt, gelangt ist.
Alle, die sich zum Christenthum in würdiger Weise bekannten, haben diese großen Zeichen einer christlichen Weisheit immer hochgehalten in religiöser Gesinnung; daher pflegten ihre Gebete zu Gott auch eifriger und häufiger zu sein, wenn irgend ein Leid der heiligen Kirche oder ihrem höchsten Leiter, durch Falschheit und Gewaltthätigkeit nichtswürdiger Menschen, angethan wurde. Wir haben dafür das ausgezeichnete Beispiel der Gläubigen aus den ersten Zeiten der Kirche, welches wahrhaft würdig ist für alle Zukunft zur Nachahmung empfohlen zu werden. Petrus der Statthalter Christi unseres Herrn, der Oberhirt der Kirche, war auf Befehl des lasterhaften Herodes in Fesseln geschlagen und einem sicheren Tode geweiht; es gab keine Möglichkeit, keine Hilfe zum Entrinnen. Aber jene Hilfe fehlte nicht, welche das heilige Gebet von Gott erlangt; die Kirche nämlich, fo erzählt uns die hl. Schrift, betete aufs inständigste für ihn: Die Kirche betete ohne Unterlaß für ihn zu Gott; und der Gebetseifer war in Allen um so mehr entflammt, je schärfer sie dieses große schmerzvolle Unglück peinigte. Daß das Gebet dieser Bittenden aber erhört wurde, ist allgemein bekannt: den wunderbar befreiten Petrus feiert heute noch das christliche Volk in freudiger Erinnerung. — Noch ein ausgezeichneteres, ein göttliches Beispiel gab Christus, welcher seine Kirche nicht nur durch Gebote, sondern durch sein eigenes Vorbild leitete und führte zu aller Heiligkeit. Er hat nämlich sein ganzes Leben hindurch häufig und eifrig gebetet, ja felbft in jenen äußersten Stunden im Garten Gethsemani. Da feine Seele mit ungeheurer Bitterkeit erfüllt war und er bis zum Tode traurig, da betete er nicht nur zum Vater, sondern er betete sogar länger und inständiger. Das that er nicht für sich; denn er war Gott, der nichts fürchtet und nichts braucht, er that es für uns, er that es für seine Kirche; damals nahm er die späteren Bitten und Thränen der Kirche in sein Gebet auf und erwarb uns dadurch reichliche Gnaden.
Durch das Geheimniß des Kreuzes wurde das Heil unseres Geschlechtes gewirkt, und -a Christus triumphirie, die Kirche als Verwalterin des Hells auf Erden gegründet und eingerichtet; von jener Zeit an wurde eine neue Ordnung für ein neues Volk von der Vorsehung Gottes bestimmt. — Die göttlichen Rathschlüsse müssen wir mit großer Ehrfurcht betrachten.
Als der ewige Gottessohn, zur Erlösung und Verherrlichung der Menschen die menschliche Natur annehmen und zu dem Zweck eine geheimnißvolle Bereinigung mit dem Menschengeschlechte eingehen wollte, that er das nicht eher, als bis die ausersehene Mutter ihre freie Einwilligung dazu gegeben hatte, welche hierdurch gewissermaßen die Sache der ganzen Menschheit vertrat nach dem herrlichen und wahren Worte des Aquinaten: „Durch die Bitte des Engels wurde die Einwilligung der Jungfrau eingeholt an Stelle des ganzen Menschengeschlechts!""3) Deshalb kann man behaupten, daß von dem ganzen Gnadenschatze, den der Herr uns brachte, da ja „Gnade und Wahrheit durch Jesus Christus uns geworden ist"", uns nichts zu Theil geworden ist, als durch Maria: so daß, wie zum Vater Niemand kommen kann als durch den Sohn, so man beinahe auch sagen könnte, Niemand kann zu Christus kommen als durch Maria.
Wie sehr leuchtet daraus der Rathschluß, die Weisheit und die Barmherzigkeit Gottes hervor! Wie sehr trägt er dem Unverstand und der Schwachheit des Menschen Rechnung! Denn wir glauben, daß seine Güte unbegrenzt ist und loben sie; wir glauben, daß seine Gerechtigkeit unendlich ist und verehren sie; und den wir als unfern liebevollen Erhalter, den Spender seines Blutes und seines Geistes lieben, denselben fürchten wir als unerbittlichen Richter. Deshalb bedürfen die, birim Bewußtsein ihrer Sünden zittern, eines Fürbitters und Patrons, der sowohl von Gnade bei Gott überfliegt und fo liebreich ist, daß er auch
3) I. Thes. v. 17.
„O, sehr gut; in der That, mir scheint, Du siehst viel besser aus, als im vorigen Jahre."
„Das kommt davon, weil ich so häuslich bin. Ach, welches Vergnügen, einmal wieder ein Concert zu hören! Da ist die Droschke — o, ein gräßlicher Einspänner! — Adieu, Mama."
Die Generalin Burlitt war eine Dame, welche ihr ziemlich beträchtliches Vermögen benutzte, um ihrem ausgedehnten Bekannten- und Freundeskreise ein stets gastlich offenes Haus zu halten. Ada war ihr daher als ein belebend und dekorativ wirkendes Mitglied der Gesellschaft ein immer willkommener Besuch. Und die junge Frau v. Argast wußte den Vorzug, welcher ihr in dem eleganten Hause geboten wurde, nicht nur zu schätzen, sondern sie wandte auch alle Mittel an, sich denselben zu erhalten.
Sie war die stets bereite Hilfe der Hausfrau, die angeschwärmte Freundin der halberwachsenen Söhne und Töchter, sogar eine gern gesehene Persönlichkeit der Kammerjungfern und Bedienten, die sie durch gelegentliche kleine Trinkgelder zu ihren Gunsten zu stimmen wußte.
Wie gewöhnlich, so wurde auch heute ihr Erscheinen im Burlitt'schen Salon mit allgemeinen Akklamationen begrüßt.
„Wir begannen gerade zu fürchten, Sie würden
ben Berzweifelnbsten zu beschützen nicht verschmäht, unb bie trostlos Daliegenben burdj bie Hoffnung auf bie göttliche Milbe aufrichtet. Das ist bie herrlichste Jungfrau Maria: sie ist mächtig, als Mutter bes allmächtigen Gottes, aber auch, was süßer ist, zugänglich, gärig, nachsichtig. So hat Gott sie geschaffen, unb er gab ihr, bie er als Mutter seines Eingeborenen auserwählte, einen so mütterlichen Sinn, baß sie nichts anberes athmet, als Liebe unb Vergebung; so zeigte sie Jesus Christus, als er Maria freiwillig untertijan sein unb gehorchen wollte, wie ein Sohn seiner Mutter: so stellte er sie bar, als er am Kreuze in bem Jünger Johannes bas ganze Menschengeschlecht ihrer Sorge unb Hut übergab; so zeigte sie enblich sich selbst, als sie bie unendliche, von ihrem fterbenben Sohne ihr übergebene Erbschaft umfaßte unb ihr sofort ihre mütterliche Sorgfalt angebeihen zu taffen begann. (Fortsetzung folgt.)
Deutsches Keich.
Berkin, 3. Oktober.
* Die Einfuhr von Getreide gestaltete sich im Monat August, unter dem Einfluß des russischen Ausfuhrverbots, welches am 27. August in Kraft trat, wie folgt: An Roggen wurden eingeführt 877,029 Doppel-Zentner (darunter 718,946 russischen Ursprungs) gegen 777,037 D.-Z. (666,760 russischen Ursprungs) in demselben Monat des Vorjahrs. An Weizen 923,082 D.-Z. (528,159 russischen Ursprungs) gegen 1,368,389 D.-Z. (636,583 russischen Ursprungs) in demselben Monat des Vorjahres. An Hafer 121,721 gegen 260,514 D.-Z. in demselben Monat des Vorjahres. An Gerste 312,504 D.-Z. gegen 415,473 D.-Z. An Mais und Dari 342,627 D.-Z. gegen 641,465 D.-Z. — In der Zeit vom 1. Januar bis Ende August wurden eingeführt: An Roggen 5,539,192 D.-Z. (4,879,755 russischen Ursprungs) gegen 6,300,436 D.-Z. (5,310,497 russischen Ursprungs) in demselben Zeitraum des Vorjahres. An Hafer 933,659 D.-Z. gegen 1,679,097 D.-Z. in demselben Zeitraum des Vorjahres. An Weizen 4,931,550 D.-Z. (3,306,523 russischen Ursprungs) gegen 5,101,994 D.-Z. (2,700,161 russ. Ursprungs) in demselben Zeitraum des Vorjahres. An Gerste 3,779,362 D.-Z. gegen 4,187,394 D.-Z. An Mais und Dari 2,386,482 D.-Z. gegen 4,391,942 Doppel-Zentner. Es geht hieraus hervor, daß der August-Import nur in Roggen (und zwar um ca. 100,000 D.-Z.) stärker war, als im Vorjahr, in allen anderen Getreidearten geringer. Dagegen ist der Import für die Zeit Januar- August in sämmtlichen Getreidearten geringer gewesen, als im Vorjahre.
* Die Prinzessin Albrecht von Preußen, Gemahlin des Regenten von Braunschweig, ist in Kamenz an den Masern erkrankt, doch tritt die Krankheit in gutartiger Form auf.
* Redakteur Fußangel ist, wie ein Telegramm der ,Post^ meldet, auf Beschluß der Essener Strafkammer heute Mittag 12 Uhr aus der Sicherheitshaft gegen eine Kaution von 15,000 Mark entlassen worden.
* Breme», 3. Okt. Der Chef der Cigarrenfabrik Engelhardt und Biermann schenkte anläßlich seines Geschäfts-Jubiläums 100,000 M. an seine Arbeiter als Grundstock zu einer Sparkasse. Solche Hochherzigkeit verdient Anerkennung und Nachahmung.
uns treulos werden," sagte die Generalin, indem sie ihr die Hand reichte.
„Ich bekam Ihren Brief erst vor einer halben Stunde," entschuldigte sich Frau v. Argast mit verzeihlicher Ungenauigkeit.
Die Hausfrau warf einen musternden Blick ans die bereits Versammelten, dann bemerkte sie fragend:
„Ich glaube, unsere Gesellschaft hier ist Ihnen zum größten Theile bekannt, vielleicht mit Ausnahme von Herrn Assessor Baron Wurzel?"
„O doch, Baron Wurzel aber ist mir, obwohl er sich meiner nicht mehr zu erinnern scheint, ganz gut von Marisnbad her bekannt."
Der Angeklagte, ein sehr nichtssagend aussehender, hellblonder Mensch, wurde roth bis über die Ohren, reichte aber nichts destoweniger der vor ihm stehenden jungen Frau den Arm, als eben die Flügelthüren zum Speisezimmer geöffnet wurden.
„Ich begreife gar nicht, wie ich Sie vergessen konnte," sagte er mit einem scheu bewundernden Seitenblick, als man an dem mit raffinirtem Luxus gedeckten Tische Platz nahm.
„Ja, das begreife ich auch nicht," ließ sich Major Ormann mit laut tönender Stimme von der andern Seite des Tisches her vernehmen. „Unverzeihliche Vergeßlichkeit, deren sich übrigens heute auch die gnädige