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Beilage zu Nr. 222 der „Fuldaer Zeitung".

Sonntag, den 27. September 1891.

□ Die Gründung eines Derbandes der katholischen Arbeitervereine Deutschlands bildete den Hauptgegenstand der Berathungen auf der Generalversammlung der Präsides der katholischen Arbeitervereine in Köln am 15. Sept. Aus Gründen theils sachlicher, theils politischer Natur nahm man Abstand davon, die Vereine als solche in einem Ver­bände zu vereinigen. Die wesentlichen Ziele eines solchen Verbandes, die sich dahin zusammenfassen lassen, daß

1. bestimmte einheitliche Grundsätze bezüglich Or­ganisation und Leitung in allen Vereinen maß­gebend sind; daß

2. der wandernde Arbeiter überall freundliche Aufnahme, Rath und Unterstützung findet, und, falls er dauernd Aufenthalt nimmt, in den Verein feines Wohnortes ohne Eintrittsgeld, ohne besondere Probezeit als vollberechtigtes Vereinsmitglied ausgenommen wird; daß

3. jeder Verein und jedes Vereinsmitglied weiß, welche Vereine sich an diese Grundsätze binden; daß

4. möglichst überall sich solche Vereine bilden resp. sich zur Einhaltung dieser Grundsätze verpflichten, glaubte man durch die gegenseitige Verständigung und die Empfehlung einer Generalversammlung der Präsides erreichen zu können.

So hat denn die Generalversammlung der Präsides in Köln zunächst nur eine jährliche General­versammlung der Präsides für ganz Deutsch­land ins Auge gefaßt. Es ist ein Central- Komitee gewählt worden, daß diese Generalver­sammlung vorzubereiten und für die Ausführung und Bekanntmachung der gefaßten Beschlüsse Sorge zu tragen hat. Jede Diözese ist durch ein Mitglied in demselben vertreten. Das Komitee ist berechtigt, weitere Mitglieder, soweit es zweckmäßig erscheint, zu kooptiren. Herr Domkapitular Lic. Velten in Köln, Vor­sitzender des Kölner Diözesan-Komitees, ist als provi­sorischer Vorsitzender des Central-Komitees in Aussicht genommen. Die nächste Generalversammlung soll wo­möglich gleichzeitig mit der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Mainz stattfinden. — Sollten in allen Diözesen Diözesan - Komitees gebildet werden, dann wird später das Central-Komitee am einfachsten aus je einem Delegirten der Diözesan- Komitee's gebildet.

Gleichzeitig mit der Generalversammlung der Prä­sides soll eine öffentliche Versammlung für die katholischen Arbeiter stattfinden, an welcher zunächst die Mitglieder des Arbeitervereins im Orte der Generalversammlung, sowie der Nachbarschaft theil- nehmen können, auf der aber auch Mitglieder ent­fernterer Vereine felbstverständlich willkommen sind. Diese Versammlung soll dann der Anregung und Be­lehrung der katholischen Arbeitervereine dienen, und die Begeisterung hinaustragen in die ganze katholische Arbeiterwelt.

Um auch den Mitgliedern die Wohlthat der Gegenseitigkeit namentlich für den Fall des Wechsels des Wohnortes zu sichern, hat die Generalversammlung in Köln weiterhin an alle katholischen Ar­beitervereine das dringende Ersuchen ge­richtet :

1. Zuwandernde Mitglieder anderer katholischer Arbeitervereine, soweit sie sich als solche legiti- miren, mit Rath und That zu unterstützen;

2. solche Mitglieder, falls sie längere Zeit bleiben, ohne Probezeit und ohne besonderes Eintritts­geld als vollberechtigte Mitglieder aufzunehmen. (Auf besondere Wohlfahrtseinrichtungen im Ver­eine: Sterbekassen rc. bezieht sich diese Bestimm­ung nicht.)

3. Dem Vorsitzenden des Central - Komitee's die Adresse des Präses des Vereins, den Titel des Vereins, das Vereinslokal, soweit es ständig ist, und die Tage und Stunden der Versammlungen anzugeben und über jede bezügliche Veränderung Mittheilsng zu machen;

4. jährlich für die Generalversammlung einen Be­richt über den Stand des Vereins zu erstatten.

Ein Verzeichniß der Vereine, welche diese Wünsche zu erfüllen bereit sind, wird im Druck er­scheinen, und dasselbe allen bezüglichen Vereinen zuge­sandt werden.

„Einigkeit macht stark." Sammelt Euch darum, christliche Arbeiter im ganzen deutschen Vaterlande in christlichen Arbeitervereinen, und einig im Glauben, einig in der Liebe, stark im mächtigen Bunde bauet den Felsenthurm, an dem die Wogen der sozialdemo- kratischen Bewegung sich brechen und zerschellen!

FeldmarschaÜMottkeüberMarschallKa;aine.

* In seiner Schrift über den deutsch-französischen Krieg spricht sich Moltke auch sehr treffend über den

Marschall Bazaine aus. Dieser kommaudirte bekannt­lich die französische Armee, die nach der Schlacht von Gravelotte in Metz eingesperrt war und gefangen wurde. Bazaine wurde dann von der sianzösischen Regierung auf Betreiben der öffentlichen Meinung als Verräther abgeurtheilt, auf das Meeresschloß bei Marseille ver­wiesen und dort von seiner Frau kühn besieit. Er floh und starb vor einigen Jahren in Madrid im Elende. Moltke erzählte nun:

„Es ist zweifellos, daß Marschall Bazaine nicht blos nach militärischen, sondern auch nach poli­tischen Rücksichten gehandelt hat, aber es fragt sich, ob er bei der in Frankreich eingetretenen Verwirrung anders handeln konnte. Aus seinem Verhalten in den Schlachten vor Metz geht eine entschiedene Abneigung hervor, sich von diesem Platz zu trennen. Unter seinen Mauern vermochte er eine bedeutende Heeresmacht bis zum gegebenen Augenblick ungeschwächt zu bewahren. An der Spitze der einzigen noch nicht zertrümmerten Armee Frankeichs konnte ihm eine Machtstellung zu­fallen, wie keinem Anderen im Lande. Freilich mußte diese Armee erst von dem Banne befreit sein, welcher sie zur Zeit gesesselt hielt. Der gewaltsame Durchbruch hätte sie, selbst wenn er gelang, erheblich geschwächt, und ganz undenkbar war es nicht, daß der Marschall als stärkste Autorität im Lande einen Preis werde bieten können, welcher den Gegner bestimmte, dm Ab­zug zu gestatten. Denn, wenn es endlich zum Friedens­schlüsse kam, mußte man auf deutscher Seite fragen: „wo ist in Frankreich die Macht, mit welcher nach Zusammensturz des Kaiserreichs verhandelt werden kann, und welche in ihrer Stärke die Bürgschaft dafür leistet, daß übernommene Verpflichtungen auch gehalten werden." Daß der Marschall, wenn seine Pläne zur Ausführung gelangt wären, anders als im Jnteresfe Frankreichs gehandelt haben würde, ist weder bewiesen noch voraus­zusetzen. Bald aber trat in Paris eine Anzahl von Männern zusammen, welche, ohne die Nation zu be­fragen, aus eigenem Auftrag sich als die Regierung des Landes hinstellten und die Leitung feiner Ange­legenheiten in die Hand nahmen. Diesen gegenüber freilich konnte der Marfchall, gestützt auf seine Armee, rivalisirend, ja sogar feindlich auftreten, er konnte, und daS war in den Augen der Pariser Regierung sein Verbrechm, die Autorität des Kaisers, dem er Treue geschworen, wieder herstellen. Ob er dadurch dem Lande nicht längere Leiden und größere Opfer erspart hätte, mag dahingestellt bleiben. Wenn man ihn aber nach­mals der Verraths beschuldigte, so geschah dies wohl, weil die nationale Eitelkeit der Franzosen durch­aus eines „Verräthers" bedarf, um erklärlich zu machen, daß sie unterliegen konnten."

Das Werk schließt mit der folgenden schlichten Zusammenstellung der in demselben geschilderten Er­eignisse:

„Der mit Aufbietung gewaltiger Kräfte von beiden Seiten geführte Krieg war bei rastlos schnellem Verlauf in der kurzen Zeit von sieben Monaten beendet.

Gleich in die ersten vier Wochen fallen acht Schlachten, unter welchen das französische Kaiser- thum zusammenbrach und die französische Armee aus dem Felde verschwand.

Neue massenhafte, aber geringwerthige Heeresbil- dungen glichen die anfängliche, nummerische Ueberzahl der Deutschen aus, und es mußten noch zwölf neue Schlachten geschlagen werden, um die entscheidende Belagerung der feindlichen Hauptstadt zu sichern.

Zwanzig feste Plätze sind genommen worden, und kein Tag ist zu nennen, an welchem nicht größere oder kleinere Gefechte stattgefunden haben.

Den Deutschen hat der Krieg große Opfer ge­kostet, sie verloren: 6247 Offiziere, 123,453 Mann, 1 Fahne, 6 Geschütze. Der Gesammtverlust der Fran­zosen entzieht sich der Berechnung, aber allein an Gefangenen befanden sich:

in Deutschland .... 11,860 Offiz., 371,981 Mann,

in Paris...... 7,456 „ 241,686 „

entwaffnet in der Schweiz 2,102 „ 88,331 „

21,508 „ 702,047 „

Erobert wurden: 107 Fahnen und Adler, 1915 Feldgeschütze, 5526 Festungsgeschütze.

Straßburg und Metz, in Zeiten der Schwäche dem Vaterlande entfremdet, waren wieder zurückge­wonnen, und das deutsche Kaiserthum war neu er­standen."

* Der gegenwärtige Standpunkt

der Gesangenenernährung in Preußen bildete den Gegenstand der Verhandlungen in einer der letzten Sitzungen der deutschen Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege, deren offizielles Protokoll in der letzten Nummer der,Deutsch. Med.-Ztg/ veröffentlicht wird. Das Referat über die vom nationalökonomischen wie vom sozial­politischen und nicht minder vom sanitären wie vom huma- nitären Standpunkt aus gleich intereffante Angelegenheit hatte der Hausarzt der Königlichen Strafanstcllt Moabit

(Zellengefängniß) und der mit dieser verbundenen Beo­bachtungsanstalten für geisteskranke Verbrecher Dr. med. A. Leppmann übernommen. Dieser wies zunächst auf die Thatsache hin, daß, nachdem die physiologische Forschung den Beweis erbracht, daß zur Ernährung des Menschen, d. h. zur Erhaltung seiner Gesundheit und seines Lebens, nicht nur eine gewisse Menge von Nahrungsmitteln, sondern auch eine bestimmte Auswahl derselben je nach den Nähr­stoffen, welche sie enthalten, erforderlich sei, die Kultur­staaten während der letzten 15 Jahre begonnen haben, ihre Gefangenenernährung in der bezeichneten Richtung zu verbessern, und ging dann zu einer Erörterung der Verhältnisse in Preußen über, wo bekanntlich die meisten Gerichtsgefängniffe, welche Untersuchungsgefangene, Haft­gefangene und kurzzeitige Strafgefangene aufnehmen, sowie einige zur Vollziehung längerer Gefängnißstrafen bestimmte Centralgefängmsse unter dem Justiz-Ministerium stehen, während sämmtliche Zuchthäuser, sowie die Gefangenenan­stalten zu Breslau, Kottbus, Hameln und die der Rhein­provinz dem Ministerium des Innern unterstellt sind. Der Vortragende hob sodann hervor, daß in Preußen haupt­sächlich zwei Männer, der gegenwärtige Oberarzt des Straf- gefängniffes Plötzensee, Geheime Sanitätsrath, Bezirks- Physikus Dr. Baer und der Direktor der Strafanstalt Moabit Dr. jur. Kröhne, zu Vorkämpfern einer rationellen Aufbefferung der Ernährung in den Gefangenenanstalten geworden seien, und gab des Weiteren einen Ueberblick über die für sie verschiedenen Strafanstalten gültigen Er­nährungs-Etats und die im Laufe der Zeit eingetretenen Verbesserungen. Der für die Justizgefängnisse maßgebende Etat vom Jahre 1872 gewährt nach im Strafgefängniffe Plötzensee angestellten Berechnungen 95,63 § vegetabilisches, 9,43 g animalisches Eiweiß, 33,74 g Fett und 640 g Kohlen­hydrate ; derselbe bleibt also hinter der Voit'schen Norm (118 g Eiweiß, 56 g Fett, 500 g Kohlenhydrate) noch er­heblich zurück. Nachdem Dr. Leppmann sodann die in den 70er Jahren und noch zu Anfang der 80er Jahre in den dem Ministerium des Innern unterstellten Strafanstalten herrschenden Zustände erörtert, welche sich in Bezug auf Ernährung noch ungünstiger gestaltet, als diejenigen in den Justizgefängniffen, und welche die anderweitig als specifische Gefängnißerkrankung genauer beschriebenen Erschöpfungs- erscheinungen zu zeitigen pflegten, beschrieb er eingehend den durch die langjährigen Bemühungen des Direktors Dr. Krohne-Plötzensee ins Leben gerufenen neuen Etat, der im Wesentlichen auf eine Ermäßigung der Gesammtmenge der breiigen bezw. flüssigen Kostformen von täglich 3 auf 21/a Liter hinausläuft und durch Verabreichung von einmal Hering und zwei Mal Käse wöchentlich drei feste Kostformen schafft; hierzu tritt noch eine vierte, indem die Fettung eines Erbsengerichtes wöchentlich einmal als zusammen­hängendes, in Wasser gekochtes Stück Speck verabfolgt wird. Diese vier festen Formen werden in den Moabiter An­stalten des Mittags verabreicht, während der neue Etat für die Abendmahlzeit, speziell während der Wintermonate, noch die Möglichkeit einer fünften festen Form, nämlich an Stelle der Kartoffelsuppe, Kartoffeln in der Schale mit einer Mehl-Fettsauce, gewährt, außerdem eine besonders genaue Würzung der Speisen ins Auge faßt und statt der früheren zweimaligen in der Woche eine tägliche Verab­folgung von Kaffee bis zu 10 g festsetzt. Bei Prüfung dieses seit dem 1. Oktober 1887 in allen vom Ministerium des Innern refforttrenden Strafanstalten endgiltig einge­führten Etats gelangt der Vortragende zu folgendem gün­stigen Resultat: 1. Der neue Etat gewährt im Durchschnitt für den Tag und Kopf 83,70 g vegetabilisches, 16.28 g animalisches Eiweiß. 49,93 g Fett und 553,55 g. Kohlen­hydrate. 2. Derselbe ist den Verdauungswerkzeugen zu­träglicher, als der alte Etat, indem er bem unnatürlichen Fetthunger begegnet und das sogenannte „Abgegessensein" der Gefangenen wesentlich vermindert. 3. Der allgemeine Ernährungs, Kräfte- und Gesundheitszustand der Gefangenen ist entschieden ein besserer geworden und 4. die neue Ver­pflegung stellt sich nicht theurer, als die alte. Dr. Lepp­mann schließt diesen Theil seiner interessanten Ausführungen mit der resümirenden Erklärung: „Durch den neuen Etat der dem Ministerium des Innern unter­stellten preußischen Straf- und Gefangenen- Anstalten sind wir einerbefriedigend en Lösung derFragevonderzweckmäßigstenGefangenen- beköstigung erheblich näher gerückt."

Vermischtes.

* Heber die neueste Reklame einer Kneipe im Norden Berlins erzählt ein Berichterstatter: Der Wirth der „Räuber­kneipe" engagirte sich zwei Plakatträger, die als Türken ge­kleidet die Räuber Athanas u. Co. darstellen sollten, und diese wieder beschafften sich aus einer Herberge am Weddingplatz gegen mäßige Zahlung Geiseln, die sie an den Händen fesselten unb als ihre Gefangenen mit sich herumführten. Schließlich aber kam die weniger phantastisch veranlagte Berliner Polizei und nahm Räuber, Gefangene und Geiseln ihrerseits als Ge­fangene mit nach der nächsten Polizeiwache, nachdem die Es­korte der Micher auf eine ungeheure Menschenmenge angewach­sen war.

(Auch ein Geschäft.) A.: „Nehmen Sie sofort diese Beleidigung zurück, oder ich hau' Ihnen eine Ohrfeige ’runter 1" B.: „Eine Ohrfeige? die kostet Ihnen 10 Gulden. Wissen Sie was, geben Sie mir 5 Gulden und ich hau' mir selber eine ’runter!"

(Im Handumdrehen.) August: „Na, Wilhelm, Du siehst jetzt immer so riesig nobel aus!" — Wilhelm: „Ick verdiene ja och jetzt das Jeld im Handumdrehen!" — August: „Wie machste denn bet?" — Wilhelm: „Ick drehe den Leierkasten!"

Unerwartete Auskunft. Vater: „Wann warst Du das letzte Mal int Wirthshaus?" — Sohn: „Vater, ich war über­haupt noch nicht das letzte Mal im Wirthshaus."

Auf der Tramway. Drei Damen steigen ein. X. steht auf und bemerkt galant, auf seinen Platz weisend: „Für die älteste der Damen." Tiefe Sülle. Niemand rührt sich. X. setzt sich wi.der.