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g 221 Samstag, den 26. September 1891. l8. Jahrgang

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_. t .. ®rfäe,"t ^Sllch, Sonn» und Feiertage ausgenommen. - Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Deutsches Deich.

Berlin, 24. September.

* Der Kaiser richtete, wie aus Madrid gemeldet wird,, an die Königin-Regentin ein sehr herzliches Schreiben, in welchem er eine beträchtliche Summe für die Opfer der Ueberschwemmung zur Ver­fügung stellt.

,* Die Frage der Wiederzulasfung der Redemp­toristen befindet sich, wie die,National-Ztg.' hört, nach wie vor im Stadium der Einholung von Gutachten darüber, ob die Redemptoristen, entgegen dem früheren Beschluß des Bundesrathes, als nicht „verwandt" mit den Jesuiten zu betrachten seien. Die bisher vor­liegenden Gutachten lauten widersprechend. Auch betreffs der Wiederbesetzung des Posener Erzbisthums fei kein Fortschritt in den Verhandlungen zu verzeich­nen. In dieser Frage scheinen, setzt das Blatt hinzu, die Intransigenten des Vatikans, auf welche die viel­besprochenen Artikel des ,Osservatore' zurückzuführen sind, die Verständigung zu verhindern. Die Schwierig­keiten in letzterer Frage liegen, wie auch die ,National- Zeitung' wissen könnte, ganz anderswo.

* Ueber einen Glaubenswechsel in Folge [!] der Ausstellung des hl. Rockes berichtet die,Rhein. Wests.- Ztg.' aus Leipzig: „Unser ausgezeichneter Pandektist Prof. Wind scheid ist anläßlich der Ausstellung des hl. Rockes zu Trier zum Protestantismus übergetreten. Der Glaubenswechsel erregt um so größeres Aufsehen, als Prof. Windscheid aus einer sehr streng katholischen rheinischen Familie stammt. Er ist geborener Düssel­dorfer." Von einem „großen Aufsehen" kann um so weniger die Rede sein, als weitere Kreise von der Sache erst durch die Nachricht der ,Rhein. Wests. Zeitung' Kenntniß erhalten haben. Zur Sache bemerkt die .Germania', daß Prof. Windscheid allerdings aus gut katholischer Familie entstammt, aber schon 1870 der altkatholischen Bewegung sich anschloß und seit jener Zeit dem katholischen Leben entfremdet war.

* Zu dem sozialdemokratische« Parteitag in Erfurt, dem die Beschlußfassung über das neue Parteiprogramm zustehen wird, haben wie schon erwähnt, in Berlin dieser Tage die Delegiitenwahlen stattgefunden, bei denen die „Jungen" gegenüber den „Alten" unter­legen sind. Jedenfalls werden die „Jungen" auf dem Erfurter Parteitage sehr schwach vertreten sein und die Angriffe auf die Taktik der Parlamentsfraktion werden noch leichter abgefchlagen werden, als auf dem vorigen Parteitage.

* Zur Generalversammlung der Görres-Gesellschaft, welche bekanntlich am 6. und 7. Oktober d. I. in Hildesheim stattfindet, versendet das Lokal- Komitee eine Einladung, der wir folgende Sätze entnehmen:

Geleitet von dem katholischen Grundsätze, daß zwischen der von der Kirche getragenen Offenbarung und den Ergebnissen echter Wissenschaft niemals ein Widerspruch bestehen kann, viel­mehr Glaube und Wissenschaft einander wechselseitig fördern und ergänzen, ist am 25. Januar 1876, dem hundertjährigen Ge­burtstage Joseph's von Görres, eine Anzahl deutscher Katho­liken zusammengetreten zur Gründung eines Vereins unter dem

jC Der Geizhals.

Nacherzählt von Cora von Schönburg.

(Nachdruck verboten.)

1. Eine Begegnung.

Es war an einem herrlichen Junimorgen, als sich auf einem der um diese Zeit ziemlich einsamen Haupt­wege des Berliner Thiergartens zwei Herren begrüßten und dann in eifrigem Gespräch stehen blieben. Der Aeltere von Beiden war ein kräftiger, blühender Mann, mittleren Alters, mit militärischer Haltung, grauem Schnurrbart und leicht gerötheten Augen. Der Jüngere war groß und schlank. Seine gemessenen Bewegungen hätten auf ein reiferes Alter schließen lassen, allein der elastische Schritt und der Glanz der dunklen Augen verricth doch den kaum dem Jünglingsalter entwachsenen Mann.

„Ah, Baron Tanfeld !" redete ihn der ältere Herr an. „Sehr überrascht, Sie in der Stadt zu sehen. Ich vermuthete Sie auf der Jagd in Schlesien, oder Ihre sächsischen Rübenfeldcr bestellend. So viel ich weiß, erwartete Ihr Vater Sie um diese Zeit."

„Das ist ein Jrrthum, Herr Major. Ich wurde telegraphisch von Paris abberufen, weil mein Vater einen Schlaganfall hatte. Sein Zustand war ein paar Tage lang recht bedenklich; jetzt erholt er sich lang­sam."

Namen Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katho­lischen Deutschland. Aehnlich jener wissenschaftlichen „Tafelrunde", welche Görres zu München in seinem freundlichen Heim um sich sammelte, will die Gesellschaft anregend, unterstützend, leitend wirken für katholische wissenschaftliche Unternehmungen. Diese stille, emsige Arbeit der Wissenschaft ist von unschätzbarem Werthe in unserer Zeit, wo der Kampf zwischen Glaube und Unglaube, Wahrheit und Vorurtheil auf allen Gebieten gelehrter Forschung mit nie gekanntem Eifer geführt wird. Das Historische Jahr­buch, das Philosophische Jahrbuch, die Jahresberichte und hoch interessanten drei jährlichen Vereinsschriften, welche jedes Mit­glied gratis erhält, das Staats-Lexikon, die Arbesten des Histori­schen Instituts in Rom und so manche mit Unterstützung der Gesellschaft erschienenen Werke, sowie Erforschungen ausländischer Archive sind Zeugen der segensreichen Wirksamkeit, welche dieser Verein auf dem Gebiete der Philosophie, Naturwissenschaft, Ge­schichte, Literatur, Kunstwissenschaft, Rechts- und Sozial-Wiffen- schaft entfaltet. Daß namhafte Mittel zu solchen Unternehmungen nothwendig sind, leuchtet um so mehr ein, je größer die peku­niären Unterstützungen sind, mit welchen die akatholische Wissen­schaft in Deutschland gefördert wird. Die Unterstützung:, der Görres-Gesellschaft ist eine Ehrenpflicht der gebildeten Katholiken Deutschlands. Möge die Feier der Generalversammlung in der Stadt des h. Bernward, im nordischen Nürnberg, dazu bei­tragen, eine große Zahl neuer Freunde, Mitglieder und Theil- uehmer der Gesellschaft zu gewinnen. Das Lokal-Komitee: Hugo, Domkapitular und Generalvikar, Vorsitzender; Foerster, Rechts­anwalt, Pistorius, Banquier, Mitglieder des Geschäfts-Ausschusses. Beitzen I, Rechtsanwalt und Notar; Dr. Bertram, General­vikariats-Assessor ; Bormann, Domkapitular; Eltermann, Maler; Graen, Pastor; Hartmann, Dechant und Dompastor; Heise, Domkapitular und Regens des Priester-Seminars; Jahn, Fabrikant; Koch, Domvikar und Domsekretär; Kornacker, Buch­druckereibesitzer und Redakteur; Dr. med. Krüger, prakt. Arzt; Nick, Dom-Musikdirektor; Paasch, päpstl. Hausprälat und Dom­dechant ; Wahrendorff, Domkapitular. Anmeldungen als Mitglied oder Theilnehmer (10 bezw. 3 M. Jahresbeitrag) können so­wohl an die vorstehend genannten Mitglieder des Geschäfts- Ausschusses als an den provisorischen Sekretär der Gesellschaft, Dr. H. Cardauns (Köln, Marzellenstraße 20), gerichtet werden.

* Aus der Maturitätsprüfung an Gymnasien follten, wie die Münchener Neuesten Nachrichten' aus den neu­esten Verhandlungen der Reichsschulkommission berichten, auf direkte Veranlassung des Kaisers durch die preußi­sche Regierung die Geschichte und das Franzö­sische gestrichen werden. Begründet wurde diese Ab­sicht mit der großen Ueberlastung, welche das Zahlen­material der Geschichte bietet. Dafür war beabsichtigt, beim Uebertritt von der ersten zur zweiten Gymnasial­klasse (von der Untersekunda zur Obersekunda) eine Prüfung in der Geschichte abzuhalten, als zu dem Zeit­punkt, wo das Reifezeugniß für den Einjährig-Frei- willigendienst ertheilt wird. Diese Frage hat die Reichs­schulkommission nicht beschäftigt, da sie hierfür als nicht kompetent erachtet wurde, weil das Absolutorium des Gymnasiums mit der Wehrfrage nicht in direktem Zu­sammenhang steht. Ob die preußische Regierung jetzt noch auf obigem Standpunkt steht, ist fraglich. Ferner ist bekanntlich nach der Berliner Schulkonferenz in Preußen beabsichtigt, das Berechtigungszeugniß zum Einjährig-Freiwilligendienst von einer Prüfung abhängig zu machen, welche am Schluß der Untersekunda (1. Gymnasialklasse) abzulegen wäre. Hierüber finden unter den einzelnen Regierungen Verhandlungen statt, wobei die staatsrechtliche Frage in Betracht kommt, ob die einzelnen Staaten eventuell angehalten werden kön­nen, die beabsichtigte Prüfung einzuführen.

„Thut mir leid. Ein Mann von den Gesinnungen Ihres Vaters ist von ungeheurem Nutzen für das Land. Hoffentlich ist er bald wieder hergestellt."

„Ich fürchte, daß er kaum wieder zum vollen Ge­brauche seiner körperlichen und geistigen Kräfte gelangen wird," meinte der junge Mann ernst. „Jedenfalls scheint es zweifelhaft, ob er die Führung der Geschäfte wieder übernehmen kann."

Der Major schüttelte bedenklich den Kopf. „So, so," sagte er, „und Sie haben sich, so viel ich weiß, nie um die Angelegenheiten gekümmert."

„Nein, leider nicht," meinte Danfeld mit einem unterdrückten Seufzer. „Es würde meinem Vater jetzt jedenfalls eine große Beruhigung sein, mich in die Verhältnisse eingeweiht zu wissen. „Allein, fuhr er in leichterem Tone fort, unser Geschäftsführer ist ein Fak­totum, auf das wir uns vollständig verlassen können, und das gewährt immerhin einige Garantien für den ungestörten Fortgang der Verwaltung."

„Allerdings" .... wollte der Aeltere ihm eben beipflichten, da wurde die Aufmerksamkeit der beiden Herren plötzlich nach einer anderen Richtung hin ab­gezogen. Eine" junge Dame, welche schon vor ihrem Zusammentreffen an der wenige Schritte entfernten Haltestelle der Pferdebahn Platz genommen hatte, stich einen Schrei aus, weil einer der beiden kleinen Knaben, welche sie mit sich führte, in die Mitte des Weges

* Bom Rhein, 22. Sept., meldet die ,Germania': Wir theilten unlängst mit, daß verschiedene polnische, im Rheinland angestellte Lehrer ihre Zurückversetzung nach Polen bei der Schulbehörde angestrebt haben, im Hinweis darauf, daß ihre Frauen vom Heimweh verzehrt würden und dahinsiechten. Wir sind heute in der Lage, zwei Fälle mittheilen zu können, in denen die königliche Staatsregterung ein vermittelndes Ver­fahren eingeschlagen hat. Im ersteren Falle hat die Regierung der polnischen Lehrersstau zum Besuch ihrer Angehörigen in Posen die Kosten für die Hin- und Rückfahrt bewilligt, und im zweiten Falle hat der Kultusminister selbst die Bewilligung eines Freifahr­scheines für die Lehrersfrau veranlaßt, welcher der­selben einen längeren Aufenthalt in der westpreußischen Heimath gestattet. Die polnischen Lehrer wissen ganz gewiß die ihren Frauen erwiesene Wohlthat vollauf dankbar zu schätzen, sie sehen mit diesem Verfahren aber leider auch wieder die Hoffnung schwinden, selbst in der Heimath ihre erzieherische Thätigkeit aufnehmen zu dürfen.

Ausland.

* Wie«, 23. Sept. Die Nachrichten über das Schicksal des Erzherzogs Johann werden von ver­schiedenen Seiten angezweifelt. Neuestens schreibt ein Hamburger Blatt, daß die Versicherungssumme für die „Santa Margareta" deshalb nicht ausbezahlt wurde, weil die nächsten Anverwandten des Erzherzogs gewisse Formalitäten nicht erfüllen konnten. Gegenüber all' diesen Ableugnungen und Dementi's hält das ,Wr. Tagebl.' seine Mittheilungen vollkommen aufrecht. Dem .Budapester Montagsblatt' wird ferner aus Gmun­den, wo die großherzoglich Toskanische Familie dem größten Theil des Jahres verbringt, Folgendes gemeldet: Mitte März d. I. sei an die Großherzogin von Toskana (Mutter des Prinzen) ein Brief Jo­hann Orth's aus Valparaiso angelangt. In diesem Schreiben berichtet der Prinz über den Verkauf seines Schiffes, der „Santa Margareta", das nach Ausschiffung seiner Ladung von Gement „umgetauft" und veräußert nach Europa zurückkehrte. Johann Orth theilte weiter mit, daß er sich in das Innere des Landes zurückgezogen habe und absichtlich von seinem näheren Aufenthaltsorte nichts mittheilen wolle, weß- halb der abgesendete Brief nicht direkt durch ihn, son­dern durch einen Bekannten in Valparaiso befördert worden fei. Ter Erzherzog schreibt weiter, er wolle endlich vom öffentlichen Schauplatze verschwinden und nicht immer der Gegenstand der allgemeinen Aufmerk­samkeit sein. Deshalb bitte er dringend, alle weiteren Recherchen über sein Verbleiben einzustellen. Daß dieser Brief keine bloße Erfindung sei, dafür spreche die Thatsache, daß in der That Ende März gänzlich unerwartet alle Nachforschungen von Seite des österreichischen Hofes eingestellt worden sind. Das .Tagebl.' berichtet ferner noch: „Die Mittheilung von der Antheilnahme Johann Orths an den Kämpfen in Chile rührt aus einem an die greife Mutter Orths vorgesprungen war und soeben Gefahr lief, von einer rasch des Weges kommenden Droschke überfahren zu werden.

Danfeld hatte kaum die Gefahr wahrgenommen, als er vorsprang und das ahnungslose Kind vor den Hufen der Pferde fortriß. Einige laut geschrieene Worte des Kutschers, welche nicht gerade wie eine Entschuldigung klangen, eine ebenso laute Mahnung des Wageninsassen zu raschem Fortfahren, ein Peitschenschlag und das Gettappel der wieder anziehenden Pferde — dann war Alles vorbei.

„Oh, wie soll ich Ihnen danken," rief die junge Dame, als Danfeld, ihr ihren Schützling zurückvrachte. „Ohne Ihre Hülfe würde das Kind sicher überfahren worden fein."

„Der Schrecken hat dem kleinen Kerl hoffentlich nichts geschadet," meinte der Major, indem er näher trat und seinen Hut lüftete. „Kann ich vielleicht auch nützlich fein? Soll ich eine Droschke rufen?"

„Danke sehr," sagte die Angeredete mit einer an- muthigen Verneigung des Kopfes; „ich werde auf die Pferdebahn warten. Der kleine Thunichtgut wird fürchtet ich, rasch genug über seinen Schrecken hinweg kommen."

„Vermuthlich rascher, als Sie," bemerkte Danfeld. „Aber hier ist die Bahn. Erlauben Sie, daß ich Ihnen die Kinder hineinreiche." Damit geleitete er das Trio