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JV 223 Dienstag, den 29. September 1891. 18. Jahrgang

FMakrMZcitiliig

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a Der Geizhals.

Nacherzählt von Cora von Schönburg.

(2. Fortsetzung.)

»Du hast Dick gestern Abend erkältet, Mama, fürchtete es gleich, als ich Dich am offenen Fenster w Deinem Studirzimmer sitzen sah."

„Mir war so heiß und beklommen."

„Ja, aber die Lust war feucht, Mütterchen," fuhr ste nach einer kleinen Pause fort; „ist nichts da, was wir verkaufen könnten? Nichts ..."

Frau von Argast unterbrach sie:

»Nein, mein Herz, die wenigen Schmuckgegenstände, welche ich noch aufbewahrt, halfen mir, dieses Haus einzurichten. Du weißt, es war mir so darum zu thun, der Wittwe unseres armen Paul ein freundliches Heim zu bereiten".

Elisabeth begann abermals nachzudenken, dann sagte ste: „Hältst Du es nicht für möglich, daß Papas Bruder Dir in einer solchen Nothlage helfen würde? Es ist schrecklich, ihn darum zu bitten, da wir ihn gar mcht kennen, aber er ist doch der nächste Verwandte und kinderlos."

„Das wäre verlorene Mühe. Er hatte einen Streit m Bermögensangelegenheiten mit Deinem Vater und

E1D Aus den japanischen Missionen.

(Bericht eines Reisenden.)

Auf einer vor wenigen Jahren unternommenen größeren Reise weilte ich u.A. einige Monate in Japan und faßte eine besondere Vorliebe für dieses herrliche Land und seine liebenswürdigen Bewohner. Man muß nicht glauben, daß der Japaner, tote man ihn gewöhn­lich schildert, ein immer lachendes, oberflächliches Kind sei. Im Gegentheil entwickelt er bei Gelegenheit eine seltene Willenskraft, ist intelligent, arbeitsam und von Natur edel angelegt. Wie schön zeigte dies Volk seine großen Eigenschaften in der Geschichte der ersten Ver- tündigung des Christenthums in Japan und den grau­samen Verfolgungen gegen den Glauben!

Doch nicht nur das XVI. und XVII. Jahrhundert mit seinen Schaaren von Märtyrern beweist den Glau- bensmuth der Japaner, sondern auch die letzte Verfol­gung vor etwa 20 Jahren zeigte, daß der alte Beken­ner- und Martyrergeist in Japan noch nicht erloschen fei. Ich selbst hatte Gelegenheit, noch mehrere der überlebenden Glaubensbekenner aus der damaligen Ver­folgung zu sehen. Unter Anderen ein altes Ehepaar, welches noch die Spuren der unzähligen Geißelhiebe trägt, die es damals für seinen Glauben erlitten. In Urakami, dem berühmten Christendorf bei Nagasaki, machte uns der Missionär auf einen alten Mann auf­merksam und erzählte, daß derselbe, ähnlich den 40 Märtyrern von Sebaste, in einen gefrorenen Teich ge­stellt wurde, während seine Peiniger ihm beständig die verlockendsten Anerbieten machten, wenn er vom Glau­ben abfiele. Da der muthige Christ aber standhaft blieb, ließen sie ihn im Eise stehen, bis er dem Tode nahe war, zogen ihn dann heraus, um, sobald er wieder einigermaßen genesen, die Marter von Neuem zu beginnen. Diese so furchtbare Probe seiner Glau­benstreue hatte er während längerer Zeit immer wieder zu bestehen, so daß es wunderbar ist, daß er nicht unterlegen. Zwar war er länge Jahre infolge dieser Behandlung schwer krank, ist aber jetzt ein ziemlich rüsttger Greis.

Das Missionsleben in Japan intereffirte mich sehr lebhaft, und war es eine ganz besondere Freude für mich, bei der Gründung einer neuen Missions-Station, j weit entfernt von allen bisherigen katholischen Nieder­lassungen, zugegen zu sein. Es war dies in der Stadt Kumamoto auf der Insel Kiu-Shiu. Die erste heil. Messe, welche dort seit mehreren Jahrhunderten zum ersten Male wieder gelesen wurde, fand in dem als Kapelle schnell improvistrten Speisesaal eines Gasthauses I statt, und die Erinnerung an die Märtyrer, welche in der gleichen Stadt die letzte heil. Messe gehört, gaben der Feier etwas besonders Erhebendes. Es läßt sich begreifen, daß diese Mission mir immer besonders nahe gestanden, und deshalb möchte ich heute einen Auszug aus einer Notiz ihres Missionärs geben, um durch die Schilderung seiner Arbeiten und bereit Schwierigkeiten vielleicht einige Leser für sein Werk zu interessiren.

„Meine Station liegt in der Provinz Higo, welche den großen Bezirk Kumamoto bildet, nach deren Haupt­stadt ersobenanntist^er ist in 15 Kreise eingetheilt,

Aber die große Schwierigkeit besteht darin, daß, um Katechisten anzustellen, man sie ernähren muß, und wir haben keinen Kreuzer. — Ach, wüßten nur die großmüthigen Seelen in Europa, wie viel Gutes sie in Japan mit ganz geringen Mitteln wirken könnten, gewiß würden sie uns aus allen Kräf­ten helfen! Jedes noch so kleine Almosen kann uns große Dienste leisten. Jedoch was ich mir vor Allem wünschte, wäre: wohlthätige Personen zu finden, welche es übernehmen würden, allein oder im Verein mit An­deren einen speziellen Katechisten zu unterhalten.

Zu ihrem Trost werde ich ihnen dann mittheilen, an welchem Orte ich ihn angestellt, welches seine Ar­beit, seine Erfolge sind re. Auf diese Weise können sie sich als wahre Missionäre und Apostel des ihrem Schütz­ling anvertrauten Distriktes betrachten. — Ein Kate­chist, welcher auf dem Lande oder in den kleinen Städten des Innern arbeitet, braucht 29 Mark im Monat oder 348 Mark im Jahre; in der großen Stadt Kumamoto braucht aber ein Katechist, um seiner Stellung gemäß leben zu können, 40 Mark im Monat oder 480 Matt im Jahre.

Damit man noch besser erkennt, welch' spezielles Interesse Japan in diesem Augenblicke verdient, will ich hier die Worte eines gelehrten Dominikaners an­führen, der in seiner Broschüre: „Le Rosaire de la Ste Vierge pour la propagation de la foi et speciale- ment du Japon“ sagt: „Die Bekehrung Japans zum Katholizismus ist von besonderer Wichtigkeit, dieses Volk ist das erste unter den Völkern des fernen Ostens. Ist es einmal der katholischen Kirche gewonnen, so wird es der Verbereitung des Glaubens bei allen angren­zenden Ländern einen großartigen Aufschwung geben. Es wird fähig fein, Missionäre und Apostel nach Korea, China, Tonking, Cochinchina und Indien zu senden. Ganz Asien kann dann so zu sagen zwischen zwei Feuer genommen werden, von der einen Seite durch die Mis­sionäre des Westens, von der anderen durch die des Ostens." — Und ein anderer hervorragender Priester sagte kürzlich in einer Rede die bemerkenswerthen Worte: „Japan ist das Schlachtfeld, wo sich im äußersten Osten die Zukunft der christlichen Civilisation entscheidet. Wenn nur die großmüthigen Katholiken dies Alles wüßten, sie würden deshalb gewiß nicht die anderen Missionen vernachlässigen, aber Japan ein wenig mehr unterstützen.

Znm Schluß empfiehlt der Missionär sich, seine Werke und die ganze japanische Nation dem Gebete und dankt im Voraus für jedes Almosen, welches die christliche Barmherzigkeit spenden wird.

Briese gelangen direkt an den Missionär von Kuma­moto unter der Adresse: „Monsieur I. M. Corre, Missionaire Apostolique, Kumamoto, Japon." Er ge­hört der „Gesellschaft der auswärtigen Missionen" an, deren Mutterhaus oder Seminar in Paris, Rue du Bae Nr. 128 ist. Wünscht man nähere Auskunft, so wolle man sich dorthin wenden. Man kann anch Almosen dorthin senden, aber es ist einfacher sie direkt durch die Post zu expediren, da Japan jetzt zum allge­meinen Postverband gehört. Um das Geld dort zu er­heben, braucht der Empfänger nur den Namen der Person zu wissen, welche es ihm schickt.

Sohnes willen, in die deutsche Heimath zurückgekehrt und hatten in Berlin ein bescheidenes, aber sorgen­freies und glückliches Leben geführt. Dann war Paul, dem Zuge seines Herzens folgend, bei der Marine ein- getreten. Die Mutter hatte sich nur schwer von ihrem Lieblinge getrennt, aber die glücklichen Bttefe, welche der junge Mann in den nächsten Jahren schrieb, zer­streuten nach und nach die Befürchtungen, welche sie beim Abschiede bedrückt hatten. Das ungebundene See­mannsleben schien seine kindlichen Gesinnungen nicht zu beeinflussen, die lange Trennung die Liebe zu den ©einigen nicht abzuschwächen. Aber nach und nach wurden die stets so freudig begrüßten Briefe feltener — eine Zeit lang hörten sie ganz auf — dann kam wieder eine Botschaft — aber ach, es war das Schuld- bekenntuiß des verlorenen Sohnes; den Schluß der traurigen Geschichte bildete die Mittheilung, daß Paul, ohne nach der Willensmeinung der Eltern zu fragen, sich vor drei Jahren mit der gänzlich mittel­losen Tochter eines deutschen Konsuls im Auslande verheirathet habe und jetzt am Ende aller Hülfsmittel ongefommen sei, um sich und seine Familie zu er­nähren.

Das war ein schwerer Schlag für Frau von Argast gewesen, ein Schlag von dem es ihr nicht vergönnt

von denen L4 unter meiner Jurisdiktion stehen. Die Stadt selbst hat eine schöne Festung mit Garnison. Das Volk von Higo ist berühmt wegen seiner Energie und seinem feurigen Geist, im Allgemeinen ist es der christlichen Religion sehr wohlwollend gesinnt, obwohl ich bis jetzt keine Erinnerung an die frühere Glaubens­verkündigung mehr im Volke finden konnte. Doch da es noch nicht recht zwischen Katholiken, Protestanten und russischen Schismatikern zu unterscheiden weiß, haben wir keine leichte Aufgabe, zumal der Protestan­tismus, besonders der amerikanische, Dank großartiger I Geldmittel über zahlreiche Schulen und viele Prediger verfügt. Ein Theil der höheren Klassen der Gesellschaft ist auch zu ihm übergetreten. Leider aber befinden sich gerade unter diesen viele Ungläubige, Rationalisten und Skeptiker, die höchst selten für das wahre Christenthum zu gewinnen sind.

Ich habe zu meiner Stütze noch einen jungen japanischen Priester, aber was vermögen zwei Männer gegenüber einer so gewaltigen Ausgabe? Man bedenke doch nur, daß diese Provinz Higo an Ausdehnung und Seelenzahl mehreren Diözesen Europas zusammenge­nommen gleichkommt, daß die katholische Kirche hier noch gar nichts besitzt, ihr Alles zu thun, Alles zu organisiren bleibt, während die Protestanten schon sehr mächtig sind. Und ferner besitzt Kumamoto, wegen starker Besetzung eine der wichtigsten Städte Japans, | mindestens hundert Tempel, wo der Teufel angebetet i wird, während unser Heiland nicht einmal einen Altar hat; ich lese die hl. Messe auf einem Tifch von weißem Holz.

Und doch, bei einem fo intelligenten Volke könnte die Wahrheit leicht siegen, die katholische Religion kräf- | tige Wurzeln fassen und sich zu reicher Blüthe entfal­ten, wenn man nur einige Opfer brächte. Das Mittel hierzu ist sehr einfach: Wir sollten mehr Katechisten haben! Der Missionär ist eine unentbehrliche Kraft, aber allein kann er doch nur wenig thun, er braucht * einheimische Mitarbeiter aus dem Laienstande; je mehr ! er hat, desto schneller geht das Werk, und seine Haupt- thätigkeit besteht darin, sie zu überwachen, zu leiten und zur Arbeit anzuhalten. (Jeder Katechist erhält | einen eigenen, meistens sehr ausgedehnten Distrikt an- I gewiesen, wo er den Glauben bekannt zu machen sucht, und Diejenigen, welche, von der Gnade ergriffen, un­sere Religion näher kennen zu lernen und anzunehmen wünschen, in der Wahrheit genau unterrichtet und zur hl. Taufe vorbereitet. Der Missionär hält sich dann in jedem Distrikte etwas auf, prüft die Katechumenen, und wenn er sie ihren Kenntnissen und ihrem Lebens­wandel nach der hl. Taufe würdig erachtet, spendet er ihnen dieses Sakrament. Ist schon eine christliche Ge- | meinde gebildet, so hat der Katechist außerdem die neuen [ Christen weiter zu unterrichten, sie zum christlichen Lebenswandeln anzueifern und darin zu befestigen; da der Priester natürlich jede feiner Gemeinden nur zeit­weilig besuchen kann. — Es wäre nun sehr leicht, solche Gehilfen und Mitarbeiter zu finden, denn, wie schon gesagt, unsere Leute sind im Allgemeinen voll Eifer und Opferwilligkeit, man hat deren gesehen, welche sich schon gleich nach ihrer Taufe als wahre Apostel erwiesen.

ist seitdem vollständig unzugänglich für die Familie geworden. Sein Starrsinn geht fo weit, daß er sogar den eigenen Sohn verstieß. Der arme Mensch kam später in Australien um und Niemand hörte mehr etwas von ihm."

Elisabeth wagte noch verschiedene Vorschläge, allein je näher sie auf die Verhältnisse einging, desto traurigere Aufschlüsse wurden ihr, desto mehr mußte sie die Hoff­nungslosigkeit der Mutter begreifen.

All' die schmerzlichen und doch so unvermeidlichen Erörterungen hatten die arme Frau schließlich so an­gegriffen, daß sie selbst nach Ruhe verlangte und sich willig von Elisabeth in ihr Schlafzimmer bringen ließ.

Diese blieb, die Hand der Mutter in der ihrigen, neben dem Bette sitzen. Sie saß und dachte — dachte an die Vergangenheit und an die Zukunft, die beide so viel Trauriges für sie bargen. Ihren Vater hatte sie kaum gekannt.

Sie war erst vier Jahre alt, ihr Stiefbruder Paul aus der früheren Ehe ihrer Mutter mit einem ent­fernten Vetter ihres Vaters erst 14 Jahre alt gewesen, als der Ernährer der Familie starb. Die Wittwe hatte dann die ersten Jahre ihrer Wittwenttaner dort zuge­bracht, wo ihr Gatte sein frühes Grab gefunden — in Italien. Später waren sie, um der Erziehung des .