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_________ Freitag, den 25. September 1891. l8. Jahrs
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4. Guartal 1891
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* Der heilige Dater und der Zweikamps.
„Ueber das Unwesen des Duells" hat Papst Leo XIII. unter dem 12 September d. I. an die Bischöfe Deutschlands und Oesterreich-Ungarns, wie bereits mitgetheilt wurde, ein längeres Schreiben erlassen als Antwort auf eine im verflossenen Jahre von denselben ergangene Eingabe. In dem bedeutsamen Schriftstücke verbreitet sich der heilige Vater angesichts der betrübenden That- sache, daß die Unsitte des Zweikampfes nicht nur in Deutschland und Oesterreich, sondern beinahe bei allen Völkern herrsche, über die Verwerflichkeit des Duells und weist an erster Stelle darauf hin, wie schon das Naturgesetz und das positive göttliche Gesetz dem Einzelnen verbiete, außer im Falle der Nothwehr den Mitmenschen zu tobten oder zu verwunden nnd andererseits sein Leben freventlich aufs Spiel zu setzen, so lange Pflicht oder Nächstenliebe dies nicht fordern. Nichts ist für das bürgerliche Leben verderblicher und verkehrt mehr die rechte staatliche Ordnung, als wenn dem Bürger gestattet sein soll, auf eigene Faust sich sein Recht zu verschaffen und die vermeintlich angegriffene Ehre mit eigener Hand zu rächen. Nachdem der heil. Vater erwähnt, daß die Kirche, „die Hüterin und Beschützerin wie der Wahrheit so der Gerechtigkeit und guten Sitte", das Duell jederzeit auf's Schärfste ver- urtheilt und mit den schwersten Strafen belegt habe, von den Konstitutionen Alexander's III. angefangen
„Hungerkäthe."
Skizze von I. Dirkink.
(Nachdruck verboten.)
Ich war dazumal ein junger Arzt und hatte mich in einem Landstädtchen an der holländischen Grenze niedergelassen. Meine Praxis hatte mich einige Male nach den vereinzelten Hütten der Landleute geführt. Der Weg ging durch die Haide. In der Nähe lag eine Schmiede, ein Büchsenschuß weit von der Landstraße entfernt. Der ,Krug' war der nächste Nachbar des Hufschmiedes. Eine Viertelstunde hatte der eine Nachbar zum andern. Hungerkäthe wohnte zehn Minuten weit vom ,Krug' und fast eine halbe Stunde vom Schmied entfernt. Es war so still in dem Bereich dieser drei Anwohner, daß man jeden Hammerschlag eine Meile weit hören konnte. So oft ich am Abend durch die Haide schritt, flammte der Feuerschein durch die weit offene Thüre der Schmiede mir entgegen. Röthliche Gluth übergoß den gelben Sand. Der Boden schlitterte unter den Füßen, so oft die kräftige Hand des Schmiedes den wuchtigen Hammer mit regelmäßigem Tok, tot, tot, tot — auf den Amboß sinken ließ! Der Blasebalg schnurrte, Funken sprühten knisternd von der Kohlengluth des Herdes, die Flammen züngelten blau und roth. Wie in bengalischer Beleuchtung stand eine herkulische Gestalt mit breiter Brust und nackten muskulösen Armen, die sich auf und nieder-
bis zur Bulle Apostolica Sedis Pius IX. hinab, werden die Gründe, mit denen man das Duell zu entschuldigen oder zu beschönigen pflegt, eben so klar wie treffend widerlegt. „Das Duell", heißt es, „soll die verletzte Ehre wieder Herstellen, während der Ausgang des Zweikampfes für jeden vernünftigen Menschen eigentlich doch nur beweist, wer von den Duellanten der Stärkere oder in den Waffen Geübtere, keinesfalls jedoch, auf wessen Seite die größere Ehrenhaftigkeit sei. Wie gar wenn der Beleidigte selbst fällt! Eben so wenig gerechtfertigt erscheint es, aus Furcht vor dem Vorwurf der Feigheit die Forderung anzunehmen. „Wenn statt der ewigen Richtschnur des Rechtes und der Gerechtigkeit die falschen Ansichten der Menge für die menschlichen Pflichten den Maßstab abgeben sollten, dann bestände zwischen den guten und den schlechten Handlungen kein natürlicher und wirklicher Unterschied." Größeren Muth verräth es, das hinfällige Urtheil des großen Publikums zu verachten und die Beschimpfung hinzunehmen, als sich zur Pflichtverletzung hinreißen zu lassen. Ueberaus beklagenswerth aber ist es, daß man, wiewohl auch die neuere Gesetzgebung das Duell verbietet und für strafbar erklärt, die bezüglichen Gesetzparagraphen faktisch beinahe mit Füßen tritt und das nicht selten mit Wissen und Stillschweigen Derjenigen, welche dazu berufen sind, über die Befolgung der Gesetze zu wachen und die Übertreter zu bestrafen. Geradezu ungereimt ist es, will man das Duell den bürgerlichen Ständen verbieten, hingegen dem Militär gestatten unter dem Vorgeben, jenes fördere die militärische Tapferkeit; denn das sittlich Unerlaubte unterscheidet sich vom sittlich Erlaubten seiner Natur nach und kann daher nie und nimmer für einen besonderen Stand zu etwas moralisch Erlaubtem werden. Wenn ferner jedes Mittel, das der Stärkung der soldatischen Tapferkeit dient, die Widerstandsfähigkeit des Staates gegen den äußern Feind zu heben bezweckt, sollte da der Duellunfug diesem Zweck wohl förderlich sein, da das Duell seinem Wesen nach gerade darauf hinauslaufe, daß bei Streitigkeiten unter Militärpersonen ein Vaterlandsvertheidiger den anderen niederstrecke?!
„Die Neuzeit endlich", sagt der Papst, „rühmt sich, durch ihre humanere Bildung wie verfeinerte Gesittung die früheren Jahrhunderte zu übertreffen, und ist gewohnt, die Einrichtungen der Vorzeit gering zu schätzen, und das, was mit der modernen Bildung nicht übereinstimmt, oft mehr als billig zu verachten. Wie kommt's denn aber, daß man bei dieser Begeisterung für die Humanität gerade nur das Duelliren, dieses häßliche Ueberbleibsel eines rohen Zeitalters und einer fremden Barbarei, nicht verabscheut?"
Am Schluffe mahnt der hl. Vater, die im Schreiben erörterten Lehren dem Volke sorgfältig einzuschärfen, und empfiehlt es insbesondere, daß die katholischen Jünglinge sich zu einer Art Bund zusammenschließen und verpflichten, niemals, aus was immer für einer Veran- lasfung, an einem Duell theilzunehmen.
bog, das erhitzte Eisen mit der Zange auf den Amboß sielt, vom Funkenregen der Hammerschläge umglüht. Bald zischte ein weißglühendes Stück Eisen im Wassereimer und weißer Dampf hüllte den Alten ein. Der alte Schmied war ein mürrischer, einsamer Mann. Vor Kurzem war ihm sein Weib gestorben, sein einziger Sohn, ein braver Bursche und tüchtiger Arbeiter, war nach einem Zwist mit dem Alten entflohen. Der Schmied hauste seitdem mit einer alten tauben Magd, die ihre Bedürfnisse für den kargen Haushalt aus dem ,Kruge' holte. Dort traf die Alte regelmäßig mit der Hungerkäthe zusammen. Sie wechselten kein Wort, die Beiden, denn es herrschte eine heftige Fchde zwischen der Schmiede und dem armen jungen Weib aus der Lehmhütte.
An einem sonnigen Herbstmorgen war es, als ich Hungerkäthe zum ersten Male sah. Vor mir stand ein baarfüßiges Mädchen im verwaschenen Kattunkleid, ein rot-buntes Tuch lässig über den dunklen Krauskopf geschlungen, daß der Zipfel im Nacken hing. Zwei tiefdunkle Augen funkelten aus de» gebräunten Antlitz hervor und schauten mich bittend an, als sie sagte: „Herr Doktor, Ihr sollt so gut sein und kommen zur Angel in der Schmiede, sie ist im Bett und kann nimmer aufstehen." Ich versprach zu kommen und schaute der schmucken, kräftigen Dirne nach, wie sie so flink und energisch in jeder Bewegung dahinschritt. Ich fand die Magd des Schmiedes im höchsten Sta-
Deutsches Zeich.
Berlin, 23. September.
* In den Berliner Schulen wurde heute das Ge- dächtniß Theodor Körner's gefeiert. Aus allen Thülen Deutschlands, insbesondere aus den größeren Städten, liegen telegraphische Berichte vor über die festliche Begehung der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages Theodor Körners. Insbesondere sind aus Städten des Königreichs Sachsen solche Meldungen zahlreich eingegangen, ferner aus Königsberg, Schleswig u. f. w.
* In unterrichteten Kreisen ist von einem geplanten Besuche des Kaisers von Rußland in Deutschland nichts bekannt.
* Der preußische Gesandte beim Vatikan begab sich heute zu einer Unterredung mit Fürstbischof Dr. Kopp nach Breslau. Von da kehrt er über München, wo er mit dem dortigen päpstlichen Nuntius conferiren wird, auf seinen Posten zurück.
• Das Bolksschulgesetz ist, wie die ,Magdb. Zig.' gegenüber der Stellung eines Hamburger Blattes versichert, im Kultusministerium noch nicht fertig gestellt. Die Vorarbeiten dauerten noch fort.
* In den bisher über die Katastrophe der Zelewski- schen Expedition durch die Preffe veröffentlichen Mittheilungen sind die Namen der als gerettet bezw. vermißt oder getödtet bezeichneten Personen vielfach verstümmelt wiedergegeben. Die folgende vom .Reichsanzeiger' veröffentlichte Liste enthält die richtigen Namen derjenigen Deutschen, welche, soweit die bisher eingetroffenen amtlichen Telegramme ergeben, an der Expedition betheiligt waren: 1) Kommandeur v. Zelewski, 2) Lieutenant v. Tettenborn, 3) Lieutenant v. Zitzewitz, 4) Lieutenant v. Pirch, 5) Lieutenant v. Heydebreck, 6) Arzt Dr. Buschow, 7) Feldwebel Kay, 8) Unterbüchsenmacher Hengelhaupt, 9) Unteroffizier Herrich, 10) Unteroffizier v. Tiedewitz, 11) Unteroffizier Mutzer, 12) Unteroffizier Schmidt, 13) Unteroffizier Thiedemann, 14) Lazarethgehülfe Hemprich.
* Die Nachrichten einer hiesigen Zeitung, welche Beunruhigung bezüglich der Lage in Ostafrika verbreiten konnten, veranlaßten den Reichskanzler eine Rückfrage beim Gouverneur von Soden zu halten. Letzterer drahtete gestern hierher, daß alles überall ruhig sei.
* Heber die Vereinbarung der Mächte hinsichtlich der chinesischen Frage wird aus Washington gemeldet: Die Regierung der Vereinigten Staaten hat mit denjenigen von Großbritannien, Frankreich und Deutschland eine gemeinsame Haltung für den Fall vereinbart, daß China bei etwaigen Unruhen den Entschädigungs- Ansprüchen der Mächte nicht genügt. Danach soll jedes Kriegsschiff irgend einer der Mächte den europäischen Flüchtlingen ohne Unterschied der Nationalität Zuflucht gewähren und ebenso die auswärtigen Konsulate und Interessen schützen.
* Der Beginn handelspolitischer Verhandlungen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns mit Rumänien
dium des Nervensiebers und sagte dem Alten, daß er für Jemand sorgen müsse, der die Pflege übernehme. Er nickte stumm, schleppte selbst Wasser zum Bade für die Kranke herbei und dann schritt er neben mir zur Stadt, um die Arznei zu holen. Vor seinem Amboß erschien er mir wie ein Held. Sein Schweigen, sein rußiges ernstes Antlitz mit dem Silberhaar, eS gehörte zu der Kraft seines Armes, zu dem tanzenden Hammer, der flammenbeleuchteten Werkstätte, und dem Gekeuche der breiten Brust, wenn jeder Athemzug dem Tok, tok, tok daS Geleite gab. Als er jetzt in blauem Wamms und Lederschuhen neben mir schritt, schaute ein abgehärmtes Gesicht unter der breitschirmigen Mütze hervor, die ihm tief in die Stirne ging. Wir kamen am ,Kruge' vorüber., Er ging hinein; ein stämmiges unschönes Weib begleitete ihn an die Thüre. Es war die blonde Anne, beS Wirthes einzige Tochter. Sie raunte dem Alten etwas in’S Ohr, als er Abschied von ihr nahm. „Ein tüchtiges Mädel, die Anne, nicht, Herr," fragte der Schmied mich im Weitergehen. Und als ich schwieg, fuhr er fort, indem er mit der sehnigen Faust in die Runde deutete: „DaS Alles gehört ihr, und es hätte mein sein können und mein Junge hätte hier den ersten Hammer gründen muffen, Wasser haben wir drüben! Ein Hammerwerk, Herr! das ist der Traum meines LebenS gewesen, aber nun ist Alles vorbei."
„Warum?" fragte ich.